Nagele | Grado und die Tote in der Lagune | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Commissaria Degrassi

Nagele Grado und die Tote in der Lagune

Ein Adria Krimi
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98707-055-6
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Adria Krimi

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Commissaria Degrassi

ISBN: 978-3-98707-055-6
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Neue Krimispannung an der Adria. Kommissarin Maddalena Degrassi wird zu einem Vermisstenfall gerufen: Ein sechzehnjähriges Mädchen ist nicht mehr nach Hause gekommen. Hatte sie sich in den Falschen verliebt? Und woher wusste der ortsansässige Toto schon vorher, dass bald etwas Schlimmes passieren wird? Maddalena, die immer noch mit einem persönlichen Schicksalsschlag zu kämpfen hat, muss hilflos mit ansehen, wie der Fall unaufhaltsam seinem tragischen Höhepunkt entgegensteuert.

Andrea Nagele leitete über ein Jahrzehnt ein psychotherapeutisches Ambulatorium. Heute arbeitet sie als Autorin und betreibt in Klagenfurt eine psychotherapeutische Praxis. Sie pendelt zwischen Klagenfurt am Wörthersee, Grado und Berlin. www.andreanagele.at
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1

Maddalena saß mit ihren Freundinnen Bibiana und Stella auf der schmalen Terrasse der neuen Wohnung, in der sie nun seit über einem halben Jahr lebte. Sie prosteten einander mit Prosecco zu. Es war später Nachmittag, und Maddalena baute heute ein paar ihrer Überstunden ab.

»Ich wusste, du würdest dich hier wohlfühlen. Immerhin habe ja auch ich dieses Kleinod für dich ausgesucht«, frohlockte Bibiana, die Immobilienmaklerin, sichtlich zufrieden mit sich und ihrer Entdeckung.

»Da gebe ich dir gern und unumwunden recht. Du kennst meinen Geschmack eben in- und auswendig.«

»Geschmack?« Stella grinste. »Unsere Maddalena trägt Boots, kaputte Jeans und unter der obligatorischen Lederjacke irgendein T-Shirt, das sie wahrscheinlich in einer Mülltonne gefunden hat.«

»Pfui«, entgegnete Maddalena lachend. »Wenn du weiter so über mich herziehst, rufe ich deinen ehrenwerten Ehemann an und lasse dich in Handschellen von ihm abführen und in Gewahrsam nehmen.«

In den letzten Monaten hatte sie sich immer enger mit der Frau ihres Mitarbeiters Guido Lippi angefreundet.

»Commissaria, ist Ihnen eine derart rigorose Ahndung angesichts eines doch so geringen Vergehens denn überhaupt erlaubt?«, erkundigte sich Bibiana mit unschuldigem Blick. »Überschreiten Sie da nicht ein wenig Ihre Befugnis? Comandante Scaramuzza hängt Ihnen ein Disziplinarverfahren an den Hals, so schnell können Sie gar nicht schauen.«

»Schlage du dich nur auf Stellas Seite. Wirst schon sehen, was passiert, wenn ich Guido Lippi herbeordere.«

»Der bringt höchstwahrscheinlich zwei weitere Flaschen Prosecco mit und beginnt danach, Lieder im heimischen Dialekt zu schmettern«, gibt Stella zu bedenken.

»Ein Volkstümler ist er also auch noch, dein Gatte?« Maddalena zog eine Augenbraue hoch.

»Nein und ja«, sagten Stella und Bibiana gleichzeitig.

»Da du aus dem Karst kommst, verzeihen wir dir deine Unwissenheit«, fuhr Stella fort. »Guido singt jedes Jahr im März mit großer Freude beim Graisan-Lieder-Festival. Sänger und Künstler aus Grado treten dort gegeneinander an. Der Sinn der Veranstaltung liegt darin, den Dialekt, der dem venezianischen ähnelt, zu erhalten. Insofern sind es Volkslieder. Dante, der Mann von Giorgia, deiner Freundin aus der Bar, hat den Wettbewerb schon einmal gemeinsam mit seiner Tochter gewonnen. Guido fühlt sich seiner Heimat also tatsächlich sehr verbunden, was aber nicht heißt, dass er deshalb ein reaktionärer Mensch ist.«

»Das habe ich so nicht gemeint«, gab Maddalena kleinlaut zurück und schämte sich ein wenig ob ihres Vorurteils. »Ich mag halt lieber Pop- oder Rockmusik und stehe nicht so auf Schlager und Volkslieder.«

