E-Book, Deutsch, 168 Seiten
Niederhaus / Fuchs Digitalisierung braucht Leadership
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7431-8464-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Warum Digitale Welt, Mobilität und Energiewende mehr Wohlstand schaffen
E-Book, Deutsch, 168 Seiten
ISBN: 978-3-7431-8464-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Elmar Niederhaus ist Politologe mit dem Fachgebiet Politische Kommunikation. Er ist spezialisiert auf Analyse und Gestaltung von Machtbeziehungen in Politik und Wirtschaft. Sein Schwerpunkt ist Politische Kommunikation zur Digitalisierung der Industrie 4.0.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
INTERNET DER DINGE UND INDUSTRIE 4.0
Warum in Deutschland Industrie 4.0 gelingt
Glenn Gonzalez, Solution Advisor
Internet of Things & Industry 4.0 SAP Deutschland
INTERNET DER DINGE UND INDUSTRIE 4.0
Warum in Deutschland Industrie 4.0 gelingt.
Von Glenn González
INTERNET DER DINGE
Digitale Transformation betrifft alle, und ihre Auswirkungen sind mittlerweile ganz selbstverständlich Teil des Alltags. Den Begriff „Digitale Transformation“ verwende ich schlagwortartig für einen vielschichtigen und dynamischen Prozess: es geht um die vollständige Verlagerung aller Bereiche – der Geschäftswelt, der Technik und der Kommunikation – auf eine Basis, die grundlegend aus Informationen gebildet wird: digital erzeugten, verarbeiteten, gespeicherten und digital ausgetauschten Daten. Im Alltag sichtbar sind die unzähligen Menschen, die – „heads down“ – alle möglichen privaten und geschäftlichen Dinge mit ihren Smartphones erledigen. Aber auch die Alltagskultur hat sich grundlegend verändert: allgemein verbreitet und ganz selbstverständlich ist mittlerweile die Vorstellung, dass nahezu alles von jedem beliebigen Ort aus bestellt und sofort online bezahlt werden kann, um Stunden später an die Haustür geliefert zu werden. All das ist für uns normal und unspektakulär, während hinter den Kulissen eine ungeheure Umwälzung der Gewohnheiten, der Kultur und der Technik stattfindet. Wenn ich jedoch mit Firmenvertretern zusammentreffe und das Gespräch auf das „Internet der Dinge“, „Industrie 4.0“, „Big Data“ und eben die „Digitale Transformation“ kommt, so ist nicht immer das Gleiche gemeint. Zuweilen ist auch unklar, worum es genau geht. Deswegen beginne ich stets damit, die Begriffe zurechtzurücken, um eine gemeinsame Gesprächsgrundlage zu schaffen. Ins Zentrum stelle ich dann die „Digitale Transformation“, einerseits als ein beschreibendes Bild, andererseits aber auch als Aufgabe und Herausforderung.
Seiner Natur nach ist das „Internet der Dinge“ nahezu unsichtbar. Nicht nur, dass Sensoren jeder Art – deren vielfältigster Einsatz für das „Internet der Dinge“ wesentlich ist – immer kleiner, leistungsfähiger und preiswerter werden. „Internet der Dinge“ bedeutet auch: die Dinge, selbst die alltäglichsten und unscheinbarsten, werden befähigt, zu reagieren und zu interagieren. Sie messen, sammeln Daten, senden und empfangen Daten und fällen gar Entscheidungen. Mit dem Ziel, uns Menschen dienend das Leben zu erleichtern – ohne dass wir viel davon mitbekommen. Ein Thermometer zur Regulierung der Zimmertemperatur z.B. ist heute nichts Geringeres als ein mit Sensoren und Internetverbindung ausgestatteter Kleinstcomputer. Dessen Funktionieren wir nicht bemerken – wir genießen einfach nur die Bequemlichkeit einer stets optimalen Umgebung. In diesem Sinne kann nahezu alles, was uns umgibt, technisch ausgerüstet sein und über das Internet kommunizieren. Selbstverständlich auch in der Produktion (jedes einzelne Teil „weiss“, an welcher Stelle des Prozesses es sich befindet) und im Handel. Es ist leicht vorstellbar, dass auch einfache Gegenstände auf dieser Grundlage innerhalb enger Grenzen autonom entscheiden können. Bei all dem werden sehr große Datenmengen erzeugt, ausgetauscht und gespeichert: die drastisch gefallenen Preise für Datenübertragung und -Speicherung waren wesentliche Voraussetzung für die rasche Ausbreitung des „Internet der Dinge“. Es baut auf die überall vorhandene, nahezu kostenlose Infrastruktur des Internet auf und stellt seinerseits wieder eine Infrastruktur dar, die unter anderem auch Grundlage für eine große Palette an Dienstleistungen sein wird.
