E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Neil Endlich Liebe für Dr. Driscoll
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0796-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0796-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie keine Frau zuvor weckt Caitlin plötzlich zärtliche Gefühle in Dr. Brodie Driscoll. Aber ist sie so kurz nach ihrer Trennung überhaupt schon offen für eine neue Liebe? Brodie fürchtet, dass sie sich nur in seine Arme schmiegt, um ihren Ex eifersüchtig zu machen ...
Joanna Neil startete ihre Karriere als Autorin von Liebesromanen auf ganz unkonventionellem Wege. Alles begann damit, dass Joanna Neil einen Werbespot für Liebesromane sah und von diesem Zeitpunkt an wie verzaubert war. Sie fing an, die Romane zu verschlingen, und war überwältigt. Je mehr sie las, umso mehr hatte sie auch das Bedürfnis selbst Liebesromane zu verfassen. Damals arbeitete sie als Lehrerin für Vorschulkinder, und bis heute liebt sie ihren Job, aber nach ihrem Erfolg als Liebesroman-Autorin hatte sie kaum noch Zeit dafür. Jetzt widmet sie sich ausschließlich ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. Joanna Neil versetzt sich bei jeder Liebesgeschichte, die sie schreibt, in ihre Charaktere hinein und erschafft so gefühlvolle und einzigartige Momente in ihren Romanen. Ihre Leidenschaft zu lehren erfüllt sie sich weiterhin als Dozentin für kreatives Schreiben.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Was wirst du tun?“ Molly stand am Schwesterntresen und sah die Unterlagen in dem Ablagekorb durch. „Willst du an dieser Hochzeit teilnehmen?“ Sie warf Caitlin einen mitfühlenden Blick zu. „Das muss für dich eine ziemlich schwierige Situation sein.“
Caitlin nickte. „Ja, das stimmt. Die letzten Wochen waren der reinste Albtraum. Für mich war das alles ein absoluter Schock, und im Moment weiß ich wirklich nicht, wie ich damit umgehen soll.“ Sie verzog das Gesicht und strich sich ein paar Haarsträhnen aus der Stirn. Ihre schulterlange kastanienbraune Lockenmähne band sie bei der Arbeit im Krankenhaus normalerweise zusammen. „Eigentlich möchte ich lieber nicht hingehen, aber ich wüsste nicht, wie ich mich davor drücken kann. Letztendlich ist Jenny nun mal meine Cousine. Meine Familie – und vor allem meine Tante – will mich sicher bei der Feier dabeihaben. Und ich will keinen Krach heraufbeschwören, indem ich einfach wegbleibe.“
Andererseits, wie sollte sie es ertragen, mit anzusehen, wie ihre Cousine den Mann heiratete, der noch vor Kurzem Caitlins große Liebe gewesen war? Sie und Matt hatten sogar über eine Verlobung gesprochen. Doch dann war Jenny aufgetaucht, und schlagartig hatte sich alles verändert.
Caitlin presste die Lippen aufeinander. Als sie heute Morgen zu Hause den Briefumschlag geöffnet und die wunderschöne Einladungskarte im Prägedruck herausgenommen hatte, war ihre Stimmung auf den absoluten Tiefpunkt gesunken. Sie hatte das dumpfe Gefühl, dass sich der Tag von diesem Augenblick an in einer Abwärtsspirale befand.
Kurz darauf hatte sie im Kühlschrank nur noch einen leeren Milchkarton vorgefunden. Einer ihrer Mitbewohner musste wohl die letzte Milch verbraucht und den Karton wieder in den Kühlschrank gestellt haben. Caitlin war fassungslos gewesen. Kein Kaffee vor der Arbeit? Undenkbar!
„Ja, Familie ist alles.“ Molly seufzte. „Manchmal muss man Dinge tun, die einem widerstreben, um den Frieden zu erhalten. Ich wünschte bloß, du würdest uns nicht verlassen. Ich weiß, wie schwer es dir fallen würde, mit Matt und Jenny zusammenzuarbeiten, aber wir werden dich schrecklich vermissen.“
„Ich euch auch“, antwortete Caitlin. Molly war eine hervorragende Kinderkrankenschwester und eine gute Freundin. Als Caitlin sich jetzt auf der Station umschaute, spürte sie eine bleierne Traurigkeit. Seit mehreren Jahren arbeitete sie in diesem Krankenhaus. Hier hatte sie ihre Fachausbildung zur Kinderärztin gemacht, sich mit den Kollegen angefreundet und so viele liebenswerte kleine Patienten kennengelernt.
