Parker | Die Männer meines Lebens | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Parker Die Männer meines Lebens

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-10-490182-4
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-10-490182-4
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Liebeserklärung an die Männer - die Autorin und Schauspielerin Mary-Louise Parker schreibt an die Männer ihres Lebens: zornig, zärtlich, haarsträubend komisch und voller Gefühl. Mary-Louise Parker hat 32 Briefe an die Männer ihres Lebens geschrieben. In herzzerreißenden Liebeserklärungen schreibt sie an ihren verstorbenen Vater, den sie schmerzlich vermisst, an ihren Großvater, den sie nie kennengelernt hat, an ihren Sohn, den sie abgöttisch liebt. Sie schreibt ehemaligen Liebhabern und den Wildfremden, die der Zufall manchmal zu Zeugen unserer verletzlichsten Momente macht. Da ist der Surfer, der nur ein Kleidungsstück besitzt - einen Lendenschurz, der Schauspiellehrer, der sie fast durchfallen lässt, der zukünftige Mann ihrer Tochter, der Feuerwehrmann, dem sie am 11. September in New York auf der Straße in die Arme fällt, der krebskranke Mann, mit dem sie auf einer Cocktailparty eine schmerzlich kurze, innige Freundschaft schließt. Mary-Louise Parker, mit ihrer Hauptrolle in der Serie ?Weeds? als Schauspielerin weltweit bekannt geworden, begeistert mit ?Die Männer meines Lebens? Kritik und Leser gleichermaßen. Ein Buch über das Wichtigste: die Liebe, in all ihren Facetten.

Mary-Louise Parker wurde 1964 in South Carolina geboren. ?Die Männer meines Lebens? ist ihr literarisches Debüt und wurde von der Presse hymnisch besprochen. Die US-Schauspielerin ist vor allem aus den TV-Serien ?Weeds? und ?The West Wing? und dem Film ?Grüne Tomaten? bekannt. Ihr wurden der Golden Globe, der Tony Award und ein Emmy verliehen. Nun zeigt sie, dass sie neben der Schauspielerei ein weiteres großes Talent hat.
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Lieber Draufgänger,


ich weiß noch, wie ich auf das Beatles-Poster von Avedon starrte, als ich viereinhalb war. . Es war an die Wand hinter dem Bett meiner Schwester geklebt, und ich habe Löcher hineingebohrt und die Gruppe angestarrt, während sie ihre Platten spielte, die ich schon kannte. Mit sieben habe ich im Garten hinter dem Haus ein Stück mit dem Titel »Die falschen Beatles« für ein Publikum bestehend aus null Leuten aufgeführt. Meine Rolle war ein Mädchen namens Sweetie, das von vier Männern verführt wurde, die behaupteten, John, Paul, George und Ringo zu sein. Manchmal machte das Mädchen aus der Straße mit, aber normalerweise spielte ich das ganze Stück allein oder mit meinem Hund. Der Anfang war eine Montage, in der Sweetie Komplimente von Paul zu ihrer Persönlichkeit und ihrem schulterfreien Sommerkleid bekam, gefolgt von einer Szene, bei der sie auf der Schaukel saß, während sie ihr Songs aus vorsangen. Dann bemerkte sie Indizien dafür, dass es Betrüger waren, die sie entführen wollten. An manchen Tagen wurde Sweetie von dem falschen George geknebelt und gefesselt, die sadomasochistischen Implikationen wohl beunruhigend, da eine Zweitklässlerin sie heraufbeschwor. Das Stück endete damit, dass ich im Garten auf einem Erdhaufen stand, die Arme hob und nach dem rettenden Seil griff, dass der echte Paul McCartney aus einem Hubschrauber warf. Paul kletterte herunter und riskierte sein Leben, während er »Here, There and Everywhere« sang. Die Sache befriedigte meine Errettungsphantasien und mein Bedürfnis, von einem Rockstar geschätzt zu werden, während ich ein schulterfreies Sommerkleid trug. In dem Versuch, Interesse für das Stück zu erregen, schrieb ich einem Fernsehsender einen Brief, aber meine Eltern schickten ihn nicht ab.

