Pavlovic | Die Herren von Nebelheim | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Pavlovic Die Herren von Nebelheim

Ein Abrantes-Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95869-026-4
Verlag: Amrun Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Abrantes-Roman

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

ISBN: 978-3-95869-026-4
Verlag: Amrun Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Den Schnaps hat sie aufgegeben, aber Konflikte löst Krona Karagin immer noch am liebsten mit der Faust. Am Königshof macht sie sich mit ihren rustikalen Umgangsformen schnell einflussreiche Feinde. Doch Politik rückt in den Hintergrund, als ein Zauberspiegel Krona und Spielmann Wolfram in ein fernes Land schickt, das von Krieg und Hungersnot gezeichnet ist. Dort hat ein alter Freund ihre Ankunft längst erwartet. Und Krona muss lernen, dass die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe nicht so scharf gezogen wird, wie sie immer dachte.  Der neue Roman aus der Feder von Susanne Pavlovic (2016: Deutscher Phantastik Preis für 'Feuerjäger 1') ist Herzblutvergießen für Fortgeschrittene.  Bisher im Amrun Verlag erschienen:  In Zusammenarbeit mit Wolfram von Kürenberg:  Das Spielmannslied - der erste Abrantes-Roman  Der Sternenritter - der zweite Abrantes-Roman  Feuerjäger - Band 1: Die Rückkehr der Kriegerin - ausgezeichnet mit dem Deutschen Phantastik Preis 2016  Feuerjäger - Band 2: Herz aus Stein  Feuerjäger - Band 3: Das Schwert der Königin  Die Herren von Nebelheim Die Frost-Chroniken 1: Krieg und Kröten Die Frost-Chroniken 2: Der letzte Magier 7 Sorten Schnee

Juri Susanne Pavlovic ist Jahrgang 1972 und studierte Germanistin. Sie hat als Pferdepflegerin, Deutschlehrerin und Telefonfee gearbeitet, bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit als Autorin wagte. Sie liebt Fantasy-Rollenspiele und ist der lebende Beweis dafür, dass chronisches Lampenfieber heilbar ist. Ihre Fantasyromane veröffentlicht sie im Amrûn Verlag
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– 2 –

In die Tiefe


Der nächste Morgen empfing sie mit Kälte und einer kleinen Schneeverwehung, dort, wo der Wind die Fensterverkleidung nach innen gedrückt hatte. Wolfram war verschwunden, hatte ihr aber einen Zettel auf dem Kopfkissen hinterlassen. Sie verspürte einen seltsamen Stich, als sie seine schöne, platzsparende Handschrift sah, das Echo eines Schmerzes, der nicht ihrer war.
Sehe dich heute Mittag. Habe bis dahin hoffentlich neue Erkenntnisse. Wurde zuvor noch von den Zwergen als Übersetzer angefragt. Gruß W.

Sie rang noch ein wenig mit sich, den warmen Deckenberg zu verlassen, aber es nützte ja nichts. Während sie sich in aller Eile anzog, überlegte sie, ob sie sich vom Dienst krankmelden sollte, aber sie fühlte sich einigermaßen ausgeschlafen und verspürte wenig Lust, in ihrer kleinen Wohnung zu sitzen und auf die nächste Ohnmacht zu warten.

Sie beschloss, zuerst laufen und dann frühstücken zu gehen und sich dann in ihrem Dienstzimmer zu verschanzen, wo sicherlich schon wieder Eingaben, Pläne, Anfragen, Papier und noch viel mehr Papier ihrer Aufmerksamkeit bedurften. Vermutlich würde sie sich nach einer Vision mit Schmerzen, Kälte und schleimigen Gegnern sehnen, ehe das Mittagsläuten erklang.

Sie absolvierte zehn Runden um den großen Übungsplatz, hundert Liegestütze und ein paar Dutzend Klimmzüge, ohne unfreiwillige Ausflüge in andere Welten zu unternehmen. Durchgeschwitzt und halb erfroren gleichzeitig fand sie sich schließlich in der Küche ein, um sich eine Schüssel Gerstenbrei zu holen. Sie war noch nicht zur Hälfte durch mit ihrer Mahlzeit, als Wolfram in die Küche geeilt kam, sich kurz umsah und dann geradewegs auf sie zu steuerte.

