Paver | Teufelsnacht | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Paver Teufelsnacht

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-99976-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-492-99976-2
Verlag: Piper ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein altes Herrenhaus im Moor, ein grausamer Mord, ein einsames Mädchen Suffolk, 1913: Hinter dem düsteren und einsam im Moor gelegenen Wake's End findet man den Hausherren Edmund Stearne neben einer grauenvoll zugerichteten Leiche. Er spricht nur diese einzigen Worte: »Ich war es, aber ich habe nichts falsch gemacht.« Seine Tochter Maud ist ein einsames Mädchen, das ohne Mutter aufwächst und unter dem herrischen und lieblosen Vater leidet. Zu dem fürchterlichen Verbrechen schweigt sie beharrlich. Dabei hat sie heimlich die Tagebücher ihres Vaters gelesen und weiß mehr, als sie zugibt. Doch auch Maud ist nicht frei von Schuld. Es wird Zeit, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt ... Presse: »Paver ist die Meisterin der Spannung.« THE TIMES »Eine wunderbar stimmungsvolle und sehr unterhaltsame Schauergeschichte.« ANTHONY HOROWITZ »Das Gefühl der Angst wächst beim Lesen mit jedem Umblättern.« SCOTLAND ON SUNDAY» Eine Geschichte von Schrecken und Schönheit.« SUNDAY TELEGRAPH »Michelle Pavers Erzählweise ist unwiderstehlich.« THE TIMES »Eine Geistergeschichte, die es mit den großen Klassikern aufnehmen kann.« EVENING STANDARD» Dieses Buch verfolgt mich noch immer. Absolut fesselnd.« BBC RADIO 2 BOOK CLUB »Ein großartiger Schauerroman.« DAILY MAIL »Eine brillant gemachte atmosphärische Lektüre.« GOOD HOUSEKEEPING »Ein gruseliges Meisterwerk.« WOMAN AND HOME »Diese düstere Erzählung wird Sie in ihren Bann ziehen.« SUN» ?Teufelsnacht? ist vieles - ein schauriger Horrorroman, ein Märchen vom Erwachsenwerden, eine Geschichte von Wahnsinn und Einsamkeit.« SCOTLAND ON SUNDAY »Originell und fesselnd.« OBSERVER »Paver ist eine der zeitgenössischen Größen Großbritanniens. Dieser Roman zeigt, warum.« BIG ISSUE

Michelle Paver wurde als Tochter eines Südafrikaners und einer Belgierin im heutigen Malawi geboren. Später zog die Familie nach England, wo Michelle Paver in Oxford zuerst Biochemie studierte, sich dann aber für eine Karriere als Patentanwältin entschied. Sie arbeitete mehrere Jahre in einer Londoner Anwaltskanzlei, bevor sie sich ein Sabbat-Jahr nahm, um die Welt zu bereisen und ihr erstes Buch zu schreiben. Seitdem lebt und arbeitet sie als freie Schriftstellerin in London. Ihre historischen Gruselromane 'Dark Matter' und 'Thin Air' waren in England Bestseller. Ihre preisgekrönte Jugendbuch-Reihe 'Die Chronik der dunklen Wälder' hat sich weltweit über drei Millionen Mal verkauft.
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1


Maud wurde von einem gellenden Schrei aus dem Schlaf geschreckt. In der Dunkelheit lag sie da und hörte, wie ihr Bruder sich in seinem Bett umdrehte. Das grollende Schnarchen des Kindermädchens drang durch die Wand. Sie wusste nicht, ob der Schrei echt war oder ob sie ihn nur geträumt hatte.

Da war er wieder. Ihr Magen verkrampfte sich. Der Schrei kam von unten, von Maman, und bedeutete, dass das Stöhnen angefangen hatte. Bitte, bitte, lass sie nicht sterben, dachte sie.

Jedes Jahr bekam Maman dieselbe Krankheit, die häufig mit einem Baby endete. Ihre Mitte schwoll so an, dass sie kein Korsett tragen konnte, und Dr. Grayson ließ sie ständig schlückchenweise Brandy trinken, den sie verabscheute. Darauf folgte die schreckliche Zeit, die die Dienstboten als Stöhnen bezeichneten. Mamans Mitte zerplatzte, und Maud versteckte sich im Kinderzimmer und hielt sich die Ohren zu.

Bestenfalls endete das Stöhnen mit einem blutigen Nachttopf, dann war es gleich vorbei. Das Zweitbeste war ein totes Baby, doch das Schlimmste war ein lebendiges Kind, denn Maman weinte immer, wenn es starb – und das geschah jedes Mal. Maman achtete darauf, nicht in Vaters Gegenwart zu weinen, weil er das nicht leiden konnte.

Da Maud inzwischen fast neun war, wusste sie, dass sie die Pflicht hatte, ihre Mutter zu retten. Sie musste etwas unternehmen, um die Babys abzuwehren. Mit Beten hatte sie es schon versucht, doch das wirkte nicht, vermutlich, weil es Gott war, der die Babys schickte.

