Noack | Ein gewisser Herr Ypsilon | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 179 Seiten

Noack Ein gewisser Herr Ypsilon

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95824-657-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 179 Seiten

ISBN: 978-3-95824-657-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Geschichte eines schönen Bedauerns: Der gefühlvolle Roman »Das Leuchten heller Sommernächte« von Bestseller-Autorin Barbara Noack jetzt als eBook bei dotbooks. Eine gemeinsam durchtanzte Nacht - und dieser gewisse Herr Ypsilon geht der Journalistin Maijie nicht mehr aus dem Kopf. Doch so schnell wie sie sich kennengelernt haben, so schnell müssen sie auch wieder Abschied voneinander nehmen. Herr Ypsilon wohnt nicht nur in einer anderen Stadt, auch alle anderen Umstände sprechen gegen ihre Liebe. Über viele Jahre hinweg kreuzen sich ihre Wege und jedes Mal flammen die Gefühle erneut auf - doch ihr Wiedersehen ist nie von langer Dauer ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der bewegende Roman »Das Leuchten heller Sommernächte« - ehemals unter dem Titel »Ein gewisser Herr Ypsilon« erfolgreich - von Bestseller-Autorin Barbara Noack. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag

Barbara Noack (1924-2022) schrieb mit ihren mitreißenden und humorvollen Bestsellern deutsche Unterhaltungsgeschichte. In einer Zeit, in der die Männer meist die Alleinverdiener waren, beschritt sie bereits ihren eigenen Weg als berufstätige und alleinerziehende Mutter. Diese Erfahrungen wie auch die Erlebnisse mit ihrem Sohn und dessen Freunden inspirierten sie zu vieler ihrer Geschichten. Ihr erster Roman »Fräulein Julies Traum vom Glück«, auch bekannt unter dem Titel »Die Zürcher Verlobung«, wurde zweimal verfilmt und besitzt noch heute Kultstatus. Auch die TV-Serien »Der Bastian« und »Drei sind einer zu viel«, deren Drehbücher Barbara Noack selbst verfasste, brachen in Deutschland alle Rekorde und verhalfen Horst Janson und Jutta Speidel zu großer Popularität. Barbara Noack veröffentlichte bei dotbooks ihre Romane »Brombeerzeit«, »Danziger Liebesgeschichte«, »Das kommt davon, wenn man verreist«, »Das Leuchten heller Sommernächte«, »Der Bastian«, »Der Duft von Sommer und Oliven«, »Der Traum eines Sommers«, »Der Zwillingsbruder«, »Die Melodie des Glücks«, »Drei sind einer zuviel«, »So muss es wohl im Paradies gewesen sein«, »Valentine heißt man nicht«, »Was halten Sie vom Mondschein?«, »Die Lichter von Berlin« und »Fräulein Julies Traum vom Glück«. Ebenfalls bei dotbooks veröffentlichte Barbara Noack ihre Romane »Eine Handvoll Glück« (auch erhältlich im eBundle »Schicksalstöchter - Aufbruch in eine neue Zeit«) und »Ein Stück vom Leben«, die auch ebenfalls im Doppelband »Schwestern der Hoffnung« erhältlich sind. Im Sammelband erschienen sind auch »Valentine heißt man nicht & Der Duft von Sommer und Oliven«. Die heiteren Kindheitserinnerungen »Flöhe hüten ist leichter«, »Eines Knaben Phantasie hat meistens schwarze Knie«, »Ferien sind schöner« und »Auf einmal sind sie keine Kinder mehr« sind außerdem im Sammelband »Als wir kleine Helden waren« erhältlich.
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Kapitel 1


Anfangs hatte es meinen Freunden viel Spaß gemacht, den Bärenführer zu spielen. Ich war der Bär, der zum erstenmal und darum noch recht hilflos treppauf und treppab hinter ihnen her durch den hektischen Gähnkrampf der letzten Faschingsnacht tapste.

