Noack | Die Lichter von Berlin - von der Autorin des Bestsellers »Schwestern der Hoffnung« | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

Noack Die Lichter von Berlin - von der Autorin des Bestsellers »Schwestern der Hoffnung«

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95824-621-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

ISBN: 978-3-95824-621-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ein mutiges Leben - ein Erbe für die Ewigkeit: Der bewegende Roman »Die Lichter von Berlin« von Bestseller-Autorin Barbara Noack als eBook bei dotbooks. Von der Autorin des Bestsellers »Schwestern der Hoffnung«: Dunkelheit zieht auf über dem Berlin der 30er Jahre - doch der Mut einer jungen Frau strahlt wie ein Licht in finsterer Nacht ... Voller Hoffnung reist Jenny nach Berlin, um dort Gesang zu studieren. Der goldene Glanz und das wilde Leben der Stadt ziehen sie sofort in ihren Bann - ebenso wie der charmante Künstler Björn Jonasson. Mit ihm wagt Jenny zum ersten Mal, von Freiheit zu träumen: Freiheit von den ehrgeizigen Ambitionen ihrer Mutter und von allen Konventionen. Doch als das Glück zum Greifen nahe scheint, wandelt sich ihr geliebtes Berlin plötzlich in eine gefährliche Falle: denn Jennifer ist Jüdin. Wir ihr unbändiges Verlangen nach Leben und Liebe stärker sein als die Fesseln des Schicksals? »Jennys Geschichte steht stellvertretend für viele begabte Frauen des letzten Jahrhunderts, die sich ihr Leben zu Recht anders vorgestellt hatten - und es dennoch mit Würde gelebt haben.« Bestseller-Autorin Viola Alvarez »Ein Meisterstück von der Großmeisterin der Unterhaltungsliteratur.« Welt am Sonntag Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der berührende Frauenroman »Die Lichter von Berlin« von Bestseller-Autorin Barbara Noack - auch bekannt unter dem Titel »Jennys Geschichte«. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Barbara Noack (1924-2022) schrieb mit ihren mitreißenden und humorvollen Bestsellern deutsche Unterhaltungsgeschichte. In einer Zeit, in der die Männer meist die Alleinverdiener waren, beschritt sie bereits ihren eigenen Weg als berufstätige und alleinerziehende Mutter. Diese Erfahrungen wie auch die Erlebnisse mit ihrem Sohn und dessen Freunden inspirierten sie zu vieler ihrer Geschichten. Ihr erster Roman »Fräulein Julies Traum vom Glück«, auch bekannt unter dem Titel »Die Zürcher Verlobung«, wurde zweimal verfilmt und besitzt noch heute Kultstatus. Auch die TV-Serien »Der Bastian« und »Drei sind einer zu viel«, deren Drehbücher Barbara Noack selbst verfasste, brachen in Deutschland alle Rekorde und verhalfen Horst Janson und Jutta Speidel zu großer Popularität. Barbara Noack veröffentlichte bei dotbooks ihre Romane »Brombeerzeit«, »Danziger Liebesgeschichte«, »Das kommt davon, wenn man verreist«, »Das Leuchten heller Sommernächte«, »Der Bastian«, »Der Duft von Sommer und Oliven«, »Der Traum eines Sommers«, »Der Zwillingsbruder«, »Die Melodie des Glücks«, »Drei sind einer zuviel«, »So muss es wohl im Paradies gewesen sein«, »Valentine heißt man nicht«, »Was halten Sie vom Mondschein?«, »Die Lichter von Berlin« und »Fräulein Julies Traum vom Glück«. Ebenfalls bei dotbooks veröffentlichte Barbara Noack ihre Romane »Eine Handvoll Glück« (auch erhältlich im eBundle »Schicksalstöchter - Aufbruch in eine neue Zeit«) und »Ein Stück vom Leben«, die auch ebenfalls im Doppelband »Schwestern der Hoffnung« erhältlich sind. Im Sammelband erschienen sind auch »Valentine heißt man nicht & Der Duft von Sommer und Oliven«. Die heiteren Kindheitserinnerungen »Flöhe hüten ist leichter«, »Eines Knaben Phantasie hat meistens schwarze Knie«, »Ferien sind schöner« und »Auf einmal sind sie keine Kinder mehr« sind außerdem im Sammelband »Als wir kleine Helden waren« erhältlich.
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Jahrhundertwende


