E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Parv Die schönen Schwestern
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7440-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7440-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aufgeregt wie noch nie fliegt die bezaubernde Caroline Temple auf die Insel Agnes. Wird Prinz Michel de Marigny merken, dass sie anstelle ihrer Zwillingsschwester Eleanor gekommen ist? Vor Jahren wurden Eleanor und er miteinander verlobt, doch ihre Schwester hat längst einen anderen. Carolins Traum aber bleibt es, Michels Herz zu erobern. Wird er sich erfüllen?
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1. KAPITEL
Die Limousine, die an der Rollbahn des Aviso Airport wartete, trug den blaugrünen Wimpel des Königshauses von Carramer. Sie wurde flankiert von einer Motorradeskorte der Polizei und erinnerte Caroline Temple daran, dass es nun kein Zurück mehr gab. Sie verspürte einen leichten Druck im Magen bei dem Gedanken an das, was sie vorhatte.
Niemals werde ich Prinz Michel davon überzeugen können, dass ich Eleanor bin, dachte sie in plötzlicher Panik. Nachdem Eleanor den Brief des Prinzen erhalten und erkannt hatte, er meinte es ernst, dass sie nach Carramer kommen und ihn heiraten sollte, hatte Eleanor sie angefleht, ihre Rollen zu tauschen. Und nun war Caroline sich gar nicht mehr sicher, ob sie das Spiel weiterspielen sollte.
Da Eleanor sich in Kürze mit dem Mann, den sie liebte, einem reichen kalifornischen Erben, verloben wollte, konnte sie kaum selbst kommen.
Es ist alles nur Vaters Schuld, dachte Caroline frustriert. Diesmal war er zu weit gegangen. Sie alle hatten es damals nur als harmloses Spiel angesehen, und nun stellte sich das zeremonielle Verlöbnis als echte Verlobung heraus. Als Resultat war Eleanor nun mit Prinz Michel förmlich verlobt – zuletzt hatte sie ihn gesehen, als er dreizehn und sie und ihre Schwester elf Jahre alt gewesen waren.
„Ich bin wohl wirklich nicht mehr in Kansas“, murmelte Caroline und drückte unbewusst den Rücken durch, als sie von der Eskorte quer über die Rollbahn zur Limousine begleitet wurde.
Von der Luft aus hatte sie die ausgeprägte Form der Isle des Anges gesehen, die der Insel ihren Namen gegeben hatte. Sie war geformt wie die Flügel eines Engels. Auch hatte sie die Hauptinsel Celeste entdeckt, wo sie, ihre Schwester und ihr Vater fast zwei Jahre lang gelebt hatten, in der Hauptstadt Solano. Auf Nuee, an der Spitze der Isle des Anges gelegen, war sie noch nie gewesen.
Als sie das Flugzeug verlassen hatte, wurde sie von einem Beamten an den anderen Passagieren vorbeigeführt. Man warf nur einen flüchtigen Blick auf ihren Pass. Aber Caroline wusste, sie glich ihrer Schwester aufs Haar, niemand konnte etwas bemerken.
Ihr schulterlanges Haar hatte sie absichtlich so frisiert, dass es Eleanors Löwenmähne glich, und ihre bequeme Kleidung gegen einen maßgeschneiderten Hosenanzug aus auberginefarbenem Leinen getauscht. Ihre Lederkoffer waren mit Eleanors Kleidern gefüllt.
„Wann haben wir eigentlich aufgehört, die gleichen Kleider zu tragen?“, hatte sie ihre Schwester gefragt. Bewusst hatten sie diese Entscheidung nicht getroffen, soweit sie sich erinnerte.
„Als mir bewusst wurde, es gibt reiche Männer“, erwiderte ihre Zwillingsschwester lässig. Als Teenager hatte sie sich geschworen, einen wohlhabenden Mann zu heiraten, um nie wieder ein ungesichertes Leben führen zu müssen wie damals als Kind in der Obhut ihres Vaters. In Danny O’Hare-Smith hatte sie den Mann ihrer Träume gefunden.
