E-Book, Deutsch, Band 1782, 160 Seiten
Reihe: Romana
Napier Romantische Küsse in der Provence
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-86295-317-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1782, 160 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86295-317-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon als sie Luc das erste Mal in Paris sieht, verliebt sich Veronica Hals über Kopf in den Fremden und verbringt eine wundervolle Nacht mit ihm in der Stadt der Liebe. Doch am Morgen verlässt sie heimlich sein Appartement, davon überzeugt, Luc nie wiederzusehen. Aber das Schicksal will es anders, und schon bald blickt sie erneut in seine faszinierenden Augen. In einer romantischen Villa in der Provence wirbt Luc mit zärtlichen Küssen um ihr Herz. Fast wäre Veronica seinem Charme erlegen, da taucht eine wunderschöne schwangere Frau auf und bittet Luc um Hilfe ...
Passend für eine Romance-Autorin wurde Susan Napier genau an einem Valentinstag, in Auckland, Neuseeland, geboren. Mit 11 Jahren veröffentlichte sie ihre erste Geschichte, und als sie die High School abschloss, wusste sie, dass sie hauptberuflich Autorin werden wollte. Zuerst arbeitete sie für den Auckland Star, und hier traf sie ihren ganz persönlichen Traummann. Sie und Tony heirateten und bekamen zwei Söhne, die mittlerweile erwachsen sind, an der Universität in Auckland studieren und mit ihren vielen Freunden und Freundinnen gern das elterliche Haus bevölkern. Durch ihre journalistische Arbeit und einen weiteren Job als Drehbuchautorin beim Film bekam Susan schließlich die schriftstellerische Erfahrung, die sie zum Verfassen von Romances brauchte. Zwei Jahre schrieb sie an ihrem ersten Roman und schickte ihn dann dem Londoner Verlag Mills & Boon zu. Im Jahr 2000 wurde ihre 30. Romance veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Schuld an allem war Paris.
Das prächtige, elegante, gleichzeitig schamlose und grelle, verführerische Paris …
Metropole der Liebenden, der Romantik. Die Stadt, deren Zauber sich niemand entziehen konnte, die die Sinne verwirrte und das Blut in Wallung brachte, die alle Vorsicht vergessen ließ.
Und Paris am Nationalfeiertag, am Jahrestag des „Sturms auf die Bastille“, forderte seine Besucher dazu heraus, alle Konventionen abzuschütteln, liberal, kühn und wagemutig zu sein. Der Geist der Revolution lag in der Luft, die ganze Stadt bebte vor Euphorie, und die tropisch anmutenden Temperaturen verliehen der Festtagsstimmung eine exotische Note. Touristen und Einheimische gleichermaßen verstopften die Straßen und feierten bis tief in die schwüle Nacht. Alle Hemmungen abzulegen und sich von der leidenschaftlichen Stimmung mitreißen zu lassen gehörte einfach dazu.
O ja, ganz gewiss, Paris war schuld! Wie hätte eine einsame, unerfahrene Reisende aus Neuseeland – eine Kiwi, wie die Neuseeländer sich selbst nannten – nicht auf die raffinierten Tricks der verführerischsten Stadt der Welt hereinfallen sollen?
Langsam zog Veronica Bell die französischen Türen auf, die das Schlafzimmer vom Rest des kleinen Apartments trennten, und überquerte auf Zehenspitzen den Fußboden aus blank polierten Eichendielen. Ihre Riemchensandalen und den hauchdünnen Häkelschal hielt sie fest an die Brust gedrückt. Mit knapp einem Meter achtzig Körpergröße und üppigen Proportionen gesegnet, fiel es ihr nicht gerade leicht, heimlich zu verschwinden. Sie hielt kurz inne, um sich zu orientieren, und bemerkte schockiert, dass ihre Handtasche nicht mehr da war, wo sie sie gelassen hatte.
Oder eher, wo sie vermutete, diese abgelegt zu haben.
Denn zugegebenermaßen verdrängte der überwältigende Höhepunkt ihrer letzten Nacht in der französischen Hauptstadt fast alles andere aus ihrer Erinnerung. Sie strich sich die vom Schlaf zerzausten Haare aus dem Gesicht und kämpfte gegen die Panik an, die sie beim Gedanken an das Risiko, das sie auf sich genommen hatte, befiel.
