Oertel | Hitchhiking the Americas | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 616 Seiten

Oertel Hitchhiking the Americas


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7504-9036-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 616 Seiten

ISBN: 978-3-7504-9036-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Reise zu Fuß per Anhalter und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den schönsten und höchsten Bergen in Nord- und Südamerika. Außer über Berge schreibt die Autorin über Erlebnisse mit Menschen, über Wüsten und Nationalparks. Wer vor hat im Doppelkontinent die Natur zu erleben, findet hier die guten Tipps.

Katrin Oertel, Jahrgang 1981 wurde in Halle/Saale im Flachland geboren. Schon zeitig hatte sie eine Vorliebe fürs Wandern, die sich später auf andere sportliche Bereiche ausweitete. Radfahren, Skifahren, Klettern, Eisklettern sind jetzt die Hobbies. Mit Ihrem Beruf als Ärztin verdient sie das Geld dafür.
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Vorbereitung


Von einem Berg hatte ich schon lange geträumt: Denali. Ja, OK, für den Anfang vielleicht etwas hoch gegriffen, aber ich liebe Schnee und Eis und welcher Ort auf der Welt wäre perfekter geeignet, dies anzutreffen?

Im Jahr zuvor bin ich bereits mit Diamir auf den Cayambe und Chimborazo in Ecuador gestiegen. Zum Test. Ich war ja schon öfter Wandern, aber nie auf hohen Bergen und auf Gletschern. Ich dachte, wenn ich bei der Besteigung dieser beiden keine Probleme habe, dann muss ich es unbedingt probieren, auf den Berg meiner Träume zu kommen. Immer wieder schwelgte ich in Gedanken und studierte Bilder, Karten und Informationen im Internet. Ein wenig trainiert war ich sowieso. Laut meinem Papi eher bekloppt, jeden Tag mindestens zwei Stunden ins Fitnessstudio zu gehen, Reiten, Fahrradfahren, Klettern, Rudern. Zumindest mal ein paar Grundvoraussetzungen.

Als ich dann in Ecuador war, auf dem Weg hoch zum Chimborazo, dachte ich nicht nur einmal, nein, so was mache ich nie wieder! Das dachte ich vielleicht fünf der zehn Aufstiegsstunden. Als ich dann aber oben war, rückte Denali gefährlich nahe und ich konnte gar nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken, dort hinaufzusteigen.

Übrigens ist in meiner Erinnerung Chimborazo immer noch der anstrengendste Berg, den ich je bestiegen habe und mittlerweile hat sich deren Zahl enorm erhöht. Ich denke, das liegt weniger daran, dass wir sieben Stunden lang ca. 45° auf Blankeis in nicht gerade optimalen Wetterbedingungen nach oben gestiegen sind, als vielmehr daran, dass es mein erster hoher Berg war. Die Akklimatisierung war nicht so super. Wir waren auf einigen Viertausendern zuvor, haben aber nur vor der Besteigung des Cayambe, sozusagen als Testberg, in der Höhe geschlafen, und das war alles andere als gut. Aber so ist das, wenn man nur drei Wochen Urlaub hat, um Berge zu besteigen. Später hatte ich auch auf viel höheren Bergen nie Probleme, da ich einfach immer super akklimatisiert war. Auch wenn man weiß, worauf man sich einlässt, ist es viel einfacher immer nur einen Fuß vor den anderen zu setzen, im Wissen, irgendwann schon anzukommen, na ja, nicht immer, manchmal ist es gesünder, vorher umzudrehen.

Ich hatte also den Entschluss gefasst, meine Reise in Alaska mit der Besteigung des Mt. Denali (mit 6.190 m nur 77 m niedriger als der 6.267 m hohe Chimborazo) zu beginnen.