»Komm mit«, sagte er. »Ich muss dir etwas zeigen.«

Sie protestierte mit vollem Mund, aber er nahm ihr den Löffel aus der Hand und zog sie mit sich. Sie griff sich gerade noch ihren Mantel, bevor er sie nach draußen nötigte.

»Wohin gehen wir?«

»In den Keller.«

»Aber warum …?«

»Das wirst du gleich sehen.«

Vorsichtig folgte sie ihm die vereisten Stufen nach unten. Wolfram entzündete eine Laterne und schob die schwere, eisenbeschlagene Tür auf. Dahinter lag der Weinkeller, den er zügig durchquerte. Zwei kleine Kellerräume voller Säcke schlossen sich an, dann eine weitere, kurze Treppenflucht nach unten. In einer dunklen Ecke, aus der die Schatten flohen, befand sich ein steinerner Durchgang, der einmal eine Tür gehalten haben musste. Die Angeln waren noch da, rostig und voller Spinnweben, doch die Öffnung war zugemauert.

Etwas Kaltes fasste nach Kronas Innerem.

»Du erwähntest eine zugemauerte Tür«, sagte Wolfram und hielt die Laterne hoch. »Ist das die richtige?«

Krona streckte die Hand aus. Das Mauerwerk war kalt und körnig unter ihren Fingerspitzen. Sie kannte diese Mauer. Wusste, wie die von der anderen Seite aussah. Erinnerte sich, wie sie versucht hatte, Steine zu lösen, indem sie mit dem Dolch Mörtel aus den Zwischenräumen kratzte.

Fragte sich, ob man die Kratzspuren sehen würde, von der anderen Seite.

»Ja«, sagte sie. »Ich denke schon.«

»Und ich habe nicht an das Naheliegende gedacht«, sagte Wolfram aufgeregt. »Die Goldene Burg steht auf den Überresten einer zwergischen Siedlung! Der Burgberg enthielt Kupferadern. Es ist ein zwergisches Bergwerk unter unseren Füßen – seit einigen tausend Jahren aufgegeben, weil die Vorkommen erschöpft waren.«

»Wie bist du darauf gekommen?«, fragte sie. Ihre Stimme klang hohl und heiser.

»Zufall«, bekannte Wolfram. »Ich war als Übersetzer bestellt. Skolur, der Baumeister aus Dalkurs Tross – er ist ein Adeliger und Mitglied des Rates der Sieben, deshalb ist er bei der Gesandtschaft dabei – also, ihm sind die Risse im Mauerwerk aufgefallen. Er befürchtet, die Burg setzt sich, weil der Untergrund nachgibt. Er sagt, man hätte nicht alle paar Hundert Jahre anbauen und neu bauen und aufstocken dürfen, es sei ja klar, dass der durchlöcherte Berg das Gewicht irgendwann nicht mehr hält. Wenn wir nichts unternehmen, kann das richtig gefährlich werden, sagt er, und er erklärte sich bereit, einen Blick in den Keller zu werfen, um zu sehen, was unternommen werden muss. Pläne hat er sich auch heraussuchen lassen, aber die Ortsbegehung endete hier. Wir brauchen zuerst ein paar Leute, die uns die Mauer aufbrechen.«

»Bloß nicht«, sagte Krona. »Wer auch immer die Mauer gezogen hat, hatte einen guten Grund.«

Wolfram leuchtete ihr ins Gesicht.

»Du sagtest, ich solle machen, dass es aufhört. Ich habe dir deine Mauer gefunden.«

»Durch Zufall.«

»Dahingestellt. Ich bin sehr sicher, dass es nicht aufhört, wenn wir nicht auf die andere Seite gelangen.«

»Ich habe meinen Plan geändert. Ich gehe einfach nach oben und vergesse, dass es diese Mauer gibt.«

»Das kann doch nicht dein Ernst sein!«

»Aber doch. Ich werde um keinen Preis riskieren, dass die Kellerviecher nach oben in die Burg eindringen.«

»Ist das deine neue Art, Probleme zu lösen? Sie einzumauern und so zu tun, als gäbe es sie nicht?«

»Klingt völlig vernünftig für mich.«

Sie wandte sich zum Gehen. Er hielt sie am Ärmel fest, aber diesmal machte sie sich unsanft los. Plötzlich ertrug sie den feuchten, kalten Kellerraum nicht mehr, den Anblick oder die reine Gegenwart der Mauer, die Beklemmung.

