Neumann | Unerhört! | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

Neumann Unerhört!

Kommentare, Analysen und Einschätzungen zur Corona-Politik und Berichterstattung

E-Book, Deutsch, 488 Seiten

ISBN: 978-3-7557-0490-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Es ist kaum zu glauben, wie schnell wir vergessen. Es ist mein Hobby - und ein bisschen verstehe ich es auch als meinen Job hier - zu erinnern. In der Hoffnung, dass daraus Schlüsse gezogen werden. Vielleicht sogar die richtigen." (Ursula Neumann) 19 Monate lang hat Ursula Neumann rund um den Themenkomplex "Corona" recherchiert, analysiert und kommentiert. Sie schildert eigene Erfahrungen, benennt Versäumnisse und Fehler und weist auf Hoffnung Machendes hin. Die Ergebnisse dieser Arbeit hat sie fortlaufend in Ihrem Blog dokumentiert. Der vorliegende Band enthält eine Auswahl dieser Arbeit.

Ursula Neumann wurde 1946 geboren - also zu einer Zeit als es noch keine Laptops, keine Handys und kein Internet gab. Das hindert sie jedoch nicht, das zu tun, was sie auch schon vor der Digitalisierung mit Leidenschaft getan hat: nämlich sich kritisch mit politischen und gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen und eigene Meinungen zu formulieren. Damals in Büchern, Beiträgen und Vorträgen, heute - unter anderem - in ihrem Blog www.ursula-neumann.de.
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21.03.2020
Corona:
Die
Wahrgebungs-
gesellschaft Schon wieder eine Kolumne, die ich nicht schreiben wollte Deutschlandfunk, 21.03.2020, die 12 Uhr- Nachrichten. Ich zähle die Meldungen. Es sind vierzehn. Bei den ersten neun geht es um Corona. Dann Meldung Nummer 10: Etwas zur AFD. Das Wort „Corona“ taucht aber auch da auf – Absage eines Treffens der Partei wegen Corona. Meldung Nr. 11 ist komplett Corona-frei. Eine ICE- Strecke ist wieder befahrbar. In Nr. 12 taucht „Corona“ wieder auf: In der Corona-Krise zeige Europa den Flüchtlingen sein hässliches Gesicht. Nr.13 handelt von Burkina Faso mit geschätzten 780 000 Menschen auf der Flucht. „Die Krise werde nicht wahrgenommen“ beklage die UN. Das Wort „Corona“ taucht nicht auf. Abschließend Nr. 14: Ein Sänger ist mit 81 Jahren gestorben. Offensichtlich nicht an Corona, sonst wäre das gesagt worden. Was hat das für Auswirkungen? Eine rhetorische Frage, gewiss: Die Aufmerksamkeit wird auf „Corona“ zentriert, eingeengt. Idlib oder der Klimawandel oder die Deutsche Bank oder Trumps Strafzölle oder die Folgen des Brexit - aus den Ohren, aus dem Sinn. Jetzt gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder fördern hier Leute mit Tunnelblick einen flächendeckenden Tunnelblick her oder es handelt sich um einen angemessenen Umgang mit einer Angelegenheit von allerhöchster Bedeutung. Ich weiß es nicht, auch wenn ich der Tunnelblick-Variante entschieden den Vorzug gebe. Aber selbstverständlich komme auch ich (hin und wieder) ins Zweifeln, ob ich angesichts der vielen (Experten) Stimmen verkehrt liege, „den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen habe“, wie man allenthalben hört. Die alten Mechanismen greifen: „die da oben haben gewiss ihre guten Gründe, von denen ich kleines Licht keine Ahnung habe“. Oder – naja, das kennen wir aus der Sozialpsychologie: Wenn „alle andern“ eine Sache anders sehen als ich, dann bin wahrscheinlich ich schief gewickelt. An dieser Stelle regen sich die Reste meiner 68-er Vergangenheit: „Millionen Fliegen können sich nicht irren! Fresst Scheiße!“ Moral - und andere Keulen In einer Mailingliste von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten leitete eine Kollegin den Link zu der kritischen Stellungnahme von Dr. Wodarg weiter. (Ich kann nicht entscheiden, wo er recht hat und wo er sich irrt. Aber wie er inzwischen medial geballt in der Luft zerrissen wird, lässt mich die Ohren spitzen. Darauf reagierte ein Kollege empört: Sie solle umgehend die Weiterverbreitung des Links einstellen, das sei unverantwortlich angesichts der sterbenden Menschen in Italien. Ich meldete mich zu Wort und meinte, ich wisse genauso wenig was wahr sei, wie der Herr Kollege, aber ich hätte den Wunsch, mich möglichst umfassend zu informieren und ich fände das, was Herr Wodarg schriebe, durchaus bedenkenswert. Darauf bekam ich von einem anderen Kollegen eins aufs Haupt: 97% aller Wissenschaftler seien vom Klimawandel überzeugt, aber es gäbe eben da wie überall ein paar Doofe, die die Fakten leugnen. Naja, ganz so hat er es nicht gesagt. Aber dem Sinn nach. Kurze Zeit später empörte sich eine andere Kollegin: Da gäbe es doch Leute, die angesichts dieser furchtbaren Krise noch über die Gefahr von Einschränkungen von Grundrechten mäkelten. Oder – das jetzt ein Leserbriefschreiber zum selben Thema: Hier würde angesichts einer „humanitäre[n] Katastrophe“ [!] „der Individualismus zum unfehlbaren Dogma und das solidarische Miteinander… zur Belanglosigkeit erklärt.