Ng | Die unausgesprochenen Regeln | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Ng Die unausgesprochenen Regeln

Wie Sie die ersten Tage im Job überstehen und durchstarten
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96267-388-8
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie Sie die ersten Tage im Job überstehen und durchstarten

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96267-388-8
Verlag: REDLINE
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Karriereberater der Harvard University enthüllt die geheimen Regeln, die Berufsanfänger unbedingt beachten sollten. Ob Berufseinsteiger oder Jobhopper - eine neue Arbeit birgt immer Herausforderungen. Doch niemand sagt einem im Vorfeld, wie man den ersten Arbeitstag bewältigt, wie die Kollegen reagieren oder wie man im neuen Job besteht oder befördert wird. Es gibt jedoch bestimmte Vorgehensweisen, die Manager erwarten, aber nicht explizit erklären und Insider anwenden, aber nicht weitergeben. Bis jetzt. In diesem praktischen Leitfaden erläutert der Harvard-Karriereberater Gorick Ng die unausgesprochenen Regeln der Arbeit und entmystifiziert in über 500 Interviews mit Fachleuten aus verschiedenen Branchen die größten Fehler, die Menschen beim Antreten eines neuen Jobs machen können. Ein Buch mit vielen Checklisten, praktischen Gesprächsleitfäden und konkreten Strategien, um die Weichen für eine erfüllende Karriere zu stellen.

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VORWORT


Es war halb drei morgens und ich war immer noch im Büro. Fieberhaft versuchte ich, eine fehlerhafte Excel-Tabelle zu korrigieren, die in sechs Stunden einem Kunden vorgestellt werden sollte. In der Stellenanzeige war von einer »dynamischen« und »betriebsamen« Atmosphäre die Rede gewesen – sollte etwa das damit gemeint gewesen sein?

Plötzlich: Klingeling! Auf meinem Bildschirm tauchte eine Benachrichtigung auf. Mein Manager drängte mich zur Eile.

Klingeling! Noch eine Nachricht.

Klingeling!

Ich schickte meinem Manager die überarbeitete Tabelle. Zehn Minuten später hatte er immer noch nicht geantwortet.

»Gorick«, sprach mich jemand von hinten an. Ich fuhr herum. Mein Manager! »Lass uns das gemeinsam durcharbeiten«, sagte er. Zwei Stunden lang saßen wir beieinander. Er übernahm meinen Laptop, und ich schaute ihm über die Schulter und versuchte verzweifelt, meine Augen offen zu halten.

Mein Manager zeigte auf eine Zelle. »Warum teilen wir diese Zahlen?«

Mit zusammengekniffenen Augen beugte ich mich vor. »Bin mir nicht ganz sicher.«

Er seufzte. Die ganze Nacht kam mir vor wie eine Operation ohne Betäubung. Mit schmerzendem Schädel fragte ich mich, wie ich bloß in dieser Situation gelandet war.

Die Antwort erhielt ich zehn Monate später in Form einer Leistungsbeurteilung: Gorick muss sich voll und ganz hinter seine Arbeit stellen. Dazu gehört auch die gewissenhafte Aufbereitung der Excel-Tabellen anderer, die übernommen werden sollen. Ich wunderte mich über meine Beurteilung. »Voll und ganz hinter seine Arbeit stellen?« Ja, sicher, mein Manager hatte mir gesagt, ich solle mir »die Excel-Analyse zu eigen machen«, aber ich hatte geglaubt, das hieße, ich sei für die Betreuung der Master-Datei (der Hauptdatei, die immer auf dem aktuellsten Stand war) verantwortlich. Was bedeutete das für meine Arbeit? Mein Manager hatte gesagt, dass ich meine Aufgabe schlussendlich gut erledigt hatte. Ich hatte geglaubt, ich hätte meine Aufgabe gut gemacht. Irgendetwas entging mir da anscheinend, aber was?