Später, so gegen Mitternacht, machte sie meine Anhänglichkeit merklich nervös. Sie stellten mir immer häufiger und immer dringlicher alleinstehende männliche Bekannte vor. Ich war jedoch nicht gewillt, mit einem dieser vom nächtelangen Feiern bis zur Hohläugigkeit strapazierten jungen Männer in verschwitzten Hemden – kariert war gerade große Mode, und der mehlige Schimmer darüber stammte von gepuderten Mädchenschultern – eine fastnächtliche Notgemeinschaft zu gründen; wozu auch. Ich war sehr gern das dritte Rad an einem Wagen, der sich verzweifelt bemühte, in die ungestörte Zweisamkeit zu rollen.

Meine Freunde Suse und Felix begannen ernsthaft und mit Recht zu fürchten, sie würden mich bis zum Morgen nicht mehr los. Darum zerschnitten sie im günstigen Moment das Band, an dem ich – arglos störend – hinter ihnen herschlenderte.

Ich war plötzlich allein und hilflos wie ein Hund, der im Gedränge seinen Herrn verloren hat. Ein bärtiger Maler nutzte meine offensichtliche Verlassenheit auf seine Weise, das heißt, er kniff mich in die Kehrseite, in der absolut irrigen Annahme, ich hätte Verständnis für solchen Spaß.

Ich rettete mich zu einem tomatenroten Wollhemd, das ich selbst gebügelt hatte: Es gehörte meinem Bruder Peter, und ich tippte erleichtert an seine leuchtende Schulter.

Peter nahm sein Gesicht nur widerwillig aus einer frisch gewaschenen, knisternden Mädchenmähne.

»Ach, Maijie…«, sagte er, »du?« Und es wurde mir kränkend klar, daß er meine Freude über unser Zusammentreffen an diesem Orte keineswegs teilte. »Was willst du, Maijie?« fragte er nicht unfreundlich, aber auch nicht sehr geduldig.

Maijie ist nicht mein Taufname, der lautet bürgerlicher. Maijie ist ein Wortgebilde, das meine ungelenke Babyzunge für mich erfand und das mir seitdem anhängt. Andere heißen ihr Leben lang Brüdi, Püppi, Pützchen, Bubi und so fort.

»Ich bin verloren worden«, sagte ich. »Von Suse und Felix…« Peters Mädchen mit den knisternden Haaren sah mich böse an.

»Na, dann such sie«, schlug er vor und drehte mir den Rücken zu.

»Es nützt mir leider nicht viel, sie wiederzufinden. Sie wollen mich nicht.«

Peter rollte sich eine Haarsträhne des Mädchens um den Zeigefinger. Für ihn war unser zufälliges Treffen auf dem Fasching erledigt.

Ich lahmte enttäuscht von dannen, ich lahmte, weil ich ein arg lädiertes Knie hatte. Aber ich war erst ein paar Schritte weit, da rief er mich zurück.

»Maijie!«

»Ja?« hoffte ich – trotz der bösen, leidenschaftlich verglasten Blicke seines Mädchens.

»Sie glaubt mir nicht, daß du meine Schwester bist. Sag ihr, daß du’s wirklich bist.«

Ich nahm das Haar zurück. »Gucken Sie meine Ohren an und seine!«

»Bist du nun beruhigt?« fragte Peter sein Mädchen. Es nickte ohne Überzeugung.

»Manchmal sehen Schwestern eben nicht wie Schwestern aus.«

Und damit war ich endgültig entlassen. Um eine Erfahrung bitterer, stieg ich die Treppe hinab: Es nutzt einem im Fasching gar nichts, auf ein noch so verwandtschaftliches Verhältnis zu pochen. Jeder muß allein sehen, wie er sich amüsiert. Und wo er bleibt.

Als mich ein ältlicher Torero mit der Bemerkung: »Was hat das Puppchen bloß für niedliche Beißerchen!« in seinen Schnapsdunst zu hüllen versuchte, wußte ich, wo ich bleiben würde: auf keinen Fall länger hier. Mir fehlte damals noch jegliche Gelassenheit im Umgang mit öffentlichen Ärgernissen.

Ich war ein totaler Mißerfolg in dieser lärmenden Fastnacht, ich wollte nach Hause und mich schämen ob meiner hochgeschlossenen Prüderie.

Die Garderobenstudentin nahm wortlos meine Marke, wühlte eine Weile im großen Massenhängen nach meinem Mantel und stellte ein paar Gummistiefel auf den langen, hölzernen Tisch, der uns voneinander trennte. Ihr lustloses Gähnen verwandelte sich dabei plötzlich und unverhofft in ein weibliches Lächeln, das kaum der Anblick meiner Galoschen ausgelöst haben konnte.