Als ich dich fand, war ich den Beatles immer noch treu ergeben, doch ich war auf der Highschool und bereit für etwas Neues. Rickie Lee Jones und The Smiths waren noch ein paar Jahre entfernt, aber deine Musik kam genau zur richtigen Zeit. Sie gab mir einen Schub, der in mir den Wunsch weckte, mich zu wehren. Mein Bruder brachte mir nacheinander alle deine Platten. Wir saßen in seinem Zimmer und hörten jeden Song, und er sprang auf und spielte Luftgitarre oder hielt den Plattenspieler an und setzte die Nadel zurück, damit wir eine Textzeile noch mal hören konnten. Manchmal lieh er mir eine Platte über Nacht, damit ich sie beim Einschlafen hören konnte, und wenn sie zu Ende war, ging ich im Nachthemd auf Zehenspitzen zum Plattenspieler und spielte sie noch mal, nur leiser. Du bist auf unserer Terrasse erschienen, wenn ich deine Platten hörte, und in deinem verbeulten Wagen mit mir davongefahren. Es war besser als mein tatsächliches Leben und der metallische Geschmack des Zorns auf meiner Zunge, den ich weder verorten noch erklären konnte. Auch du warst ein Einzelgänger in einer Kleinstadt, isoliert und als komisch abgestempelt. Ich legte deine Platten auf und stellte mir vor, wir würden uns finden, beide entfremdet und ausgehungert nach Zuneigung. Ich stieg heimlich aus meinem Schlafzimmerfenster und traf dich in einem verlassenen Vergnügungspark oder an einer Tankstelle, ich spürte deine Lederjacke an der Wange und sah deinem Gesicht die Erleichterung an, wenn ich kam, jemand, der dir nie vorwarf, eingeschnappt zu sein oder dich seltsam zu verhalten. Während eines ganzen Lieds liefen wir durch Straßen und telefonierten flüsternd in Telefonzellen; wir stritten und versöhnten uns. Nach einer Schlägerei auf einem Parkplatz pflegte ich dich, versteckte dein weißes T-Shirt unter meinem Rock und nahm es mit nach Hause, um heimlich die Blutflecken rauszuwaschen, und die ganze Zeit verteidigte ich dich gegen meine vielen fiktiven Freundinnen, die sich Sorgen um mich machten, weil ich mit einem einsilbigen Rowdy zusammen war, der ein Auto mit kaputtem Auspuff fuhr.

Niemand will etwas von der naturhaften Melancholie wissen, die an der Seele eines jugendlichen Mädchens nagt, und ich hatte niemanden, dem ich davon hätte erzählen können. Sich als Versagerin durchs Leben zu schleichen hat etwas merkwürdig Schamvolles, und dieses Gefühl verfolgt mich immer noch, auch zu Zeiten, die überhaupt keinen Anlass dazu geben. Mit sechzehn wollte ich nur die flehentlichen Bitten wert sein, die ich im Nachklang deiner Mundharmonika hörte. Er fuhr in mich hinein, dieser Sound. Er kroch in mir hinauf und unter meinen Rock und ließ meine Haut ebenfalls flehen. Es musste jemanden geben, der so einsam war wie ich, der auf die richtige Weise geküsst und zur Weißglut gebracht werden wollte. , dachte ich.

Vielleicht fühlt sich jeder ausgeschlossen in der Highschool. Meine einzige Freundin und ich hielten zusammen, aber an manchen Tagen ging ich morgens die halbe Strecke zur Schule, kehrte um und ging wieder zurück. Ich berechnete in Gedanken meine Noten, und eines Tages wurde mir klar, dass ich die Schule in wenigen Monaten abschließen könnte, wenn ich ein paar Kurse extra absolvierte. »Was ist mit der Abschlussfeier? Dem Schulball?«, fragten manche. »Eben«, sagte ich.

