E-Book, Deutsch, 505 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm
Nolte Kurze Geschichte der Imperien
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-205-20549-4
Verlag: Böhlau
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 505 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm
ISBN: 978-3-205-20549-4
Verlag: Böhlau
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hans-Heinrich Nolte ist Historiker und emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hannover. Forschungsschwerpunkt: Osteuropäische Geschichte und Weltgeschichte.
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Das Buch wendet sich an historisch und politisch interessierte Bürger, die in der Geschichte nach Hinweisen suchen, wie man die Gegenwart angemessen gestalten kann, aber skeptisch gegenüber plakativen Analysen sind. Da die Meinung weit verbreitet ist, dass die USA ein Imperium sei oder China eines werden könne, wird die Geschichte der Imperien als einer Staatsform in einem Abriss vorgestellt. Geht es einigen Politikwissenschaftlern bei ähnlichen Unternehmen eher darum, eine in der »Anarchie der Staatenwelt« verlässliche Ordnung zu finden, ist es mein Ziel, historische Befunde zu erarbeiten. Ab wann gibt es Imperien ? Die kurze Antwort ist : seit mehr als drei Jahrtausenden. Wie veränderte sich die Struktur ? Eine Periodisierung wird vorgeschlagen. Was leisten Imperien, was können sie nicht ? Die Übersicht legt nahe, dass Imperien besser in der Lage sind, weltweite Probleme zu bearbeiten, dass aber Nationalstaaten besser Vorteile erkämpfen, konkrete Kontrolle sichern und Identifizierung ermöglichen. Das spricht für Unionen, da sie auf globale Probleme adäquater reagieren können und doch Raum für nationale (oder andere) Identitätsbildungen lassen. Der universale Trend lautet also nicht »from Empires to Nations« (wie man nach den Weltkriegen annahm) oder gar »from Nations back to Empires« (wie manche hoffen), sondern »from Empires to Unions«.
Eine Gesetzmäßigkeit, dass in Unionen immer bessere Politik gemacht wird, gibt es selbstverständlich nicht ; aber die Diskussionsebene Union ist den zu lösenden Aufgaben angemessen.1 Ich hoffe, mit diesem Buch zu einer tiefen und weiten Perspektive zu der Frage beizutragen, welche Verfassung die Welt im 21. Jh. braucht. Mein Votum geht für uns Europäer dahin, Europa möge im Rahmen der Vereinten Nationen die Rolle einer Provinz der Welt akzeptieren sowie in Stabilität und festen Grenzen zu einem solidarischen Ausgleich der immer noch wachsenden sozialen und wirtschaftlichen, politischen und rechtlichen Differenzen innerhalb der Union und der Welt beitragen.
Der Text beruht nur in kleinen Bereichen (Aufnahme Moskaus in die antiosmanische Liga 1686 sowie deutsche Besatzungspolitik und Holocaust in der UdSSR) auf eigenen Archivarbeiten, sondern vielmehr auf Sekundärliteratur sowie bereits publizierten (also von anderen ausgewählten und herausgegebenen) Quellen. Um Vorgänge realitätsnah zu rekonstruieren und tradierte Konzepte zu hinterfragen, wird oft auf solche Quellen Bezug genommen. Um Kontrolle und Selbstkontrolle zu formalisieren, wurden zu den Beispielen Zeitleisten (die Daten wurden an Datensammlungen kontrolliert2) eingebracht ; deren Aussage liegt v. a. in der Auswahl. Es wurde versucht, viel Sekundärliteratur zum Thema zu rezipieren, allerdings überwiegend nur, soweit sie in deutscher, englischer oder russischer Sprache vorliegt. Auch Bildersammlungen zur Weltgeschichte wurden herangezogen.3 Um auch in den Anmerkungen ein angemessenes Maß zwischen Detail und Überblick zu erreichen, werden Quellen und Darstellungen meist nur an einem Ort zitiert. Für häufiger vorkommende Texte wurden Kurztitel gebildet, die im Literaturverzeichnis aufgelöst werden, wo der Leser auch andere Hinweise zur Literaturaufnahme findet.
Insgesamt werden 14 Imperien und/oder Hegemonialmächte skizziert, und zwar mehr Landmächte als Seemächte. Aufgrund geringer oder fehlender Kompetenz konnten leider keine Beispiele aus dem vorkolumbianischen Amerika und aus der romanischen Welt einbezogen werden. Da der Text in deutscher Sprache vorgelegt wird, werden die Skizzen aus der Geschichte deutschsprachiger Staaten relativ kurzgehalten, weil der Leser sich leicht anderweitig über sie informieren kann.
Da ich versuche, an einer – ursprünglich politikwissenschaftlichen – Debatte als Historiker teilzunehmen, schließe ich mich Herfried Münklers Bitte an, den Text als »reflexive Orientierung« und nicht auf Detailfehler hin zu lesen.4 Ich bitte Kolleginnen und Kollegen, Historiker, Soziologen und Politikwissenschaftler um »Hebammenhilfe« beim gemeinsamen Nachdenken über unsere Konzepte zu Geschichte und Gegenwart der Welt.
Das Grundkonzept des Buches ist eine fortlaufende Darstellung ausgewählter, meist historiografisch nicht umstrittener Imperien zusammen mit nationalen Infragestellungen. Die beiden Argumentationsreihen werden aufgeteilt in die Kapitel 1–5 Imperien sowie Gegenbewegungen. In Kapitel 6 werden Imperien und Gegenbewegungen einander direkt gegenübergestellt.