ZEITALTER DER DIGITALISIERUNG BESCHERT INFORMATIONEN
Das Zeitalter der Digitalisierung macht die Menschheit informierter und vernetzter denn je. Gleichzeitig findet ein Kulturwandel statt: die gut informierten Internetnutzer haben als Kunden ganz andere Erwartungen. Sie wollen hochgradig individualisierte Produkte. Sie sehen es zudem als selbstverständlich an, dass auch Produkte im weiteren Sinne vernetzt sind und auf andere Produkte, Communities und trendige Dienstleistungen verweisen. Um diese Kundenwünsche in der industriellen Produktion bezahlbar umsetzen zu können, bedarf es eines Umdenkens in Bezug auf Produktionsprozesse und Lieferketten. Maschinen und EDV-Systeme müssen automatisch und digital miteinander kommunizieren können, betriebs- und spartenübergreifend. Das geht nur, wenn sie die gleiche Sprache sprechen. „Industrie 4.0“ entsprang einer Initiative der Deutschen Bundesregierung, die führende Vertreter der Industrie und der Forschung an einen Tisch brachte, damit sie sich auf eine solche gemeinsame Sprache verständigen. Vergleichbares gibt es auch in den USA, das Industrial Internet Consortium (IIC). Kernaufgabe beider Initiativen ist die Schaffung von Standards als Grundlage einer Sprache für die digitale Kommunikation. Praktisch umgesetzt wird die Vernetzung von Maschinen und EDV-Systemen dann in der „Smart Factory“, in der hochindividualisierte Produkte entstehen – dank des Konzeptes „Industrie 4.0“ mit ebenso geringem Aufwand wie zuvor die Massenware. Diese Entwicklung schreitet sehr schnell voran, die Technik und die Infrastruktur kann jetzt schon Unglaubliches leisten. Als Flaschenhals erweisen sich die Gremien, in denen mühevoll und langwierig Kompromisse auszuhandeln sind. Die „Digitale Transformation“ hat ein sehr hohes Tempo – Interessenausgleich dagegen braucht viel Zeit, gelegentlich vielleicht zu viel.
INTERNET DER DINGE – TECHNISCHE DIMENSION UND REICHWEITE
Man kann versucht sein, das „Internet der Dinge“ als rein technisches Phänomen zu betrachten. Tatsächlich ist die „Digitale Transformation“ – von der das „Internet der Dinge“ einen Teilbereich darstellt – nichts anderes als eine handfeste Revolution. Es geht nämlich um sehr viel mehr als nur um neue technische Möglichkeiten. Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel der Gesellschaft: viele Menschen verbringen mehr Zeit in sozialen Netzwerken als mit realen Personen. Das ist mittlerweile ganz normal. Durch das Smartphone eröffnet sich die Möglichkeit, erreichbar zu sein, andere zu erreichen und Informationen austauschen – immer und überall. Es entsteht eine enorme Transparenz, die Chance, frei von geografischen und politischen Grenzen Gemeinschaften zu bilden und mit anderen zu interagieren. Unternehmen verfügen nun über Kanäle, jeden Menschen individuell anzusprechen. All das setzt keine physische Präsenz mehr voraus. Menschen verhalten sich anders, entwickeln neue Formen der Interaktion und des Konsums, gehen anders mit Informationen um. Die Frage ist, ob man noch zu denen gehört, die das Heraufkommen der Digitalen Transformation von Beginn an miterlebt haben, oder ob man ein „Digital Native“ ist. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass da grundsätzlich verschiedene Leben geführt werden. „Digital Natives“ wollen Vertrauen, sie teilen, sie sind bargeldlos unterwegs. Sie beziehen sich auf Netzwerke und Gemeinschaften, Empfehlungen und Bewertungen strukturieren ihre Welt. Fast alle Dinge ihres täglichen Lebens haben irgendwie mit dem Smartphone zu tun (übrigens: ohne ein einziges Mal zu telefonieren). Dieses neue Wertegefüge, die sich in so kurzer Zeit herausgebildet hat, und das von unzähligen Menschen weltweit gelebt wird, ist der eigentlich Kern der „Digitalen Transformation“.
DIGITALE TRANSFORMATION UND INDUSTRIE IN DEUTSCHLAND
Wie gehen Führungskräfte und Entscheider in der Industrie in Deutschland mit der Digitale Transformation um? Wenn man sich die Industrie in Deutschland betrachtet und ihren Umgang mit der digitalen Transformation anschaut, dann ergibt sich ein interessantes Bild. Dieses zeichnet im Grunde vier Gruppen von Unternehmen:
- Gruppe 1: Wartet auf die Standards und darauf, dass das Internet 100% sicher wird. Sie würden gerne „Cloud“ einsetzen, diese aber selbst betreiben wollen (diese haben nach meiner Meinung, das Thema „Cloud“ nicht verstanden).
- Gruppe 2: Beobachtet aufmerksam den Markt und wartet ab was die anderen machen, um dann nachzuziehen.
- Gruppe 3: Hat großes Interesse die „Digitale Transformation“ in ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Allerdings bestehen Herausforderungen diese umzusetzen.
- Gruppe 4: Hat konkrete Aktivitäten gestartet, um die „Digitale Transformation“ zu einem wichtigen Thema innerhalb ihres Unternehmens zu machen.
Für die Industrie besteht die große Herausforderung im Umgang mit der „Digitalen Transformation“ darin, sich an die Geschwindigkeit des Wandels anzupassen. Auch Anpassungsstrategien können schneller altern, als man es für möglich gehalten hätte. Bestimmte Vorgehensweisen funktionieren dann nicht mehr: etwa das Abwarten, bis andere die Standards entwickelt haben, um dann auf den Zug aufzuspringen. Anderen den Vortritt zu lassen und in aller Ruhe nachziehen. Oder Wissenslücken in Bezug auf „Digitale Transformation“ auf die leichte Schulter zu nehmen. Nur wer konkrete Aktivitäten startet und die „Digitale...




