North | Cold Bones - Dunkle Wahrheit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 567 Seiten

North Cold Bones - Dunkle Wahrheit

Ein New-York-Thriller | Ein wohlgehütetes Geheimnis wird zur tödlichen Bedrohung
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-468-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein New-York-Thriller | Ein wohlgehütetes Geheimnis wird zur tödlichen Bedrohung

E-Book, Deutsch, 567 Seiten

ISBN: 978-3-98690-468-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wenn Knochen sprechen könnten ... Der packende Thriller »Cold Bones - Dunkle Wahrheit« von Darian North jetzt als eBook bei dotbooks. Ein tödlicher Gruß aus der Vergangenheit ... Sie steht kurz davor, ihren größten Traum zu verwirklichen - doch bevor die junge Anthropologin Iris Lanier das Geheimnis eines alten Maya-Grabes entschlüsseln kann, erhält sie eine schreckliche Nachricht: Ihr Vater John ist Opfer eines heimtückischen Attentats geworden. Aber was hat ihn von seiner abgelegenen Ranch in Kalifornien in das brodelnde New York gelockt? Schnell beschleicht Iris ein Verdacht: War John immer noch auf der Suche nach ihrer Mutter, die vor vielen Jahren spurlos verschwand? Plötzlich mehren sich die Anzeichen, dass Clary Lanier noch leben könnte - und Iris droht, zur Figur in einem eiskalten Spiel zu werden, in dem es nur eine Regel gibt: Wer überleben will, muss alles riskieren. Jetzt als eBook kaufen und genießen: »Cold Bones - Dunkle Wahrheit« von Darian North wird alle Fans der Bestseller von Kathy Reichs und Paula Hawkins begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Darian North ist ein renommierter amerikanischer Spannungsautor. Bekannt wurde er vor allem für seine psychologischen Thriller, die besonders durch seinen fesselnden Schreibstil und außergewöhnlichen Fälle bestechen. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor die psychologischen Thriller: »Dead Heat - Tödliche Lügen« »Cold Bones - Dunkle Wahrheit« »Die Arche - Es gibt kein Entkommen«
North Cold Bones - Dunkle Wahrheit jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Die Luft in der unterirdischen Kammer war erfüllt vom Duft feuchter, moosiger Erde und pulverisiertem Gestein. Es roch nach verfaulten Wurzeln, die auf der Nahrungssuche tief nach unten gedrungen waren und nun den Boden mit ihren morschen Überresten düngten. Es roch nach Leben. Dem Kreislauf des Lebens. Als wäre die Kammer ein Teil vom Schoß der Erde.

Und so schien es nur vernünftig, daß die Leichen hierhergebracht worden waren. Zurück in den ewigen Schoß, wo Blut und Fleisch sich mit der Erde vereinen und Teil ihres Kreislaufs wurden.

Iris Lanier trat von der primitiven Leiter hinunter auf den dichtbepackten Boden und atmete die moschusschwere Luft tief ein. Obwohl ihr die Kammer inzwischen vertraut war, gab es noch immer Momente, wo sie ihre eigene Bedeutungslosigkeit im Laufe der Menschheitsgeschichte verspürte.

Zu ihren Füßen lagen fünf Frauen. Ihre Körper waren strahlenförmig um ein ovales Zentrum aus glattem, flachem Fels angeordnet. Zwei Frauen waren enthauptet worden. Den drei anderen schien das Herz herausgerissen worden zu sein.

Gewaltsame Tode, die sich jedoch vor beinahe zweitausend Jahren ereignet hatten und jetzt nichts weiter hervorriefen als wissenschaftliche Neugier.

Iris war in der vergangenen Nacht mit der Freilegung der fünften Frau fertig geworden und verspürte noch immer die Befriedigung getaner Arbeit. Einen Moment lang betrachtete sie eingehend ihr Werk in seiner Ganzheit, versuchte, es kritisch und objektiv zu sehen, musterte die feinen, klaren Formen der Knochen und beurteilte ihre eigene Kompetenz.

Als sie die Arbeit in der Kammer begonnen hatte, waren die Knochen der Frauen tief in der Erde vergraben gewesen. Sie schaufelte, kratzte und bürstete die Erde beiseite und legte die Knochen frei, veränderte ihre Lage jedoch nicht, sondern entfernte nur ihr erdiges Bett. Als nächstes wollte sie das letzte Skelett ausgraben, von dem bislang nur die Füße und Beine am Eingang der Kammer aus dem Tunnel ragten. Zum Schluß würden dann alle Überreste vor Ort fotografiert, dokumentiert und in Luftpolsterfolie verpackt ins zwanzigste Jahrhundert befördert werden.