»Themenwechsel«, schlug Bibiana vor. »Stellas Mann ist doch der Kollege, mit dem du früher oft Zoff hattest. Jetzt schaust du nicht mehr verbissen, wenn du über ihn redest, und mit seiner Frau bist du inzwischen befreundet. Anscheinend hat sich die Lage zwischen euch geändert oder gar verbessert, richtig?«

Maddalena hatte Bibiana nicht in jedes Detail ihrer teils schwierigen Beziehung zu Guido Lippi eingeweiht und blieb daher oberflächlich. »Dem kann ich guten Gewissens zustimmen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass er Stella zurückerobern konnte, jedenfalls gab es keine Konflikte mehr mit ihm, und er war mir eine große Hilfe in meiner schweren Zeit.«

Stella lächelte fein und nahm einen Schluck Prosecco.

»Auch jetzt arbeiten wir quasi Hand in Hand«, fuhr Maddalena fort, »und er hat endlich sein Konkurrenzverhalten abgelegt und akzeptiert mich anstandslos als seine Vorgesetzte. Das hat sich in den letzten Monaten positiv auf das gesamte Team ausgewirkt.«

Immer noch konnte sie es kaum fassen, dass Franjo nicht mehr bei ihr war.

Bibiana, die wohl merkte, was in ihr vorging, legte ihre Hand auf Maddalenas Schulter.

Auf ihre Freundinnen war Verlass. Sie waren da und spendeten ihr Trost. Giorgia fehlte, aber sie kam so selten aus der Bar weg, dass Maddalena sie meistens dort besuchte.

Maddalena zündete sich eine Zigarette an und versuchte, ihre trüben Gedanken zusammen mit dem Rauch in den Himmel zu blasen.

Sofort ging es ihr besser. Auch mit ihrer Mutter, Sibilla, verstand sie sich neuerdings. Sie war feinfühliger als sonst und nervte nicht mehr ständig mit Banalitäten.

»Was haltet ihr davon, demnächst mal gemeinsam bei ›Rickys‹ zu Abend zu essen?«, fragte sie in die Runde. »Stella, du kannst Guido mitbringen. Bibiana kümmert sich um einen Babysitter für Simonetta, dann kann Fabrizio dich ebenfalls begleiten, und ich …« Sie spürte den Schatten, der ihre Worte begleitete, und wischte ihn bewusst weg. »Nun, ich werde eben jemandem einen Wunsch erfüllen.«

»Wem denn?« Bibianas Augen funkelten neugierig.

»Leonardo Morokutti, meinem Kollegen aus Triest.«

»Doch nicht dem Ungeheuer, das dir schon so lange nachstellt?« Bibiana machte ein enttäuschtes Gesicht. »An den hätte ich am allerwenigsten gedacht.«

»So schlimm kann er nicht sein, schließlich hat er unsere Maddalena an ihrem Geburtstag im Karst mit seinem Besuch überrascht und sie ein bisschen wachgerüttelt.«

»Das warst ebenso du, Stella«, antwortete Maddalena ehrlich. »Auch wenn es noch bis zu diesem Tag gedauert hat, bis ich mein Leben wieder in die Hand nehmen konnte.«

Nach Franjos Tod hatte Maddalena sich von allem und jedem zurückgezogen und war beinahe in ihrem Leid ertrunken. Stella konnte zu ihr durchdringen, aber erst nach Morokuttis ungebetenem Besuch war sie bereit gewesen, ihren Rat auch anzunehmen. Über dessen überzogenes Verhalten musste sie oft innerlich lachen. Er fand sich so megacool wie wahrscheinlich kein anderer, dabei war er abgemagert, mit erschlaffenden Muskeln und einer Mönchstonsur auf dem Kopf. Und er roch zehn Meter gegen den Wind. Nicht schlecht, sondern im wahrsten Sinn des Wortes umwerfend. Er war nichtsdestotrotz ein freundlicher Zeitgenosse, der sich stets viel zu sehr an ihr interessiert gezeigt hatte. Trotzdem war es ihm gelungen, sie zumindest für ein paar Stunden aus ihrer Schockstarre zu reißen. Er hatte etwas in ihr gelöst, das sie nicht genauer bestimmen konnte.

»Ist Morokutti nicht der schräge Vogel, der sich wie ein alt gewordener Jugendlicher kleidet?«, warf Bibiana ein.

