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E-Book

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Paul Paternoster


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7554-4250-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

ISBN: 978-3-7554-4250-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gustav Siebenpfeiffer wird von seiner Enkelin für eine Nacht in das seit Jahren leerstehende Schwarzwälder Luxushotel 'entführt', in dem er fast 50 Jahre als Concierge gearbeitet hat. Jeder Saal, jedes Zimmer, jeder Gegenstand lösen bei ihm intensive Erinnerungen aus. Die Nacht wird zu einer aufregenden emotionalen Reise für Großvater und Enkelin Vivi zugleich.   Dieser außergewöhnliche Patchwork-Roman erzählt in einer liebevollen Rahmengeschichte um Großvater und Enkelin vierzehn unterhaltsame und auch tiefgründige Kurzgeschichten rund um Tugend und Sünde. Er entstand im Rahmen einer Freizeit-Autorengruppe rund um den Lahrer Schriftsteller Michael Paul.

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Prolog
  »Opa Guuuuuuuuuu?«, hallte es durch den Hof. Vivien, von allen nur Vivi gerufen, war eine waschechte sechzehnjährige Berliner Göre. Seit ihr Vater vor sechs Jahren ein attraktives Jobangebot bekommen hatte und sie vom Schwarzwald nach Berlin umgezogen waren, besuchte sie ihren Großvater nur noch ab und zu in den Schulferien. Opa Gu hieß eigentlich Gustav, Gustav Siebenpfeifer, aber seit die kleine Vivi mit dem Reden angefangen hatte, war das »Opa Gu«, und das war auch so geblieben. »Ich bin hier vorne!«, rief der alte Mann. »Hier hast du also dein ganzes Leben gearbeitet, in diesem alten Schuppen?«, fragte Vivi, als sie ihren Opa wieder vor dem Eingang des Hotels traf. »Ja, eigentlich war es mein Leben, solange ich denken kann. So wie mit deiner Oma, solange sie gelebt hat.« Vivi hörte den leicht traurigen Unterton. Seit Omas Tod vor sechs Jahren, ein Jahr nachdem er offiziell in den Ruhestand gegangen war, war ihr Großvater ruhiger geworden, oft in sich gekehrter. »Du vermisst Oma sehr, nicht?« »Ja, sie fehlt mir«, sagte der alte Mann und griff nach Vivis Hand. »Immer wenn ich sehr an sie denken muss, gehe ich hierher, zu meinem Hotel.« »Aber das Hotel ist doch schon lange geschlossen«, erwiderte Vivi. »Ich werde nie vergessen, wie mir der Herr Direktor mit Tränen in den Augen anvertraute, dass das Hotel von einem Investor aus dem Osten gekauft wurde und niemand wüsste, wie es weitergehen würde. Drei Monate, nachdem ich im Ruhestand war, wurde ihnen allen gekündigt, und das Hotel schläft seither den Dornröschenschlaf. Niemand weiß warum. Der Investor hat zwar das Geld für den Kauf bezahlt, aber ab diesem Zeitpunkt ist nichts mehr von ihm zu sehen gewesen. Niemand versteht es. Es ist so traurig.