E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Oswald Herzschlag
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7751-6228-9
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Macht eines Herzens, das im Rhythmus Gottes lebt
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-7751-6228-9
Verlag: Hänssler
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Michael Oswald (Jg. 1990) lebt in Österreich. Nach einer lebensverändernden Begegnung beendete er seine Laufbahn zum Offizier und studierte Theologie in der Schweiz. Er ist verheiratet mit Ruth. Sie liebt kreatives Gestalten und Handlettering. Gemeinsam leben sie mit ihren drei Kindern in Eisenstadt. Dort ist er Pastor der Freikirche Forum. Als Religionslehrer unterrichtet er an mehreren Schulen. Die nächste Generation zu ermutigen und zu fördern ist ihm ein besonderes Anliegen. Seine Freizeit verbringt er am liebsten in der Natur. Egal ob Wandern und Klettern in den Bergen oder Tauchen und Kajakfahren im Meer. Er ist begeistert von der Schönheit und Vielfalt, mit der sich Gott in der Schöpfung offenbart. Er liebt Bücher und Lobpreis Musik. Sein Herz schlägt dafür, Menschen durch enge Freundschaften zu begeisterten Nachfolgern von Jesus zu machen.
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1 HERZSCHLAG
Ich sehe mich selbst den Herzschlag meines Papas auf dem Bildschirm beobachten. Ich stehe auf der Intensivstation neben seinem Bett. Betäubt. Das Gehirn ist möglicherweise schon tot.
Die Beatmungsmaschine hebt und senkt den Brustkorb. Verschiedene Schläuche. Maschinen, die Ernährung und Körpertemperatur regulieren. Das Herz schlägt noch. Der Herzschlag zeichnet eine gleichmäßige Gebirgslandschaft mit Höhen und Tiefen auf den Bildschirm. Sein Puls sinkt unter fünfzig. Das Alarmsignal sticht widerhallend in meinem Kopf. Ich spüre, wie mein Herz schneller schlägt.
Das Herz. Zentrum des Lebens. Zentrum der menschlichen Existenz. In der hebräisch geprägten Kultur der Bibel ist das Herz der Ort, mit dem wir denken, fühlen und entscheiden. Der Ort, in dem unser Handeln entsteht.
Ich frage mich, was diese neue Situation mit meinem Herzen machen wird. Wird mein Herz daran zerbrechen? Wird mein Herzschlag eine neue Gebirgslandschaft mit Höhen und Tiefen zeichnen? Oder wird es zu einem Stein werden? Wird ab jetzt jeder weitere Schlag schmerzen?
Die kurze Besuchszeit auf der Intensivstation ist vorbei. Bedrückende Stille auf dem Rückweg zum Auto. Das regelmäßige Tonsignal des Herzschlags klingt allen noch im Ohr. Ich beobachte, wie die Situation Einfluss nimmt. Einfluss auf das Herz meiner Mama, meiner Schwester, meiner Frau und meines kleinen Sohnes. Einfluss auf mein Herz. Ich kann mich dem nicht entziehen.
Jedes Ereignis deines Lebens arbeitet an deinem Herzen. Unabhängig davon, ob das Ereignis in deinen Augen eine Katastrophe oder das genaue Gegenteil davon, eine Anastrophe, ist – es beeinflusst dein Herz. Egal, ob dein Lebenslied gerade eine schöne Strophe oder eine schwere Strophe spielt. Egal, ob dir die Strophe gefällt oder nicht. Jede Strophe beeinflusst die Melodie deines Herzens.
Die Melodie unseres Herzens ist nicht einfach das Produkt von allen positiven und negativen Ereignissen unseres Lebens. Gott sei Dank! Gott hat uns mit der Fähigkeit ausgestattet, die Melodie unseres Herzens mitzugestalten. Der Tod meines Opas. Die Ehe mit meiner Frau. Die Geburt meiner Kinder. Die Krankheit meines Vaters. Aber auch die vielen kleinen Ereignisse des Lebens: der Kratzer im Auto, das freundliche Lächeln einer unbekannten Person, die Enttäuschung in einer Freundschaft, Streit mit der Familie, der Film im Hauptabendprogramm, der schöne Urlaub?… Das alles will Einfluss auf unser Herz nehmen.
