Nygaard | Tod an der Förde | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten

Reihe: Hinterm Deich Krimi

Nygaard Tod an der Förde


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-86358-045-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten

Reihe: Hinterm Deich Krimi

ISBN: 978-3-86358-045-2
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein argentinischer Marineoffizier wird in Kiel ermordet, doch bevor die Kieler Kripo mit den Ermittlungen beginnen kann, wird ihr der Fall wieder entzogen. Ein unerschrockener Staatsanwalt und Kriminalrat Lüders vom polizeilichen Staatsschutz wollen sich jedoch nicht beugen - und die Hölle bricht über die Beamten und ihre Familien herein. Dennoch durchdringt Lüders Stück für Stück die verwobenen Machenschaften von Politik, Wirtschaftslobby und internationalem Waffenhandel, die niemand im beschaulichen Kiel vermutet hätte. Ein spannender Thriller, der aufzeigt, dass man selbst seinen Freunden nie trauen sollte.

Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard. Er wurde 1949 in Hamburg geboren und hat sein halbes Leben in Schleswig-Holstein verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und ist heute als Unternehmensberater in Münster/Westf. tätig.
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EINS

Es war ein angenehmes Gefühl, das sich über den ganzen Körper ausbreitete. Ein wohliges Prickeln lag auf der Haut und zog sich über den Nacken zum Kopf. Seine Nase nahm den feinen Duft des Parfums von der jungen Frau an seiner Seite auf. Er spürte ihre Wärme.

Ein Strahlen lag in ihrem Blick. Dann streckte sie ihren Kopf empor und spitzte den Mund. Er hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.

Endlich war es so weit. Annika hatte mit einem sanften Lächeln seinem vorsichtigen Drängen nachgegeben. Sein Herz schlug schneller, das Blut pulsierte durch den Körper.

Die Dämmerung war bereits hereingebrochen, und in der ruhigen Seitenstraße, die von der Kiellinie, der Promenade am Ufer der Förde, zum Parkplatz seines Autos führte, waren keine Passanten mehr unterwegs.

Lediglich ein gut gekleideter Mann mittleren Alters schien ihren Weg kreuzen zu wollen. Der Fremde war nur noch wenige Schritte entfernt. Offenbar angetrunken torkelte er ihnen entgegen. Er hatte Probleme, sich auf den Beinen zu halten und stierte die jungen Leute aus weit geöffneten, glasigen Augen an.

Jan nahm Annika fester in den Arm und drängte sie an die Seite, aber der Fremde machte einen Schlenker direkt auf die beiden zu. Er breitete die Arme aus. Es schien, als wolle er sie aufhalten.

»He, was soll der Scheiß?«, rief Jan, doch der Mann reagierte nicht darauf. Kurz bevor er Jan und seine Freundin erreicht hatte, stolperte er, fiel nach vorn und riss dabei die Arme hoch. Das junge Mädchen versuchte noch, sich mit einem Rückwärtsschritt der Berührung zu entziehen, wurde aber von Jans Arm, der sie immer noch fest um die Taille fasste, daran gehindert. Die Hände des Fremden glitten von Annikas Bauch über ihren Unterleib an der Jeans hinab und fielen dann kraftlos auf das Pflaster. Der Mannes lag jetzt ausgestreckt vor den beiden.

»Jan!« Annika entfuhr ein Entsetzensschrei. Sie klammerte sich an ihn. Ein furchtbares Zittern fuhr durch den schlanken Mädchenkörper. Auch Jan sah das Blut, das unter dem Körper des Unbekannten herauslief. Jans Blick fiel auf Annika. Mit seinen Händen hatte der Mann an der Kleidung des Mädchens eine blutige Spur hinterlassen.

»Mein Gott«, stammelte Jan. Vorsichtig löste sich der Junge aus der Umarmung seiner Freundin und zog sie ein kleines Stück fort. »Wir müssen den Rettungsdienst rufen«, jappte er und suchte in der Tasche seiner khakifarbenen Capri-Hose nach dem Handy, während Annika immer noch gebannt auf den Unbekannten starrte.

