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Nolte | Der Fleischmetzger | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

Nolte Der Fleischmetzger


1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9497-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

ISBN: 978-3-6957-9497-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



RACHE IST CURRYWURST! Der Ruhrpott kocht - nicht nur wegen der Hitzewelle, die Kommissarin Ahu Özdemir verklebt und übernächtigt durch den schwülheißen Asphaltdschungel wanken lässt! Eine Mordserie im Pommesbudenmilieu erschüttert die Stadt und lässt die schwerreichen Erben eines Wurstimperiums grausam zerstückelt zurück. Ahu ist sicher: Sie kennt den Mörder, den grausamen FLEISCHMETZGER, der gnadenlos metzelt und den nur ein Motiv antreibt - Rache für eine Ungerechtigkeit, die sie in eine gemeinsame Vergangenheit zurückführt ... In die unheilvollen Neunziger, jene sagenumwobene Zeit, wo zwischen Catchen auf dem Pausenhof, SEGA im Kinderzimmer und Eurodance in der Zappelbude eine blutige Familienfehde ihren vorläufigen Höhepunkt fand.

Steve Nolte ist ein Typ aus dem Ruhrpott, der Romane schreibt. Er hat einfach echt nix Besseres zu tun. Er ist um die vierzig, verheiratet, hört Heavy Metal und anderen organisierten Lärm und ist stolzer Papa von Katze und Kater. Heil Satanas Abraxas.
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DAMALS


Es brutzelte und zischte.

Dampfte, rauchte und stank.

Ab und zu knallte es, Minifettexplosionen auf dem Grill, wo die Würste allmählich braun wurden, sich wanden, schrumpelten, bis sie – – errettet wurden. Wie immer glaubte er, in dem kaum hörbaren, hohen Jaulen, das manchen Würsten während des Garvorgangs entfuhr, einen Schrei zu hören, der um Errettung flehte.

Und Omma war wie immer die Retterin.

Zu erkennen, wann die Würste bis zur Perfektion gebraten waren, war für Omma Rose reiner Instinkt.

Wie sie da nun stand, die schwieligen, feuerfesten Hände einer Grillmeisterin trotz ihres fortgeschrittenen Alters flink und geschickt, der Hitze des Rostes trotzend und die Würste mit bloßen Fingern drehend, glich sie in Daniels Fantasie einer Mischung aus Stahlarbeiter und mystischem Wesen – ein Zwerg an einer magischen Esse, der das Geheimnis des Stahls bewahrt.

Doch Stahl wurde hier nicht gekocht. Hier wurden bereitet. Das war Papas Vorschlag gewesen, damals, als sie die Familienfleischerei um einen Imbiss erweiterten – zumindest wurde es Daniel immer so erzählt, meist in Ommas krähender Hohnstimmlage:

Wie so oft hatte Olaf Schermaschinski sich nicht durchgesetzt. Und wäre unter anderem Namen vermutlich auch nie so erfolgreich geworden. Nun, erfolgreich war sie einmal gewesen. Daniel war nur ein Kind, neun Jahre alt, er wusste gar nichts und noch weniger über die finanzielle Lage der Familie, aber er war nicht blöd: Es stand schlecht um – und das nicht erst seit gestern. Wobei sich in den letzten Wochen der Kundenschwund insbesondere in der Metzgerei, die Papa führte, bemerkbar machte. Dazu musste man kein Erwachsener sein.

Denn Daniel hatte schließlich Ohren.

Und obendrein Augen: Wo früher die Menschen Schlange bis zum Kaiser-Wilhelm-Platz gestanden hatten, fanden sich nunmehr allerhöchstens noch die Stammkunden ein.

Ja, er hatte Augen und Ohren. Und dazwischen lag irgendwo ein Gehirn, das sich denken konnte, wieso. Das wusste, was hier abging.