Ich packte meine Platten und zog zu meiner Schwester, die mir auf Teufel komm raus Selbstvertrauen einflößen wollte, und sie half mir, andere, die wie ich waren, kennenzulernen, und stand leise applaudierend daneben, als ich die ersten kleinen Schritte machte. Im Zimmer meines ersten Studentenheims klebte ich dein Albumcover an die Tür. Ich war jetzt an einer Schauspielschule, nachdem ich endlich laut ausgesprochen hatte, dass ich Schauspielerin werden wollte, und ich war am richtigen Ort. Nichts, was ich auf diesem Campus tun konnte, war abgedreht genug. Umgeben von all den ausgestoßenen Freaks, konnte ich ich selbst sein. Diese Freiheit war mir anfänglich zu groß, aber auch wenn ich nicht vollständig authentisch war, so schloss ich doch Freundschaften und machte Witze, als hätte ich schon immer gewusst, wie es geht. Jungen liefen mir nach und schoben Zettel unter meiner Tür durch. Zum Frühstück trug ich Handschuhe bis zum Ellbogen, und mein Turnanzug wurde von Sicherheitsnadeln zusammengehalten. Um die anderen zum Lachen zu bringen, gaben mein Freund Ken und ich in der Cafeteria vor, zusammenzubrechen, und wälzten uns auf dem Boden.

Mein Freund Ken und ich spielten uns gegenseitig unsere Ein-Mann-Shows vor (er in einer Zwangsjacke, ich in einem Sarg), und er spielte Waits auf dem Klavier und sang, während ich mich an ihn klammerte und weinte. Joe M. nannte mich »das Mädchen ohne Wirbelsäule«, weil ich immer an einem Jungen hing, als hätte ich keine Knochen oder Muskeln, um ohne Hilfe aufrecht zu sitzen. Die von uns, die gern Malkovich gewesen wären, waren durch und durch aus dem Gleichgewicht; Theater zu spielen war aufrührerisch und neu. Auf Initiative meines Freundes Peter probten wir nachts. Als ein Mann vom Sicherheitsdienst wegen einer Tornadowarnung an meine Tür hämmerte, zeigte ich ihm den Mittelfinger.

Die Campus-Polizei lief durch die Flure und forderte uns schreiend zum Verlassen des Hauses auf, doch meine Beine waren um das Gesicht des grünäugigen Jungen geschlungen, dem es nichts ausmachte, eine nationale Wetterwarnung zu ignorieren, während du auf dem Plattenteller nahezu unverständlich laut gebrüllt hast. Mir war es nie laut genug.

Als ich zum letzten Mal auf einem deiner Konzerte war, stand ich auf der Bühne neben dem Soundboard. Dass du zu wissen scheinst, wer ich bin, verwirrt mich immer noch, aber jemand hatte dir gesteckt, dass ich Geburtstag hatte, und du hast ein Lied für mich gesungen. Ich war ziemlich nah an einer Detonation.

Nach dem Konzert hörte ich dir zu, wie du über den Auftritt an diesem Abend sprachst. Deine Einstellung zeugt von einer Lauterkeit, die du vor Jahren schon hättest ablegen können. Die Art, wie du es machst, hat ihren Preis, und ich habe das Gefühl, dass du nicht mit dir leben könntest, wenn du heucheln würdest. Du hast gesagt:

Wir sind die Wächter der Erinnerungen der Menschen.

Wenn du live vor Publikum spielst, fühlst du dich verantwortlich. Du sagtest, du könntest entweder nach Schema F spielen, und alle würden ziemlich zufrieden von dannen ziehen, oder alles im Augenblick entstehen lassen, was immer das Risiko des Scheiterns mit sich bringt. Du willst es jedes Mal wissen, lässt es aus dem Publikum heraus und zu ihm hinüberwachsen, bis das Publikum Teil der Komposition ist. Ich habe das zu meinem Credo gemacht, vorbereitet sein und dann genug Mut haben, präsent zu sein. Einfach hinhören und folgen, vielleicht springen. Alle gehen mit, es bringt sie dir emotional nah, denn, wie du sagtest:

Risiko schafft Intimität.