»Hallo. Ja! Hier liegt einer. In der Reventlouallee. Hausnummer?« Jan sah sich suchend um und gab dann dem Beamten in der Leitstelle der Kieler Feuerwehr die genaue Adresse durch. »Was mit ihm ist? Der blutet wie ein Schwein.«

Dann schwieg er einen Moment.

»Wo denken Sie hin. Das ist kein Märchen. Uns ist wirklich einer vor die Füße gestolpert!« Annika hatte sich an seinem Arm festgekrallt, sodass er nur mit Mühe das Mobiltelefon am Ohr halten konnte. »Natürlich warten wir hier. Nun machen Sie endlich, statt mich hier mit unnötigen Fragen zu überfallen«, gab er zornig zurück. Er umarmte Annika, nahm mit der anderen Hand ihren Kopf. Dann fuhr er sanft mit seiner Hand über die Haare der schluchzenden jungen Frau.

»Das ist ja ‘nen Ding«, murmelte er.

*

Kurze Zeit später wimmelte es in der Straße von Einsatzfahrzeugen. Blaulichter rotierten und ließen ihre blauen Strahlenfinger über die Fassaden der Häuser gleiten. Neben mehreren Streifenwagen und zwei Rettungswagen der Kieler Feuerwehr trafen jetzt auch zwei VW-Variant ein, denen drei Männer und eine Frau entstiegen.

»’n Abend«, grüßte einer der uniformierten Beamten und gab den vieren den Weg zu der Stelle frei, an der sich ein Notarzt und zwei Rettungsassistenten um den Mann auf dem Gehweg kümmerten.

Der bullige Arzt sah kurz auf die Neuankömmlinge, wandte sich dann aber ohne ein Wort zu sagen wieder dem Opfer zu.

»Kripo Kiel«, stellte sich der hoch gewachsene Mann mit dem gepflegten Bart bei den Männern des Rettungsdienstes vor. »Können Sie schon etwas sagen?«

Ein böser Blick des Arztes streifte ihn. »Ich bin mit anderen Dingen beschäftigt«, belehrte ihn der Mediziner.

Hauptkommissar Thomas Vollmers wandte sich ab. Der Mann in der roten Weste hatte natürlich Recht. Vollmers sah, dass sich seine drei Kollegen professionell um die Absicherung des Tatortes kümmerten. Sie waren ein eingespieltes Team, das sich in zahlreichen Einsätzen bewährt hatte und in dem jeder ohne Anweisungen des Leiters der Mordkommission wusste, was zu tun war.

Es wurden knappe Kommandos ausgetauscht, und die Kollegen der Schutzpolizei halfen mit, die Schaulustigen zurückzudrängen.

Der Notarzt kam mit einem Ächzen in die Höhe, fasste sich dabei ins Kreuz und sah sich suchend um. Sein Blick blieb an Vollmers hängen.

»Sind Sie der Einsatzleiter?«

»Ja. Hauptkommissar Vollmers von der Mordkommission.«

Der Arzt streckte ihm versöhnlich die Hand entgegen. »Sorry, dass ich vorhin ein wenig grob war. Jürgen Bischoff«, stellte er sich vor. Dann nickte er in Richtung des Mannes auf dem Gehweg. »Da ist nichts mehr zu machen. Tot. Das Messer hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Bauchschlagader verletzt. Da gibt es keine Rettung. Null Chance.«

»Welches Messer?«, fragte Vollmers.

Der Arzt zeigte auf die andere Straßenseite. »Da drüben haben die Streifenbeamten ein langes Messer gefunden. Ich vermute, damit wurde er erstochen.«

»War der Mann schon tot, als Sie eintrafen?«

»Ich habe keine Lebenszeichen mehr feststellen können. Der Exitus muss aber kurz zuvor eingetreten sein.«

»Also hat er nichts mehr sagen können?«

Der Arzt hob bedauernd die Schultern und sah einen Moment versonnen seinen Rettungsassistenten zu, die ihre Notfallausrüstung zusammenpackten. »Nein! In meiner Gegenwart hat er keinen Laut von sich gegeben.«

Inzwischen war die Spurensicherung eingetroffen und begann mit der Untersuchung des Tatorts.