Auch wenn es schwer sein würde, sie musste woanders noch einmal ganz neu anfangen. Matt hatte sie betrogen und zutiefst verletzt.
„Aber wir bleiben doch in Kontakt, oder?“ Entschlossen setzte sie eine fröhliche Miene auf. „Ich werde ja nicht allzu weit weg sein. Buckinghamshire ist nur etwa eine Autostunde entfernt.“
Molly nickte. Sie war eine hübsche junge Frau mit grünbraunen Augen und fast schwarzem Haar, das zu einem schicken, seidigen Bob geschnitten war. „Wirst du bei deiner Mutter wohnen? Du hast gesagt, dass sie jemanden in ihrer Nähe braucht.“
„Ja, ich dachte, es wäre eine gute Gelegenheit, mich ein bisschen mehr um sie zu kümmern, jetzt, da sie älter wird und hin und wieder ein paar Wehwehchen hat. Es hat mich schon eine ganze Weile beunruhigt, dass ich so weit weg bin.“ Caitlin lächelte. „Ich glaube, sie freut sich, wenn ich eine Zeit lang bei ihr wohne, bis ich was Eigenes gefunden habe.“
Sie blätterte die Patientenakten durch, die in einem ordentlichen Stapel auf dem Tresen lagen. Ihre ganze Welt würde sich verändern. Sie liebte ihre Arbeit und hatte sehr gründlich nachgedacht, bevor sie ihre Kündigung eingereicht hatte. Aber wie sollte sie hier weiterarbeiten, wenn Matt mit ihrer Cousine verheiratet war? Und Jenny wollte in diesem Krankenhaus ebenfalls eine Stelle annehmen.
Es war Caitlin noch immer fremd, an ihn als ihren Ex zu denken. Sie waren anderthalb Jahre zusammen gewesen. Daher hatte es sie tief getroffen, dass Matt sie nicht mehr liebte, sondern sich für eine andere Frau entschieden hatte.
„Natürlich muss ich mir dort einen neuen Job suchen, aber es gibt zwei Krankenhäuser in der Gegend. Das dürfte also nicht allzu schwierig werden. Hoffe ich zumindest.“ Sie straffte die Schultern und riss sich zusammen. Egal, wie groß der Schmerz war, ab jetzt musste sie ihre eigenen Pläne machen und versuchen, positiv in die Zukunft zu blicken. Sie sah Molly an. „Vielleicht können wir uns ja ab und zu mal treffen. Einen Kaffee trinken oder zusammen essen gehen.“
„Das wäre schön.“ Mollys Miene hellte sich auf. „Übrigens, der Laborbefund für den kleinen Jungen mit dem schmerzenden Knie ist da. Es scheint eine Infektion zu sein.“
„Hm.“ Rasch überflog Caitlin die Laborwerte. „Genau das, was wir vermutet haben. Ich werde veranlassen, dass der Orthopäde die Gelenksflüssigkeit punktiert, und danach bekommt der Junge sofort ein spezifisches Antibiotikum.“ Sie stellte das entsprechende Rezept aus und gab es Molly.
„Danke. Ich erledige das.“
„Gut.“ Caitlin runzelte die Stirn. „Ich würde gerne wissen, welche Fortschritte er macht. Aber ich vermute, dass Matt meine Patienten übernimmt, wenn ich weggehe. Ich werde meine kleinen Schützlinge vermissen.“
Nachdem sie den Orthopäden angerufen hatte, schaute sie bei einem Vierjährigen herein, der am Tag zuvor mit Atemwegsproblemen eingeliefert worden war. Der Kleine schlief, wobei er schnell und keuchend atmete. Auf dem weißen Kissen wirkte sein Gesichtchen kreideblass. Gestern war sein Zustand so schlecht gewesen, dass sie sich große Sorgen um ihn gemacht hatte. Aber als sie ihn jetzt abhorchte und die Monitore überprüfte, war Caitlin beruhigt.
