Oberhoff | Richard Wagner: Parsifal | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 220 Seiten

Oberhoff Richard Wagner: Parsifal

Ein Mensch, der Gott in sich erkannte. Ein mystischer Opernführer
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9634-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Mensch, der Gott in sich erkannte. Ein mystischer Opernführer

E-Book, Deutsch, 220 Seiten

ISBN: 978-3-7562-9634-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In Richard Wagners Weiheoper Parsifal begegnen sich buddhistische Spiritualität und christliche Mystik, um gemeinsam jenen dornenreichen Pilgerpfad zu schildern, auf dem die individuelle Seele - ja, die ganze Menschheit - wandern muss, wenn sie den göttlichen Wesenskern im eigenen Inneren entdecken will.

Bernd Oberhoff, PD Dr. phil., Diplom-Psychologe, Gruppenanalytiker, Gastprofessor und Privatdozent für Soziale Therapie an der Universität Kassel, langjähriger Leiter zweier Kammerchöre, Autor zahlreicher Bücher im Feld psychodynamischer und spiritueller Musikforschung.

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II. Akt:
Im Prüfungsland
1. Klingsor und Kundry – Ein teuflisches Duo
Haben wir uns gerade noch an den heiligen Gesängen der Stimmen aus der höchsten Höhe der Gralskuppel erfreut, so werden wir mit dem Öffnen des Vorhangs zum 2. Aufzug hinab in dunkelste Abgründe gestürzt. Sichtbar wird ein Verließ, aus dem Steinstufen zu einer Turmmauer hinaufführen. Von Zauberwerkzeugen und nekromantischen Einrichtungen umgeben, erblickt man den Schwarzmagier Klingsor auf einem Mauervorsprung sitzend. Der Blick in seinem Zauberspiegel hat ihn darüber informiert, dass Parsifal sich seinem Schloss nähert. Das veranlasst ihn, ein „furchtbar schönes Weib“ aus ihrem Schlaf zu wecken und zu ihrem verderblichen Dienst aufzurufen. Klingsor Herauf! Herauf! Zu mir! Dein Meister ruft dich Namenlose, Urteufelin, Höllenrose! Herodias, warst du, und was noch? Gundryggia dort, Kundry hier: Hierher! Hierher denn! Kundry! Dein Meister ruft: herauf! Diese Gestalt ist deswegen eine „Namenlose“, weil sie in ihren zahlreichen Leben in vielerlei Gestalt aufgetreten ist. Als Herodias verlangte sie die Enthauptung von Johannes dem Täufer und verlachte dessen abgeschlagenes Haupt. Als Gundryggia zettelte sie Kriege an. Als Kundry ist sie eine sexuelleVerführerin, die Männer verlockt und depotenziert. Diese „Urteufelin“ sieht man in dieser Szene in einem bläulichen Licht aus der Tiefe ins Rampenlicht der Bühne heraufsteigen. Sie erscheint zunächst schlafend, macht aber dann die Bewegung einer Erwachenden und stößt einen schrecklichen Schrei aus. Klingsor Erwachst du? Ha! Meinem Banne wieder verfallen heut zur rechten Zeit. Klingsor genießt offensichtlich seine Macht über diese Verkörperung des Verführerisch-Weiblichen und beschimpft Kundry wegen ihres Aufenthaltes bei den Gralsrittern. Klingsor Sag, wo triebst du dich wieder umher? Pfui! Dort bei dem Rittergesipp, wo wie ein Vieh du dich halten lässt! Gefällt dir’s bei mir nicht besser? Als ihren Meister du mir gefangen – haha – den reinen Hüter des Grales – was jagte dich da wieder fort? Kundry ringt nach Sprache; ihrem Mund entweichen unverständliche Wortfetzen. Kundry Ach! – Ach! Tiefe Nacht! Wahnsinn! – Oh! – Wut! - Ach! – Jammer! – Schlaf – Schlaf – Tiefer Schlaf! – Tod! Klingsor Da weckte dich ein andrer? He? Kundry (wie zuvor) Ja! – Mein Fluch! – Oh! – Sehnen – Sehnen! – Klingsor Haha! – dort nach den keuschen Rittern? Kundry Da – da dient‘ ich. Klingsor Ja, ja! Den Schaden zu vergüten, den du ihnen böslich gebracht? Sie helfen dir nicht: feil sind sie alle, biet ich den rechten Preis; der Festeste fällt, sinkt er dir in die Arme; und so verfällt er dem Speer, den ihrem Meister selbst ich entwandt. – Den Gefährlichsten gilt’s nun heut‘ zu bestehn: ihn schirmt der Torheit Schild. Kundry versucht sich dem erneuten Verführungsauftrag zu widersetzen („Ich will nicht!“). Doch Klingsor erinnert sie an seine Macht, die er über sie besitzt („Wohl willst du, denn du mußt“). Daraus entwickelt sich ein bemerkenswerter Dialog. Kundry Aus welcher Macht? Klingsor Ha! Weil einzig an mir deine Macht – nichts vermag. Kundry (grell lachend) Haha! – Bist du keusch? Klingsor (wütend) Was frägst du das, verfluchtes Weib? – Furchtbare Not! – So lacht nun der Teufel mein, daß einst ich nach dem Heiligen rang? Furchtbare Not! Ungebändigten Sehnens Pein, schrecklichster Triebe Höllendrang, den ich zum Todesschweigen mir zwang – lacht und höhnt er nun laut durch dich, des Teufels Braut? – Hüte dich! Kundry rächt sich für Klingsors unwürdige Behandlung, indem sie in beschämender Absicht auf dessen Selbstkastration anspielt. Durch diese Selbstverstümmelung ist Klingsor zwar vom „Höllendrang schrecklichster Triebe“ erlöst, wie er sagt, aber diese Tat bereitet ihm nach wie vor eine „furchtbare Not!