« Vivi spürte ein leichtes Zittern in seiner Hand und drückte sich an ihn. Während sie in Berlin gerne die Sau rausließ, keine Party verpasste und ihren Eltern sorgenvolle Abende bereitete, bis sie wieder nach Hause kam, oder ihnen gar ältere Jungs vorstellte, wenn diese ihre Tochter immerhin nach Hause brachten, war sie in den wenigen Wochen im Jahr bei ihrem Opa ein komplett anderer Mensch. Da erkannte sie sich selbst nicht mehr wieder. Es war jedes Mal wie eine Kur für sie, raus aus der stürmischen Welt der Metropole, weg von den vielen Freunden, den Partys, dem Abtanzen, Trinken, Feiern und den Jungs. Viel mehr war es eine Zeit der Ruhe, der schlauen Gespräche und weisen Gedanken, die sie mit ihrem Opa austauschte. Nur bei ihrem Opa schaffte sie es, nicht alle zwei Minuten auf ihr Smartphone zu glotzen, Messenger zu checken, irgendwelches Zeug zu posten und zu chatten. Hier und nur hier schaffte sie es, ihr Handy sogar auszuschalten. Und tatsächlich genoss sie es nach anfänglich schmerzhafter Nervosität, für all die wichtigen Dinge nicht erreichbar zu sein und alles in der Welt zu verpassen. In jeder Woche bei Opa Gu im Schwarzwald las sie sogar Bücher. Zwei oder drei, die ihr Großvater jedes Mal extra für sie vor ihrer Ankunft besorgt hatte. Und gegen ersten Widerstand las sie dann sogar mal einen Klassiker, einen, den sie in der Schule im Deutschunterricht so gehasst hatte. Aber ihr Großvater erklärte ihr das Buch, während Dr. Kleist, der »Kleist ohne von, nicht verwandt, nicht verschwägert«-Kleist in ihrer Schule nur die Lektüre als Grundlage für die nächste fiese Klausur hernahm, weil es so im Lehrplan stand. Bei ihrem Großvater im Schwarzwald wurde sogar »Die Leiden des jungen Werther« zu einem Pageturner. Für sie. »Jugend ohne Gott« hatte er ihr diesmal als erste Ferienlektüre auf den Nachttisch gelegt. Und nach erster Skepsis hatte sie die halbe Nacht gelesen.   »Hallo, Sie!«, erklang eine tiefe, ernste Stimme mit östlichem Akzent hinter ihnen. »Was machen Sie hier? Können Sie nicht lesen, das ist Privatgelände!« Opa Gu und Vivi drehten sich um, und vor ihnen baute sich ein großer Kerl auf, breit wie ein Schrank und mit schwarzer Lederjacke und einem Schlagstock am Gürtel. Auf seiner Brusttasche prangte ein »Security«-Schriftzug. »Oh, entschuldigen Sie«, stotterte Opa Gu los. »Es tut mir leid. Ich habe hier früher gearbeitet und wollte das Hotel meiner Enkelin einmal zeigen.« »So, so, sehr interessant«, spottete der Mann und stemmte seine Hände in die Hüfte. »Das Hotel ist geschlossen! Verlassen Sie umgehend das Grundstück!« »Aber …«, wollte Opa Gu erwidern, doch mit einem barschen »Kein Aber!« ließ der Kerl sie stehen, ging an ihnen vorbei und schloss die Tür zum Eingang auf, um offensichtlich seinen Rundgang im Hotel zu machen. Enttäuscht drehte sich der alte Mann weg. »Komm, Vivi, wir wollen doch keinen Ärger.« Wieder spürte Vivi das Zittern in seiner Hand und hörte den jetzt noch etwas traurigeren Unterton.   »Hey, Moment mal!«, rief sie plötzlich und ging auf den Sicherheitsmann zu. Nur aus der Entfernung beobachtete ihr Großvater, wie sie erst energisch und dann wieder ganz ruhig auf den Wachmann einredete. Verstehen konnte er sie über die Entfernung nicht. Zwischendurch zeigte Vivi immer wieder auf ihren Großvater. Dann plötzlich winkte sie ihm. »Komm, Opa Gu, wir dürfen ins Hotel!« Triumphierend lächelnd sah sie in das verdatterte Gesicht ihres Großvaters. »Wirklich?« »Ja, wirklich«, brummte der Wachmann. »Und wie lange?«, fragte Opa Gu. »Komm einfach, Opa. Ich habe das geklärt!