Iris ging vorsichtig um die Frau herum. Der unterirdische Raum war sechs Meter lang und vier Meter breit. Das Einstiegsloch und die Leiter befanden sich im hinteren Teil. Die sternförmig angeordneten Frauen lagen in der Mitte, so daß sie sich an der Wand entlang an ihnen vorbeidrücken mußte. Der ursprüngliche Tunneleingang im vorderen Teil führte von der Erdoberfläche sanft nach unten. Er war vollkommen mit Erde und Schutt gefüllt, unter denen zum Teil auch das sechste Skelett begraben lag.

»Hallo ... Dr. Lanier?« rief eine weibliche Stimme oben am Einstieg. »Kann ich Ihnen ein bißchen helfen?«

Iris hätte am liebsten nein gesagt, denn sie freute sich schon darauf, allein mit Nummer sechs anzufangen. Aber ihr fiel keine passende Ausrede ein, um die Bitte abschlagen zu können.

»Kommen Sie herunter«, antwortete sie.

Linda schob sich vorsichtig durch die Öffnung und stieg die Leiter hinunter, als ob sie nicht Jeans und Turnschuhe, sondern ein Seidenkleid und Pumps tragen würde. Iris beobachtete sie und dachte, daß jedes männliche Teammitglied zu der Archäologiestudentin hingeeilt wäre, um ihr helfend die Hand zu reichen. Die Männer waren von Lindas Hilflosigkeit wie gebannt. Sie behinderten sich gegenseitig in dem Bemühen, ihr zu helfen. Und obwohl Iris sich manchmal darüber ärgerte, waren die Darbietungen doch so amüsant, daß sie hoffte, Linda würde es länger aushalten als all die anderen Studenten, die freiwillig hier gearbeitet hatten.

»Dann sind bis auf die Nummer sechs alle fertig?« fragte Linda munter, als sie von der letzten Sprosse trat.

Iris nickte. »Bleiben Sie dicht an der Wand«, sagte sie und wies auf den Pfad um die strahlenförmig liegenden Frauen. Linda ging behutsam an der Wand entlang, blieb aber auf halbem Weg stehen und kniete neben einem der Skelette. »Ist das eine von denen, die ...?« Linda fuhr mit dem Finger über ihren Hals.

»Ja«, sagte Iris. »Das ist Nummer zwei.«

»Obwohl Sie mir gezeigt haben, wo die Verletzungen sind, kann ich sie immer noch nicht finden. Es ist erstaunlich, was Sie von Knochen ablesen können.«

»Alles Übung«, versicherte Iris.

»Es ist mehr als nur Übung«, sagte Linda mit einem Anflug von Resignation in der Stimme. »Dr. Becker meint, dafür hat man entweder Talent oder nicht. Und ich frage mich allmählich, ob ich welches habe. Im Unterricht war ich zwar immer gut, aber bei der Arbeit in der Pyramide gibt mir Dr. Becker ständig das Gefühl, ganz dumm zu sein!«

Iris überlegte, was sie darauf antworten sollte. Linda war fünfundzwanzig. Sie war erwachsen, nur vier Jahre jünger als sie selbst, und doch erschien sie ihr wie ein Kind.

»Vielleicht will er Sie nur auf die Probe stellen«, sagte Iris. »Und das auf verschiedenen Ebenen«, sagte Linda leicht sarkastisch. Sie zog ihre Schaufel aus der Gesäßtasche. »Wo fangen wir an?«

»Werden Sie denn heute nicht in der Pyramide gebraucht?« fragte Iris.

»Schon möglich, aber Dr. Becker ist wieder mal hochgradig empfindlich.« Sie rollte die Augen. »Ich mußte einfach weg.«

Schon wieder. Daniel Beckers schwacher Punkt. Jedes weibliche Wesen war für ihn eine sexuelle Herausforderung. Iris war die einzige Frau, die bei diesem Projekt durchgehalten hatte.

»Haben Sie ihm gesagt, daß sein Verhalten Ihnen mißfällt?« fragte Iris.

»Ich werde Dr. Becker doch nicht sagen, daß mir sein Verhalten mißfällt! Also bitte! Ich hoffe nur, daß ich diese Ausgrabung hinter mich bringe, ohne mit ihm im Bett zu landen.«

Merkwürdigerweise schien diese kindliche Frau mit Beckers Annäherungsversuchen besser fertig zu werden als so manche ihrer cleveren Vorgängerinnen.