Ich blickte mich um auf der flüchtigen Suche nach einem Grund für weibliches Entzücken und entdeckte einen Mann hinter mir, der sich gerade den Schal vom Nacken zog und diesen in den Mantelärmel stopfte. Das war Herr Ypsilon.

Sein ungewöhnlich gutes Aussehen war wohl weniger entscheidend für die spontane Zuneigung des Garderobenmädchens als seine Ausstrahlung. Inmitten der Alkohol verdampfenden, heftig strapazierten Körper in schweißfeuchten Trikots wirkte er, als habe er sich gerade vom dichten, kurzen Hals bis zu den Füßen die Zähne geputzt. Mit Pfefferminzgeschmack.

Er war im Straßenanzug, und er war nicht allein hierhergekommen. Es gehörten einige Herren unterschiedlichen Alters zu ihm, die ihre Mäntel nur wenige Schritte von uns entfernt in die Garderobe reichten. Zu ihnen blickte er hilfesuchend hinüber, als er seinen Mangel an Kleingeld feststellte. »Ich habe nur fünfzig Mark.«

»Zahlen Sie, wenn Sie gehen«, sagte die Garderobiere, denn er sah nicht nur keimfrei und absolut vertrauenerweckend aus. Er war ganz einfach der Mann, bei dem eine Frau eine Ausnahme macht.

Ich weiß auch nicht, woran das lag. Nichts in seinem Auftreten verlangte danach, im Gegenteil. Hinter seinem höflichen Lächeln hockte der dringende Wunsch: »Wenn möglich, laßt mich zufrieden.« Ein Wunsch, den man auf dem Fasching an der Garderobe abgeben sollte. Ich hatte das auch versäumt.

»Warten Sie, vielleicht kann ich wechseln«, rief ich schnell und beinahe besorgt, er könne fortgehen. »Wo habe ich denn…?« Im Mantel war das Portemonnaie nicht, in meiner Rocktasche auch nicht. »Gleich habe ich’s. Moment.«

»Vielen Dank«, wehrte er meine Bemühungen ab, »aber meine Kollegen…«

»In der Galosche!« erinnerte ich mich noch rechtzeitig. In der linken Galosche steckte das Portemonnaie. Es war prallgefüllt mit Fünfzigern, Groschen, Sechsern und Pfennigen, kurz – mit allem, was ich nach ausführlichem Suchen aus Sommertaschen, Mänteln und Knopf schachteln zusammengesammelt hatte. Man will schließlich nicht unvermögend auf ein Fest gehen.

Durch die Vielzahl an Münzen nahm der Geldwechsel einige Zeit in Anspruch. Herrn Ypsilons Kollegen hatten inzwischen ihre Garderobenmarken erhalten. Einer tippte ihn kurz an die Schulter: »Wir gehen schon vor« und zwinkerte dabei anerkennend: kaum hier und schon ein Mädchen. Alle Achtung!

»So warten Sie doch!« rief er ihnen nach, aber die hörten nicht mehr. Vier seriöse Rücken schoben sich unternehmungsgeladen in die dampfende, bunte Kulisse.

»Sieben Mark fünfzig, sechzig, fünfundsechzig«, zählte ich in Herrn Ypsilons Hand, die vor Münzen beinahe überquoll.

»Jetzt sind sie glücklich fort«, ärgerte er sich.

»Sieben Mark achtzig, einundachtzig, dreiundachtzig, vierund…«

»Sagen Sie bitte, wollen Sie mir die restlichen zweiundvierzig Mark in Pfennigen auszahlen?« entsetzte er sich.

»Nein.« Ich gab ihm seinen knisternden Schein zurück und zeigte etwas kleinlaut mein Portemonnaie vor, in dem sich nur noch Schuppen vom letzten Silvesterkarpfen befanden. »Nicht einmal das kann ich mehr. Entschuldigen Sie.«

»Oh, es macht nichts.« Aber ich spürte deutlich, daß es ihm wohl etwas ausmachte. Er war ärgerlich, und er war keineswegs gewillt, unseren mißglückten Geldwechsel zum Anlaß zu nehmen, mich kennenzulernen. Schade. Da kam ein Mann daher, dessen bloßer Anblick meine hochgeschlossene Prüderie bis zum Herzen aufknöpfte, und ausgerechnet dieser Mann legte gar keinen Wert auf mein Gefühlsdekolleté.