Ich plante zweieinhalb Jahre für mein Gesamtvorhaben. Die Denalibesteigung war im Sommer. Ich wählte den spätesten Termin, Mitte Juni, da mein Arbeitsvertrag in Jena bis 31.05.2016 ging. Am Ende meines Studiums hatte ich mein Praktisches Jahr und dann noch einige Monate in Brasilien verbracht. Diesmal wollte ich unbedingt länger bleiben, da ich festgestellt hatte, dass sieben Monate verdammt schnell vergehen und ich wollte Weihnachten zurück sein.

Nun, für den höchsten Berg Nordamerikas braucht man etwas Ausrüstung. Einige Dinge hatte ich ja schon, aber viele auch nicht: Puscheljacke, Puschelhose, Puschelhandschuhe, Puschelpuschelpuschelschlafsack und natürlich, nicht Puschel, aber doch sehr, sehr warme 8.000er Schuhe, Steigeisen u.s.w. All das habe ich gegen ansonsten nutzlose Dreieinhalbtausend Euro eingetauscht. Einiges davon konnte ich dann auf zwei Höhenmedizinkursen in Österreich und in der Schweiz schon mal austesten, auch wenn die 8.000er Schuhe hierfür etwas übertrieben waren und ich dafür teils komisch beäugt wurde.

Nur die Bergausrüstung allein hat eine großen Dufflebag gefüllt (der oder die Dufflebag? Das wird wohl das Geheimnis der denglischen Sprache bleiben). Nun wollte ich aber auch nach der Besteigung des kältesten Berges der Welt noch weiter in viele verschiedene Gegenden reisen. So musste ich mich entscheiden, was ich mitnehmen wollte und wie. Leider hat man ja nur einen Rücken und alles andere wäre auch unpraktisch und würde komisch aussehen.

Ich habe einen großen 75 l Rucksack mit Zelt, Schlafsack, Isomatte, Regensachen, Kochzeug und ein paar Klamotten gepackt und die Bergausrüstung inklusive Klettersachen in den Dufflebag gequetscht. Rucksack auf dem Rücken und Tasche vorn, kann man so zumindest kurze Strecken problemlos zurücklegen.

Weiterhin habe ich durch einen großen Zufall die E-Mail und Telefonbekanntschaft von Andy gemacht, der in der Nähe von Nenana winterliche Schlittenhundefahrten anbietet. Ich hatte meine geführte Denali Reise für ca. 8.000 Euro bei Amical alpin gebucht. Weil es etwas langwierig war, die Beratung über das Telefon durchzuführen, bin ich zu ihnen nach Oberstdorf gefahren. Allein das war, von Jena aus, eine in meinem damaligen Empfinden noch lange Reise. Aber es hat sich mehr als gelohnt. Nicht nur, dass ich dort den Großteil meiner Puschelsachen bekam, ich bekam auch Andys Kontaktdaten. Ich hatte den netten Leuten von Amical von meinem Vorhaben erzählt und die hatten sofort die Idee, ich könnte meine Bergausrüstung bestimmt für einige Zeit bei ihm deponieren. Nachdem wir einige E-Mails hin und her geschrieben hatten, rief ich ihn dann einen Tag vor Abflug an und, obwohl er gerade nicht in Alaska, sondern in den Alpen unterwegs war, bot er mir an, so lange ich wollte, Zeit in seinem Haus bei Nenana zu verbringen. OK, sehr vertrauensselig, aber danke. Das nahm ich gern an.

In meiner Vorbereitungszeit hatte ich viele Nerven in Versicherungen und, im Rückblick die größte Hürde in der Besteigung des Mt. Denali, die Beantragung des US-amerikanischen Visums, gesteckt. Man muss einige Seiten auf der Homepage der US-Botschaft ausfüllen, Geld bezahlen und sich einen Termin in der Botschaft, das war in meinem Fall in Berlin, holen. Nicht ganz einfach, diesen wahrzunehmen, aber dank der Hilfe eines Kollegen der meinen Dienst früh um sechs übernahm und dank meiner Eltern, die mich hin fuhren, hat es aber zeitlich geklappt. Ich dachte, ich hätte mich sehr gut auf den Termin vorbereitet. Ich hatte Kontoauszüge, Flugpläne, die Amical-Rechnung und Versicherungsnachweise mit. Aber die Frage des Beamten: Was wollen Sie in den USA, hat mich dann doch vor eine Herausforderung gestellt. Offensichtlich war die Antwort, Urlaub machen, nicht richtig. Viel mehr konnte ich in dem ca. eine Minute dauernden Gespräch dann auch nicht erklären. Der Beamte hatte mich nämlich umgehend für unwürdig befunden, sein Land zu bereisen. Da konnte man auch keinen weiteren Einspruch erheben.