Ihr Blick wanderte zu den Fenstern, die zum Moor zeigten. Das Moor war mächtig. Vielleicht konnte es ihr helfen.

Vater hasste das Moor. Er hatte Richard und Maud verboten, die Brücke zu überqueren und es zu betreten. Außerdem mussten alle Fenster, die in diese Richtung zeigten (oder besser gesagt, fast alle), stets geschlossen bleiben. Die Köchin hatte strikten Befehl, niemals Fisch oder Geflügel aus dem Moor zu servieren. Insbesondere keine Aale. Laut Vater waren Aale schmutzig, weil sie sich von toten Tieren ernährten.

Auch das Kindermädchen konnte das Moor nicht leiden. »Geh da bloß nicht hin«, sagte sie zu Maud und näherte sich ihr mit ihrem aufgedunsenen Gesicht. »Sonst kommen die Dämonen und Irrlichter und locken euch in einen feuchten Tod.« Bemerkenswerterweise teilte der Gärtner Cole diese Ansicht nicht. Er ging oft zum Moor und fing sich eine Schleie zum Abendessen. Wenn man schaute, wo man hintrat, konnte einem im Moor nichts passieren, meinte er.

Insgeheim teilte Maud seine Auffassung. Für sie war das Moor ein verbotenes Reich voller magischer Geschöpfe, nach dem sie sich hoffnungslos und verzweifelt sehnte. Über dem Lode, der der Entwässerung diente, wehte im Sommer der Duft von Mädesüß, und aus dem Schilf drang das Quaken der Frösche. Im Winter hörte Maud draußen auf dem Weiher das Eis brechen, und Scharen von Gänsen zogen über den Himmel. Eines Nachmittags waren sie dicht über den Garten geflogen, und das Flattern ihrer Schwingen hatte Maud das erhebende Gefühl gegeben, sie könne ebenfalls fliegen. Es war ihr größter Kummer, dass sie die Fenster nicht öffnen und den Flügeln lauschen durfte.

Zum siebten Geburtstag hatte Cole ihr ein Geschenk aus dem Moor mitgebracht, die abgestreifte Haut einer Schlange. Maud bewahrte sie hinter einem losen Stück Wandvertäfelung unter ihrem Bett auf. Sie war ihr größter Schatz.

Als sie nun das Stöhnen ihrer Mutter hörte, wusste sie, dass der Zeitpunkt gekommen war, um sie zu benutzen. Wenn sie auf den Stuhl am Fenster kletterte, konnte sie das Moor sehen. Sie würde mit der Schlangenhaut zu ihm beten, damit Maman nichts zustieß.

Mit einem Blick auf ihren schrecklichen Bruder kroch sie aus dem Bett, lockerte die Wandvertäfelung und holte ihren Schatz heraus. Da Richard weiterschlief, schlich sie zum Stuhl, raffte ihr Nachthemd, stieg hinauf, duckte sich hinter den Vorhang und spähte am Rand der Jalousie vorbei.

Ihr stockte der Atem. Auf der Fensterbank saß eine Eule.

Zuerst sah sie nur ihre auf dem Rücken zusammengefalteten Flügel. Als die Eule ihren Kopf drehte, waren ihr mondweißes Gesicht und die tiefschwarzen Augen zu erkennen.

Das Kindermädchen behauptete, es sei ein Todesomen, wenn ein Vogel ans Fenster klopfte. Allerdings klopfte die Eule nicht an die Scheibe, sondern starrte Maud an.

Bitte beschütz Maman, betete sie lautlos. Bitte mach, dass die Babys wegbleiben.

Die Eule wandte sich ab und glitt davon in die Nacht. Das Moor war in blaues Mondlicht getaucht. Die Weiden standen reglos am Rand des Lode. Die Schilfhalme ragten aus dem Wasser empor wie aufgepflanzte Speere.

Das Kindermädchen behauptete, Eulen würden Unglück bringen, doch Cole sagte, das gelte nur für den Fall, dass man eine erschoss. Maud wusste, dass diese Eule eine Botin vom Moor war. Sie hatte auf dem Fensterbrett gegenüber von ihrem Bett gesessen, nicht von Richards. Und sie hatte Maud angesehen.

Sollte das heißen, dass ihr Gebet erhört worden war und dass Maman keine Gefahr drohte?

Während des Stöhnens durfte Maud das Kinderzimmer nicht verlassen, aber sie musste herausfinden, ob es Maman gut ging.

Der Flur im obersten Stockwerk war nicht allzu angsteinflößend, weil außer Richard und Maud nur die Dienstboten dort schliefen. Die Treppe nach unten in den ersten Stock war da schon schwieriger. Maud wich der knarzenden Stufe aus und öffnete unten die Tür.

Die Türen zum Zimmer ihrer Eltern am Ende des Korridors waren offen. Vater stand im gelben Schein der Lampe da, eine scharlachrote Säule in seinem Morgenmantel aus chinesischem Brokat.

