Neil | Was verschweigen Sie, Dr. Flynn? | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Neil Was verschweigen Sie, Dr. Flynn?


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0593-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7515-0593-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Als Saffi nach einem Unfall unter Amnesie leidet, kehrt sie an den Ort ihrer Kindheit zurück. Dort trifft sie den charmanten Notarzt Matt Flynn, der sie liebevoll umsorgt. Aber so sehr sie seine zärtlichen Küsse genießt, ahnt sie auch: Er verbirgt etwas vor ihr!



Joanna Neil startete ihre Karriere als Autorin von Liebesromanen auf ganz unkonventionellem Wege. Alles begann damit, dass Joanna Neil einen Werbespot für Liebesromane sah und von diesem Zeitpunkt an wie verzaubert war. Sie fing an, die Romane zu verschlingen, und war überwältigt. Je mehr sie las, umso mehr hatte sie auch das Bedürfnis selbst Liebesromane zu verfassen. Damals arbeitete sie als Lehrerin für Vorschulkinder, und bis heute liebt sie ihren Job, aber nach ihrem Erfolg als Liebesroman-Autorin hatte sie kaum noch Zeit dafür. Jetzt widmet sie sich ausschließlich ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Joanna Neil versetzt sich bei jeder Liebesgeschichte, die sie schreibt, in ihre Charaktere hinein und erschafft so gefühlvolle und einzigartige Momente in ihren Romanen. Ihre Leidenschaft zu lehren erfüllt sie sich weiterhin als Dozentin für kreatives Schreiben.
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1. KAPITEL

So, hier war sie nun. Saffi streckte ihre Glieder und ging hinüber zur Brüstung am Klippenrand, wo sie stehenblieb und über die Bucht blickte. Nach den vielen Stunden im Bus tat es gut, an der frischen Luft zu sein. Von hier aus konnte sie den Kai sehen, wo die Fischer ihre Hummerkisten stapelten und ihre Netze pflegten, und eine Weile sah sie zu, wie die Wellen sanft gegen die bunt gestrichenen Boote und Fischkutter schwappten. Möwen flogen über sie hinweg und schienen sich etwas zuzurufen, bevor sie hochschnellten, um dann auf der Suche nach einem Leckerbissen steil ins Wasser abzutauchen. In der Ferne schmiegten sich weiß getünchte kleine Häuser in die von Bäumen gesäumten Hügel, von wo aus sich gewundene Wege hinunter zu dem kleinen Hafen schlängelten. Dieses kleine Fleckchen Devon sah unglaublich idyllisch aus. Es war so friedlich, so perfekt. Wenn sie nur ein wenig von dieser Ruhe in sich aufnehmen und bewahren könnte! War es am Ende nicht genau das, weshalb sie hierhergekommen war, weshalb sie alles hinter sich gelassen hatte, alles, was für Sicherheit und Geborgenheit in ihrem Leben gestanden hatte? Obwohl das, was vorher Sicherheit bedeutet hatte, sich am Ende als Täuschung entpuppt hatte. Ein leichter Anflug von Panik stieg in Saffi auf. Tat sie wirklich das Richtige? Woher sollte sie wissen, was jetzt kommen würde? War es möglicherweise ein Riesenfehler, hierherzukommen? Sie nahm einen tiefen Atemzug voller Seeluft und atmete langsam wieder aus, um sich zu beruhigen. In den letzten Jahren hatte sie in Hampshire gelebt, aber dieser Ort hier sollte ihr bekannt vorkommen, hatten sie gesagt. Und tatsächlich schienen kleine Erinnerungsfragmente in ihr aufzutauchen, um sich aber genauso schnell wieder in Luft aufzulösen, wie sie gekommen waren. „Vielleicht ist es das, was Sie brauchen“, hatte ihr Notar gesagt, ihre unterzeichneten Unterlagen zu einem akkuraten Stapel zusammengerafft und in einer Ablage auf dem Schreibtisch verstaut. „Es wird Ihnen bestimmt guttun, eine Weile an dem Ort zu sein, wo Sie Ihre Kindheit verbracht haben. Sie können es zumindest versuchen.“