Doch weil er nicht darüber nachdenken wollte, nicht nach diesem Tag, einem wahrlich schwarzen Vertreter seiner Zunft in einer langen Reihe ähnlich gefärbter Kollegen, zwang er sich, seine Gedanken auf eine erneute Reise zu schicken – egal, wohin! Nach Eternia, nach Endor, in die Esse zu den Zwergen, wo Omma, die Bratwursthüterin, das Böse bekämpfte und als Grillmessias auftrat – irgendwohin.

Ja, er besaß ein Gehirn. Und die Fantasie darin war schier unerschöpflich. Inspiration brachten ihm – natürlich, es waren die Neunziger – die Glotze, Comics und das eine oder andere Buch dabei genug. Und doch wollte es ihm jetzt nicht gelingen, eine eskapistische Ablenkung heraufzubeschwören.

Sein Magen knurrte nämlich derart laut, dass Omma Rose lachen musste. Kein Wunder, bei diesem Geruch! Frisch gebratene Wurst, Fritteusenfett und Grilldunst: Der Duft der Schermaschinskis, den keine Waschmaschine der Welt zu beseitigen vermochte.

Sein stetiger Begleiter.

»Da hat aber einer Kohldampf, ne?«

Daniel zuckte die Schultern und deutete ein vorsichtiges Lächeln an – zu sehr zu lächeln hätte wehgetan, vielleicht wäre sogar seine Lippe erneut aufgeplatzt. Es grenzte ohnehin an ein Wunder, dass Omma seine neueste Blessur noch nicht bemerkt und entsprechend kommentiert hatte. „Vielleicht. Ein kleines bisschen.“ Wieder röhrte sein Magen, der alte Verräter.

»Du kleinen Deiwel, gleich is Ommas Spezialwurst feddich, dann gibt’s watt auf die Gabel, datt kannse aber glauben! Happ, happ – los geht es! Grillewurst für mein Schätzken!«

Mit diesen Worten fischte sie einen Teller aus dem Regal, warf mit einer lässigen Bewegung zwei ordentliche Prengel aufs Porzellan und schickte sich an, großzügig Currysoße darüber zu geben.

Daniel leckte sich die Lippen. Ommas Soße, hergestellt nach dem geheimen Familienrezept der Schermaschinskis, das sie dereinst aus Schlesien mit ins Ruhrgebiet gebracht hatten, war legendär. Und ebenso wie ihre Spezialwurst (niemand weiß, warum sie sie nannte, aber der Name war zumindest einzigartig) in der ganzen Stadt bekannt – und sogar darüber hinaus! Eine »überregional bekannte Spezialität«, hatte Daniel sie mal den »Restaurantkritiker« des hiesigen Käseblattes nennen hören, der eines Tages zu Besuch in gewesen war. In den Genuss der Soße war jener »elende Schreiberling«, »miese Schmierfink« und »talentlose Fresssack«, wie er von Papa und Omma im Folgenden bezeichnet wurde, dann allerdings nie gekommen. Als Omma direkt im Anschluss an die Begrüßung in eine Pfanne spuckte – nur ein ganz kleines bisschen, um zu gucken, ob das Fett heiß genug war – watschelte der Kerl nämlich stante pede rückwärts wieder aus dem Laden und ward nie wieder gesehen.

Jetzt schaufelte Omma Pommes – schön kross und versalzen, so wie’s sich gehörte – auf den Teller und pumpte einen Hektoliter Mayonnaise aus dem Edelstahlbehälter, der Daniel immer an einen gigantischen Seifenspender erinnerte. Kurz schweifte er trotz des Lochs in seinem Magen wieder gedanklich ab, stellte sich vor, wie es wäre, wenn die Schermaschinskis, eingehüllt in ihr Fritteusenparfüm, sich obendrein noch ausschließlich mit Mayonnaise die Hände waschen würden.

