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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 417, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Neudörfl Alpengold 417

Einsam beim Après-Ski
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5672-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Einsam beim Après-Ski

E-Book, Deutsch, Band 417, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7517-5672-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Marie Dirnberger führt mit ihrem Verlobten Joschi die Dirnbergerhütte in den Bergen. Joschi gibt Skikurse, und Marie verwöhnt die Kursteilnehmer mit leckeren Tiroler Schmankerln. Ihr Onkel hat ihnen die Leitung der Dirnbergerhütte anvertraut und in Aussicht gestellt, sie nach ihrer Eheschließung günstig von ihm zu erwerben.
Marie ist ihm dankbar dafür, denn sie liebt ihre Arbeit über alles. Doch alle Zukunftspläne zerplatzen jäh, als sie Joschi mit einem Skihäschen in flagranti im Bett erwischt. Im ersten Moment ist Marie wie erstarrt. Dann erinnert sie sich an die Einladung des sympathischen Urlaubers aus Wien zu einem Drink auf der Après-Ski-Meile des Ortes. Natürlich hat Marie abgelehnt, weil sie sich in festen Händen glaubte. Aber jetzt hat der Ring an ihrem Finger keine Bedeutung mehr ...

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Einsam beim Après-Ski

Ein wundervoller Roman aus dem Tiroler Winter-Wunderland

Von Mira Neudörfl

Marie Dirnberger führt mit ihrem Verlobten Joschi die Dirnbergerhütte in den Bergen. Joschi gibt Skikurse, und Marie verwöhnt die Kursteilnehmer mit leckeren Tiroler Schmankerln. Ihr Onkel hat ihnen die Leitung der Dirnbergerhütte anvertraut und in Aussicht gestellt, sie nach ihrer Eheschließung günstig von ihm zu erwerben.

Marie ist ihm dankbar dafür, denn sie liebt ihre Arbeit über alles. Doch alle Zukunftspläne zerplatzen jäh, als sie Joschi mit einem Skihäschen in flagranti erwischt. Im ersten Moment ist Marie wie erstarrt. Dann erinnert sie sich an die Einladung des sympathischen Urlaubers aus Wien zu einem Drink auf der Après-Ski-Meile des Ortes. Natürlich hat Marie abgelehnt, weil sie sich in festen Händen glaubte. Aber jetzt hat der Ring an ihrem Finger keine Bedeutung mehr ...

»Kruzitürken!«, fluchte der Sinnhuber-Joschi. Umständlich quälte sich der blonde Bursche über die Holztreppe, welche von den Kammern in die Stube der Dirnbergerhütte führte. Bei jedem Schritt stützte er sich schwer auf den Handlauf aus abgegriffenem Holz.

Unten angekommen packte er die beiden Krücken, die dort lehnten. Damit humpelte er zur Haustür. Kaum öffnete er sie, blies ihm der kalte Bergwind das lockige Haar ins Gesicht.

»Sakra!«, rief er, als er auf der vereisten Schwelle ausglitt. Nur die Krücken bewahrten ihn vor einem Sturz.

Für einen Moment lehnte er sich schwer atmend an den Türrahmen. Dann straffte er die Schultern und nahm die beiden Steinstufen hinunter zur großen Gästeterrasse in Angriff.

Treppensteigen war das Schlimmste. Selbst jetzt, wo ihm der Herr Doktor den Gips endlich abgenommen hatte, schrie sein linker Knöchel bei jeder Stufe seinen Protest heraus. Und das alles wegen eines einzigen depperten Sturzes! Wer hätte je erwartet, dass eine kleine Sprungschanze den schneidigen Sinnhuber dazu verdammen könnte, wie ein altes Weiberl zu humpeln?

Auf seine Krücken gestützt, blinzelte er in den Wintermorgen. Der Schnee spiegelte die Sonnenstrahlen wider. Nur ein Fußweg quer über die Terrasse war freigeschaufelt. Dahinter erstreckte sich die glitzernde weiße Pracht völlig unberührt bis zur Mittelstation der Gondelbahn. Das hellgraue Gebäude mit seinen großen Fenstern fügte sich in die Berglandschaft ein.

