Buch, Deutsch, 272 Seiten, kartoniert, Format (B × H): 126 mm x 206 mm, Gewicht: 298 g
Auf den Pfaden der Schamanen zu den Ursprüngen modernen Wissens
Buch, Deutsch, 272 Seiten, kartoniert, Format (B × H): 126 mm x 206 mm, Gewicht: 298 g
ISBN: 978-3-608-94765-6
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Äußerst skeptisch reagiert der Anthropologe Jeremy Narby, als er von der bewußtseinserweiternden Wirkung halluzinogener Drogen hört, von denen 'Ayahuasca' mittlerweile als Designerdroge gehandelt wird. Diese Droge versetzt in Trance, beeinflußt und verändert Wahrnehmung und Erkennen. Narby nimmt an den Tranceritualen teil; es eröffnet sich ihm eine völlig unbekannte, bilderreiche Wissenskultur. Von Schamanen gelehrt ist dieses mündliche Wissen noch nie schriftlich fixiert worden. Jeremy Narby unternimmt den ersten Schritt, das einzigartige Wissen über Drogen, Gifte und Heilpflanzen, für das sich besonders westliche Pharmakonzerne interessieren, zu erschließen.
Der Autor begibt sich auf eine tranceähnliche innere und äußere Reise. Er entfaltet das unerschöpfliche Wissen um die tropische Pflanzenwelt, das ihn zu den Ursprüngen modernen Wissens führt, und appelliert engagiert, dieses Wissen der Indianer zu schützen.
Inbegriff und häufigstes Symbol für die Einsicht in die Natur, ihren Aufbau und ihre Wirkung ist die kosmische Schlange. Sie symbolisiert die Doppelhelix, das Modell der Gen-Struktur, und steht für das biologische und kosmische Wissen des Menschen überhaupt. Die Schlange verkörpert seit Urzeiten zwei Symbole: Heilung und Tod, Kosmos und Chaos, Verständnis und Vernichtung des Lebens. In südamerikanischen Mythen verkörpert die Schlange das Wissen vom Leben; sie verbindet Natur und Kosmos miteinander.
'Das Wagnis, das wir mit der Droge eingehen, besteht darin, daß wir an einer Grundmacht des Daseins rütteln.'
Ernst Jünger, Drogen und Rausch
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Auszug aus Kapitel 1: Buschfernsehen
Als mir ein Ashaninca zum ersten Mal erzählte, er hätte sein Wissen über Heilpflanzen dadurch erworben, daß er ein halluzinogenes Getränk zu sich nahm, hielt ich das für einen Witz. Wir waren im Urwald und hockten vor einem Busch, dessen Blätter, wie er sagte, den tödlichen Biß einer Schlange heilen könnten. 'Diese Dinge erfährt man, wenn man ayahuasca trinkt', sagte er und war dabei völlig ernst.
Das spielte sich im Frühjahr 1985 in Peru ab. Ich war fünfundzwanzig Jahre alt und stand am Beginn eines zweijährigen Aufenthalts in der Gemeinde Quirishari im Pichis-Tal am Amazonas. Ich wollte Feldstudien betreiben und damit den Doktortitel in Anthropologie der Universität Stanford (USA) erwerben. Meine Ausbildung hatte mich gelehrt, damit zu rechnen, daß die Leute mir alle möglichen Bären aufbinden würden, und meine Arbeit als Anthropologe sollte darin bestehen, Detektiv zu spielen und herauszufinden, was sie wirklich dachten.
Während der gesamten Zeit meiner Tätigkeit - ich untersuchte die Ökologie der Ashaninca - erwähnten die Menschen in Quirishari immer wieder die halluzinogene Welt der Schamanen oder, wie sie sagten, der ayahuasqueros. Wenn wir über Pflanzen, Tiere, Äcker oder den Wald sprachen, bezogen sie sich immer auf die ayahuasqueros als Quelle ihres Wissens, und jedesmal fragte ich mich, was sie denn tatsächlich damit meinten.
Ich hatte mit Vergnügen mehrere Bücher von Carlos Castañeda gelesen, in denen er beschreibt, wie ein 'Yaqui-Medizinmann' mit halluzinogenen Pflanzen verfährt, doch wußte ich auch, daß die Anthropologen Castañeda ablehnen. Sie beschuldigten ihn des Plagiats, der Lüge und der Unglaubwürdigkeit. Zwar hatte man ihm niemals ausdrücklich vorgeworfen, er habe zu wenig Abstand zu seinem Forschungsgegenstand, doch war offensichtlich, daß eine subjektive Betrachtung des Umgangs der Indianer mit Halluzinogenen zu Schwierigkeiten innerhalb der Anthropologie führte. Im Jahr 1985 waren ayahuasqueros für mich eine Grauzone und tabu für