Ostwald | Dunkle Wolken über Braunschweig | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 146 Seiten

Ostwald Dunkle Wolken über Braunschweig

Die Jutekönig-Chroniken Teil 3
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7584-3499-0
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die Jutekönig-Chroniken Teil 3

E-Book, Deutsch, 146 Seiten

ISBN: 978-3-7584-3499-0
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Geschichte der Familie Spiegelberg nähert sich im dritten Band der Chronik der Jutekönige der verhängnisvollen Zeit von 1930 bis 1933. Der Freistaat Braunschweig erlebt die Auswirkungen der politischen Unruhen, als die NSDAP in den Landtag einzieht und Hitler zum deutschen Staatsbürger gemacht wird. Mitten im Zeitgeschehen stehen die Schicksale der Familien Spiegelberg und Neugebauer. Mit der ersten Jutefabrik Europas sind sie aufgestiegen zu bekannten und geschätzten Unternehmern. Die Textilfabrik fertigt inzwischen eigene Mode an, als sie den Auftrag erhält, Uniformen für die SA zu schneidern. Das aktuelle Geschehen in Deutschland scheint alles zu überrollen und die beiden Familien in einen wilden Strudel der persönlichen Erlebnisse zu ziehen. Es gibt schließlich für alle nur noch einen Weg - sich anpassen oder untergehen. Wie wird diese Entscheidung das Schicksal der Menschen bestimmen?

Unter dem Pseudonym Tomos Forrest wie auch unter seinem Klarnamen hat der Autor zahlreiche historische Romane, Krimis und auch neue Erzählungen um Karl Mays Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef veröffentlicht. Allein seine Reihe 'Schwert und Schild - Sir Morgan' umfasst mehr als 50 Romane. Dieses Werk fällt nun ein wenig aus dem Rahmen seines Schaffens, gilt es doch, skurrile Dinge und Merkwürdigkeiten in seiner Heimatstadt Braunschweig aufzuzeigen, die er im Laufe seiner langen Tätigkeit als Gästeführer aufgestöbert und beschrieben hat. So entsteht ein ganz anderer Stadtführer, der den Leser auf unterhaltsame Weise dazu anregt, sich einmal unter anderen Gesichtspunkten durch die Stadt zu bewegen.
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Die beiden Brüder betrachteten ihren Partner schweigend, während der die Seiten hastig überflog, sie dann wieder in die Mappe legte und mit einem schweren Seufzer sagte: „Das hätte ich nicht erwartet, Freunde.“ - „Wir auch nicht!“, erwiderte Jakob mit ernster Miene. „Und wie stehst du dazu, Karl Gustav?“

Der junge Neugebauer hob langsam die Schultern und ließ sie wieder sinken.

„Nach den braunen SA-Uniformen nun auch schwarze für die Schutzstaffel? Ich bin mir nicht sicher, ob wir das ablehnen dürfen!“, erwiderte er und starrte auf die wieder zugeklappte Aktenmappe.

Noch ehe einer der beiden Brüder sich äußern konnte, wurde kurz an die Tür geklopft und gleich darauf traten David und Eliot Spiegelberg ein. Während David ganz gelassen und gut gelaunt schien, war sein älterer Bruder das genaue Gegenteil von ihm. Seine Haaren standen etwas wirr vom Kopf ab, sein Binder saß nicht ordentlich, und seine sonst immer auf Hochglanz polierten Schuhe wiesen deutliche Dreckspritzer auf. Die Begrüßung fiel kurz aus, dann nahmen die beiden älteren Spiegelberg am Tisch Platz, und Eliot deutete auf die Aktenmappe. Jakob nickte ihm nur kurz zu, aber Eliot hatte schon längst danach gegriffen und schlug sie auf. Während er die Blätter überflog, war im Raum nur das Papierrascheln zu vernehmen. Keiner der anderen schien sich zu bewegen oder auch nur hörbar nach Luft zu schnappen.

Dann schlug Eliot die Mappe laut zu, blickte einen nach dem anderen mit ernster Miene an und schüttelte schließlich den Kopf.

„Das ist das Ende!“

Seine Stimme klang heiser und unnatürlich verzerrt.