»Was glauben Sie, Doktor? Wie weit kommt man mit einer solchen Wunde?«

Der Arzt schob das Kinn vor. »Schwer zu sagen. Das hängt von der Art der inneren Verletzungen ab, die ich nur schwer einschätzen kann. Ich vermute aber, dass er im nahen Umkreis des Fundorts erstochen wurde. Weit ist er nicht gelaufen.«

Vollmers sah sich um. Hier, zwischen Regierungsviertel, Förde und Düsternbrooker Gehölz, befand sich eine der bevorzugten Wohngegenden der Stadt. Die Reventlouallee führte von der Hauptstraße, die parallel zum Wasser lief, fort und stieg leicht bergan. Auf der rechten Straßenseite lagen einige etwas nach hinten versetzte großbürgerliche Häuser, während die andere Seite von einem bunten Mix von Mehrfamilien- und Reihenhäusern gesäumt wurde. Es würde eine der ersten Routineaufgaben sein, die Anwohner zu befragen, nach Auffälligkeiten zu forschen und zu eruieren, ob neugierige Nachbarn etwas über missliebige Mitbewohner verlauten ließen.

Dann sah er den Kollegen der Spurensicherung zu, die mit ihren durchsichtigen Plastikoveralls ein wenig den Rentnern vergangener Tage ähnelten, die sich mit ihrem Klepperüberzug auf dem Fahrrad gegen den Regen schützten.

Vollmers überquerte die Straße. Dort hielt ein Streifenbeamter am möglichen Tatwerkzeug Wache. Es war eine ungewöhnliche Waffe, größer als herkömmliche Messer, offenkundig mit beidseitiger Schneide und einem verzierten Griff, vermutlich aus Silber. Die Spurensicherung würde sich der Waffe annehmen.

Vollmers kehrte zum Opfer zurück.

Soweit er erkennen konnte, war das Messer auf der rechten Seite unterhalb der Leber eingedrungen und musste vom Stichkanal her seitlich in die Mitte des Bauchraumes vorgestoßen sein. Auffallend war auch, dass die Schneide anscheinend waagerecht geführt wurde und nicht senkrecht, wie es bei Messerattacken sonst fast immer der Fall ist. Dadurch, dass die Waffe quer geführt worden war, hatte sie im Inneren des Opfers einen wesentlich größeren Schaden angerichtet und beim Durchtrennen der Aorta eine absolut tödliche Wirkung gehabt.

Als wenn der Arzt seine Gedanken gelesen hätte, erklärte er: »Das blasse Gesicht und die extrem harte Bauchdecke lassen auf eine Schocksymptomatik durch Volumenmangel schließen.«

»Das heißt im Klartext?«

»Dem armen Kerl ist das Blut in den Bauchraum gelaufen. Da ist die ärztliche Kunst machtlos. Es sei denn, dieses Missgeschick passiert Ihnen auf dem Operationstisch eines erfahrenen Bauchchirurgen. Dann haben Sie vielleicht noch eine Chance.« Der Arzt zuckte noch einmal mit den Schultern. Mit einem »Tschüss denn« verabschiedete er sich.

Vollmers wandte sich zu Oberkommissar Frank Horstmann um, der von hinten an ihn herangetreten war.

»Habt ihr etwas?«

Sein langjähriger Kollege schüttelte den Kopf. Horstmann ging auf Mitte vierzig zu. Das rotblonde Haar und die leichten Sommersprossen verliehen ihm das Aussehen eines nicht älter werdenden Lausbuben.

»Nein, Thomas«, erwiderte Horstmann. »Ich habe mit den jungen Leuten gesprochen, denen der Tote vor die Füße gefallen ist. Die haben nichts bemerkt. Sie haben den Mann erst wahrgenommen, als er von der anderen Straßenseite herübertorkelte und direkt vor ihnen zusammengebrochen ist. Sonst haben sie niemanden gesehen, nicht einmal einen Schatten.«

»Mist«, fluchte Vollmers. »Keine Idee, ob er eventuell aus einem der Häuser gekommen ist?«

»Nichts. Aber Ingo und Babs sind schon unterwegs und klappern die Nachbarschaft ab.«

Horstmann meinte die anderen Mitarbeiter der Mordkommission, Oberkommissar Küster und Kommissarin...


Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard. Er wurde 1949 in Hamburg geboren und hat sein halbes Leben in Schleswig-Holstein verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und ist heute als Unternehmensberater in Münster/Westf. tätig.



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