Zum Glück kehrte er Maud den Rücken zu und sprach mit jemandem, den sie nicht sehen konnte. Wahrscheinlich mit dem alten Dr. Grayson. Sie konnte ihn zwar nicht verstehen, doch er klang ruhig. Sicher würde er nicht so gelassen sein, wenn etwas im Argen lag. Da sie keine Dienstboten bemerkte, nahm sie an, dass Daisy und Valerie bei Maman im Ankleidezimmer waren, wo das Stöhnen normalerweise stattfand. Maud nahm all ihren Mut zusammen und pirschte sich weiter heran.

Dr. Grayson redete tatsächlich mit Vater. »Allmählich befürchte ich, es könnte sich um eine erbliche Störung handeln«, sagte er leise.

»Erblich?«, fuhr Vater ihn an. »In unserer Familie ist noch nie so etwas vorgekommen.«

»Alter Junge, ich meinte damit Mrs Stearnes Familie.«

»Aha. Aber sie kann doch weitere Kinder bekommen?«

»Ganz sicher. Obwohl ich vielleicht eine kleine Ruhepause …«

Maud schloss aus Vaters Schweigen, dass er nicht sehr erfreut war. Der Arzt vermutlich auch. Aber in diesem Moment entdeckte er Maud. »Siehe da, wir haben Publikum.«

Als Vater sich umdrehte, wäre Maud beinahe in Ohnmacht gefallen. »Was hast du unten zu suchen?«, fragte er barsch. »Wo ist dein Kindermädchen?«

Er beugte sich über sie. Sein Gesicht war so streng und schön wie das des Alabasterritters in der Kirche, seine Pupillen glichen schwarzen Löchern in einer eisblauen Iris.

Als Maud sich noch immer nicht von der Stelle rührte, legte er ihr die Hand auf die Schulter und versetzte ihr einen leichten Stoß. »Los, geh, sonst erkältest du dich noch.« Es war das erste Mal, dass er sie berührte, und obwohl es nicht schmerzhaft war, empfand sie Ehrfurcht vor der Kraft seiner Finger.

Doch nicht einmal Vater würde verhindern, dass sie herausfand, was aus Maman geworden war. Deshalb versteckte sie sich auf der untersten Stufe, anstatt nach oben zu gehen.

Sie hörte Röcke rascheln und sah Daisy aus dem Ankleidezimmer kommen. Das alte Hausmädchen machte ein finsteres Gesicht und hatte einen abgedeckten Nachttopf in der Hand.

Maud duckte sich und stellte fest, dass Daisy ins Badezimmer eilte. Darauf folgte das laute Gurgeln der Toilettenspülung, und ein süßlicher Kupfergeruch stieg Maud in die Nase, wie an dem Tag, als sie das Schwein geschlachtet hatten.

Vor Erleichterung sackte sie zusammen. Das Moor hatte ihr Gebet erhört. Mamans Krankheit hatte auf die bestmögliche Weise geendet: mit einem blutigen Nachttopf.

Am nächsten Morgen vor dem Frühstück rief Vater das Kindermädchen zu sich. Mit zorniger Miene kehrte das Kindermädchen ins Kinderzimmer zurück und verabreichte Maud eine Tracht Prügel mit einer harten Bürste. Ihre Augen waren gerötet, als sie zum Morgengebet ins Frühstückszimmer kam.

Während Vater mit seiner Lesung begann, wanderten ihre Gedanken zu der Eule. Wenn sie eine Maus aus einer der Fallen in der Speisekammer stibitzte, konnte sie sie vielleicht damit anlocken.

»Dein Wille geschehe«, betete Vater. Zu Mauds Erleichterung schweifte sein Blick über sie hinweg zur Bank der Dienstboten. »Steers«, wandte er sich an den Butler. »Ada ist nicht angemessen gekleidet.«

Hinter Maud wurde nach Luft geschnappt, und Ada brach in Tränen aus. Mit der gleichmütigen Neugier, die die Geretteten gegenüber den Verdammten hegen, stellte Maud fest, dass dem Küchenmädchen eine Locke aus der Haube gerutscht war. Wie schade. Maud hätte Ada gern weiter hiergehabt. Aber Ada kannte die Regeln. Kein offenes Frauenhaar in Wake’s End. Deshalb flocht das Kindermädchen Mauds Haar auch so fest, dass es wehtat. Richard, der Quälgeist, zog ständig an ihren Zöpfen, die ihr bis zur Taille reichten. Wie gern hätte Maud sie abgeschnitten, doch das verstieß ebenfalls gegen die Regeln.

Es gab zwei verschiedene Sorten von Regeln, die jeden Moment von Mauds Tag bestimmten. Die einen galten in der Unterschicht und wurden Aberglaube genannt. Vater verabscheute sie, was bedeutete, dass die Dienstboten sie hinter seinem Rücken befolgten. Daisy zum Beispiel stellte den Hexen einen Teller mit Milch und Brot vor die Tür der Stiefelkammer. Die Köchin wehrte Unglück ab, indem sie...



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