“ (SZ 20.03.2020 S.9 „Individualismus als Dogma“). Aus Dialog wird Glaubenskampf. Abweichler sind unmoralisch, gefühllos. Es wird bei mir fast zum Reflex, meinen vom Mainstream abweichenden Überlegungen das Selbstverständliche vorauszuschicken: „Doch, wirklich, Sie können mir glauben: Ich finde es schlimm, dass Leute schwer erkranken und sterben. Doch, bestimmt: ich verhalte mich vorsichtig, bin rücksichtsvoll gegenüber meinen Mitmenschen und ich gehe nicht Corona-Party feiern.“ Wieso gerate ich unter diesen Rechtfertigungsdruck? Bei der Bewertung von Stellungnahmen fällt mir auf, dass abweichende Meinungen als „Einzelmeinung eines Spinners“, „exotisch“, „gefährlich“ diffamiert werden. „Die richtigen Experten“ sind diejenigen, die der Angst neue Nahrung geben (so nehme ich es wenigstens im Moment wahr). Nebenbei ein Steckenpferd von mir: Das Sammeln von „Expertenmeinungen“, von „gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen“, bei denen sich in recht kurzer Zeit herausstellt, dass sie hanebüchener Quatsch sind. Da muss man keineswegs – ich bleibe bei der Medizin - bis zum „physiologischen Schwachsinn des Weibes“ (1900) oder zur Giftigkeit des Menstruationsblutes (medizinische Dissertationen darüber bis in die 1970er Jahre) zurückgehen. Diese Kenntnisse um die Vergänglichkeit stärkt die Immunabwehr gegenüber „Gewissheiten“ – man sollte aber sich selbst miteinbeziehen: Auch meine Gewissheiten können Unsinn sein. Die Botschaft bestimmt der Empfänger Wenn der Deutschlandfunk den überwiegenden Teil seiner Nachrichten „Corona“ widmet, dann kann die Absicht dahinter „Beruhigung durch Information“ sein. Aber was die Empfänger der Botschaft draus machen – da hat der Deutschlandfunk wenig Einfluss drauf. Da wo ich wütend werde, wird ein anderer panisch. Aber manchmal staune ich über die Gedankenlosigkeit, mit der Dinge herausposaunt werden, ohne mögliche Auswirkungen im Blick zu haben. „RKI warnt vor 10 Millionen Infizierten in weniger als 100 Tagen“ hieß es am 18.03.2020. Da kann man zum Beispiel drauf reagieren •Das ist der Beweis: es handelt sich um ein im (wahlweise chinesischen, russischen, US-amerikanischen) Militärlabor entwickeltes Virus. Sonst ginge das nicht so schnell mit der Verbreitung. •Das ist ja noch nicht mal jeder achte in Deutschland, das heißt: 70 Millionen wären nicht angesteckt. •Na, gut, dann wäre ein Gutteil immunisiert und der Spuk hat ein Ende. •Wir alle werden sterben! •Mir kann das nichts anhaben, ich esse täglich Ingwer. •Ich gehe nicht mehr aus dem Haus. •Hätte ich doch nur rechtzeitig Vorräte angelegt! Morgen löse ich mein Sparbuch auf und decke ich mich mit allem ein, wenn es überhaupt noch was gibt. •Dann bricht die Wirtschaft zusammen, da kann ich gleich einen Strick nehmen. •Das glaub ich im Leben nicht, da will sich einer wichtigmachen. Eine sachliche Information, was 10 Millionen Infizierte konkret für Folgen haben könnte, fehlte in diesem Fall vollständig – das halte ich für absolut unverantwortlich. Aber selbst wenn sie gegeben worden wäre, wird sie von jemandem, der sich zwanzigmal am Tag die Hände desinfiziert, obwohl er keinerlei „Sozialkontakt“ hatte, anders verwendet, als von jemandem der sagt „meine Immunabwehr ist top, ist mir doch wurscht“. Und ein misstrauischer Mensch sagt: „Die sagen zehn Millionen! Ha! Die wollen uns nur beruhigen. In Wirklichkeit sind es sicher 50 Millionen und die lullen uns nur ein, von wegen ‚meist milder Verlauf‘.“ Corona tötet! Wirklich? Am 20.03.2020 brachte die Süddeutsche Zeitung (Oliver Meiler, Dem Tod auf der Spur) einen Bericht über Italien, dem in Europa am stärksten vom Corona-Virus infizierten Land mit über 3000 Toten. Angereichert mit Grafiken des Instituto Superiore die Sanita. Kann man natürlich auch anzweifeln, wenn’s nicht ins eigene Bild passt. Ich zitiere trotzdem: „Das durchschnittliche Alter der Verstorbenen liegt bei 79,5 Jahren. Die deutlich am stärksten betroffene Altersgruppe sind die 80-89jährigen. Nur fünf Menschen waren unter 40 Jahre, alle waren krank, ehe sie sich mit dem Virus infizierten. 70% der Opfer sind Männer. Drei Personen (0,8%) starben offensichtlich ausschließlich ‚am‘ Coronavirus… Die anderen litten an mindestens einer schweren Vorerkrankung. Die Hälfte hatte drei oder mehr Krankheiten, die häufigsten waren: Bluthochdruck, Diabetes, Krebs, Herz- und Atembeschwerden.“ Nebenbei: 70% Männer … das erinnert mich daran, dass mir eine Ärztin etwas boshaft sagte: „Das ist eine Krankheit von älteren Männern. Politiker sind meist ältere Männer. Glauben Sie, die getroffenen Maßnahmen wären genauso ausgefallen, wenn die Mehrzahl der Opfer weiblich wären?“ Aber ernsthaft: Egal, woran man stirbt – Sterben ist schlimm. Jedoch: warum wird hierzulande so wenig über diese Fakten kommuniziert, warum erfahren wir so wenig Genaues über Alter der Verstorbenen und wie es sich mit den Vorerkrankungen verhält. Es macht doch einen Unterschied, ob das Corona-Virus...


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