Man kann sich vielleicht denken, dass ich nach all den Vorbereitungen und Ausgaben nun ganz schön niedergeschlagen war. Ich rief bei einer Visum-Hilfs-Organisation an, die mich zwar sehr nett, aber ohne Aussichten auf Erfolg berieten. Dennoch hieß es, ich solle es einfach versuchen. Was wohl ein großer Fehler war, und dies ist mir leider schon oft zum Nachteil geworden, ich bin einfach zu ehrlich. Um in die USA einreisen zu dürfen, braucht man einen festen Job in Europa. Nun liegt es ja auf der Hand, dass ich, hätte ich einen festen Job, nicht zweieinhalb Jahre durch die Gegend reisen könnte. Eben dafür habe ich ja gekündigt. Das hätte ich in dem schriftlichen Antrag einfach nicht erwähnen dürfen.

Bei dem nächsten Botschaftstermin darf man nicht ein zweites Mal zu dem gleichen Staatsprotektor, von dem man zuvor abgewiesen wurde und so verspürte ich wenigstens den Hauch einer Chance. Wenn ich mich recht erinnere, war der nächste Termin drei Monate später, im Mai. Diese drei Monate hatte ich schlechte Laune, weil ich kontinuierlich daran denken musste, was, wenn ich nicht in die USA einreisen konnte? Geld zurück vom Guide Service gibt es nicht und noch viel schlimmer, ich hatte mich mental schon so sehr darauf eingestellt, bald auf meinem geliebten weißen Berg zu wohnen. Ich hatte mir vorgenommen, einfach darum zu betteln, dieses Vorhaben erledigen zu dürfen und wenn es sein müsse, auch gleich danach wieder zurückzukommen.

Nochmal musste ich die Hilfe meines Kollegen und meiner Eltern in Anspruch nehmen. Ungeduldig, mit nassen Händen, saß ich im Warteraum vor den Botschaftsschaltern. Ich beobachtete wie mehr Leute mit traurigen Gesichtern den Schalter, von dem mir schon bekannten Sympathiebolzen, wieder verließen und von dem anderen Angestellten die Leute mit fröhlicheren Gesichtern zurückkehrten. Ich war froh, dass ich nicht nochmal zu ihm musste. Und dann erklang die gefürchtete Stimme, die mich zu eben diesem gefürchteten Schalter zitierte. Ich gab alle Hoffnung auf. Er schaute kurz auf den Bildschirm seines Rechners und schickte mich dann wieder weg. Aufatmen! OK, es ist noch nicht ganz vorbei. Sein Kollege war tatsächlich wesentlich freundlicher, was keine Kunst war. Im Gegensatz zu meinem ersten Vorstellungstermin, wurden sogar meine Unterlagen gesichtet. Kurzzeitig dachte ich echt, es würde nicht klappen, aber meine Taktik funktionierte. Er behielt meinen Reisepass. Was mein gebeuteltes Hirn nicht sofort in Zusammenhang brachte, aber nach kurzer Verwirrung schloss sich der Kreis und ich atmete auf. Es hatte geklappt. Ich durfte in die USA! Am 25. Juni sollte es los gehen.

Was ich auch nicht wusste, aber das ist eher etwas doof gewesen von mir, dass man sich drei Monate vor Ende des Arbeitsvertrags beim Arbeitsamt melden muss. Mein letzter Arbeitstag war ein 24 Stunden Dienst und so verbrachte ich den letzten Tag im Monat Mai 2016 im...



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