Danny bot ihr ein leichtes Leben und jeden nur erdenklichen Luxus. Zusätzlich vergötterte er sie. Eleanor musste nur das tut, was sie am besten konnte: toll aussehen und Danny ebenfalls vergöttern. Das Leben einer Prinzessin brachte hingegen für Eleanors Geschmack zu viele Pflichten und Verpflichtungen mit sich.
Caroline hingegen hätte einem Leben allein von Luxus bestimmt nichts abgewinnen können. Von ihrem Vater hatte sie die Bereitschaft mitbekommen, sich das zu erarbeiten, was sie haben wollte. Alles, was etwas wert war, hatte seinen Preis.
Und jetzt bezahlte sie den Preis für die Täuschung. Das wurde ihr deutlich bewusst, als sie die Limousine erreichten. Ein uniformierter Fahrer öffnete den hinteren Wagenschlag, und Prinz Michel stieg aus und hielt ihr die Hand entgegen.
„Willkommen in Carramer, Eleanor.“
Als er sich aufrichtete und seine Finger ihre Hand berührten, durchfuhr es sie wie ein elektrischer Schlag. Die Fotografie, die er zusammen mit der Einladung geschickt hatte, übertrieb nicht. Eher untertrieb sie Michels männliche Ausstrahlung noch. Der Junge, mit dem sie damals im Palastgarten von Solano gespielt hatte, war in diesem Mann kaum wiederzuerkennen. Er hatte einen verwegenen Blick und volle dunkle Haare, die ihm in die Stirn fielen. An den Schläfen waren sie früh grau geworden, was ihn aber ausgesprochen distinguiert aussehen ließ.
Er hatte zudem eine beeindruckende Figur, mit breiten Schultern und schmalen Hüften, perfekt unterstrichen von einer maßgeschneiderten Hose und einem weißen Sporthemd.
Sie fühlte, dass ihre Wangen brannten, als sie sich zwang, ihm wieder ins Gesicht zu sehen. Es zeigte deutlich die typischen Züge der de Marignys, aber sein starkes Kinn wies auf einen ebenso starken Charakter hin. An seine Dickköpfigkeit erinnerte sie sich nur zu gut. Es sah aus, als hätte sie noch zugenommen.
Sie zwang sich, nicht einen Schritt zurückzutreten. „Hallo, Michel, lange nicht mehr gesehen.“
„Viel zu lange.“ Er legte ihr beide Hände auf die Schultern und küsste sie auf die Wange. Es war kaum ein romantischer Kuss, aber sie wurde leicht benommen im Kopf, was wenig mit der Hitze zu tun hatte. Es fiel ihr schwer, ihre Hände dekorativ an den Seiten zu lassen.
Als er den Kopf hob, wirkte er überrascht, als wäre der Kuss auch auf ihn nicht ohne Wirkung gewesen. Sehr wahrscheinlich war er einfach nur verblüfft, dass das Mädchen von damals zur Frau geworden war. Sie hatte doch selbst Schwierigkeiten, sich die innere Hitze und den jagenden Puls zu erklären, nur weil er sie flüchtig küsste.
„Es ist schön, dich wiederzusehen“, sagte er mit dunkler, sexy Stimme.
Ein lustvoller Schauer lief ihr über den Rücken. Rasch erinnerte sie sich daran, dass er sich freute, Eleanor wiederzusehen, und sie empfand einen schmerzlichen Stich dabei. Sie hatte gewusst, dies hier würde nicht einfach werden, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie wieder so heftig auf ihn reagieren würde. Damals war sie heimlich in ihn verliebt gewesen. Eigentlich sollte sie sich freuen, dass er sie für Eleanor hielt, aber irgendwie war das Gegenteil der Fall.