Mathilda Bär, Jennys Großmutter, gehörte zu den ersten Mietern in dem pompösen Neubau am Kurfürstendamm gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Von ihrer geräumigen Wohnung im zweiten Stock aus konnte sie das Vorfahren der Kutschen bei Hochzeiten und Trauerfeiern beobachten – und einmal hatte sie auch den Kaiser hineingehen sehen. Ihr Fernglas lag auf dem Fensterbrett immer parat. Manchmal wehten Orgelfetzen durch die kurz geöffnete Kirchentür, und wenn der Straßenlärm nachließ, hörte sie das Brüllen der Löwen im nahen Zoo.

Jedes Jahr, wenn Mathildas Tochter Paula Bergenser mit ihrem Mann Robert und ihrer Tochter Jenny samt Kinderfräulein aus Hamburg zu Besuch kam – aus der Provinz, wie die Berliner abfällig sagten –, hatte sich das Häuserspalier zu beiden Seiten des Kurfürstendamms Richtung Halensee verlängert. Die Bauweise entsprach ganz dem Prunkgeschmack der gut verdienenden Großbürger: Die Fassaden wurden mit strammen Karyatiden, Säulen und Balustraden, die Dächer mit Kuppeln oder Türmchen bestückt, ein unbekümmertes Stilgemisch, welches das Gesicht des Kurfürstendamms prägte.

Seit der Reichsgründung hatte sich Berlin, die Hauptstadt des Kaiserreiches, innerhalb weniger Jahrzehnte zur modernsten Industriestadt Europas mit fast zwei Millionen Einwohnern entwickelt. Die Stadt schluckte nach und nach das gesamte Umland: Äcker, Wiesen, ganze Dörfer. Für die vielen Arbeit suchenden Zuwanderer – meist Polen und Schlesier – und für das ansässige Proletariat wurden fünfstöckige Mietskasernen aus dem Boden gestampft, mit mehreren Innenhöfen hintereinander, die nie ein Sonnenstrahl erwärmte. Sie stellten ideale Brutstätten für Tuberkulose dar; »Motten in der Lunge« sagten die Berliner dazu. Die Armut war vor allem im Osten und Norden der Stadt angesiedelt. Die Gewinner des allgemeinen Aufschwungs zog es in den Westen. Alles war hier neu, die Reichen, die Häuser, in denen sie wohnten, der Protz. Selbst die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gegenüber von Madame Bärs Wohnung war erst vor fünf Jahren erbaut worden.

Bergensers kamen zu Weihnachten, das war Tradition, und blieben bis zum zweiten Januar. Dieses Mal sahen sie dem letzten Tag des Jahres nicht ohne Lampenfieber entgegen, denn in der Silvesternacht begann ein neues Jahrhundert: das zwanzigste.

Jenny sollte an diesem Abend früh zu Bett gehen, damit sie um Mitternacht ausgeschlafen war. Selbstverständlich wurde sie von Fräulein Amanda bewacht, die Tag und Nacht um sie war, solange sie denken konnte, blaß und temperamentlos wie Milchsuppe, immer gleichmäßig sanft und geduldig. Es war so bequem mit ihr, sie nahm Jenny jede Bemühung ab mit der Bemerkung: »Das mach ich schon, mein Liebling, du kannst das ja doch nicht.« Dieser Satz sollte lange noch jede Eigeninitiative des Kindes verhindern.

Gegen sieben Uhr rauschte Madame Bärs älteste Tochter Magda mit ihrem Mann Edmund Kimmeistiehl in beeindruckender Gala in die Diele, um Robert und Paula Bergenser zum Theater abzuholen. Unter einem Cape aus imitiertem Breitschwanz schleppte Plissiertes hinter Magda her. Edmund, ihr Gatte, Kaiser Wilhelm II. verblüffend ähnlich, trug einen Pelerinenmantel genau wie S. M., wenn in Zivil, dazu einen Zylinder. Ihre Kinder hatten sie zu Haus beim Personal gelassen.

