Myrenburg | Dem Vater eine Last | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 29, 100 Seiten

Reihe: Mami Classic

Myrenburg Dem Vater eine Last

Mami Classic 29 - Familienroman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7409-5855-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mami Classic 29 - Familienroman

E-Book, Deutsch, Band 29, 100 Seiten

Reihe: Mami Classic

ISBN: 978-3-7409-5855-8
Verlag: Blattwerk Handel GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seit über 40 Jahren ist Mami die erfolgreichste Mutter-Kind-Reihe auf dem deutschen Markt! Buchstäblich ein Qualitätssiegel der besonderen Art, denn diese wirklich einzigartige Romanreihe ist generell der Maßstab und einer der wichtigsten Wegbereiter für den modernen Familienroman geworden. Weit über 2.600 erschienene Mami-Romane zeugen von der Popularität dieser Reihe. »Bitte, helfen Sie mir. Ich bekomme Scotty nicht aus dem Wagen«, erklärte Eva Sander aufgeregt. Sie war einundzwanzig Jahre alt und eine auffallend zierliche Person. Alles an ihr wirkte zerbrechlich, fast durchsichtig. Und doch steckte eine ungeheure Energie in ihr. Dr. von Lehn berührte den schönen Schäferhund auf dem Rücksitz ihres Wagens und stellte fest, daß es stocksteif war. Rasch zog er eine Spritze aus der Tasche seines weißen Kittels. »Was ist das? Was hat Scotty?« fragte Eva ängstlich. »Er war doch noch am Morgen ganz munter.« »Er wurde vergiftet«, antwortete der Tierarzt, ohne aufzusehen. »Ich gebe ihm ein Brechmittel. Außerdem injiziere ich ein Schlafmittel, um die Krämpfe zu stoppen.« »Vergiftet? Aber wer vergiftet denn einen Blindenhund? Scotty gehört meinem Freund.

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Sie standen vor der gläsernen Eckfassade und blickten auf zu dem Schriftzug, der sich in schwungvollen Lettern über die breite Schaufensterfront zog: Brautmoden – Adele Bleibtreu

»Müssen wir da hinein?« fragte Wolfgang beklommen.

»Wir müssen«, erwiderte Constanze fest, »Tante Adele würde es uns nie verzeihen, wenn wir mein Brautkleid woanders kaufen als bei ihr. Aber das weißt du doch, Schatz!«

Er trat einen Schritt zurück und musterte mit gerunzelten Brauen die wogende Pracht aus Tüll und Taft und Seide, die seltsame Grazie der Schaufensterpuppen, ihre anmutig geneigten Köpfe, ihre schmalen Finger, die zierliche Sträuße hielten.

»Bombastisch«, murmelte Wolfgang, »und völlig unnatürlich!«

Constanze merkte, wie er sich versteifte.

Sie schüttelte seinen Arm. Ihre Stimme klang ungeduldig. »Du bist seit Jahren an diesem Schaufenster vorbeigegangen, ohne daß dir irgend etwas aufgefallen wäre!«

Er schien nicht zuzuhören.

»Und der Name«, stieß er schaudernd hervor, »paßt genau zu den Auslagen! Bleibtreu! Hat sie sich den ausgedacht?«

Constanze stieß ihn unsanft mit dem Ellenbogen an.

»Wolfgang!«

»Ja?« Er schien aus einem Traum zu erwachen.

»Entspann dich!«

Er räusperte sich. »Entschuldige bitte.«

»Hör mal«, Constanze senkte die Stimme und blickte verstohlen durch die gläserne Eingangstür, hinter der sich ein Schatten bewegte, »wenn dir das alles so horrormäßig vorkommt, brauchst du nicht mitzukommen. Mein Brautkleid kann ich mir auch allein aussuchen. Aber was ist mit deinem Anzug?«

»Muß ich ihn unbedingt in diesem Tempel kaufen? Kann ich nicht zu einem stinknormalen Herrenausstatter gehen?«

»Doch, natürlich, vorausgesetzt, du kaufst dir keine Jeans mit kariertem Westchen –«

»Warum eigentlich nicht?«

»Weil ich mir eine Traumhochzeit wünsche, Schatz. Das ist doch nichts Neues! Darüber reden wir seit zwei Jahren! Mit großer Aufmachung, langem Kleid und Schleier, Kutsche und weißen Pferden und allem Drum und Dran. Wenn schon, denn schon. Das soll der schönste Tag in meinem Leben werden.«

Wolfgang senkte das Kinn auf die Brust. Er kämpfte mit sich. Man sah es ihm an.

