E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Oldfield Rio, die Liebe und du
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7337-7595-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-7595-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Rausch der Samba-Rhythmen reißt der heißblütige Roberto de Sa Moreira Ellen plötzlich an sich, um sie leidenschaftlich zu küssen. Hier in Rio de Janeiro werden Ellens Hoffnungen Wirklichkeit. Viele Jahre lang musste sie glauben, dass Roberto sie hasst - während sie ihn doch schon immer liebte ... Doch lag ihm wirklich Ellen am Herzen, als er sie in die Stadt des Karnevals einlud?
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1. KAPITEL
Sie erkannte ihn sofort wieder.
Ellen beeilte sich, um so schnell wie möglich in die Ankunftshalle zu kommen. Plötzlich blieb sie stehen. Dort stand er zwischen den vielen ungeduldig Wartenden – Roberto de Sa Moreira! Fast zehn Jahre waren seit ihrem letzten Treffen vergangen. Deshalb kam es ihr erstaunlich, ja fast unheimlich vor, dass ihr Blick sofort auf ihn gefallen war.
Oder vielleicht doch nicht? Durch seine Größe und seine elegante Erscheinung hob er sich von den anderen Menschen in der Flughafenhalle ab. Auch seine gebieterische Haltung, verbunden mit einem Hauch von Arroganz, trug dazu bei, dass er auffiel.
Als Ellen jedoch zu ihm hinübersah, lächelte er ganz plötzlich – ein verstecktes, gewinnendes Lächeln, das seinen dunkelbraunen Augen Wärme verlieh. Ellen lächelte zurück. Zwar war seine Einladung nach Rio eindeutig als Versöhnungsgeste zu verstehen, doch ihre Erinnerungen an ihr letztes Zusammensein verunsicherten sie.
Sie deutete mit den Lippen ein „Hallo“ an und winkte ihm zu.
Roberto blickte kurz nach links und rechts, als wollte er sich vergewissern, dass sie auch wirklich ihn meinte, dann nickte er.
Sie reihte sich wieder in die Schlange der Ankommenden ein und schob den Caddy am Absperrseil entlang. Nach dem Nachtflug, der über elf Stunden gedauert hatte, ging es jetzt nur schleppend voran.
Ellen sah erneut zu Roberto hinüber. Noch immer ein Lächeln auf den Lippen, hatte er sich in ihre Richtung gedrängt, um sie zu begrüßen, und sie bemerkte, dass er sie dabei von oben bis unten mit unverhohlenem männlichen Interesse musterte.
Ellen zog den rutschenden Gurt ihrer schweren Kameratasche hoch. Die üppige Fülle ihres weißblonden Haars und ihre gertenschlanke Figur zogen oft die Blicke der Männer an, obwohl sie es nie darauf anlegte. Endlich hatte sie das Ende der Absperrung erreicht und schob ihren Gepäckwagen in Robertos Richtung.
Mit seinem dichten dunklen Haar, seinem römischen Profil und seinem gutgeschnittenen Kinn strahlte Roberto eine große Anziehungskraft aus. Sie erinnerte sich, dass er vor zehn Jahren ein fast hübsch zu nennender junger Mann gewesen war, doch sein jetziges Gesicht, das inzwischen von einer gewissen Reife geprägt war, gefiel ihr besser.
Je näher Ellen ihm kam, desto schneller schlug ihr Herz. In Robertos Blick sah sie mehr als nur sexuelle Begierde. In diesem Blick lag etwas, das tiefer ging. Sie glaubte, in ihm eine geistige Übereinstimmung und Seelenverwandtschaft zu erkennen.
„Ich hab’s geschafft“, verkündete Ellen außer Atem.
Roberto zog die Augenbrauen hoch. „Sie sind wirklich eine entschlossene junge Dame“, sagte er.
Er hatte einen tiefen, weichen Bariton. Durch seine Studienzeit in Cambridge war sein Englisch perfekt, bis auf seinen südlichen Akzent, der unglaublich sexy war.