Für einen Moment folgte Joschis Blick den Stahlstützen und den daran befestigten Seilen bis hinauf zur Bergstation knapp unterhalb des Gipfels.

»Joschi!« Maries Stimme riss ihn aus den Betrachtungen. Sein Blick schweifte nach links zur Außentreppe. Über diese gelangte man in den Keller.

Marie eilte in ihren gefütterten Stiefeln herauf. Flink und wendig wie ein Reh brachte sie die letzten Stufen hinter sich. Sie musste seit dem frühen Morgen auf den Beinen sein. Schon im Halbschlaf hatte Joschi das Scharren der Schneeschaufel gehört.

»Hab nur schnell die Schaufel weggeräumt«, erklärte sie jetzt. Sie gab Joschi ein rasches Busserl auf die Wange. Ihr herzförmiges Gesicht war gerötet, ihre klare Haut kühl vom Wind.

Besitzergreifend schlang Joschi beide Arme um sein Madel. Er drückte ihr ein leidenschaftliches Busserl auf die Lippen und fühlte, wie sich Marie in ihrem dicken Anorak an ihn schmiegte.

Als seine Hand hinab zu der wohlgeformten Rundung ihrer Skihose glitt, rutschte ihm die Krücke unter dem Arm weg. Marie duckte sich aus seiner Umklammerung und fing sie auf.

Joschis Leidenschaft erlosch so schnell, wie sie aufgeflammt war.

»Herrschaftszeiten!«, rief er verärgert. »Kann ich denn meiner Liebsten net einmal ein Busserl geben, ohne dass mir der Herrgott gleich klarmachen muss, was für ein elendiger Krüppel ich bin?«

»Ist ja net für ewig«, tröstete Marie ihn. »Eine Woche noch, hat der Doktor gesagt. Gell?«

»Freilich«, gab Joschi knurrig zurück. Aber die sieben Tage erschienen dem Sinnhuber wie sieben Jahre Fegefeuer.

»Magst du dich net lieber noch einmal ins Bett legen?«, fragte Marie ihn. »Heute gibt's zu Mittag ja eh nur Germknödel und Erbsensuppe mit Würsteln. Das kann die Ivanka auch allein vorbereiten, wenn sie mit der Gondel raufkommt.« Ivanka war die Saisonkraft, eine junge Tschechin, die den Winter über auf der Dirnbergerhütte aushalf.

Der gut gemeinte Vorschlag stimmte Joschi nur noch verdrießlicher. Wenn alles seine rechte Ordnung hätte, wäre sein Madel die Köchin in der Hütte gewesen. Und es hätte net bloß Erbsensuppe aus dem Packerl, in die man geschwind ein Paar Frankfurter schneidet, oder tiefgekühlte Germknödel gegeben.

Wenn Marie am Herd stand, dann schwelgten die Gäste im Genuss von Kaiserschmarrn mit Zwetschgenkompott, von Käsespätzle und dem legendären »Dirnberger-Gröstl« mit Kartoffeln, Selchfleisch, gehackten Zwiebeln und einem Spiegelei obendrauf.

Sie hatten sich das im Laufe der letzten Winter so schön eingerichtet. Während eine Saisonkraft die Teller serviert und das Bier gezapft hatte, hatte Marie die Hüttengäste mit ihrer Kochkunst verwöhnt.

Und Joschi war als Skilehrer die steilsten Pisten hinuntergefahren. Aber die depperte kleine Sprungschanze hatte ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Kurse für diesen Winter waren bis zum letzten Platz ausgebucht gewesen. Also hatte für Joschi ein Ersatz-Skilehrer hermüssen. Und zwar schnell.

»Es ist fast neun«, sagte Marie in sein verbittertes Schweigen hinein. »Ich hol dann gleich meine Ausrüstung und geh rüber zur Gondel, gell?«

Sie schaute ihn mit ihren sanften braunen Rehaugen an, als wollte sie ihn fragen, ob er ihr nicht böse war, dass sie an seiner Stelle über die Pisten fetzte.