Es hat Einfluss auf uns und irgendwie verändert es uns auch. Manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Wir können uns dem Einfluss nicht entziehen, den unsere Umstände auf unser Herz ausüben. Doch wir können darauf achten, in welche Richtung sie unser Herz formen.
Fühle deinen Puls
Ich kann mich an einen Kindergottesdienst mit dem Thema »Herz« erinnern. Ich muss ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein. Ein großes Herz war an die Wand geklebt. Es war in verschiedene Bereiche unterteilt. Ein Bereich mit Besitz. Ein Bereich mit Freunden. Ein Bereich mit Hobbys. Und ein kleiner Bereich mit Gott. Ein zerteiltes Herz. »Gott möchte unser ganzes Herz, ein ungeteiltes Herz.« Diese Worte der Mitarbeiterin haben sich in mein Gedächtnis eingegraben. Vielleicht habe ich an diesem Tag das erste Mal versucht, mein eigenes Herz zu verstehen. Seit damals beobachte ich es jedenfalls voller Staunen und versuche, an der Hand Gottes das menschliche Herz zu verstehen.
Doch während es von Gott heißt, dass er uns allen das Herz gebildet hat1 und er den königlichen Titel »Herzenskenner«2 trägt, halte ich es eher mit Jeremia: »Schwierig ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus?« (Jeremia 17,9). Schlussendlich bleibt uns das eigene Herz geheimnisvoll und unergründlich – zumindest manche Bereiche und so mancher Zusammenhang. Aus eigener Anstrengung bleibt unser Herz unheilbar. Doch über Gottes Charakter lesen wir: »Er erkennt die Geheimnisse des Herzens« (Psalm?44,22).
Die Reise zu deinem eigenen Herzen kannst du nur gemeinsam mit Gott antreten, sonst verirrst du dich ganz sicher. Was wir auf dieser Reise über unser eigenes Herz lernen, wird uns nicht immer gefallen. Wir erahnen an der Hand eines heiligen Gottes schnell die Dimension unseres Herzversagens. Sein Fazit: Der menschliche Herzfehler ist so groß, dass ein Herzschrittmacher oder sogar eine Herzoperation nicht ausreichen würde. Es braucht eine Herztransplantation.
Ich würde dir liebend gerne versprechen, dass dieses Buch dein Herz verändern wird, dass es heilen wird, dass es nicht mehr wehtun wird und dass du lernst, auf dein Herz zu achten. Doch das Lesen von Büchern verändert keine Herzen. Du musst diese Veränderung wollen.
Gott sagt: »Siehe, ich mache alles neu« (Offenbarung 21,5). Natürlich schließt dieses »alles« dein Herz mit ein. Leider wollen wir Veränderung meistens nur dann, wenn wir es selbst für nötig halten. Oft stimmt der Plan, den du für dein Herz hast, nicht mit dem Plan überein, den der Herzspezialist für dich zusammengestellt hat. Die meisten von uns setzen sich nicht an ihren Schreibtisch, nehmen ein Blatt Papier und versuchen einen Plan auszuarbeiten, was sich an ihrem Herzen verändern sollte. Doch viele von uns wünschen sich vermutlich, dass ihr Herz weniger schmerzt.
Vielleicht wünschst du dir, dass du bestimmte Gefühle dämpfen kannst, oder du möchtest verschiedene Erinnerungen löschen. Wahrscheinlich würdest du gerne Fehlfunktionen behandeln, die andere Menschen bemerken. Oder du würdest augenblicklich jede Angst in deinem Herzen mit Mut ersetzen. Gott könnte aber ganz andere Prioritäten haben.
Ein paar Ideen:
Du hast dein Herz über Jahre hinter so vielen harten Schalen versteckt, dass du selbst kaum einen Zugang zu deinen Gefühlen hast. Gott möchte, dass dein Herz gesund empfinden kann.
Dein Herz ist durch viele Verletzungen vernarbt und es gelingt dir nicht, diese Wunden zu vergeben. Gott will, dass dein Herz heilt.
Dein Herz ist voller falscher Denkmuster über dich selbst, über Gott und andere Menschen. Gott möchte, dass dein Herz seine Perspektive erkennt.