„Wie meinst du das, Onkel Eliot? Ich glaube, es könnte der Anfang für zahlreiche Folgeaufträge sein! Nachdem wir die braunen Uniformen zu einem günstigen Preis bei guter Qualität liefern konnten…“

„Schluss, aus!“, unterbrach ihn Eliot Spiegelberg und schlug gleichzeitig heftig mit der flachen Hand auf den Tisch. „Glaubst du im Ernst, dass wir mit diesen Menschen weiter Geschäfte machen können, ohne unser Ansehen zu verlieren? Habt ihr nicht alle erlebt, was dieser Hitler in Braunschweig veranstaltet hat, als seine braunen Truppen in der Stadt aufmarschierten? Reichen nicht allein die beiden ermordeten Arbeiter hin, um alle Verbindungen mit diesen… diesen Typen abzubrechen?“

Jakob und Noah betrachteten ihren Onkel verwundert mit weit aufgerissenen Augen, während Karl Gustav, der von Eliot wie einer seiner Neffen behandelt wurde, mit ruhiger Stimme antwortete: „Aber Eliot – das sind Dinge, die sich entwickelt haben. Wir müssen doch nicht die Ideologien dieser Menschen übernehmen, wenn wir sie mit unseren Produkten beliefern! Das eine ist die Gesinnung – das andere ist das Geschäft.“

„So siehst du das also, Karl Gustav?“, erkundigte sich Eliot mit scharfem Tonfall. Dabei beugte er sich weit über die Tischplatte und deutete auf die Aktenmappe.

„Wenn ihr diesen Auftrag annehmt, könnt ihr gleich Mitglieder der NSDAP werden. Wahrscheinlich müsst ihr das ohnehin, damit ihr diese Aufträge in Zukunft exklusiv bekommt!“

Jetzt lachte Karl Gustav Neugebauer laut auf.

„Aber Eliot – das ist doch nicht dein Ernst! Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich muss doch als Fabrikant nicht die politische Meinung meines Kunden übernehmen! Das würde ja bedeuten, dass ich bei Lieferung von Messgewändern den katholischen Glauben annehmen müsste!“

Das klang für Jakob und Noah richtig, und sie lächelten.

Aber weder ihr Vater David noch Eliot erwiderten das Lächeln.

„Da liegt Ihr vollkommen falsch, meine Lieben. Meinetwegen fertigt auch diese schwarzen Uniformen an. Aber ich will damit nichts mehr zu tun haben.“

Bei diesen Worten klang Eliots Stimme rau und abweisend. „Wie soll ich das verstehen, Onkel?“, erkundigte sich Jakob verwundert.

„So, wie ich es sage. Ich hatte schon mit eurem Vater kurz gesprochen. Ich werde euch alle meine Anteile übertragen und mich aus den Geschäften zurückziehen.“

Diese Nachricht kam so überraschend für Jakob, Noah und Karl Gustav, dass die drei schwiegen und nur betroffene Blicke wechselten. Schließlich war es David, der als erster sprach.

„Eliot möchte sich nicht weiter an Geschäften beteiligen, die wir mit den Nationalsozialisten machen. Er hat mir schon mitgeteilt, dass er sowohl aus der Jutefabrik wie auch aus dem Geschäft der Textilfabrik zurückziehen will. Die Anteile an der Jutefabrik erhalten Jakob und Noah zu gleichen Teilen. An der Textilfabrik hat er, wie euch bekannt, ja nur geringe Anteile.“

Noah sah seinen Onkel zweifelnd an.

Eliot schwieg, blickte aber die drei jungen Direktoren unentwegt an. Dabei war sein Gesicht jedoch starr wie eine Maske. Kein Muskel zuckte, keine hochgezogene Braue verriet, was in dem Familienältesten vor sich ging. Schließlich erhob sich Eliot und sagte, noch immer mit seltsam klingender Stimme: „Das ist mein fester Entschluss, es gibt kein Zurück mehr für mich. In Kürze haben wir einen Notariatstermin, bei dem alles in der entsprechenden Vertragsform bereit sein wird. Danach werde ich Deutschland verlassen.“

„Du willst deine Heimat verlassen, Onkel Eliot? Aber um Himmels willen, warum jetzt zu dieser Zeit?“

„Ich kann nicht mehr in einer Stadt leben, in der es solche Aufmärsche von Nationalsozialisten gibt, wie wir sie gerade erlebt haben. Ich kann nicht in einer Stadt leben, in der es Woche für Woche wüste Schlägereien gibt zwischen SA-Leuten und Arbeitern oder Sozialisten. Und wo es scheinbar ungeahndet bleibt, wenn dieser braune Mob Menschen umbringt. Ich gehe zunächst nach England, dann wahrscheinlich in die Vereinigten Staaten.“ In das erneute Schweigen platzte Noah mit der Frage:

„Aber Onkel, das sind doch nur vorübergehende Dinge, die natürlich unterbunden werden müssen. Gerade heute stand doch in der Zeitung von der erfolgreichen Razzia im Schwanengold, bei der eine Reihe von SA-Leuten festgenommen wurden und man ihnen nun den Prozess machen wird!“

Eliot hatte schon die Hand an der Türklinke, als er antwortete:

„Das glaube ich eben nicht mehr, Noah. Ihr erkennt nicht die Zeichen der Zeit. Eine Razzia mit Festnahmen? Mag ja sein, aber wahrscheinlich habt Ihr noch nicht gehört, dass unser Polizeipräsident heute Morgen von seinem Posten abgelöst wurde.“

„Wie bitte? Was ist da vorgefallen, ist er krank?“

Eliot schüttelte den Kopf.

„Krank ist hier nur das ganze System, das solche Dinge zulässt. Seit Anton Franzen am 1. Oktober NSDAP-Landesminister des Freistaates Braunschweig wurde, haben diese Nazis den Fuß in der Tür. Man hat Hitler über einen Trick einen Posten verschafft, durch den er die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Ihr alle habt den Auftritt am 18. Oktober erlebt oder in der Zeitung davon gelesen. Das war erst der Anfang. Und ihr wollt diesen Menschen die Uniformen schneidern. Nein danke, ohne mich!“

Damit öffnete er die Tür.

„Und deine Familie, Onkel Eliot?“

Eliot Spiegelberg drehte den Kopf und erwiderte leise:

„Meine Familie? Habt ihr schon vergessen, dass mich Elisabeth bereits 1914 verlassen hat?“

„Aber wir sind deine Familie, Onkel!“, rief Noah verzweifelt.

Einen Moment verharrte Eliot Spiegelberg, dann öffnete er wortlos die Tür und schloss sie wieder leise hinter sich.

Wie betäubt blieben die anderen am Tisch sitzen und starrten auf die geschlossene Tür.

Zwölftes Kapitel:

Eine schicksalshafte Wende

Hans Bittner erwachte von dem Geräusch eines ersterbenden Motors direkt unter seinem Fen-ster. Dann klappten Türen, Stimmen wurden laut und er sprang aus dem Bett, um hinter den Vorhängen auf die Straße zu sehen. Der Morgen graute bereits, und auf der Straße stand ein Lastwagen, aus dem eben einige Uniformierte sprangen.

‚Die SA!‘, fuhr es ihm durch den Kopf und jagte ihm einen Schauer über den Rücken.

Es war zu spät, noch aus dem Haus zu entfliehen.

Selbst der Weg durch den Keller war ihm versperrt, denn eben wurde unten bereits die Haustür geöffnet. Bittner nahm die Pistole aus dem Nachttisch, öffnete lautlos die Wohnungstür und huschte so, wie er war, im Schlafanzug die Treppen zum Boden hinauf. Die Tür hatte er leise zugezogen. Schon polterten schwere Stiefel unter ihm im Treppenhaus, und mit wild klopfendem Herzen verharrte er nur kurz vor der Bodentüre. Kein Zweifel, es galt ihm. Das Splittern von Holz verriet ihm, dass man eben seine Wohnungstür eingetreten hatte.

Hans Bittner schloss die Bodentür leise, drehte den Schlüssel um und zog ihn ab. Seine gehetzten Blicke suchten den vollgestellten Dachboden ab. Hier standen eingestaubte Sessel, eine Kommode, ein schiefer Schrank, dazwischen Weidenkörbe mit Geschirr und Töpfen, die schon seit langer Zeit nicht mehr benötigt wurden. Endlich entdeckte er die alte, wacklige Leiter, die in einer Ecke an der Wand lehnte. Erleichtert griff er sie, stellte sie unter die Dachluke, stemmte die schwere Luke mit dem eisernen Halter auf und achtete dabei darauf, dass sie nicht auf die Dachziegel polterte. Endlich konnte er sich am Rahmen hochziehen und war gleich darauf auf dem Dach. Die schwere Lueger 08-Pistole war ihm dabei hinderlich, aber sie war auch seine einzige Möglichkeit zur Verteidigung.

Der Wind fuhr unangenehm durch den dünnen Stoff seines Schlafanzuges. Bittner hätte etwas darum gegeben, wenn er wenigstens noch seinen Mantel mitgenommen hätte. Die Dachluke wurde wieder geschlossen, dann tastete er sich auf allen vieren bis zum Ende des Daches.

Unglücklicherweise war das Nachbarhaus viel zu weit entfernt, um auf...



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