Vor seinem geistigen Auge tauchte gerade sein Vater genüsslich seine blutigen Metzgerhände in eine Schüssel voll gewürfelter Zwiebeln, als Omma geräuschvoll den Teller vor ihn stellte.

»Guck ma keine Löche inne Luft, du Pannekopp – Happa,Happa is angesacht!«

Als er sah, dass Omma seinen Teller wie üblich mit einem Smiley aus Tafelsenf garniert hatte, konnte er dem Drang, breit zu grinsen, nicht widerstehen. Er spürte, wie die Haut im Mundwinkel riss und sich ein warmes Rinnsal über sein Kinn ergoss.

»Ker, watt is datt denn schon wieder?«

Ehe Daniel etwas antworten konnte, wurden sie vom Klimpern der Türglocke unterbrochen. »Hab ich da Happa Happa gehört?«

Die leicht lallende Stimme ließ sie beide herumfahren. Hinter Olaf Schermaschinskis breitem Rücken fiel die Tür ins Schloss.

»Happa Happa für Omma und Papa!«

Rasch wischte Daniel sich das Blut vom Mund. »Und Sohn!«

Die rotgeäderten Augen im abgespannten, stoppelbärtigen Gesicht seines Vaters weiteten sich. »Watt, der auch noch? Füttern wir den immer noch durch, Mama?«

»Er is ein Taugenichts, aber er gehört halt zur Familie!«

Papa stapfte herüber und wuschelte seinem Sohn durch die Haare. »Mach mir auch ma ’ne Pommes, Mama.«

»Hamse dir die Hände abgehackt?«

»Komm, Mama, ich hatte einen harten Tach.«

»Da warste wohl nich der Einzige«, bemerkte Omma mit einem Nicken in Richtung ihres Enkels.

Olaf Schermaschinski seufzte und sah seinen Sohn matt an. Mit längst einstudierten Bewegungen umfassten seine dicken Finger Daniels Kinn und hoben es sanft an.

»Dicke Lippe riskiert?« Papa grinste schief. »Wer war datt denn diesmal, mh? Wem polieren wir im Gegenzug seine Kauleiste?«

Papa hob eine mächtige Faust. »Kumma, die riecht nach Friedhof. Wie sieht datt bei dir aus?«

Daniel seufzte. Roch probeweise an seiner Faust – im Vergleich mit der seine Papas war sie klein, schwach und unscheinbar. Kaum größer als die von einer von Ibos Catcherfiguren.

»Weiß nich. Pommes vielleicht.«

»Ich glaub eher, die riechen nach dem Joystick von deinem komischen Computerdingen da!« »Hände gewaschen hat der doch schon wieder nich!«

Grinsend steckte Omma sich mit ihren Schmierpfoten eine Zigarette an. Mit der Linken hantierte sie an einem der Frittierkörbe herum. Beim Kochen zu rauchen war einer ihrer liebsten Zeitvertreibe. Und beim Essen. Und nach dem Essen. Allgemein: Rauchen war ihr Ding.

Daniel streckte ihr die Zunge raus und griff demonstrativ mit bloßen Fingern nach einer Pommes, tauchte sie in Mayo und biss genießerisch hinein.

Derweil schaute sein Vater noch immer mit kritischem Blick auf ihn herab. Ein wenig Enttäuschung schien sich ebenfalls in seine Miene zu stehlen.

»Sach aber ma bitte, wer datt gewesen is. Also welcher von der Saubande.« Mit diesen Worten ging sein Vater vor ihm in die Hocke.

Daniel hielt im Kauen inne. Das Pommessalz brannte in der Wunde, doch er spürte es kaum. Der Alkoholatem seines Vaters beunruhigte ihn, brachte sein Herz zum Klopfen. Nicht, dass ihm diese Empfindung fremd war. Angst war seit geraumer Zeit ein integraler Bestandteil seines Alltags. Aber irgendetwas war besonders unangenehm an dem Gefühl, das ihn überkam, wenn er...



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