Zunächst musste sie sich auf das dringendste Problem konzentrieren – einen würdevollen Abgang.
Die Dämmerung brach eben an, erste blasse Strahlen Morgenlicht drangen durch die schweren cremefarbenen Vorhänge vor den Doppelfenstern, die zur Straße hinausgingen. Veronica fürchtete schon, das Licht einschalten zu müssen, als sie ein verräterisches Glitzern auf dem dicken zottigen Teppich bemerkte. Sie bückte sich und fand die schwarze Paillettentasche, die von der Armlehne der niedrigen Couch gerutscht war und halb verdeckt hinter deren klobigem Fuß lag.
Ängstlich tastete sie nach Pass und Geldtasche. Alles vorhanden, Gott sei Dank! Nun musste sie weder einem zynischen gendarme erklären, auf welche Weise sie sämtliche Reiseunterlagen und ihr Geld verloren hatte, noch einem hämisch grinsenden Beamten der neuseeländischen Botschaft.
Sie erhob sich und legte schleichend die letzten Meter bis zur Wohnungstür zurück.
Ein Rascheln hinter ihr, dann ein leises kehliges Knurren wie von einem Raubtier ließen sie erstarren.
Erschrocken blickte sie zurück.
Die französischen Türen standen noch halb offen, und ein langer blassgelber Lichtstrahl fiel durch den nicht ganz zugezogenen Vorhang auf den Verursacher des Geräusches. Veronica konnte das Doppelbett und darauf den großen sonnengebräunten Mann sehen. Fasziniert beobachtete sie, wie er im Schlaf die Laken von den wohlgeformten muskulösen Gliedmaßen abstreifte. Die breiten Schultern, die Arme mit ausgeprägtem Bizeps und der durchtrainierte Körper glänzten vor Schweiß. Kein Wunder, das Apartment hatte keine Klimaanlage, und es war drückend heiß. Wobei ihr das Wort „heiß“ auch noch aus einem anderen Grund in den Sinn kam.
Nackt sieht er wirklich großartig aus, staunte sie, sogar besser als in der schicken legeren Jeans und dem weißen Designer-T-Shirt, die er am Vorabend getragen hatte.
Kaum zu glauben, dass es ihr gelungen war, mit einem solchen Prachtexemplar von Mann eine kurze romantische Liebesaffäre in Paris zu haben. Allerdings hatte eher Lust die Handlung bestimmt als Liebe. Ihre frivole romantische Fantasie war unerwartet zu einem adrenalingesteuerten Abenteuer geworden – und der Held hatte ihre Erwartungen weit übertroffen!
Veronicas Puls begann zu rasen, als er den Kopf auf dem Kissen hin und her warf. Fieberhaft überlegte sie, was sie ihm sagen könnte, falls er erwachte. Etwas Unbekümmertes, Witziges, in der Art, wie sie sich ihm gestern präsentiert hatte – aber was nur?
Dummerweise war ihr von der Forschheit der letzten Nacht nichts geblieben. Eigentlich hatte sie nicht einschlafen wollen. In ihren Träumen war die unangenehme Situation des „Morgens danach“ nie vorgekommen.
Seine Unruhe war jedoch nur Vorspiel zu einer Drehung des eindrucksvollen Körpers, und so beruhigte sie sich schnell wieder. Er zog das Kissen, auf dem noch der Abdruck ihres Kopfes zu sehen war, an die Brust. Dichtes seidig schwarzes Haar reichte ihm fast bis zu den Schultern. Nun lag er wieder ruhig da, wie ein zufriedener Löwe, satt und unangreifbar.
Der Vergleich mit einem Tier ließ sie erröten. Eines Tages, wenn sie alt und grau wäre, würde sie sich glücklich an dieses Abenteuer erinnern. Oder vielleicht sogar schon, wenn sie in einem Monat zurück im winterlich kühlen Auckland war. Denn heute Nacht hatte sie bewiesen, dass sie den Mut und die Kühnheit besaß, ihre Träume zu verwirklichen.
Schnell huschte sie zu der verriegelten Tür und verzog erschrocken das Gesicht, als der schwere Schieber beim Öffnen ein metallisches Geräusch von sich gab.
Ein letzter Blick zurück über die Schulter brannte in ihr Gedächtnis das Bild eines wohlgeformten männlichen Pos, von einem Wirrwarr aus Laken erotisch umrahmt.