„Ja, vielleicht haben Sie recht.“

Die milde Meeresbrise fuhr durch ihr honigblondes Haar. Sie wandte ihr Gesicht der Sonne zu und fühlte, wie die warmen Strahlen ihre nackten Arme streichelten. Vielleicht konnte die Wärme der Sonne den Eispanzer auftauen, der sich in den vergangenen Monaten um ihr Herz gelegt hatte. Eine einsame Möwe tapste neben ihr, pickte planlos im Gras und suchte zwischen Rotschwingel und Weißem Leimkraut etwas Essbares. Der Vogel spähte zu ihr hinauf, halb schüchtern, halb hoffnungsvoll. Sie lächelte. „Ich fürchte, ich habe kein Futter für dich“, sagte sie sanft. „Aber du solltest wissen, dass ich seit dem Frühstück selber nichts mehr gegessen habe.“ Das schien lange her zu sein, doch sie war so sehr mit dem Gedanken beschäftigt gewesen, was jetzt wohl auf sie zukommen würde, dass sie an nichts anderes mehr hatte denken können, noch nicht einmal ans Essen. Aber diese Vergesslichkeit war inzwischen nichts Besonderes mehr.

„Danke, dass du mich daran erinnerst“, sagte Saffi zu dem Vogel, „Ich sollte sehen, wo ich etwas zum Mittagessen herbekomme. Vielleicht habe ich ja auch etwas für dich, wenn wir uns in den nächsten Tagen hier wiedertreffen.“ Sie fühlte sich plötzlich viel besser. Hierherzukommen war für sie keine einfache Entscheidung gewesen, aber jetzt war sie ja da. Und sie könnte versuchen, es als Neuanfang zu sehen. Sie wandte sich von der Brüstung ab und schaute sich um. Ihr Notar hat für sie eine Verabredung im ‚Seafarer Inn‘ arrangiert, die Gaststätte war gleich auf der anderen Straßenseite. Es war ein schönes Gebäude mit vielen kleinen polierten Mahagoni-Elementen auf dem Boden, die sich in der weißgestrichenen Fassade wiederholten. Es gab Blumenkästen mit blühenden Geranien und rankende Surfinias in Creme und Pink, auf dem Bürgersteig lockten Tafeln, auf denen die Tagesgerichte angepriesen wurden. Saffi hatte noch etwas mehr als eine halbe Stunde, genügend Zeit, um etwas zu essen und ihre Gedanken zu ordnen. Sie wählte einen Tisch am Fenster und ging zur Theke, um ihre Bestellung aufzugeben. „Ich bin hier später mit einem Mr. Flynn verabredet“, erklärte sie dem Inhaber, einem fröhlichen, freundlichen Mann, der mit einem sauberen Tuch Gläser polierte. „Würden Sie ihn bitte zu mir schicken, falls er nach mir fragt?“

„Sehr gern. Genießen Sie Ihr Essen!“

„Danke.“

Ihr Notar hatte ihr erzählt, dass Mr. Flynn in den vergangenen Monaten so eine Art Hausmeister für das Anwesen war. „Er wird Ihnen die Schlüssel geben und Ihnen alles zeigen. Er ist fast schon in Rente und wird sich freuen, Ihnen behilflich sein zu können. Er scheint ganz nett zu sein. Als ich ihm mitgeteilt habe, dass Sie im Moment nicht selbst fahren, hat er sofort angeboten, sie abzuholen.“ Jetzt musste sie also nichts anderes tun, als zu warten. Ihr Magen zog sich leicht zusammen, sie kehrte zurück an ihren Tisch und setzte sich. Im ersten Moment hatte sie sich ein wenig wie auf dem Präsentierteller zwischen all den Fremden um sie herum gefühlt, aber jetzt, in ihrer kleinen Nische, ging es ihr gleich wieder besser. Sie hatte sich eine gebackene Kartoffel mit Salat ausgesucht und gerade begonnen zu essen, als ein Schatten auf ihren Tisch fiel. Sie legte ihre Gabel ab und sah an dem Mann hoch, der vor ihr stand. Ihre Augen weiteten sich. War das Mr. Flynn? Er war ganz und gar nicht so, wie sie es erwartet hatte. Sie schätzte ihn auf den ersten Blick auf Anfang dreißig, ungefähr ein Meter achtzig groß und schlank, gutaussehend, mit markanten Gesichtszügen und pechschwarzen Haaren. Definitiv kein Hausmeister kurz vor der Rente. Diesen lebendigen jungen Mann vor sich zu haben, war fast ein kleiner Schock für sie. Er studierte sie seinerseits nachdenklich, ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. Aber als seine dunklen grauen Augen ihre trafen, glaubte sie, etwas Beschützendes in seinem Blick zu sehen.

