Parris | Das verbotene Evangelium | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 704 Seiten

Reihe: Giordano Bruno

Parris Das verbotene Evangelium

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-19439-0
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 4, 704 Seiten

Reihe: Giordano Bruno

ISBN: 978-3-641-19439-0
Verlag: Limes
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein gefährlicher Auftrag, ein mysteriöser Todesfall - Giordano Bruno ist einem Verräter auf der Spur ...
England 1585: Giordano Bruno reist mit seinem Freund, Sir Philip Sidney, in die englische Hafenstadt Plymouth, wo die Flotte des berühmten Weltumseglers und Freibeuters Sir Francis Drake vor Anker liegt. Drake bereitet einen großen Angriff gegen die Spanier vor, doch durch einen plötzlichen Todesfall an Bord ist er gezwungen, das Auslaufen der Flotte zu verschieben. Philip Sidney drängt Bruno, den angeblichen Suizid zu untersuchen, und beide hoffen, durch diese Gefälligkeit die Gunst der englischen Königin zu erlangen. Doch dann stirbt ein weiterer Mann, und nicht nur Giordano Bruno schwebt auf einmal in großer Gefahr, sondern die gesamte Flotte ...

Das Pseudonym Stephanie Parris verwendet die Journalistin Stephanie Merritt immer dann, wenn sie einen Roman über den Dominikanermönch Giordano Bruno veröffentlicht. Unter ihrem bürgerlichen Namen publizierte sie Literaturkritiken in so angesehenen Zeitungen wie 'The Times', 'Daily Telegraph', 'New Statesman' oder 'Die Welt'. Derzeit schreibt sie für den 'Guardian' und den 'Observer'. Sie lebt mit ihrem Sohn in Südengland.
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Verfasst an Bord des stolzen Schiffes Ihrer Majestät, der Elizabeth Bonaventure, Plymouth, an diesem Sonntag, dem zweiundzwanzigsten August 1585

Euer Hochwohlgeboren Sir Francis Walsingham,

zunächst möchte ich Euch, Master Staatssekretär, meine höflichsten Empfehlungen übermitteln. Schweren Herzens greife ich zu meiner Feder, um die folgenden Worte niederzuschreiben. Zweifellos habt Ihr zu diesem Zeitpunkt mit guten Nachrichten bezüglich des Ablegens meiner Flotte gerechnet. Es bekümmert mich, Euch mitteilen zu müssen, dass wir vorerst weiterhin im Plymouth Sound vor Anker liegen, da wir zunächst durch die üblichen Probleme hinsichtlich der Ausrüstung und des Proviants aufgehalten wurden und ferner immer noch auf die Ankunft der Galleon Leicester warten, die (und mit ihr Euer Schwiegersohn) jeden Tag eintreffen muss, um die Anzahl unserer Besatzungsmitglieder zu vervollständigen. Bei einem Unternehmen dieser Größe sind derartige kleinere Verzögerungen natürlich unvermeidlich.

Aber was mir derzeit auf der Seele liegt, ist eine weitaus ernstere Angelegenheit, und ich betrachte es als meine Pflicht, Euer Ehren davon in Kenntnis zu setzen – obwohl ich Euch gleichzeitig bitten muss, jene traurigen Umstände Ihrer Majestät vorerst zu verschweigen, da ich hoffe, all dies in Kürze klären zu können, um ihr keine unnötigen Sorgen zu bereiten.

Euer Gnaden kennen vielleicht – zumindest vom Hörensagen – Master Robert Dunne, einen Gentleman aus Devon, der manchmal bei Hof anzutreffen ist. Dieser hatte sich während meiner Weltreise vor sieben Jahren als wertvoller Offizier und Gefährte erwiesen, und er wurde deshalb für seine Verdienste im Rahmen dieses Unterfangens angemessen belohnt. Für unsere jetzt anstehende Reise nach Spanien und in die Neue Welt lud ich Dunne ein, sich wieder meiner Besatzung anzuschließen, wenngleich es unter meinen engsten Beratern einige gab, die mir angesichts der persönlichen Probleme des Mannes und dessen, was über ihn gemunkelt wird – worauf ich hier nicht weiter eingehen muss –, davon abrieten. Doch da ich mir nicht aufgrund von Gerüchten ein Urteil über einen Mann bilde, sondern anhand seiner Taten, war ich entschlossen, Dunne die Chance zu geben, im Dienst für sein Land seine Ehre wiederherzustellen. Womöglich hätte ich gut daran getan, auf die mahnenden Stimmen zu hören – was jetzt freilich nicht mehr von Belang ist.