In der kurzen Zeit, die ihnen nach Michels Brief zur Verfügung stand, hatte Eleanor ihr beigebracht, wie sie zu gehen, zu reden und sich zu benehmen hatte. Aber natürlich fühlte sie sich immer noch wie Caroline Temple, und ein Teil von ihr wünschte sich, der Prinz hätte sich über ihre Ankunft gefreut. Aber davon kannst du nur träumen, ermahnte sie sich streng. Sie wusste, wohin solche Fantasien gehörten.
Und doch hatte sie das Gefühl, sich mitten in einem Traum zu befinden, als Michel ihr galant in die luxuriöse Limousine half. Als der schwere Wagen gleich darauf fast lautlos dahinglitt, war sie nur froh, dass er genügend Platz bot, Abstand zu Michel zu halten. Es war nicht nur seine körperliche Gegenwart, die fast überwältigend war, sondern er strahlte so viel Männlichkeit aus, dass sie sich zart und beschützt vorkam. Ein Gefühl, das sie sonst überhaupt nicht kannte. Den größten Teil ihres Lebens hatten sie und Eleanor mehr oder weniger aufeinander aufgepasst, während ihr Vater mit seinen anthropologischen Studien befasst war. Einen Mann wie Michel hatte sie noch nicht kennengelernt.
Fühle ich mich in seiner Gegenwart deswegen wohler als bei unzuverlässigen Männern wie Ralph Devonport? ging es ihr durch den Kopf. Sie hatte geglaubt, Ralph zu lieben – bis er sie mit einer anderen Frau betrog.
„Hattest du einen guten Flug?“, riss Michels Stimme sie aus ihren Gedanken.
„Für meinen ersten Flug erster Klasse war er großartig“, erwiderte sie ohne nachzudenken.
„Ich hätte gedacht, bei deinem Job würdest du immer erster Klasse fliegen.“
Gerade noch rechtzeitig fiel ihr ein, dass sie ja ein Jetset-Model war. „Noch bin ich nicht in die Top-Model-Liga aufgenommen“, sagte sie flapsig und lachte dabei.
„Wenn dein Bild auf der Titelseite der World Style zu sehen ist, dauert es bestimmt nicht mehr lange“, meinte er netterweise.
Eleanor würde ein solches Kompliment bestimmt selbstverständlich finden. Also nickte Caroline nur. „Wie ich sehe, hältst du dich auf dem Laufenden.“
„Bist du überrascht?“
Sie hatte sich schon gefragt, wie sie das Thema zur Sprache bringen sollte. „Du meinst, weil wir verlobt sind? Michel, wir müssen uns darüber unterhalten.“
Er kniff leicht den Mund zusammen. „Ich würde es vorziehen, wenn wir uns erst wieder ein wenig miteinander vertraut machen, bevor wir über unser Verlöbnis sprechen.“
Ihre Hoffnung, die Angelegenheit schnell regeln und so bald wie möglich wieder auf dem Rückflug sein zu können, verflüchtigte sich, aber insgeheim gefiel ihr sein Vorschlag. Sie wehrte sich gegen dieses Gefühl. Je länger sie blieb, desto größer war das Risiko, entlarvt zu werden. Dennoch stieg ihre Stimmung bei der Vorstellung, mehr Zeit mit ihm zu verbringen.
„Wie geht es deiner Zwillingsschwester?“, fragte Michel.
„Oh … es geht ihr gut. Sie besitzt ein Geschäft, in dem sie themenbezogene Dekorationen für Hochzeiten und Partys anbietet.“
Er nickte, als wüsste er es bereits. „Ich nehme an, sie ist erfolgreich.“
„Sie liebt ihre Arbeit, und ihre Kunden meinen, das würde man sehen.“
„Caroline hatte immer viel für Blumen übrig.“
Es kam ein wenig wehmütig heraus, und Caroline sah ihn neugierig an. „Ja, nicht wahr? Erinnerst du dich noch, als wir damals im Garten Blumen für Sträuße und Girlanden pflückten?“
„Du hast mich damals immer an eine...