„Das bin ich immer“, entgegnete Ellen.
Roberto sah sie amüsiert an. „So, und was geschieht nun als Nächstes?“, fragte er. Doch plötzlich beugte er sich ein wenig vor und murmelte etwas auf Portugiesisch. „Das bist ja du!“, rief er verblüfft aus.
Ellen musste vor Entrüstung tief Luft holen. Sie hatte geglaubt, dass er sie angelächelt habe, um sie willkommen zu heißen. Doch in Wirklichkeit hatte er sich für eine ihm völlig unbekannte blonde, junge Frau in einem pinkfarbenen T-Shirt und ausgewaschenen Jeans, die von irgendwo herkam, begeistert. Pure Begierde hatte seine Gefühle bestimmt, und ihre Vorstellungen von einer Seelenverwandtschaft waren lediglich die Auswüchse eines von der langen Reise überreizten Gehirns.
„Du dachtest wohl, ich wollte mich an dich heranmachen?“, fragte sie.
Roberto hob abwehrend die Hand. „Nun … ja.“
„Das gehört nicht zu meinen Angewohnheiten“, erklärte Ellen mit vernichtendem Blick.
Seine Mundwinkel zuckten belustigt. „Dann solltest du es vielleicht einmal versuchen. Ich kann dir eine überdurchschnittlich hohe Erfolgsrate garantieren.“ Er lächelte. „Aber ich bitte dich aufrichtig um Verzeihung“, fuhr er fort, „du siehst ganz anders aus als früher.“
Ellen lächelte nervös. Sie hatte sich in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich sehr verändert. „Bestimmt denkst du jetzt daran, dass ich bei unserem letzten Treffen Zahnspangen getragen habe und mit meinem Babyspeck zu kämpfen hatte.“
„Außerdem war dein Haar ganz kurz, und deine Kleidung war hoffnungslos zu weit und hing traurig an dir herunter. Und du hast noch kein Make-up benutzt.“
Ellen war erstaunt, dass er sich an solche Einzelheiten erinnerte. Nicht sehr schmeichelhafte Einzelheiten. „Ich wollte damals eben absolut natürlich sein“, verteidigte sie sich.
„Aber warum denn?“, fragte Roberto verwundert.
Ellen warf ihre weißblonden Locken nach hinten. „Als Teenager macht man eben solche Phasen durch“, erklärte sie wegwerfend.
„Aber jetzt bist du sechsundzwanzig“, sein Blick verweilte kurz auf ihren vollen Lippen und glitt dann über ihre Hüften zu ihren langen Beinen, „und hast einen traumhaft schönen Körper. Übrigens, mein Wagen steht draußen.“
Sein plötzlicher Themenwechsel erheiterte Ellen.
„Wenn du den Caddy hier stehen lässt, nehme ich dein Gepäck“, erklärte Roberto und warf sich bereits ihren Reisesack über die breite Schulter, während er ihren Koffer in die Hand nahm. „Bist du sicher, dass du für eine Woche genug eingepackt hast?“, fragte er mit ironischem Unterton, denn ihr Koffer war prall und schwer.
Ellen zögerte. Sollte sie ihm sagen, dass sie vorhatte, länger hierzubleiben? Doch das konnte sie später immer noch tun, schließlich war sie gerade erst angekommen. Also lenkte sie ab. „Ich hatte einen herrlichen Flug“, berichtete sie, als sie zum Ausgang gingen, „und ich konnte einen kurzen Blick auf die große Heilandsstatue werfen, bevor das Flugzeug landete. Es war atemberaubend! Der Blick auf die Stadt, die nahen Berge, das Meer und die Inseln vor der Küste – einfach wunderbar!“ Sie musste sich beeilen, um mit Roberto Schritt zu halten.