Von Anfang an verhielt Dunne sich merkwürdig; er wirkte sehr in sich gekehrt und auf der Hut, als hätte er Angst, von jemandem verfolgt zu werden, und glich in keiner Hinsicht mehr dem Mann, an den ich mich erinnerte. Dies schrieb ich der nervösen Furcht vor der bevorstehenden Reise zu; sein Heim und seine Familie zu verlassen, um an das andere Ende der Welt zu segeln, ist nichts, worauf man sich leichtfertig einlässt, und Dunne wusste nur zu gut, was ihn erwarten mochte. Am gestrigen Abend war er mit einigen der anderen Gentlemen an Land. Während wir hier im Hafen liegen, halte ich es für klug, ihnen zu gestatten, den normalen Vergnügungen junger Männer nachzugehen und die Zerstreuungen zu genießen, die Plymouth den Seeleuten bietet – sowie wir den Anker gelichtet haben, sind sie dann lange genug unter Deck zusammengepfercht und der an Bord eines Schiffes herrschenden strengen Disziplin unterworfen. Genau wie meine Mitkapitäne mache ich ihnen ohne Frage klar, dass sie sich jederzeit so zu benehmen haben, dass die Flotte nicht in Verruf gerät.

Dunne wurde letzte Nacht sturzbetrunken zum Schiff zurückgebracht, was ebenfalls ungewöhnlich war; der Himmel weiß, dass der Mann etliche Laster hatte, aber ich war sicher, dass die Trunksucht nicht dazugehörte, denn sonst hätte ich ihn nicht aufgefordert, zusammen mit mir Dienst auf dem Flaggschiff Ihrer Majestät zu versehen. Er befand sich in Begleitung unseres Pfarrers, Padre Pettifer. Dieser hatte Dunne im Zustand der Volltrunkenheit durch die Straßen wankend angetroffen und es für das Beste gehalten, ihn direkt zurück zum Schiff zu schaffen – eine Entscheidung, die ich an seiner Stelle nicht getroffen hätte, denn wie ich hörte, hatte er seine liebe Not damit, Dunne zuerst in das Ruderboot und danach die Leiter hoch auf das Deck der Elizabeth zu hieven. Dort begegneten sie meinem Bruder Thomas, der mit mir an Bord zu Abend gegessen hatte und gerade auf dem Rückweg zu seinem eigenen Schiff war. Da er wusste, dass ich in meinem Quartier mit dem jungen Gilbert an meinen Seekarten arbeitete, und er die Angelegenheit nicht für wichtig genug hielt, um mich zu stören, führte mein Bruder Dunne gemeinsam mit dem Pfarrer in seine Kabine, damit er sich erholen konnte. Thomas sagte später, Dunne hätte währenddessen total verstört gewirkt, er hätte wild um sich geschlagen, als würde er für andere unsichtbare Feinde sehen, und er hätte Leute angesprochen, die gar nicht da waren – kurzum, er verhielt sich so, als hätte er noch etwas anderes als Wein zu sich genommen. Laut Padre Pettifer fiel er jedoch fast im selben Moment, wo er in seiner Koje lag, in eine tiefe Benommenheit, aus der er nicht geweckt werden konnte, daher ließen die beiden Männer ihn allein, damit er seinen Rausch ausschlafen und am nächsten Morgen dafür büßen konnte.

Was zwischen diesem Zeitpunkt und dem nächsten Morgen geschah, wissen nur Gott und, wie ich zu meinem Bedauern sagen muss, des Weiteren eine Person. Das Wetter war schlecht, es regnete, und ein starker Wind wehte, und bis auf die beiden, die die Wache hielten, waren fast alle Männer unter Deck. Beim ersten Tageslicht klopfte mein spanischer Steuermann Jonas von Furcht erfüllt heftig an meine Tür. Er hatte versucht, Robert Dunne irgendeinen Trank zu bringen, der die Folgen seiner nächtlichen Exzesse lindern sollte, aber die Kabine war verschlossen, und Dunne ließ sich nicht zum Aufstehen bewegen, um sie von innen zu entriegeln. Ich verstand Jonas’ Besorgnis – wir haben alle schon betrunkene Männer an ihrem eigenen Erbrochenen ersticken sehen, wenn niemand ihnen zu Hilfe kam. Deswegen ging ich mit ihm, um mir ein Bild von der Situation zu machen. Ich besitze einen Zweitschlüssel für die Privatkabinen, und gemeinsam öffneten wir Dunnes Tür. Aber auf den Anblick, der sich uns bot, war ich nicht gefasst.