»Irgendwie«, murmelte er, »ist das doch furchtbar kitschig.«

»Klar!«

»Und du willst es trotzdem?«

»Ich habe es immer gewollt. Und du hast es immer gewußt. Ich kann gar nicht verstehen, warum es dir jetzt plötzlich so gegen den Strich geht!«

Sekundenlang stand er regungslos und starrte auf seine Schuhspitzen. Hinter der Glastür wurden ganz deutlich die Umrisse von Adele Bleibtreu sichtbar.

»Wir können hier nicht länger herumstehen und diskutieren«, raunte Constanze, »entweder du gehst mit hinein oder…«

In diesem Moment öffnete sich die Tür, und mit einer großartigen Handbewegung bat Adele Bleibtreu das junge Paar einzutreten.

»Hereinspaziert, hereinspaziert! Ein Täßchen Kaffee im Salon wartet schon! Auch ein Cognac, wenn er gefällig ist!«

Noch nie war Constanze der Singsang ihrer Tante so an die Nerven gegangen wie heute. Noch nie war ihr die massige Erscheinung in schwarzer Seide so gewöhnlich erschienen, das stattliche Doppelkinn, die scharfen, in Fettpölsterchen gebetteten Luchsaugen, die rostfarbene Puderschicht, das süße Blumenparfum.

Und noch nie war ihr die Ähnlichkeit zwischen Tante Adele und Cousine Claudia so aufgefallen, fast schon grotesk.

Dabei war Tante Adele mindestens sechzig und Claudia höchstens fünfunddreißig.

Sie hatten beide das gleiche ausladende, um sich greifende Wesen, mit dem sie sich der Kundschaft bemächtigten, und die gleichen künstlich hochgeschraubten Stimmen.

Der einzige Unterschied, den Constanze zwischen ihnen feststellen konnte, lag in der Anrede, die sie ihrem Verlobten zukommen ließen.

Tante Adele sagte Herr Winter.

Claudia sagte Wolfgang, ohne ihn jedoch zu duzen.

Entweder hatte sie hinter der Scheibe gelauscht, oder aber seine gequälte Miene sagte ihnen alles. Offensichtlich gingen sie davon aus, daß nur die Braut eingekleidet werden sollte, nicht der Bräutigam.

Aber zuerst kamen der Kaffee, der Cognac und das Geplauder, wobei das Familiäre im Vordergrund stand, vor allem die Stellung von Constanzes leider zu früh verstorbenem Vaters als Bürgermeister der Stadt Langenhagen, seine Verdienste um die Fußgängerzone mitsamt den originellen Pavillons, von wo aus sich eine Überleitung zur beruflichen Tätigkeit des Bräutigams förmlich anbot. »Stadtinspektor, höhere Laufbahn, das hätte deinem Vater gefallen«, seufzte Tante Adele und knetete Constanzes Hand, »diese Verbindung hätte er gesegnet! Schade auch für Sie, Herr Winter, daß Sie meinen Vetter nicht kennenlernen konnten!«

Wolfgang senkte bedauernd den Blick auf die Kaffeetasse und versicherte mit matter Stimme, er habe auch im Rathaus viel von Constanzes Vater gehört. Kurt Heyer sei immer noch eine bekannte Größe in Langenhagen.

Constanze rückte auf ihrem Seidensesselchen hin und her, ohne ernstlich damit zu rechnen, daß auch ihre Mutter mit Lobeshymnen bedacht würde. Grit Heyer galt als lustige Witwe, die ein paar Jahre nach dem Tod ihres Mannes mehr oder weniger in ihre rheinische Heimat zurückgekehrt war, wo sie sich dem Vernehmen nach mit einem Musikdirektor zusammengetan hatte.

Unverheirateterweise, wohlgemerkt.