„Saffi?“

„Ja.“ Sie lächelte ihn flüchtig an. „Sie müssen … Ähm, Sie müssen Mr. Flynn sein?“

Er runzelte die Stirn und schaute sie ein wenig verwirrt an. „Das ist richtig, Matt Flynn.“ In seinem Blick war ein seltsamer Ausdruck. Er wartete einige Sekunden und dann, als sie nichts sagte, straffte er seine Schultern und sagte in einem geschäftsmäßigen Ton: „Ihr Notar hat mir geschrieben. Er hat mir mitgeteilt, dass Sie sich auf dem Moorcraft Anwesen umschauen wollen.“

„Ich … ja, das ist richtig.“ Saffi zögerte, war plötzlich unsicher. „Ich hatte gehofft, ähm …“ Sie schaute auf das Essen auf ihrem Teller. „Ich …“ Sie sah ihn wieder an. „Ich möchte Ihnen nicht Ihre Zeit stehlen. Wollen Sie gleich wieder los?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht, überhaupt nicht. Ich bin früh dran, essen Sie bitte in Ruhe weiter.“ Er schien ratlos zu sein und irgendetwas in Gedanken abzuwägen. Sie konnte sich aber keinen Reim darauf machen, was wohl in seinem Kopf vor sich ging. Irgendetwas schien ihn offensichtlich zu beschäftigen.

„Tatsächlich“, sagte er nach einem kurzen Moment, „habe ich auch Hunger. Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich mit Ihnen essen würde?“ Er lächelte ein Lächeln, das seine Augen erreichte. „Das Essen hier ist sehr gut. Es duftet schon draußen auf der Straße verlockend.“

„Ja, das stimmt.“ Sie entspannte sich allmählich und zeigte auf den leeren Stuhl. „Bitte, setzen Sie sich.“

„Okay, ich werde nur schnell bestellen und bin in einer oder zwei Minuten wieder bei Ihnen.“ Saffi nickte und sah ihm nach, wie er zur Theke ging. Seine langen Beine steckten in einer Jeans, sein T-Shirt umspannte seine Brust und betonte die muskulösen Oberarme und die breiten Schultern. Der Anblick ließ sie leicht erschauern, ihr Herz machte einen Satz. Es war seltsam zu erkennen, dass sie zu solchen Gefühlen fähig war. Lange Zeit war sie wie ein Autopilot durchs Leben gegangen, geradezu gestolpert, hatte sich Dinge nur abgeschaut und sich gefühlt, als wäre sie von einer fremden Situation in die andere geraten. Und sie wusste nicht, wie er da hineinpasste.

Er kam zurück, setzte sich ihr gegenüber und stellte ein Glas Bier auf den Tisch. Dann betrachtete er sie nachdenklich. „Ihr Notar hat mir gesagt, dass Sie Ihre Optionen abklären wollen, was das Anwesen angeht. Haben Sie vor, länger zu bleiben?“ Er schaute sich um. „Bis auf eine Reisetasche haben Sie anscheinend kein Gepäck.“

„Nein, das ist richtig. Ich habe mein Gepäck aufgegeben. Ich dachte, es wäre einfacher so, ich habe nämlich viel Zeug. Ich werde eine Weile bleiben und versuche meine Gedanken in Ordnung zu bringen und herauszufinden, was ich machen soll – verkaufen oder bleiben.“

„Oh.“ Neugier schwang in seiner Stimme mit, als er sagte: „Ich schätze, es wäre leichter für Sie, wenn Sie ein Auto hätten. Aber Ihr Notar sagte, Sie hätten es vor einigen Wochen verkauft?“

„Ich … ja, ich war … “, Saffi zögerte einen Moment. „Es wurde bei einem Zusammenstoß am Heck beschädigt. Ich habe es reparieren lassen und dann beschlossen, dass ich gar kein Auto brauche. Ich habe nicht weit von der Klinik gewohnt, in der ich gearbeitet habe.“ Das musste als Erklärung reichen. Sie wollte nicht näher darauf eingehen, warum sie sich hinter dem Lenkrad nicht mehr sicher fühlte. Alle normalen Tätigkeiten waren in den vergangenen Monaten eine einzige Herausforderung für sie gewesen.

„Ah, ich verstehe. Das heißt, ich glaube, ich verstehe.“ Er warf ihr einen langen Blick zu. „Fürchten Sie sich aus...



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