Dein Herz ist zerteilt von verschiedenen Prioritäten. Während die eine Hälfte deines Herzens in die eine Richtung galoppiert, ist die andere Hälfte in eine ganz andere Richtung unterwegs. Gott sehnt sich nach deinem ganzen Herzen.
Dein Herz ist gelähmt vor Angst. Du gehst mit Kaninchenpuls durchs Leben. Gott kämpft dafür, dass dein Herz ganz frei wird.
Ich kenne dein Herz nicht. Ich weiß nicht, was in dir vorgeht. Ganz oft verstehe und weiß ich das nicht einmal bei meinem eigenen Herzen, habe mehr Fragen als Antworten. Was ich aber mit Sicherheit weiß: Gott kennt dein Herz. Ich weiß, dass es kein Herzversagen gibt, dass zu groß für ihn ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass es keinen Herzfehler gibt, den Gott nicht behandeln kann und will.
Von Anfang an lesen wir in Gottes Wort vom Herzversagen des Menschen und von Gottes Wunsch, Menschen ein neues Herz zu schenken.3 Niemand kann dich zu einer Herztransplantation zwingen. Kein Buch wird dein Herz verändern. So wie eine Anleitung zu einer Herzoperation niemals den Chirurgen ersetzen kann. Die Frage ist, ob du bereit bist, dein Herz den Händen Gottes anzuvertrauen, oder ob du lieber weiter selbst daran herumdokterst.
Das Aufregende bei der Operation am offenen Herzen, die Gott für uns geplant hat, ist, dass sie ohne Vollnarkose geschieht. Du bleibst in dem Prozess bei vollem Bewusstsein. Gottes Geist kommt nicht plötzlich über dich und du wachst nach einer Zeit mit einem völlig neuen Herzen auf. Warum eigentlich nicht? Wäre doch praktisch! Ich denke, die Antwort liegt in Gottes Charakter. Gott ist nicht zuerst ergebnisorientiert, sondern beziehungsorientiert. Meistens sind wir ungeduldig und wollen schnelle Ergebnisse und Lösungen. Gott ist zwar die Lösung (#Erlöser) und er hat auch ein Ziel mit unserem Herz vor Augen. Doch zuerst geht es ihm immer um die Beziehung.
Wunden zu Wundern – O’Bros
Er möchte, dass in dem Prozess, in dem dein Herz seinem Herzen ähnlicher wird, deine Beziehung zu ihm immer tiefere Wurzeln schlägt. Gott sagt: »Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber mit dem Herzen ist es weit von mir entfernt« (Jesaja 29,13).4 Das richtige Ergebnis, doch ohne Herzensbeziehung, ist nicht das, was Gott sucht. Was er sucht, ist dein Herz – genau so, wie es heute aussieht.
Veränderung ist nicht die Voraussetzung für eine Beziehung mit ihm. Veränderung passiert in der Beziehung mit ihm.
Viele Jahre habe ich verzweifelt mit dem Versuch verbracht, mein Herz aus eigener Kraft zu heilen. Ich habe mit aller Kraft versucht, mit meinem Verhalten Gottes Anerkennung zu verdienen, bis Gott mir die Augen geöffnet hat und ich sehen konnte: Gott ist nicht zuerst an meinem Verhalten interessiert, sondern in erster Linie geht es ihm um mein Herz.
Gott schaut nicht auf deine Kleidung. Ob du Tattoos hast oder nicht. Er achtet nicht auf deinen Lobpreisstyle, ob du die Hände hebst oder nicht. Gott achtet nicht darauf, wie viele Bibelverse du kannst oder wie oft du gleiche Fehler wieder machst. Welche oder wie viele Dienste du hast. Welche finanziellen Mittel du ihm zur Verfügung stellst. Welche Gemeinde du besuchst. Wie oft du betest. Er schaut mehr als auf alles andere auf dein Herz. »Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der Herr sieht auf das Herz« (1.?Samuel 6,7). Darum müssen auch wir mehr als auf alles andere auf unser Herz achten.
Es tobt eine Schlacht um dein Herz und niemand wird diese Schlacht für dich schlagen. Und: Du kannst dich dieser Schlacht nicht entziehen....