„Es scheint ihm heute viel besser zu gehen“, sagte sie zu seinen Eltern, die besorgt an seinem Bett saßen. „Auf dem Röntgenbild war nichts Auffälliges zu erkennen. Deshalb können wir davon ausgehen, dass es einfach ein Asthmaanfall war. Die Schwester wird mit Ihnen sprechen, um herauszufinden, wie wir so etwas in Zukunft möglichst vermeiden können.“
Die Eltern waren erleichtert. „Danke, Doktor.“
Sofort kehrte Caitlin zum Tresen zurück, weil sie noch weitere Laborbefunde erwartete.
„Da ist ein Anruf für dich, Caitlin.“ Die Stationssekretärin hielt ihr den Hörer entgegen. „Klingt dringend.“
„Gut, danke.“ Caitlin nahm den Hörer. „Hallo, hier ist Dr. Braemar. Wie kann ich Ihnen helfen?“
„Hi, Caitlin“, hörte sie eine tiefe männliche Stimme, die ihr seltsam vertraut vorkam. „Ich weiß nicht, ob du dich noch an mich erinnerst. Es ist schon lange her. Ich bin Brodie Driscoll. Wir haben früher zusammen in Ashley Vale gewohnt.“
Brodie Driscoll! Wie hätte sie ihn je vergessen können? Er war ihr Teenagerschwarm gewesen, der sie ein ums andere Mal hatte erschauern lassen. Damals hatte sie ständig an ihn denken müssen. Und auch jetzt löste schon allein der Klang seiner Stimme ein elektrisierendes Prickeln vom Kopf bis zu den Zehenspitzen in ihr aus.
Natürlich hätte Caitlin sich das niemals anmerken lassen. Auf gar keinen Fall wollte sie sich jemals in den Dorf-Rabauken verlieben oder sich gar mit ihm einlassen. Brodie war ein Rebell und steckte immer in irgendwelchen Schwierigkeiten. Aber wer hätte ihm widerstehen können? Sein verwegenes Lächeln und der jungenhafte Charme waren einfach umwerfend attraktiv gewesen.
„Oh, ich erinnere mich sehr gut“, antwortete sie sanft.
„Freut mich, dass du mich nicht vergessen hast.“ Er klang amüsiert, doch dann wurde er plötzlich ernst. „Entschuldige, dass ich dich bei der Arbeit anrufe, aber es ist etwas passiert, was du wissen solltest.“
„Schon gut. Was ist los?“
„Es geht um deine Mutter. Ich weiß nicht, ob du mitbekommen hast, dass ich vor zwei Wochen in ihrem Nachbarhaus eingezogen bin. Deshalb sehe ich sie ziemlich oft, wenn sie auf ihrem kleinen Hof arbeitet“, erklärte Brodie.
Davon hatte Caitlin nichts gewusst. Ihre Mutter hatte sehr viel mit ihrem Obstgarten und den zahlreichen Tieren zu tun. Und nun war Caitlin froh, jemanden in ihrer Nähe zu wissen.
„Was ist passiert? Sind die Tiere auf dein Grundstück ausgebüxt?“ Ihre Mutter nahm immerzu irgendwelche streunenden und verletzten Tiere auf, um sie wieder aufzupäppeln. „Als ich zuletzt da war, sah der Zaun recht wackelig aus. Ich habe zwar ein paar Stellen repariert, aber falls es ein Problem gibt, kümmere ich mich darum.“
„Nein, ich fürchte, es ist etwas wesentlich Ernsteres“, erwiderte Brodie. „Deine Mutter hatte einen Unfall. Sie ist gestürzt, und ich bin ziemlich sicher, dass sie sich das Becken gebrochen hat. Ich habe den Krankenwagen gerufen, und die Sanitäter laden sie gerade ein. Ich begleite sie ins Krankenhaus, aber ich dachte, du solltest es erfahren.“
Caitlin wurde blass. „Ja, natürlich. Danke, Brodie. Ich fahre hin, ich muss bei ihr sein. Aber wie kommst du darauf, dass es ein Beckenbruch ist? Vielleicht ist es doch nicht ganz so schlimm.“
„Das hatte ich auch gehofft, aber sie kann das Bein nicht bewegen, und es steht in einem merkwürdigen Winkel ab. Außerdem sieht es aus, als wäre es kürzer geworden als das andere“, sagte er. „Sie scheint große Schmerzen zu haben.“
„Oh nein.“ Das waren die typischen Zeichen für einen Beckenbruch. Dieser Tag wurde von Stunde zu Stunde schlimmer. „Wird sie ins Thame Valley Hospital gebracht?“
...



