E-Book, Deutsch, 329 Seiten
Ostwald Vergnügte Tiere
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8496-4508-3
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 329 Seiten
ISBN: 978-3-8496-4508-3
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hans Ostwald war ein Berliner Schriftsteller und Kunsthistoriker. Bekannt wurde er durch seine satirischen Werke mit und über den Berliner an sich. In 'Vergnügte Tiere' bietet er bekannte und weniger bekannte Humoresken mit Hauptdarstellers aus dem Tierreich.
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Tierfreunde.
Hier treten einige wirkliche Tierfreunde auf. Im übrigen bringt dieser Abschnitt meist vergnügte Witze und Schnurren, die Tierfreunde mit ihren Tieren erlebten. Dazu kommen einige Satiren über Tierfreunde. Gibt es doch genug solche Menschen, die sich mit ihren Tieren lächerlich machen.
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Der Sieg der Natur.
Der große italienische Dichter Dante disuptierte gern mit dem Dichter Cecco über philosophische Gegenstände. Eines Tages sprachen sie darüber, ob wohl die Kunst über die Natur den Sieg davontragen könnte. Cecco verneinte die Frage, Dante bejahte sie. Um seine Behauptung zu unterstützen führte Dante seine Katze als Beispiel an, die er gewöhnt hatte, während er zu Abend aß, oder in einem Buche las, ihm mit den Pfoten das Licht zu halten.
Cecco schien nicht recht an eine solche ungewöhnliche Dressur zu glauben und bat, sich durch den Augenschein davon überzeugen zu dürfen, worauf sein Freund sich sofort bereit erklärte, ihm das Kunststückchen vorzuführen.
Nun brachte aber Cecco eine bedeckte Schüssel mit lebenden Mäusen mit, die er in dem Augenblick in Freiheit setzte, als grade das gelehrige Tier sein Kunststück vorführte. Kaum hatte aber die Katze die Mäuse erblickt, da ließ sie das Licht fallen und lief ihnen nach. Die Streitfrage war also zu Ceccos Gunsten entschieden.
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Liebe zu Tieren.
Lionardo da Vinci besaß eine große Liebe zu Tieren, und es geschah mehr als einmal, daß er an Orten, wo gefangene Vögel feilgehalten wurden, sie den Händlern abkaufte und dann davonfliegen ließ.
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Der Edelmann, der seinen Hund tötete.
Es war ein Edelmann, der hatte einen Jagdhund, und der war ihm so lieb, daß er ihn nicht für vieles Geld weggegeben hätte. Nun begab es sich einmal, daß er in seine Kammer kam, da lag sein Kind in der Wiege allein, und es war niemand dabei, als eben dieser Hund. Eine Schlange aber war aus der Mauer geschlüpft und hatte das Kind getötet. Der Hund hatte diesen Tod gerächt und die Schlange totgebissen. Da der Junker niemand bei dem toten Kind sah, als den Hund, denn die tote Schlange lag unter der Wiege, so meinte er, der Hund hätte das Kind getötet, und schlug ihn in seinem Jähzorn mit seinem Schwert ebenfalls zu Tode. Erst nachher, als er die Schlange fand, erkannte er, daß der Hund den Tod des Kindes an der Schlange gerächt hatte, und daß er dem treuen Tier ein bitteres Unrecht zugefügt. Da überkam den Edelmann eine solche Reue und ein so tiefer Schmerz, daß er mit Bewilligung seiner Frau in den Benediktinerorden ging und Gott diente.
Joh. Pauli, »Schimpf und Ernst«.
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Der Hund als Fürsprecher.
Peter der Große von Rußland besaß eine Lieblingshündin, die Lisette hieß. Eines Tages, als es niemand wagte, für einen vom Kaiser im Zorne zum Tode Verurteilten um Begnadigung zu bitten, steckte man der Hündin das Gesuch ins Halsband. Er nahm es heraus, las es und lachte. Dann begnadigte er den Delinquenten mit den Worten:
»Diesmal mag es sein, Lisette, da du mir zum erstenmal mit einer solchen Bitte kommst. Laß dich aber nie wieder zu so etwas gebrauchen.«
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Der König hilft einem Esel.