Tilla Bär betrachtete mißbilligend ihren Schwiegersohn: »Schneidig, schneidig, lieber Edmund, aber wenn ich dir raten darf, dann laß den Hut hier, du weißt, in der Silvesternacht…«

»Mir passiert schon nichts«, unterbrach er sie. Ein Kimmelstiehl ließ sich von Schwiegermutter nur ungern Ratschläge geben. Bornierter Pinkel, dachte Tilla hinter ihm her.

Dann waren sie fort, auf dem Weg zum Apollotheater, und in der großen Wohnung wurde es still, bis auf das Knacken des Parketts und feines Gläserklingen aus dem Salon, wo Ida den Tisch für das Nachtmahl deckte.

Tilla Bär hatte eine Einladung vom Verein der Künstlerinnen mit der Begründung abgelehnt, verkühlt zu sein. Aber es war wohl mehr ihr Wunsch, die Abendstunden vor der Jahrhundertwende besinnlich zu Hause zu verbringen.

Im Journal hatte sie die Prognosen für das 20. Jahrhundert gelesen. Für Deutschland wurde Weltgeltung vorhergesagt. Zunehmende Motorisierung. Ein Sieg der Sozialdemokraten. Das hätte Bismarck ja nun gar nicht geschmeckt. Er war der neuen Zeit und Technik nicht mehr gewachsen gewesen. Hatte er selber einmal gesagt: »Berlin ist mir über den Kopf gewachsen.«

Als Tilla das Fremdenzimmer betrat, probierte Jenny gerade ihre neuen Buntstifte aus, während Fräulein Amanda ein Puppenkleid umsäumte. »Ich bring sie sofort ins Bett, gnä’ Frau«, versicherte Fräulein.

»Was malst du denn da?« fragte Tilla interessiert.

»Ach, das neue Jahrhundert.« Jenny hielt der Großmutter das Zeichenblatt hin. Da war eine Häuserreihe zu sehen, dahinter ein rot gestrichelter Himmel mit Kreisen und Pfeilen. Und eine Mondsichel.

»Kind, das sieht ja aus, als ob die Häuser brennen.«

»Nein, das ist doch bloß das Feuerwerk. Freust du dich auf 1900?«

»Ich weiß nicht«, sagte Tilla, »mir ist immer ein bißchen bange, wenn ein Jahr zu Ende geht. Dabei ist es im Grunde nicht mehr als ein Datumswechsel. Aber wenn sich gleich ein ganzes Jahrhundert verabschiedet! Plötzlich möchte man es festhalten, weil es ein so gutes für uns war.«

»Erzähl mir von deinem Jahrhundert, Großmama«, bat Jenny, um das Ins-Bett-Gehen hinauszuzögern. »Wo warst du als Kind?«

Tilla Bär gab die Geschichte zum besten, die sie zu erzählen pflegte, wenn sie in Berlin nach ihrer Herkunft gefragt wurde.

»Als ich so alt war wie du, habe ich in Kiel gewohnt«, sagte sie. »Im schönen Giebelhaus meines Großvaters am Markt.

Mein Vater war ein Freiheitsheld. Als sein Aufstand mißlang, mußte er fliehen, um nicht eingesperrt zu werden. Er floh übers Meer. Kurz vor Amerika versank das Auswandererschiff in einem fürchterlichen Sturm mit Mann und Maus und meinem Vater. Wir haben nie mehr von ihm gehört.«

Jenny war beeindruckt. Wer hatte schon einen ertrunkenen Helden zum Großvater!

Vielleicht würde Tilla ihr später einmal die wahre, trostlose Geschichte ihrer Jugend erzählen, als sie zu den Allerärmsten der Armen gehörte, herumgestoßen und von der Stiefmutter als Magd ausgebeutet. Tilla verdrängte ihre Jugenderinnerungen. Sie wollte an nichts Bedrückendes mehr erinnert werden. Sie mied den Geruch der Armut. Um ihr Gewissen zu beruhigen, spendete sie lieber auf Wohltätigkeitsfesten, auf denen es nach schwerem Moschusparfum und kalten Buffets duftete.

