E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Neumann Bilder ihres Lebens
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7392-6571-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-7392-6571-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Frank Neumann wurde 1976 in Delmenhorst geboren. Nach der Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten qualifizierte er sich im Rahmen eines betriebsinternen Studiengangs u.a. in den Bereichen Personalmanagement, Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsökonomie. Zusätzlich absolvierte er Qualifikationen zu Visualisierungs- & Kreativitätstechniken, Präsentationsmethoden und eine Moderationsausbildung. Dieses Wissen setzte er in seiner langjährigen Tätigkeit als Qualitätsmanager bei einem bundesweit agierenden Dienstleister ein. Derzeitig absolviert Frank Neumann eine Ausbildung zum Personal- & Business-Coach.
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Kapitel 1
Fahles Licht fiel durch einen Spalt des Rollos. Durch das gekippte Fenster kam eine leichte Brise in das Schlafzimmer und ließ das Rollo im Windzug dezent hin und her schaukeln. Die Straßenbeleuchtung sorgte schon bei dieser kleinen Bewegung für diffuse Schattenbilder. Diese tanzten die Wand entlang, glitten über den Boden und ebenso das Bett. Fast schien es, als wollten sie sich aufmachen, mit ihren hektischen Bewegungen, die im Bett liegende Frau zu wecken.
Aber das war gar nicht nötig. Die Augen zwar noch geschlossen, war Franziska auch in dieser Nacht längst wieder wach. Wieder wach oder gar noch immer? Sie öffnete leicht ihre Augen und die flirrenden Lichtspiele im Schlafzimmer ließen sie blinzeln. Langsam drehte sie sich auf die Seite ihres Nachtschranks. Sie konnte nicht ermessen, ob sie schon geschlafen hatte oder wieder nur leicht ins Dämmern verfallen war. Und sie konnte auch nicht ansatzweise erahnen, wie spät es inzwischen sein mochte. Es hätte schon der neue Morgen sein können und sie hätte sich trotzdem wieder nur erschossen und rastlos gefühlt, so als hätte sie keine Minute geschlafen.
Leider war das die letzten Wochen, ja Monate, längst zur Gewohnheit geworden. Immer fiel Franziska am Abend kraftlos und erledigt ins Bett um sich in den erholsamen Schlaf zu retten. Aber immer seltener gelang es ihr, auch wirklich einzuschlafen. Bevor sie das Land der Träume erreichen konnte, stand immer noch im Schlafzimmer der Bummel auf dem Freimarkt an. So hieß das große Volksfest Bremens, in der Art einer Kirmes. Sie nannte die Phase am Abend ihren persönlichen Freimarktbummel - setzte sich doch stets das Karussell ihrer Gedanken in Bewegung. Diese geistige Karussellfahrt war es, die sie erst kurzzeitig, schließlich öfter und zuletzt stundenlang wachhielt.
Nachdem sie sich zum Nachtschrank gedreht hatte, griff sie routinemäßige und zielsicher zu ihrem Mobiltelefon, das dort lag. Eine typische Bewegung in jeder Nacht und dies mehrfach. Früher stets geblendet vom hell aufleuchtenden Display, lernte Franziska dazu. Am Abend stellte sie nicht mehr nur den Handy-Wecker für den nächsten Morgen ein, sondern regulierte die Helligkeit des Displays für die Nacht gleich mit herunter. Der Mensch passte sich seinen Gewohnheiten an, selbst wenn es schlechte waren, wie ihre Schlaflosigkeit.
Ganz leicht musste Franziska noch die Augen zusammenkneifen, als die Zahlen auf dem Display aufleuchteten. Die gute Nachricht war wenigstens, dass ein Sonntag angezeigt wurde und die frühe Zeit von 3.22 Uhr. Damit würde der abermals schlaflosen Nacht wenigstens kein langer und quälender Büro-Tag folgen. Dennoch stieg wieder das rastlose Gefühl in ihr auf, welches ihr ein lästiger Begleiter geworden war. Dazu war es ein zusehends vielfältiger Begleiter. Immer öfter durch ganz unterschiedlich Situationen ausgelöst.
Als sie sich das erste Mal näher kamen, Franziska und diese neue Gefühlswelt, begannen Rastlosigkeit und Unruhe stets, wenn der Kalender vor Terminen und Aufgaben überzulaufen drohte. Dies war bei ihr durchaus öfter der Fall. Ganz besonders aber seit dem Unfall ihrer Eltern vor fünf Jahren. Bei diesem Autounfall, unter für sie besonders tragischen Umständen, kam ihr Vater ums Leben. Ihre Mutter verletzte sich schwer, und seitdem war die 69jährige gesundheitlich angeschlagen und gehbehindert. Das Autofahren war ihrer Mutter damit unmöglich geworden. Die neue Lebenssituation verlangte allen Beteiligten einiges ab. Neben der unermesslichen Trauer über den Tod eines geliebten Menschen, stellte das Kümmern um ihre Mutter für Franziska eine zusätzliche Herausforderung dar.
In den letzten fünf Jahren schien ihr Leben nicht ansatzweise mehr das zu sein, was es früher einmal war. Der Tod eines Menschen, und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Lebensqualität dessen Partner, blieben für Familienangehörige nie ohne Folgen. So führte es sich Franziska wiederkehrend vor Augen, wenn alles zu viel zu werden schien. Erschwerend war für sie nur, dass sie die einzige Familienangehörige war, die sich zu kümmern hatte. Als einziges Kind kam damit einiges auf sie zu, und das nahm ihrem Leben seit fünf Jahren die frühere Unbeschwertheit.