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. ging einst in einfacher bürgerlicher Kleidung des Morgens früh in der Nähe von Sanssouci spazieren. Da sah er eine Frau auf einem Milchwagen, die eifrig auf den davorgespannten Esel losschlug. Der König trat an den Wagen heran und fragte die Frau, warum sie denn so heftig sei. »Ach Gott,« antwortete die Frau, und die Tränen liefen ihr über das Gesicht, »ich habe solche Eile, und nun will der dumme Esel nicht fort. Bin ich nicht zur rechten Zeit in Potsdam, so verliere ich meine besten Kunden. Ich kenne aber meinen Esel schon, wenn ihn nur jemand vorne bei den Ohren faßte, während ich von hinten auf ihn losprügle, dann geht es schon!« Der König faßte nun den Esel ernstlich bei den Ohren, die Besitzerin schlug los, und der Esel kam in Trab. Freundlich winkend dankte die Marktfrau dem unbekannten Helfer, der nun wieder umwandte und langsam nach Hause ging. Nachher erzählte er seiner Gemahlin das Erlebnis, die aber nicht sehr davon erbaut war und sagte:
»Lieber Fritz, als König darfst du doch so was nicht tun!« – Liebes Rind,« unterbrach er sie lächelnd, »mein seliger Vater hat auch schon manchem Esel fortgeholfen!«
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Das Herz.
Vor einigen Tagen, berichtete ein Berliner Blatt aus dem Jahre 1845, trat eine Dame, der ein Livreebedienter folgte, in eine der ersten Apotheken unserer Stadt ein. Ihre gewählte Kleidung, ihr distinguiertes Benehmen verrieten einen hohen Rang; während ihre Trauerkleidung und vor allem der Ausdruck ihres Gesichts auf einen tiefen, seelischen Schmerz schließen ließen. »Mein Herr,« redete sie den Apotheker an, »ich wünsche Weingeist.« – »wieviel, gnädige Frau?« Auf ein Zeichen der trauernden Dame trat nun der Diener heran und stellte sorgfältig ein kunstreich geschnitztes und bemaltes Kästchen auf den Tisch. Die Dame öffnete jetzt das Kästchen und nahm einen Pokal heraus, in welchem ein Herz lag.
Der Apotheker, unterstützt von seinem Gehilfen, füllte hierauf das kostbare Gefäß Mit Weingeist. Da er aber bei dem Anblick der heiligen Reliquie, die für seine vornehme Klientin offenbar ein Gegenstand frommer Verehrung war, ein Gefühl herzlicher Teilnahme nicht bemeistern konnte, so wagte er folgende Worte:
»Die geringe Größe dieses Herzens, gnädige Frau, läßt mich erraten, daß es einer teuern Person gehört, die Sie kürzlich in einem ganz zarten Alter verloren haben.«
»Gewiß,« erwiderte die Dame in großer Bewegung, »es ist das Herz eines Wesens, um dessen Verlust ich bittere Tränen vergieße. Es ist ihr Herz, die mir das Teuerste auf der Welt war.«
»Ist es vielleicht das Herz einer geliebten Tochter?«
»Nein, mein Herr, es ist das Herz einer kleinen Hündin!« Und ein furchtbares schluchzen erstickte ihre weiteren Worte.
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Ein Wolfsabenteuer.
»Ein toller Wolf in Polen fraß – den Tischler samt dem Winkelmaß.« Dieser alte Fibelvers könnte einem bei dem Erlebnis einfallen, das dem französischen Violinvirtuosen Baillot einst begegnete, während einer Konzertreise durch Rußland wurde er zu einem Edelmann auf dessen Landsitz eingeladen. Am ersten Tage, mitten während der Tafel, blickte er zufällig unter den Tisch und fuhr erschrocken zurück, als er da ein großes, schwarzes Tier mit funkelnden Augen liegen sah. »Achten Sie nicht darauf,« sagte die Hausfrau, »es ist unser schwarzer Wolf, er ist gezähmt.«
Abends als Baillot sich niederlegen wollte, erblickte er mit einem Male auf seinem Bett ein zusammengekauertes Tier, das ihm eine Reihe scharfer Zähne entgegenfletschte. »Was ist das?« fragte er erschrocken. – »Achten Sie nicht darauf,« sagte der Diener, »es ist der schwarze Wolf, ich werde ihn gleich verjagen.«
Am nächsten Morgen wollte Baillot mit dem Schloßherrn eine Jagdpartie machen. In dem Augenblick, als sie über die Schwelle traten, knallte ein Flintenschuß. »Was bedeutet das?« fragte Baillot.
»Achten Sie nicht darauf,« erwiderte der Schloßherr; »der schwarze Wolf hat diese Nacht unseren Koch gefressen, er wird jetzt dafür erschossen.«
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Vom Kasernenhof.
»Wie kommst du dazu, das Pferd ein Sauvieh zu nennen? Das Pferd ist ein edles Tier, du Rindvieh!«
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Pferde, die das Fluchen gewöhnt waren.
Die Kutscher in der Wallachei sind berühmt wegen ihres Fluchens. Daher kamen sie einst in Verlegenheit bei einer Reise des Metropoliten der Wallachei, dessen schwerer Wagen in einem...