Joschi wandte sich ab. Er war seiner Marie nicht böse. Wie hätte er ihr böse sein können? Sie traf an der Misere keine Schuld. Nein, mit dem Schicksal haderte er. Mit der depperten Schanze und dem gnadenlosen Herrgott, der es für nötig gehalten hatte, Joschis linken Ski und seinen Fuß während des Sturzes so schlimm zu verdrehen.

Marie lief zurück in den Keller. Ein lautes Surren lenkte Joschis Blick zur Mittelstation. Dort setzte sich die erste Gondel langsam in Bewegung. Sie glitt aus der Station und begann mit ihrer Fahrt ins Tal. Unten in dem kleinen Skiort Kitzweng warteten die Gäste sicher schon ungeduldig hinter der Absperrung. Und mit ihnen Ivanka, die während der Saison im »Gasthof zur Post« schlief.

Rasch kam Marie zurück. In Skischuhen, grauer Skihose und dem alten roten Anorak, der wie ein Sonnenaufgang leuchtete. Sie hatte ihre Ski geschultert. Die Stöcke in einer Hand, wandte sie sich der Gondelstation zu und drehte sich dann noch einmal zu Joschi um.

»Hebst du mir einen Teller Erbsensuppe auf?«, bat sie ihn.

»Klar, mach ich«, erwiderte Joschi.

Das Herz wurde ihm schwer, als Marie davonstapfte. Wieder einmal spürte er in aller Deutlichkeit, dass er ein Madel wie sie nicht verdient hatte. Besser gesagt, dass sie einen wie ihn nicht verdient hatte. Einen, der sich nicht abfinden konnte, der mehr wollte. Alleweil mehr, als er hatte.

Erneut schweifte sein Blick zur Gondel und folgte ihr in Richtung Tal. In Kitzweng war um diese Zeit schon allerhand los. Bäcker, Fleischer, Skiverleih und Supermarkt hatten geöffnet. Soeben sperrte wahrscheinlich auch der Apotheker seine Tür auf. Und die übrig gebliebenen Nachtschwärmer vom Après-Ski drängten sich davor, um eine Kopfwehtablette gegen den ärgsten Kater zu ergattern.

Der Shuttlebus pendelte zwischen dem Bahnhof, dem »Sporthotel« und der Après-Ski-Meile. Überall herrschte Leben. Nicht so wie heroben.

Er schüttelte den Gedanken ab. Marie hatte die Mittelstation erreicht. Eine einsame Gestalt in einem himmelblauen Schneeoverall stand dort Wache: Kunibert, genannt Bertl, der Gondelwart. Für den Moment, bis die Gondel mit den ersten Gästen eintreffen würde, waren er, Joschi und Marie die einzigen Menschen auf dem Hang.

***

Mit einem Seufzer kehrte sich Joschi ab. Er stemmte seine Krücken in den Schnee, legte den Kopf in den Nacken und starrte nun die Hütte an. Sie war im alpenländischen Stil gebaut. Das Untergeschoss geweißelt. Das obere aus verwittertem dunklem Holz. Eiszapfen hingen von der Dachrinne. Eine dicke Schneeschicht lag auf den Schindeln, die Joschi im Sommer eigenhändig ausgebessert hatte.

Marie fühlte sich in der Dirnbergerhütte daheim. Sie kannte ja auch nichts anderes. Nach dem abgeschiedenen Bergbauernhof ihrer Kindheit musste ihr selbst ein Kuhdorf wie Kitzweng als der Mittelpunkt der Welt erscheinen. Wenn man auf einem Bergbauernhof aufwuchs, hatte sie Joschi einmal anvertraut, lehrte einen das Genügsamkeit und Demut.

Sie hatte es ihrem älteren Bruder nie krummgenommen, dass er und nicht sie als Hoferbe geboren worden war. Das Madel hatte sich still in ihr Schicksal als die Jüngere gefügt. Und sie wäre wahrscheinlich als Magd dortgeblieben, wenn ihr Onkel ihr nicht die Führung seiner Skihütte anvertraut hätte.

Joschi dagegen kam...



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