“ In Klingsors Wonnegarten sind bereits viele Gralsritter den verlockenden sinnlichen Reizen erlegen und ins Unglück gestürzt worden. Wie machtvoll die dort geweckten und ausagierten Triebkräfte sind, wird dadurch deutlich, dass nicht nur einfache Gralsritter, sondern selbst der Gralskönig Amfortas den entfachten Begierden erlegen und in einen Zustand der Schwäche abgestürzt ist. Immerhin konnte er – mit Gurnemanz Unterstützung – mit knapper Not aus dieser triebgesteuerten teuflischenWelt entkommen. Doch Amfortas verlor in der Verführungssituation den heiligen Speer an Klingsor, der ihm mit dieser Waffe in der Leiste eine schwere Wunde zufügte. Klingsor lässt uns im Folgenden wissen, dass es die „Höllenrose“ Kundry war, die Amfortas in diese verhängnisvolle Situation gebracht hat. Klingsor Gefiel er dir wohl, Amfortas, der Held, den ich zur Wonne dir gesellt? Kundry Oh! – Jammer! – Jammer! Schwach auch er! – Schwach – alle! Meinem Fluche mit mir alle verfallen! – Oh, ewiger Schlaf, einziges Heil, wie – wie dich gewinnen? Klingsor Ha! Wer dir trotzte, löste dich frei: versuch’s mit dem Knaben, der naht! Mit anderen Worten: Befreiung ist für Kundry durchaus möglich, und zwar durch einen Mann, der „ihr trotzt“, also der ihrer sexuellen Verführung widersteht und ihr Ansinnen zurückweist. Das deutet darauf hin, dass es sich bei der von Klingsor organisierten Verführungssituation in seinem Wesenskern um eine Prüfungsaufgabe handelt. Männer, die den weiblichen Reizen erliegen, erweisen sich als schwache Männer, die keine Macht über ihre Triebnatur besitzen. Sie haben die Prüfung nicht bestanden und bleiben in dieser elementaren Triebwelt gefangen. Außerdem wird ihnen durch diese Schwäche eine Wunde zugefügt, die es ihnen verunmöglicht, weiterhin auf dem spirituellenPfad zu wandeln. Würde es einem Mann gelingen, den Reizen nicht zu erliegen, seine Triebnatur zu zügeln und unter Kontrolle zu bringen, so würde er zugleich auch das verführende Weib aus ihrer Gefangenschaft in dieser Triebwelt befreien. Klingsor ist auf den Turm hinaufgestiegen und ruft seine Mannen zum Kampf gegen den Eindringling auf. Doch diese können von Parsifal leicht besiegt und in die Flucht geschlagen werden. In seinem Zauberspiegel kann Klingsor erkennen, dass sich Parsifal erfolgreich kämpfend bereits seinem Schloss genähert hat und schon bald vor ihm und Kundry erscheinen wird. Trotz Parsifals siegreichem Kampf triumphiert Klingsor bereits, weil er sich sicher ist, dass er auch diesen Jüngling zur Strecke bringen wird. Es erscheint ihm unvorstellbar, dass es Parsifal gelingen könnte, den Verlockungen nicht zu erliegen. Klingsor Ha! Wie stolz er nun steht auf der Zinne! Wie lachen ihm die Rosen der Wangen, da kindisch erstaunt in den einsamen Garten er blickt! (Er wendet sich nach der Tiefe des Hintergrundes um.) He, Kundry! (Da er sie nicht erblickt.) Wie? Schon am Werk? – Haha! Den Zauber wußt‘ ich wohl, der immer dich wieder zum Dienst mir gesellt! (Sich wieder nach außen wendend.) Du da, kindischer Sproß, was auch Weissagung dich wies, zu jung und dumm fielst du in meine Gewalt: die Reinheit dir entrissen, bleibst mir du zugewiesen! Kundry ist bereits „am Werk“ und hat hinter den Kulissen die ihr zugedachte Rolle als Verführerin eingenommen, als auf der Bühne eine magische Verwandlung geschieht. Klingsor verschwindet mitsamt seinem Turm. An seiner Stelle steigt ein Zaubergarten empor. 2. Der Wonnegarten – Die verlockende Schönheit der sinnlichen Natur
In Mozarts „Zauberflöte“ wird der Jüngling Tamino vor drei Tempel geführt: den „Tempel der Natur“, den „Tempel der Vernunft“ und den „Tempel der Weisheit“. Wächter versperren ihm den Eintritt in die „Natur“ und in die „Vernunft“, sodass Tamino sogleich auf die richtige Bahn gelenkt wird. Dieses Glück ist Parsifal nicht hold. Er findet sich unversehens im „Tempel der Natur“ wieder, wo bedrängende Erlebnisse auf ihn warten. Der Zaubergarten wird folgendermaßen...



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