Der innere Aufbau dieser Kapitel wiederholt sich bei sämtlichen Beispielen. Die Skizzen der verschiedenen Imperien folgen also einem gemeinsamen Schema :
–Chronologischer Aufriss,
–Quellenkunde und Methode,
–Soziale Einheiten und Ökonomie,
–Religionen und Ideologien,
–Außenbeziehungen,
–Formen von Politik,
–Kriterienkatalog.
Das Buch wäre ohne meine Familie nicht geschrieben worden. Ich danke meiner Frau, dass sie zu diesem Buch den Beitrag über das Neuassyrische Reich geschrieben hat. Außerdem hat sie das Entstehen des Buchs mit Kritik begleitet und es diskutierend gelesen. Meinen Kindern und Enkelkindern danke ich für ihre Geduld mit dem alten Großvater hinter den Bücherbergen – und beim Dämmebauen im Bullerbach ! Mein besonderer Dank gilt Henner für seine Erklärungen des gegenwärtigen Kapitalismus, Insa für die anthropologischen Argumente und eine genauere Vorstellung von oraler Kultur ; Christian für Aufklärung über Seuchen, Piroschka für psychologische Kritik der Außenpolitik und Jakob für sein Bestehen auf fremden Lebensformen. Und ihnen allen dafür, dass sie mit mir den Rhein hinaufgefahren sind, eine fraglos imperiale Wasserstraße – nur eben im deutschen Sinn, also angefüllt mit der Geschichte von lauter Kleinstaaten und anderen Einzelheiten, nicht zuletzt dem schönen jüdisch-deutschen Märchen von der Lore auf dem Stein. Sowie vielen anderen Missverständnissen. Aber eben auch viel Zuwendung.
Das Buch gehört zur Teildisziplin »Welt- und Globalgeschichte«.5 Ich danke Adelheid von Saldern und Helmut Bley dafür, dass sie 1977 die erste kooperative Vorlesung zu diesem Bereich in Hannover mit mir zusammen angeboten, und Irmgard Wilharm, Carl-Hans Hauptmeyer sowie Claus Füllberg-Stolberg, dass sie an späteren weltgeschichtlichen Vorlesungen mitgearbeitet haben.6 Weiter danke ich den Mitdiskutanten bei mehreren Konferenzen zu imperialen Themen in Wien und Hildesheim, Berlin und Hannover, Ratten/Steiermark und Barsinghausen am Deister. Auf der letzten dieser Tagungen hat Jürgen Nagel in Hagen die Frage nach kulturellen Ähnlichkeiten, hier in den Baustilen, initialisiert – gibt es »Imperiales Bauen« ?7 Und Michael Gehler hat in Hildesheim Forschungen zu den Veränderungen der letzten Jahrhunderte zusammengeführt in der Frage, ob man sinnvoll von einer »Weltgesellschaft« sprechen kann.8
Danken möchte ich weiter den Beiträgern zur »Zeitschrift für Weltgeschichte« sowie den Herausgebern der »Feldbauer-Weltgeschichte« und der »Edition Weltregionen« für ihre Kritik an Konzepten. Namentlich nennen möchte ich an dieser Stelle Dariusz Adamczyk, Martin Aust, Jens Binner, Manuela Boatca, Beate Eschment, Peter Feldbauer, Michael Gehler, Peter Kehne, Andrea Komlosy, Harald Kleinschmidt, Christian Lekon, und Helmut Stubbe da Luz. Herfried Münkler danke ich für die Herausgabe eines Themenheftes der »Zeitschrift für Weltgeschichte«. Besonders verbunden bin ich den Kolleginnen und Kollegen am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Wien, die mich so freundlich an ihren globalhistorischen Arbeiten haben partizipieren lassen. Sehr danke ich den engagierten Hörern meiner Vorlesungen und den Mitdiskutanten im Verein für Geschichte des Weltsystems. Meinem alten Göttinger Studienkollegen Rolf Wernstedt danke ich dafür, dass er stets auf dem Zusammenhang von wissenschaftlicher Arbeit und politischer Entscheidungsfindung bestanden hat.
Dem Böhlau-Verlag bin ich sehr dafür verbunden, dass er den Text sorgsam hat Korrektur lesen lassen.
Barsinghausen, 24. Mai 2017
Hans-Heinrich Nolte
»Wer Entlegenes nicht in Betracht zieht,
wird Kummer in greifbarer Nähe finden.«
Konfuzius, Gespräche, Buch XV, Kapitel XI.
»Unruhig ist unser Herz, bis wir ein wenig mehr verstanden haben.«
Der Heilige Augustinus verzeihe mir die Abwandlung
seines berühmten Satzes aus dem ersten Kapitel der Konfessionen.
»Wer an den Weg baut, hat viele Meister.«
Deutsches Sprichwort.
11995 habe ich auf der Grundlage meiner historischen Forschungen dafür votiert, dass die Europäische Union ihre Mittel genauer kalkulieren und eine Grenze im Osten bestimmen sollte : H.-H. Nolte : Wohin mit Osteuropa ? Überlegungen zur Neuordnung des Kontinents, in : Aus Politik und Zeitgeschichte (im Folgenden : APUZ), 22.11.1995, Beilage zu »Das Parlament«, S. 3–11 ; ND in : Deutscher Hochschulverband (Hg.), Almanach 1995, Bd. VIII, S....