»Stimmt, aber dennoch erheitern mich seine albernen Sprüche auf den T-Shirts. Zum Beispiel der: ›Alle Verbrecher schlecken ihr Eis aus der Tüte, nur nicht die Polizei, denn die hat einen an der Waffel.‹ Übrigens trägt er diese Shirts auch während seiner Dienstzeiten. Irre, oder? Seine Kollegen finden das nicht sehr witzig.«

»Ich schon. Das klingt umwerfend komisch«, entgegnete Bibiana lachend. »Habe meine Meinung soeben korrigiert. Ruf ihn an, gib Gas, ich will Spaß!« Sie klatschte begeistert in die Hände.

»Na, wenn sogar du darauf bestehst … Was bleibt mir da anderes übrig?« Maddalena griff gottergeben zum Handy und wählte die Nummer ihres Kollegen.

»Maddalena«, begrüßte Morokutti sie erfreut, »mit deinem Anruf hätte ich am allerwenigsten gerechnet, auch wenn ich ihn beinahe ständig herbeisehne. Womit kann ich dir behilflich sein? Sicher geht es um etwas Dienstliches.«

»Nein.« Sie zögerte, bevor sie fortfuhr. »Meine zwei Freundinnen wollen demnächst mit ihren Ehemännern und mir bei ›Rickys‹ in Grado abendessen. Hättest du Lust, mich dorthin zu begleiten?«

»Ich?«, fragte Leonardo erstaunt nach. »Habe ich dich richtig verstanden? Nichts lieber als das. Wann schlägst du vor, dass wir uns treffen?«

»Ich beratschlage mich und schicke dir dann eine WhatsApp mit Datum und Uhrzeit.«

»Klingt verlockend. Ich freue mich.«

Maddalena verabschiedete sich und sah ihre Freundinnen auffordernd an. »Leonardo ist mit dabei. Stella, checke den Dienstplan deines Mannes. Ich wäre für Samstag, denn am Sonntag habe ich frei und kann ausschlafen. Außer«, sie seufzte, »es passiert etwas, das mich daran hindert.«

»Wird schon nicht.« Bibiana winkte begütigend ab. »Auch du hast das Recht, dich zu entspannen.«

»Das erkläre mal bitte den Kriminellen. Mein Recht oder gar Gerechtigkeit spielen in meinem Job keine Rolle«, konterte Maddalena und trank den letzten Schluck Prosecco aus ihrem Glas.

Stella und Bibiana taten es ihr gleich. Schweigend beobachteten sie die weißen Schäfchenwolken, die gemächlich über den noch blauen Himmel schwebten. Bald würde er sich verdunkeln. Ein feines Lüftchen war aufgekommen und trug die Schreie und das Klagen der Möwen, die über dem Kanal kreisten, zu ihnen herüber.

Maddalena fühlte sich an ihre Gespräche mit Franjo erinnert, an ihre Zeit mit ihm, die sie viel zu wenig genossen hatte.

Was hatten sie sich über das Keifen der Möwen amüsiert!

Stella, die anscheinend ihre Gedanken lesen konnte, meinte lapidar: »Alles ist nie möglich, auch wenn wir uns das wünschen. Irgendetwas bleibt immer ungesagt.«

Bibiana blickte verständnislos zwischen ihnen hin und her, ehe eine Bewegung unterhalb des Balkons sie ablenkte.

»Schau mal, Stella«, sagte sie trocken, »wer da über die Stufen zu uns heraufsteigt. Ist das nicht derjenige, der dich in Handschellen abführen sollte? Den hat Maddalena wohl heimlich angerufen.«

Das dunkelgraue Metallgitter quietschte, als Guido Lippi die schmale Tür zur Veranda öffnete.

»Meine Damen«, grüßte er gut gelaunt und stellte zwei Flaschen Prosecco auf den Tisch.

»Was habe ich orakelt? Wusste ich es doch.« Stella stand auf und drückte ihrem Mann einen Kuss auf die Stirn.

Auch Bibiana sprang auf und holte ein weiteres Glas aus Maddalenas Küche. Sie...


Nagele, Andrea
Andrea Nagele leitete über ein Jahrzehnt ein psychotherapeutisches Ambulatorium. Heute arbeitet sie als Autorin und betreibt in Klagenfurt eine psychotherapeutische Praxis. Sie pendelt zwischen Klagenfurt am Wörthersee, Grado und Berlin.
www.andreanagele.at

Andrea Nagele leitete über ein Jahrzehnt ein psychotherapeutisches Ambulatorium. Heute arbeitet sie als Autorin und betreibt in Klagenfurt eine psychotherapeutische Praxis. Sie pendelt zwischen Klagenfurt am Wörthersee, Grado und Berlin.
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