Es sich leicht zu machen funktioniert überall, aber auf der Bühne ist es besonders weit verbreitet. Eine ganz andere Gabe ist es, im Moment nicht beeindrucken zu wollen, damit es um den Moment selbst gehen kann. Dann ist die Liebe, die dir das Publikum zurückgibt, nicht mehr wichtig. Ohne Risiko ist es, als würdest du Kuchen verteilen. Alle sind zufrieden, aber ich bin nicht sicher, ob es von Dauer ist oder etwas verändert. Am deutlichsten hat es vielleicht Bob Dylan auf den Punkt gebracht. Als er gefragt wurde, wie er es ertragen könne, ausgebuht zu werden und trotzdem weiterzuspielen, sagte er: »Man muss nur verstehen, dass man jemanden auch mit Freundlichkeit umbringen kann.«

Manchmal muss ich mich um Mitternacht noch immer mit dir auf die Schaukel setzen. Mich in dem gebrochenen, aber nicht unterzukriegenden Blick eines anderen sonderlichen Spielzeugs widergespiegelt sehen. Deine Songs handeln so oft von einem Anderswo,...


Parker, Mary-Louise
Mary-Louise Parker wurde 1964 in South Carolina geboren. ›Die Männer meines Lebens‹ ist ihr literarisches Debüt und wurde von der Presse hymnisch besprochen. Die US-Schauspielerin ist vor allem aus den TV-Serien ›Weeds‹ und ›The West Wing‹ und dem Film ›Grüne Tomaten‹ bekannt. Ihr wurden der Golden Globe, der Tony Award und ein Emmy verliehen. Nun zeigt sie, dass sie neben der Schauspielerei ein weiteres großes Talent hat.

Grube, Anette
Anette Grube, geboren 1954, lebt in Berlin. Sie ist die Übersetzerin von Arundhati Roy, Vikram Seth, Chimamanda Ngozi Adichie, Mordecai Richler, Kate Atkinson, Monica Ali, Manil Suri, Richard Yates u.a.

Mary-Louise ParkerMary-Louise Parker wurde 1964 in South Carolina geboren. ›Die Männer meines Lebens‹ ist ihr literarisches Debüt und wurde von der Presse hymnisch besprochen. Die US-Schauspielerin ist vor allem aus den TV-Serien ›Weeds‹ und ›The West Wing‹ und dem Film ›Grüne Tomaten‹ bekannt. Ihr wurden der Golden Globe, der Tony Award und ein Emmy verliehen. Nun zeigt sie, dass sie neben der Schauspielerei ein weiteres großes Talent hat.
Anette GrubeAnette Grube, geboren 1954, lebt in Berlin. Sie ist die Übersetzerin von Arundhati Roy, Vikram Seth, Chimamanda Ngozi Adichie, Mordecai Richler, Kate Atkinson, Monica Ali, Manil Suri, Richard Yates u.a.

Mary-Louise Parker wurde 1964 in South Carolina geboren. ›Die Männer meines Lebens‹ ist ihr literarisches Debüt und wurde von der Presse hymnisch besprochen. Die US-Schauspielerin ist vor allem aus den TV-Serien ›Weeds‹ und ›The West Wing‹ und dem Film ›Grüne Tomaten‹ bekannt. Ihr wurden der Golden Globe, der Tony Award und ein Emmy verliehen. Nun zeigt sie, dass sie neben der Schauspielerei ein weiteres großes Talent hat.
Anette Grube, 1954 in München geboren, hat Amerikanistik studiert. Sie hat u.?a. Chimamanda Ngozi Adichie, T.?C. Boyle, Vikram Seth und Mordecai Richler ins Deutsche übersetzt.



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