Mir fehlte das Wissen um die unausgesprochenen Regeln – bestimmte Vorgehensweisen und Umgangsformen, die Vorgesetzte erwarten, aber nicht erklären, und die Leistungsträger an den Tag legen, ohne es überhaupt zu merken. Das Wissen um diese unausgesprochenen Regeln ist der Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Das Problem dabei? So etwas lernt man nicht in der Schule. Dieses Verhalten wird vielmehr von Eltern an Kinder und von Mentoren an Schützlinge weitergegeben, was zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen für Insider und Außenseiter führt.

Wieso ich das weiß? Weil ich zu den Außenseitern gehörte.

Meine Mutter sagte früher immer, beim beruflichen Vorankommen käme es nur auf harte Arbeit an. Doch sie irrte sich: Es geht nicht nur darum, den Kopf einzuziehen, stillzuhalten und die Erfolge für sich sprechen zu lassen. Harte Arbeit ist lediglich der Eintrittspreis, um überhaupt einen Fuß auf die Karriereleiter zu bekommen. Um bei diesem Spiel zu überleben und Erfolg zu haben, braucht man mehr. Man muss die Spielregeln kennen.

Als ich 14 war, wurde meiner alleinerziehenden Mutter die Stelle in einer Nähmaschinenfabrik gekündigt. Sie hatte noch nie einen Lebenslauf oder ein Bewerbungsschreiben verfasst. Ich auch nicht, aber weil ich Einzelkind war und als einziger im Haus wusste, wie man einen Computer bedient, legte ich mich ins Zeug. In meinen Mittagspausen brachte ich mir bei, wie man Bewerbungsunterlagen gestaltet, saß ganze Nachmittage am Computer in der Bücherei, um nach Stellen in Hauswirtschaft und Wäschereien zu suchen, und abends verschickte ich hunderte Bewerbungen für meine Mom. An den Wochenenden half ich ihr, die Badewannen fremder Leute zu scheuern, um über die Runden zu kommen.

Die Monate vergingen. Auf keine unserer Bewerbungen erhielten wir eine Antwort. Stundenlang hatten wir an den Bewerbungsschreiben gefeilt, und so war die ausbleibende Resonanz wirklich niederschmetternd. Wir waren völlig aufgeschmissen. In einem letzten verzweifelten Versuch bewarb sich meine Mom um ein staatliches Stipendium und ging nach fast 40 Jahren noch einmal zur Schule, wo sie eine Ausbildung zur Erzieherin machte. Nachdem sie ihren Abschluss geschafft hatte, zog Mom mehrere Stellen in der Kinderbetreuung an Land, wo sie bis zur Rente arbeitete. Wir überlebten, aber nur eben gerade so.

Seither fragte ich mich immer wieder, wie es einem so hart arbeitenden Menschen wie meiner Mom derartig schwerfallen konnte, wieder auf die Beine zu kommen. Und wie es sein konnte, dass ich ihr trotz all meiner Internetrecherchen nicht hatte helfen können. Jahre später kam ich in der Highschool der Antwort auf die Spur. Während eines gemeinnützigen Arbeitseinsatzes traf ich einen älteren Schüler von einer anderen Schule. Er hieß Sandy und steckte gerade mitten im Bewerbungsprozess um einen Platz an Amerikas besten Colleges. Mir war nie in den Sinn gekommen, dass auch ich mich an diesen Hochschulen bewerben könnte. Von vielen hatte ich noch nicht einmal gehört. Durch Sandy lernte ich, dass zu dem Zulassungsverfahren weit mehr gehört, als die Anleitungen auf den Websites der Colleges preisgeben. Ich lernte, dass es nicht reicht, die Lehrer um ein Empfehlungsschreiben zu bitten – man muss ihnen dafür schon eine Liste der Leistungen vorlegen, von denen man möchte, dass sie sie in ihren Briefen hervorheben. Ich erfuhr, dass Notendurchschnitt und Examensergebnisse nur bis zu einem gewissen Grad helfen – außerschulischen Aktivitäten und die eigene Geschichte fallen ebenso ins Gewicht. Diese Strategien funktionierten. Als erster in meiner Familie überhaupt studierte ich – und zwar auf der Harvard University.