Lag der Unfall aber bereits fünf Jahre zurück, waren gerade in den letzten Monaten die Rastlosigkeit und Unruhe stets öfter, vielschichtiger und damit kaum noch berechenbar aufgekommen. Anders als früher, als es nur spürbar wurde, wenn ungemein viel anlag und vieles erledigt werden musste, war es inzwischen fast latent vorhanden.
Wollte sie sich wirklich mal ausruhen und entspannen, sich einfach etwas Zeit für sich gönnen, suchte die Rastlosigkeit sich den Weg in ihre Gedanken und fragte mahnend, ob sie sich diese Pause wohl erlauben konnte. Egal ob es ein ruhiger Moment mit einem Buch und einer Tasse Tee war oder sie sich eine Massage gönnte. Stets stellte sich innere Unruhe ein.
Als letzte Bastion der Erholung fiel schließlich die Nachtruhe. Von immer mehr Wachphasen wurde sie unterbrochen, womit die erholsame Wirkung des Schlafs immer weniger wurde und inzwischen gar nicht mehr vorhanden war.
Wie in dieser Nacht, so war es zuletzt jede Nacht gewesen. Franziska wusste kaum, ob sie geschlafen hatte, dämmerte oder wach ihr Gedankenkarussell erlebte. Sie war längst durchgehend erschöpft und müde. Wie sollte es da noch spürbar sein, ob sie zehn Sekunden gedöst oder zehn Stunden geschlafen hatte? Selbst letzteres reichte nicht, das stetig aufgebaute Defizit der Nachtruhe kurzfristig auszugleichen.
Franziska legte ihr Mobiltelefon beiseite, dessen Display inzwischen 3.23 Uhr anzeigte. Eigentlich war ja noch etwas Zeit um zum Schlafen. Sofern man halt schlafen konnte. Waren sie, Franziska und ihr Freund Eric, an diesem Sonntagmorgen auch um 9 Uhr zum Frühstück bei ihrer Mutter eingeladen, hätte sie dennoch länger im Bett bleiben können, als an einem normalen Wochen- und Arbeitstag. Sich aber unruhig umher wälzen, ist der Erholung nur wenig zuträglich.
Apropos Eric, kam es ihr während ihrer kreisenden Gedanken in den Sinn. Sie tastete mit der Hand im Dunkeln auf die andere Matratze und fühlte... nichts. Die andere Bettseite war leer. Eric war nicht da. Noch nicht. Irgendwann würde er wieder den Weg nach Hause finden. Franziska war aber unsicher, ob um diese Uhrzeit noch von später, oder eher früher Stunde gesprochen werden konnte. Am Samstag hatte ihr Freund - in annähernd zweiwöchiger Regelmäßigkeit- seine Männerabende. So nannten er und seine Kumpel es. Den Kern der Sache traf es aber nicht ganz. Es war die Natur der Sache, dass ein Männerabend auch am Abend stattfand. In diesem Fall verhielt es sich jedoch so, dass Eric samstags bereits um 14.00 Uhr die Wohnung verließ. Stets an den Wochenenden, an denen sein Fußballverein im heimischen Stadion seine Heimspiele austrug.
Das war auch dieses Wochenende wieder der Fall. Wie gewohnt traf er sich frühzeitig mit seinen Freunden, und im Kreise dieser stolzen Dauerkartenbesitzer wurden lange vor Anpfiff alle taktischen Ausrichtungen erörtert und die Aufstellung besprochen. So lange jedenfalls, wie es einigermaßen sachlich möglich war. Mit steigendem Alkoholpegel ließ der Fußballverstand erfahrungsgemäß nach oder wandelte sich vielmehr zu männlicher Besserwisserei. Statt dem Sport stand ab da deutlich der Spaß im Vordergrund. Insbesondere bei der Kneipentour nach dem Spiel. Die führte die Männerrunde meistens vom Stadion an die Schlachte. Das war die Kneipenmeile, direkt am Weserufer und dies mitten in der City. Hier reihten sich Biergärten, Restaurants und Cocktailbars dicht an dicht aneinander, und jeden Abend der Wochenenden steppte dort der Bär, nach Fußball-Heimspielen aber in ganz besonderer Weise. Da galt es auf den Sieg zu trinken oder bei einer Niederlage die Enttäuschung wegzuspülen. So oder so, der Alkohol nahm stets eine gewichtige Rolle ein, auch für Eric.
Angesichts der leeren Betthälfte neben ihr und der weit vorgerückten Stunde, war sich Franziska in ihrem Empfinden uneins und schwankte. Sie wusste nicht, ob sie ungehalten sein sollte, dass Eric auch jetzt noch nicht wieder zurück war, oder ob eher Respekt angezeigt war. Respekt angesichts der Tatsache, dass ihr Freund es inzwischen schon über dreizehn Stunden beim sogenannten Männerabend aushielt. Als Franziska sich das klar vor Augen führte, kam ihr der Begriff Männerabend mehr und mehr unpassend vor. Sollte Eric auf die Idee kommen, mit seinen Jungs mal ein Männer-Wochenende zu veranstalten, würde sie ihn wahrscheinlich eine ganze Woche nicht mehr zu Gesicht bekommen. Falls sich diese Truppe ihren zeitlichen Relationen treu blieb.
Franziska hätte es gefreut, würde ihr Lebensgefährte auch in anderen Lebenslagen diese Ausdauer und Stehvermögen zeigen. Erstaunlich war auch, wie differenziert das männliche Zeitgefühl doch war. So konnte sich ein Männerabend bis zu dreizehn Stunden hinziehen. Oder in der Kneipe wurde der letzte Schluck im Bierglas eine Stunde lang zelebriert. Aber musste ein Mann auch nur fünf Minuten auf die Dame seines...