«, knuffte ihn Vivi in die Seite und zog ihren etwas verdattert dreinschauenden Großvater am Ärmel seiner Jacke in die Eingangshalle des ehemaligen Grandhotels »Adlerhöhe« hinein. In der Mitte der kreisrunden, über alle drei Stockwerke nach oben zu einer Glaskuppel reichenden Lobby blieb er stehen. Über ihm schwebte der riesige Kronleuchter, der an einer goldenen, mit Efeu verzierten Kette vom höchsten Punkt der Kuppel herunterhing. Er drehte sich und sah nach oben, zuckte zusammen, als der Kronleuchter plötzlich erstrahlte, zumindest was die noch funktionierende Hälfte der verstaubten Glühbirnen an Licht noch abgab. »Sogar der Strom geht noch«, sagte Opa Gu erstaunt. Vivi sah förmlich, wie ihr Großvater in Erinnerung vor seinem geistigen Auge das Hotel erstrahlen sah. Wie er sich wieder in seiner blauen Concierge-Uniform mit den goldenen Knöpfen dastehen sah, den Doorman Franz, von dem er Vivi schon einmal erzählt hatte, weil er mit Franz über viele Jahre lang einmal die Woche abends Schach gespielt hatte. Und den Betrieb vorfahrender Luxuslimousinen, die Berge großer, edler Koffer, den Empfangschef Herr Baumgartner und drei seiner »Damen«, wie dieser sie nannte, die die Gäste auf zuvorkommendste Art in Empfang nahmen. Und Peter und Ferdinand, die beiden Pagen, die mit goldenen Wagen das Gepäck der Gäste durch die Lobby schoben und auf die Suiten und Zimmer brachten. Seine Augen wurden feucht.   »Sind Sie sicher?«, fragte der Securitymann. Damit riss er den Großvater aus seinem Wachtraum. Er zuckte vor Schreck zusammen und drehte sich um. »Ja, ganz sicher!«, erwiderte Vivi. »Sicher?« »Ja doch!«, entgegnete Vivi leicht genervt. Opa Gu sah seine Enkelin fragend an. »Was meint er?« »Gleich, Opa, gleich. Eine Überraschung!« »Also gut, aber ich will keine böse Überraschung erleben. Lassen Sie alles so, wie es ist. Klar?«, fragte er und sah Vivi ernst an. »Klar, Chef!« Vivi salutierte wie ein Soldat und grinste. Bevor ihr Großvater noch etwas sagen konnte, verließ der große Mann in Schwarz die Lobby und schloss die Eingangstür hinter sich ab. »Aber … aber … Vivi, er schließt uns hier ein! Halt! Stopp!«, rief der Großvater und machte ein paar Schritte auf die Eingangstür zu, so als wolle er den Mann draußen aufhalten, der unbeirrt in seinen schwarzen Wagen stieg und davonfuhr. Der Großvater drehte sich um und sah seine Enkelin an. »Was ist denn hier los?«, fragte er. »Opa Gu, was ist heute für ein Tag?« Er überlegte. »Der 31. Juli, glaube ich. Oder?« »Genau. Und was ist das für ein Tag?« Ihr Großvater sah sie unsicher an, dann plötzlich weiteten sich seine Augen. »Natürlich! Heute vor fünf Jahren war mein letzter Tag hier im Hotel.« »Geeeenau, Opa Gu!«, freute sich Vivi, dass ihre Überraschung gelungen war. »Aber er hat uns eingeschlossen!« »Ja, und zwar bis morgen Mittag.« »Was? Bist du verrückt?« »Aber nein. Du sagst doch immer, wenn wir in die tolle Buchhandlung unten in der Stadt gehen, dass du da mal eine ganze Nacht eingeschlossen werden wolltest, um in allen Büchern stöbern zu können. Und genau das machen wir jetzt. Du kannst mir dein Hotel zeigen und mir die Geschichten erzählen, die dieses Haus zu erzählen hat.« »Aber die ganze Nacht?« »Wir haben Strom im ganzen Haus und in Zimmer 21 ist sogar ein Bett...



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