»Bis die Monster so groß sind, dass sie deine Mauer einreißen und von selbst nach oben kommen«, sagte Wolfram hinter ihr. »Wahlweise, bis deine Burg dir über dem Kopf zusammenfällt, weil niemand sich um die Statik gekümmert hat.«

Sie blieb stehen und rang mit sich.

»Die Lebenserfahrung sagt, das eine oder andere wird passieren«, sagte Wolfram. »Oder hast du jemals etwas so eingemauert, dass es nicht irgendwann wieder nach oben gekommen wäre?«

»Dieser Baumeister – wie hieß er noch …«

»Skolur, Sohn des Skali.«

»Der hält dieses Statik-Problem für dringend? Nach menschlicher Zeitrechnung?«

»Er empfahl, den Rittersaal und die darüber liegenden Gebäude zu räumen und zu sperren, weil niemand weiß, wann da die Decke runterkommt.«

»Hm.«

Sie setzte sich wieder in Bewegung. Im Weinkeller wich die Beklemmung und verflüchtigte sich vollends, als sie im trüben Tageslicht auf den Burghof trat. Wolfram war ihr gefolgt und löschte jetzt die Laterne mit einer Handvoll Schnee.

»Ich hatte Schnaps«, sagte Krona.

»Wie bitte?«, fragte er irritiert. »Hattest du mir nicht geschworen, bei deiner Ehre …«

»Nicht heute, keine Sorge. Früher. Ich meine, ich habe die Monster nicht eingemauert, ich habe sie ertränkt. Aber das war auch keine Dauerlösung.«

Er nickte. Sie atmete tief die kalte Luft – Herdfeuer, Vieh, nasse Wolle, Schnee – und ließ den Atem als Wolke aus ihrem Mund strömen.

»Wir werden die Burgwache brauchen.«

Der erste Schlag traf den Löwen unerwartet, und das, obwohl Krona noch darauf verzichtet hatte, ihn einfach von hinten in den Schnee zu schubsen. Es klatschte über den ganzen Übungsplatz, als die flache Seite ihres Übungsschwertes ihn am Oberarm traf, wo er mit einem dicken Gambeson und einem ledernen Überwurf gepolstert war. Sie holte erneut aus und hatte drei weitere klatschende Schläge durchgebracht, bis er endlich sein eigenes Übungsschwert in Position hatte.

Er stolperte rückwärts, hielt sich ihre Attacken mit Mühe vom Leib, und sie trieb ihn vor sich her, bis ein Schneehaufen seinen Rückzug stoppte. Er machte einen ungeschickten Schritt, verlor das Gleichgewicht und setzte sich unsanft auf den Hosenboden. Sie ließ das Schwert fallen, stieg über ihn, packte ihn am Kragen und zerrte ihn hoch.

»Einmal noch«, fauchte sie. »Einmal noch beschwerst du dich bei der Königin über mich, und ich schneide dir deine mickrigen Eier ab! In aller Öffentlichkeit! Mit einem rostigen Dolch! Haben wir uns verstanden?«

Er hatte seine Hände um ihre Handgelenke gekrampft. Er schien schlecht Luft zu bekommen, sein Gesicht war rot nicht nur von der Kälte.

»Haben wir uns verstanden?«, schrie sie ihn an.

Für einen Augenblick sah er aus, als wolle er etwas sagen. Dann spitzte er die Lippen und spuckte vor ihr aus.

Ihre Faust fand wie von selbst den Weg in sein Gesicht.

Ihre Wut war noch lange nicht erloschen, als eine reichlich eingeschüchterte Abordnung von Burgwachen sie gemeinsam mit dem Löwen in den Thronsaal eskortierte. Im Gegenteil hielt sie die hitzige Weißglut sorgfältig am Leben. Sie wusste, wenn sie verging, kamen Reue und Scham.

Man nötigte sie, das Knie zu beugen, und sie tat es widerstrebend. Die Burgwachen nahmen in...


Juri Susanne Pavlovic ist Jahrgang 1972 und studierte Germanistin. Sie hat als Pferdepflegerin, Deutschlehrerin und Telefonfee gearbeitet, bevor sie den Schritt in die Selbständigkeit als Autorin wagte. Sie liebt Fantasy-Rollenspiele und ist der lebende Beweis dafür, dass chronisches Lampenfieber heilbar ist. Ihre Fantasyromane veröffentlicht sie im Amrûn Verlag



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