»Aber nun muß unser Liebling ganz schnell ins Bett«, mahnte Fräulein, worauf Tilla die beiden allein ließ, in ihr Schlafzimmer ging und nach ihrer Wirtschafterin läutete.

Sie verlangte einen gut gekühlten Niersteiner. »Bring dir auch ein Glas mit, Ida, aber leg vorher noch meine grüne Gesellschaftstoilette heraus, heute ist schließlich eine besondere Nacht.«

Während sie sich umkleidete, schaute sie kritisch in den freistehenden Spiegel. Ihr Haar war frühzeitig weiß geworden, mit einem leichten Gilb wie bei einem alten Hermelinfell. Das Gesicht wirkte wie gemeißelt und zeigte keine Spur von Altersschlaffheit: fein aufgeräumte Fältchen um Augen und Oberlippe, eine schmale, gerade Nase, wachsame Blicke aus aquamarinblauen Augen, ein energisches Kinn, das sie ihrer Tochter Paula vererbt hatte. Ihr einziger Schmuck waren schwere, die Ohrläppchen herabziehende Brillantboutons.

Ida half ihr beim Zuhaken der grünen Robe.

»Knüter nicht so rum«, schimpfte Tilla.

»Ohne Brille jeht das nich schneller, gnä’ Frau.«

»Dann hol den Wein. Ich komm schon allein zurecht.«

Ida trank ihr Glas – »Ich bin so frei.« – in einem einzigen geübten Zug aus.

Madame Bär war schwierig und nicht immer gerecht, aber im Laufe von 15 gemeinsamen Jahren hatte Ida das Schicksal Tilla Bars und ihrer Familie gleichsam als ihr eigenes annektiert. Sie war Ende Fünfzig, genau wie Madame, und mit ihrer Stellung zufrieden, weil sie ihr ein Leben frei von Existenzängsten bot. Eine knausrige, ungeduldige Gnädige in einer gutgeheizten Siebeneinhalb-Zimmer-Wohnung am neuen Kurfürstendamm war weitaus einfacher zu ertragen als ein grober Kerl, der ihr in einer Hinterhofbleibe ein Gör nach dem anderen gemacht hätte und seinen Wochenlohn versoff. Aber daß Madame ihre Weinvorräte seit kurzem in drahtigen Gefängnissen mit starken Schlössern einzubuchten pflegte, das nahm sie ihr übel.

»Na schön«, sagte Tilla Bär, die ihre Gedanken erriet, »schenk dir noch ein Glas ein.«

Nach dem Genuß desselben fing Ida an zu philosophieren: »Jedet Jahrhundert hat sein Schicksal, und jedet Land und jede Stadt hat ooch seins – und wir sowieso.«

»Ja und?« fragte Tilla ungeduldig, weil danach nichts mehr kam.

»Jetzt hab ick den Faden verloren«, bedauerte Ida, dann fiel ihr wieder ein, was sie sagen wollte. »Nehm es bloß mal det Schicksal von Preußen in dieset Jahrhundert. Anfangs wurden die Pißpötte noch auf die Straße jekippt, und nu ham wa Spülklosetts. Der Fortschritt is nich aufzuhalten und wird immer technischer. Aba«, ihr Zeigefinger stieß warnend in die Höhe, »im nächsten Jahrhundert jibt’s ’nen Bruch. Da hat Frau Matzke bloß noch Scherben jesehn und Blut und Zerstörung. Danach fangen die Menschen wieder mit ’nem Plumpsklo an. Und det soll’n se allet ’nem neuen Messias zu verdanken haben.«

»So ein Blödsinn.« Tilla wurde wütend angesichts von so viel Spökenkiekerei. »Wer ist überhaupt Frau Matzke?«

»Eine Wahrsagerin.«

Tilla sah ihre Wirtschafterin amüsiert an. »Sag bloß, sie hat dir auch noch...



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