Zuerst kehrte er uns den Rücken zu, doch als das Schiff schlingerte, schwang er langsam herum, und da sah ich es – aber ich greife meiner Geschichte vor. Dunne baumelte am Hals aufgehängt vom Laternenhaken, eine Schlinge spannte sich straff um seine Kehle. Jonas schrie auf und verschüttete etwas von der Arznei, die er bei sich trug. Ich gebot ihm rasch Schweigen, da ich die Männer nicht aufschrecken wollte. Nachdem wir die Tür hinter uns geschlossen hatten, nahmen Jonas und ich Dunne von dem Haken und legten ihn in die Koje. Sein Körper war bereits steif, er musste also schon einige Stunden tot gewesen sein. Ich blieb bei dem Leichnam und schickte Jonas los, um meinen Bruder von seinem Schiff herüberzuholen.

Stirbt ein Mann von eigener Hand, so muss dies in jedem Fall nicht nur als betrübliches Ereignis, sondern auch als große Sünde gegenüber Gott und der Natur gewertet werden. Ich gestehe, dass kurzfristig Zorn darüber in mir aufwallte, dass Dunne ausgerechnet diesen Moment für seinen Freitod gewählt hatte: Wie Ihr wohl wisst, sind Seeleute gleichermaßen fromm wie abergläubisch – nicht anders als alle anderen Menschen auf Gottes Erden –, und dies würde gewiss als böses Omen gewertet werden, als Schatten, der über unserer Reise läge. Ich bezweifle nicht, dass einige Männer desertieren und behaupten würden, Gott hätte Sein Antlitz von uns abgewandt, wenn sie von einem solchen Todesfall an Bord erführen. Und dann tadelte ich mich dafür, dass ich zuallererst an die Reise dachte, obwohl ein Mann in unserer Mitte zu einer derartigen Verzweiflungstat getrieben worden war.

Während ich auf meinen Bruder wartete, betrachtete ich den Leichnam eingehender, und mein Zorn wich einer weit größeren Furcht, da ich erkannte, was hier nicht stimmte. Ich benötigte keinen Arzt, der mir sagte, dass es sich mit diesem Tod nicht so verhielt, wie es zunächst den Anschein hatte. So werden Euer Gnaden verstehen, warum ich mich Euch anvertraue und gleichzeitig meinen Verdacht für mich behalten muss, bis ich mehr weiß. Wenn ein Schiff schon wegen eines Selbstmordes an Bord als verflucht gilt, um wie viel schwerer wiegt dann eine noch größere Sünde?

Aus diesem Grund bitte ich Euch, den Vorfall vorerst für Euch zu behalten. Seid versichert, dass ich Euch über alle neuen Erkenntnisse auf dem Laufenden halten werde. Ich wollte, dass Euer Gnaden diese Neuigkeit von mir persönlich erfährt – Gerüchte werden durch jede Ritze sickern und in wesentlichen Einzelheiten verzerrt weitergegeben werden. Da ich weiß, dass Ihr hier Augen und Ohren habt, möchte ich nicht, dass sie Euch falsche Informationen liefern. Der Besatzung wurde lediglich mitgeteilt, dass es sich um einen Todesfall handelt und die Todesursache noch von einem Coroner untersucht werden müsse. Ihr seht, dass ich mich nicht auf eine solche Reise begeben und angemessene Sorge für meine Männer und die Investitionen so vieler namhafter Edelleute, Euer Gnaden und Ihre Majestät miteingeschlossen, tragen kann, solange ich davon ausgehen muss, dass sich vermutlich ein Mörder unter meiner Besatzung befindet. Sollte Ihre Majestät von der Verzögerung erfahren, bitte ich Euch, jedwede Ängste bezüglich des Erfolges des Unternehmens zu zerstreuen und ihr zu versichern, dass wir ablegen werden, sowie die Umstände es erlauben. Ich schicke dies mit einem berittenen Eilboten.

Stets zu Euren Diensten verbleibe ich Euer sehr...


Parris, Stephanie
Das Pseudonym Stephanie Parris verwendet die Journalistin Stephanie Merritt immer dann, wenn sie einen Roman über den Dominikanermönch Giordano Bruno veröffentlicht. Unter ihrem bürgerlichen Namen publizierte sie Literaturkritiken in so angesehenen Zeitungen wie »The Times«, »Daily Telegraph«, »New Statesman« oder »Die Welt«. Derzeit schreibt sie für den »Guardian« und den »Observer«. Sie lebt mit ihrem Sohn in Südengland.



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