Damals dachte ich, ich hätte die unausgesprochenen Regeln hinter mir gelassen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass sie gerade erst zu greifen begannen.

Als ich in meinem zweiten Studienjahr eines Abends in meinen Schlafsaal zurückkehrte, hasteten mehrere Kommilitonen an mir vorbei. Ich trug Jeans und Kapuzenpulli. Sie trugen Anzüge. Am nächsten Tag hörte ich im Unterricht, dass eine Firma, die vor Kurzem bei einer Karrieremesse vertreten gewesen war, einen exklusiven Empfang für geladene Gäste veranstaltet hatte. Bei der Messe war ich zwar durchaus am Tisch des Unternehmens vorbeigekommen, hatte aber mit niemandem gesprochen. Schließlich glaubte ich, dass die Firmen keine Bewerber aus dem zweiten Studienjahr einstellten. Die anderen Studenten aus meinem Jahrgang jedoch hatten sich nicht nur den Personalvermittlern vorgestellt, sondern auch Freunde von Freunden dazu gebracht, ein gutes Wort für sie einzulegen. Nach der Messe stand ich mit einer Broschüre und einer Wasserflasche mit Werbeaufdruck da. Sie dagegen hatten Termine für Vorstellungsgespräche ergattert.

Wochen später saß ich im Seminar, während diese anderen Studenten verreist waren, um am »Verkaufswochenende« teilzunehmen. So nennt sich die Zeit, in der Collegestudenten in Firmenzentralen eingeladen und verköstigt werden, nachdem man ihnen Stellen angeboten hat. Und auf einmal verstand ich, warum meine Mom und ich uns vergeblich abgerackert hatten. Wir hatten blind Onlinebewerbungen verschickt und nicht begriffen, dass die erfolgreichen Bewerber zuvor hinter den Kulissen Kontakte geknüpft hatten.

Also wurde ich aktiv. Ich freundete mich mit älteren Studenten an und tat, was sie taten. Die unausgesprochenen Regeln zeigten Wirkung. Ich bekam Stellen, wie sie die Insider bekommen: ein Ferienpraktikum im Investment Banking bei Credit Suisse und einen Vollzeitjob in der Unternehmensberatung bei der Boston Consulting Group (BCG). Aber wie ich später aus meiner Leistungsbeurteilung erfuhr, war es eine Sache, hineinzukommen – zu überleben jedoch etwas ganz anderes.

Dieses Mal wusste ich es besser. Ich begann, mit Kolleginnen und Kollegen und im Freundeskreis über Aufgaben, Frust und Leistungsbeurteilungen zu sprechen. Ursprünglich begann das als ein einmaliges Dampfablassen, doch bald wurden daraus tägliche Gespräche jenseits der Arbeit. Zu meiner Überraschung spielte es dabei keine Rolle, ob jemand in einem Start-up, einer Anwaltskanzlei, einem Krankenhaus oder an einer Schule arbeitete. Wir kämpften alle mit den gleichen Problemen.

Nach kurzer Zeit vergrößerte ich meinen Radius. Ich schickte E-Mails an Manager, mit denen ich vorher nicht zu tun gehabt hatte, und bat sie, sich über ihre Teams zu beklagen. Schon bald führte ich Videotelefonate mit Fremden auf der anderen Seite der Welt und hörte mir hinter geschlossenen Türen Beschwerden von Führungskräften an. Unsere Gespräche drehten sich um drei Kernfragen:

  • Welche Fehler unterlaufen bei der Arbeit am häufigsten?
  • Was würden Sie anders machen, wenn Sie Ihre ersten Berufsjahre wiederholen könnten?
  • Worin unterscheiden sich leistungsstarke Mitarbeiter von mittelmäßigen?

Nach fast fünf Jahren hatte ich diese Fragen über 500 Menschen gestellt – CEOs, Managern und jungen...




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