„Ich habe mir schon immer gewünscht, Rio zu besuchen, besonders in der Karnevalszeit. Also vielen Dank für deine Einladung. Das war wirklich sehr großzügig! Ich bin noch nie erster Klasse gereist und …“
„Noch nie?“, unterbrach er sie verwundert.
„Nein. Es war herrlich, so verwöhnt zu werden.“
„Ich bin froh, dass es dir so viel Spaß gemacht hat.“ Roberto dirigierte Ellen aus dem Flughafenterminal hinaus zu einem Platz, auf dem in wildem Durcheinander viele Autos abgestellt waren. Sie gingen an schnittigen, gepflegten Limousinen vorbei, an klapprigen Kleintransportern, an einem ganzen Schwarm von gelben Volkswagen-Käfern, die hier offensichtlich als Taxis dienten, bis sie plötzlich vor einem funkelnden scharlachroten Wagen mit schwarzem aufklappbaren Verdeck standen.
„So, hier wären wir.“ Roberto öffnete den Kofferraum und stellte ihr Gepäck hinein.
Ellen streckte ihre Arme in die Luft und reckte sich wohlig. „Es ist schon richtig warm hier“, bemerkte sie und genoss die sanfte Brise auf ihrer nackten Haut.
„Ein idealer Tag für den Strand“, stimmte Roberto zu.
„Aber du musst doch arbeiten?“, fragte sie zögernd.
„Das stimmt. Ich habe eine sehr wichtige geschäftliche Verabredung, die ich auf keinen Fall versäumen darf. Deshalb kann ich dich nur kurz nach Hause bringen und muss dich dann bis zum Abend allein lassen.“
„Das macht nichts“, beruhigte ihn Ellen. „Schließlich bin ich inzwischen eine erwachsene Frau.“
Roberto ließ den Blick bewundernd über ihren Körper gleiten. „Das sehe ich“, sagte er leise.
Ellen drehte sich herum und ging zur Beifahrertür. Ganz unbewusst hatte sie die Schultern gestrafft, als sie zu Roberto gesprochen hatte. Dadurch wurden die Rundungen ihrer hohen Brüste besonders hervorgehoben, und Robertos Aufmerksamkeit war geweckt. Sein bewundernder Blick löste in ihr ein aufflackerndes Gefühl von sinnlicher Befriedigung aus.
„Ich werde auch morgen und am Freitag beschäftigt sein“, fuhr Roberto fort, als er sich geschmeidig auf den Fahrersitz gleiten ließ, „aber danach bin ich frei. Das Büro schließt wegen des Karnevals.“
Ellen setzte sich neben ihn. Sie hatte nicht auf die Automarke geachtet, aber dieses Kabriolett war ein Traum auf Rädern, die Form der Karosserie war weich und fließend, die Lederpolster waren magnolienfarben, und in das Armaturenbrett aus glänzendem Mahagoniholz waren ein Telefon und ein Bordcomputer eingebaut. Ellen griff hinter sich und legte ihre unförmige Kameratasche auf den Rücksitz.
„Ich habe immer geglaubt, die Firma der Moreiras sei in Sao Paulo“, sagte sie, während sie den Sitzgurt befestigte.
„Die Hauptniederlassung der Moreira-Eisenerz-Company ist auch dort.“ Roberto zögerte kurz. „Aber vor einigen Jahren gründete mein Vater diese Firma in Rio, und ich muss jetzt sehen, wie ich mit diesem Problem fertig werde. Seit Monaten bin ich nun mindestens zwei Tage in der Woche hier.“
Als er seinen Vater erwähnte, bekam Ellens Gesicht einen traurigen Ausdruck. „Ich war so bestürzt, als ich den Brief erhielt, in dem du mir schriebst, dass Conrado gestorben sei. Das muss ein furchtbarer Schock gewesen sein.“
„Ja, das war es“, gab Roberto zu. „Conrado war erst sechzig Jahre alt und schien sich ausgezeichneter Gesundheit zu erfreuen“, berichtete er und ließ den Motor an. „Doch dann bekam er...