»Wenn Sie nicht mit ihm ins Bett wollen, dann lassen Sie sich auch nicht von ihm einschüchtern«, sagte Iris.

Die junge Frau sah sie von der Seite an; ihr Blick war weder naiv noch hilflos – er war klug, gewitzt und geheimnisvoll. Als verbinde sie ein uraltes weibliches Wissen. Eine tiefe, primitive Vertrautheit.

Iris wandte sich ab, verunsichert durch die plötzliche Vertraulichkeit und die Bedeutung, die in diesem Blick lag. Sie betrachtete sich eingehend die Nummer sechs. Füße und Beine lagen bis zur Mitte der Oberschenkel frei, aber der Rest des Skeletts war in der Tunnelöffnung begraben. Sie mußte viel Dreck beiseite schaufeln, um den ganzen Körper freizulegen.

»Ich wette, daß er Sie nie belästigt hat, stimmt’s?« sagte Linda hinter ihr. »Sie haben alle eingeschüchtert.« Sie kicherte leise. »Aber ist das mit der Zeit nicht ziemlich langweilig? So unberührbar zu sein? Immer nur die hervorragende Wissenschaftlerin zu sein?«

Iris starrte auf die Füße von Nummer sechs. Die feinen Zehenglieder, die schlanken Mittelfußknochen, die komplexe Konstruktion des Dreiecksbeins. So vollkommen, zeitlos und vertraut.

Linda stöhnte übertrieben und leicht ungeduldig. »Na ja ... was immer einem über die Runden hilft, nicht wahr? Puh! Heute wird’s schon früh warm.«

Iris nickte und rollte die Ärmel hoch. Umgehend folgte Linda ihrem Beispiel.

Iris trug immer ausgewaschene Jeans und ein ärmelloses Trägerhemd unter einem baumwollenen Männerhemd, das sie in der Taille zusammenknotete. Wenn die morgendliche Kühle abklang, rollte sie die Ärmel hoch. Sobald die mörderische Nachmittagshitze Einzug hielt, zog sie das Hemd aus und arbeitete im Unterhemd weiter. Das gehörte zu ihrer täglichen Routine, weil es praktisch und bequem war. Allerdings hatte Lindas Reaktion darauf schon fast Unbehagen in ihr hervorgerufen.

Obwohl Linda mit drei großen Koffern voll Designerfreizeitkleidung am Ausgrabungsort erschienen war, hatte sie es geschafft, daraus eine Imitation von Iris’ einfacher Arbeitskleidung zusammenzustellen. Und wie Iris hatte sie die Haare am Hinterkopf zu einem Zopf zusammengebunden. Becker und die anderen spöttelten über Lindas Wandlung und bezeichneten sie als Iris’ kleine Schwester. Iris wußte nicht, was sie davon halten sollte. Es hätte ihr wohl schmeicheln müssen, aber sie fand es eher beunruhigend.

»Lassen Sie sich nicht von mir ablenken«, sagte Linda und rückte näher heran, als Iris ihre Ledersandalen abstreifte. Iris machte sich nicht die Mühe zu antworten. Sie war nicht abgelenkt. Die Arbeit lockte, und sie wollte endlich beginnen.

Sie konzentrierte sich auf das letzte Subjekt in der Kammer, und schon bald hatte sie Lindas Anwesenheit völlig vergessen. Bei den Maya war es Brauch gewesen, einen Sklaven in das Grabgewölbe zu werfen, bevor der Eingang versiegelt wurde. Als das Ausgrabungsteam in das Gewölbe unter der Pyramide eingedrungen war, hatte man im Eingang der Grabstätte des Königs mehrere dieser Unglücklichen zusammengedrängt gefunden. Becker und sie vermuteten, daß die Nummer sechs in dieser Grabkammer das gleiche Schicksal ereilt hatte und wahrscheinlich in den Tunnel geworfen worden war, bevor er mit Erde aufgefüllt wurde.

Sie betrachtete eingehend die Knochen, registrierte jedes Detail und stellte sich die Position des Skeletts in dem abfallenden Tunnel vor. Sie sah, daß es mit dem Gesicht nach unten lag, und vermutete, daß es ausgestreckt dalag und oberhalb der Taille nicht gekrümmt oder zusammengerollt war. Sie stellte sich diesen Menschen unter der Erde vor – wartend, geduldig wartend. Und die Arbeit trug sie, verläßlich wie immer, in die magische Sphäre des Vergessens – wie der Schlaf –, wo ihr Tun einem Traum gleichkam. Und außer dem Traum gab es nichts. Nach einer Weile wurde sie durch ein leises Plumpsen und das darauffolgende...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.