Was für eine gelungene Nacht!

»Ich habe Ihnen ja gleich angeboten, nachher zu zahlen«, sagte das Garderobenmädchen und reichte ihm die Marke.

Herr Ypsilon nickte verabschiedend in mein bekümmertes Gesicht und ging seinen Kollegen nach. Dabei band er seinen schottischen Schlips zu einer schüchternen Schleife. Das war seine Konzession an den Fasching und lockerte etwas die zivilen Hemmungen.

Ich nahm einen Gummischuh vom Tisch und stellte ihn auf den Boden. Mein angeschlagenes Knie unter dem dicken Verband, den ich mit ein paar aufgestickten Pailletten dem närrischen Treiben weit mehr angepaßt hatte als meine Stimmung, schmerzte heftig beim Bücken. Und die Galosche erinnerte mich plötzlich an leere, frostkalte Straßen, an das Warten auf einem zugigen Bahnsteig.

Fünfzehn kostbare Mark hatte die Eintrittskarte zu diesem Vergnügen gekostet. Davon hatte ich höchstens sieben Mark fünfzig abgeärgert. Warum sollte ich der Festleitung einen halben Eintrittspreis schenken? Zudem ist es feige, vor Unannehmlichkeiten zu kneifen. Wenn ich jetzt nach Hause ginge, würde niemals ein ordentlicher Massenmensch aus mir werden.

Ich zog die Galosche wieder aus und stellte sie auf den Tisch zu ihrem linken Pendant mit dem kraftlosen umgekippten Gummischaft.

»Vielleicht bleibe ich doch noch ein bißchen hier«, sagte ich zu dem Garderobenmädchen.

Nach zehn Minuten angestrengten, vergeblichen Suchens in Sälen, Nischen und dämmrigen Bars wandte sich Herr Ypsilon einmal um – und sah mich.

Er lächelte verwundert. »Sie?«

»Es ist purer Zufall«, sagte ich errötend.

Herr Ypsilon hatte wohl schon die trostlose Einsamkeit eines Alleinstehenden auf einem Faschingsfest zu spüren bekommen, denn er wandte sich nicht sofort ab, sondern sah mich unschlüssig an.

Was er vor sich sah, war zwar nicht überwältigend, aber immerhin schön...


Noack, Barbara
Barbara Noack, geboren 1924, hat mit ihren fröhlichen und humorvollen Bestsellern deutsche Unterhaltungsgeschichte geschrieben. In einer Zeit, in der die Männer meist die Alleinverdiener waren, beschritt sie bereits ihren eigenen Weg als berufstätige und alleinerziehende Mutter. Diese Erfahrungen wie auch die Erlebnisse mit ihrem Sohn und dessen Freunden inspirierten sie zu vieler ihrer Geschichten.
Ihr erster Roman „Die Zürcher Verlobung“ wurde gleich zweimal verfilmt und besitzt noch heute Kultstatus. Auch die TV-Serien „Der Bastian“ und „Drei sind einer zu viel“, deren Drehbücher die Autorin verfasste, brachen in Deutschland alle Rekorde und verhalfen Horst Janson und Jutta Speidel zu großer Popularität.

Bereits bei dotbooks erschienen:
„Die Zürcher Verlobung“
„Der Bastian“
„Danziger Liebesgeschichte“
„Drei sind einer zuviel“
„Eine Handvoll Glück“
„Ein Stück vom Leben“
„Brombeerzeit“
„Ein gewisser Herr Ypsilon“
„Jennys Geschichte“
„Der Zwillingsbruder“
„Italienreise – Liebe inbegriffen“
„Valentine heißt man nicht“
„Geliebtes Scheusal“
„Was halten Sie vom Mondschein?“
„So muss es wohl im Paradies gewesen sein“
„… und flogen achtkantig aus dem Paradies“
„Das kommt davon, wenn man verreist“
„Auf einmal sind sie keine Kinder mehr“
„Flöhe hüten ist leichter“
„Eines Knaben Phantasie hat meistens schwarze Knie“
„Ferien sind schöner“



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