So abgelenkt, ließ sie die schwere Tür zu früh los, die mit lautem Krachen zuschlug. Der Lärm hallte noch lange durch das leere Treppenhaus und wirkte auf ihre angespannten Nerven wie ein Überschallknall. In Panik stürmte sie die Holzstufen hinunter. Auf dem zweiten Treppenabsatz angekommen, wühlte sie blind in ihrer Handtasche und fand wunderbarerweise sofort den kleinen Wohnungsschlüssel, doch ihre Hände zitterten so heftig, dass sie Mühe hatte, ihn ins Schloss zu schieben. Leise fluchend lauschte sie ängstlich, ob ihr von oben Schritte folgten.
Er sollte besser nicht herausfinden, wo sie wohnte. Zwar hatte sie am Vorabend erwähnt, dass ihr Quartier ebenfalls im Marais lag, doch er hatte keine Ahnung, dass sie direkt vor seiner Nase logierte.
Sie hatte sich insgeheim königlich amüsiert, als er sie in den frühen Morgenstunden zu seiner Wohnung geführt hatte und sie das anmutige alte Haus in der historischen Rue de Birague als ihr eigenes Domizil erkannte. Doch glücklicherweise hatte ein winziger Rest von Verstand sie davon abgehalten, mit ihrem Geheimnis herauszuplatzen.
Schnell trat sie in das kleine Apartment, zog die Tür hinter sich zu und lehnte sich dagegen. Erleichtert über ihre gelungene Flucht unterdrückte sie ein hysterisches Kichern und griff gedankenlos nach dem kleinen neuseeländischen Jadeanhänger in Form eines stilisierten Angelhakens der Maori, den sie immer an einer Kette um den Hals trug. Doch er war nicht mehr da. Erschrocken wurde ihr bewusst, dass er sich noch in seiner Wohnung befinden musste und damit für sie für immer verloren war. Denn sie konnte auf keinen Fall zurückgehen, um ihn zu holen!
In den letzten Tagen hatte sie vieles zum ersten Mal erlebt: ihren ersten Flug, den ersten Besuch in London, zum ersten Mal allein und krank in Frankreich, einem Land, dessen Sprache sie nicht beherrschte …
Zum ersten Mal neben einem äußerst attraktiven Fremden aufgewacht.
„Keine nachträglichen Skrupel“ hatte sie sich in der Hitze der Leidenschaft geschworen, und so schob sie den beunruhigenden Gedanken beiseite.
Außerdem war er nicht wirklich ein Fremder gewesen. Denn trotz der Sprachbarriere war es ihnen gelungen, miteinander zu kommunizieren.
Lucien.
Luc.
Ihr träumerischer Blick fiel auf die Uhr an der Mikrowelle in der Kochnische, und sie schrie erschrocken auf, als ein Vergleich mit der Armbanduhr an ihrem blassen Handgelenk die Angabe bestätigte.
In größter Eile wirbelte sie durch das Einzimmerapartment, sammelte ihre Besitztümer ein und warf sie in den offenen Koffer, der auf dem Fußboden stand. Es blieb ihr noch nicht einmal Zeit für eine schnelle Dusche, und so tauschte sie lediglich Rock und Top gegen dunkelblaue Cargoshorts und ein gelbes Rippshirt. Beim Blick in den Badezimmerspiegel, der für sie viel zu niedrig angebracht war, seufzte sie entnervt auf. Mit Papiertuch und Gesichtsreiniger entfernte sie das fleckige Make-up vom Vorabend, durch das schon etliche Sommersprossen hindurchschimmerten, und trug in Windeseile Feuchtigkeitscreme und Lippenstift auf. Dann glättete sie mit schnellen, schmerzhaften Bürstenstrichen ihr völlig zerzaustes Haar und fasste es zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammen, der ihr bis auf die Schultern reichte. Zuletzt packte sie noch den Kulturbeutel ein, ergriff ihr Gepäck und verließ im Sturmschritt die Wohnung.
Nur eine gute Stunde später hastete sie zu einer der Bahnsteigsperren am Gare de Lyon, um den ersten TGV-Schnellzug des Tages nach Avignon zu erwischen, der in wenigen Minuten abfahren...