»Nun, du hast ja alles, was du brauchst, Connie«, bemerkte Cousine Claudia süßsauer, »einen Mann in guter Position und dein schönes Elternhaus, das nur darauf wartetet, wieder richtig bewohnt und bewirtschaftet zu werden.«

»Genau«, pflichtete Tante Adele mit verheißungsvollem Augenzwingern bei, »das einzige, was ihr noch fehlt zu ihrem Glück ist ein bildschönes Brautkleid, aber das dürfte sich in diesem Hause leicht finden. Wir haben etwas für jeden Geschmack. Sagen Sie mir, Herr Winter«, sie wandte sich an den unbehaglich um sich blickenden Bräutigam, »sind Sie abergläubisch?«

»Nein, warum?«

»Nun, dann dürfen Sie bleiben«, entschied Adele Bleibtreu mit breitem Lächeln.

Wolfgang schien plötzlich wie elektrisiert.

»Was? Wieso? Würden Sie mir das näher erklären?«

»Manche Leute behaupten, es brächte Unglück, wenn der Bräutigam das Hochzeitskleid der Braut vor der Hochzeit sieht«, sagte Claudia anstelle ihrer Mutter.

»Zugegeben, eine etwas altmodische Auffassung«, beeilte sich Adele Bleibtreu anzumerken.

»Nein, nein, durchaus nicht«, stammelte Wolfgang und war schon auf den Füßen, »ich möchte nicht mit einer Tradition brechen! Diese alten Sitten haben doch immer einen tieferen Sinn – nicht wahr? Ich überlasse dich den beiden Damen, Schätzchen.« Er küßte Constanze flüchtig auf die Wange und verneigte sich leicht vor Adele Bleibtreu und ihrer Tochter.

»Darf ich mich verabschieden…«

»Dem sitzt ja die Panik schon im Genick«, kicherte Claudia, als sich die Tür hinter Wolfgang Winter geschlossen hatte, »wann, sagst du, ist die Hochzeit, Connie?«

»Am zwanzigsten Juni.«

»Na, da fängt er ja früh an! Heute ist der dreißigste Mai. Normalerweise kriegen sie den Flatterich erst in den letzten Tagen oder spätestens am Polterabend.«

»Alle?« fragte Constanze ungläubig.

»Die meisten«, versetzte ihre Cousine ungerührt.

»Die jüngeren«, schränkte Adele Bleibtreu ein und schob Constanze zum kleinen Salon hinaus in den Ausstellungsraum, »je älter der Mann ist, um so gelassener reagiert er.«

»Weil er das alles schon mal erlebt hat«, erklärte Claudia, die schweren dunkelblauen Samtportieren beiseite ziehend, »weil er weiß, wie es ist, verheiratet zu sein.«

»Aber heutzutage«, wandte Constanze ein, »wo doch viele Paare schon zusammen gewohnt haben, bevor sie heiraten…«

»Es ist und bleibt ein großer Schritt«, sagte Adele Bleibtreu mit einem professionellen Beben in der Stimme, »der Schritt zum Traualtar! Und weil das so ist, kleidet man sich festlich und setzt sich in Szene, man gestaltet sich selbst und das Ereignis zu einer wunderschönen, bewegenden Feier. Hast du an ein klares ungebrochenes Weiß gedacht, Constanze, oder eher an einen weichen Ton in Richtung Cremefarbe? Neuerdings wird auch ein zartes Caramell gern getragen. Für ganz Mutige bieten wir etwas mit Rosenschimmer an.«

»Davon hat man später mehr«, mischte sich Claudia ein, »wenn man das Hochzeitskleid zum Abendkleid umfunktionieren möchte. Zu deinem hellen Haar paßt aber auf jeden Fall auch ein klassisches Schneeweiß, falls dir das vorschwebt.«

»Was das Material angeht«, nahm Tante Adele das Wort, »so führen wir selbstverständlich sogar Brüsseler Spitze, die man sehr schön mit Taft unterlegen kann. Tüll ist auch wieder sehr im Kommen, und für die extravagante Dame – hier, wenn du dich bitte nach nebenan begeben würdest – halten wir Schantungseide bereit. Du siehst, den Wünschen sind keine Grenzen gesetzt!«

Constanze war so benommen, daß sie sich an einen hohen antiken Stuhl lehnen mußte. Ihr Spiegelbild, aus zwei golden gerahmten Spiegeln zurückgeworfen, war nicht dazu angetan, ihr Selbstbewußtsein zu heben. Mittelgroß, mittelblond, mittelhübsch – das war sie, Constanze Heyer, vierundzwanzig Jahre alt, der typische Durchschnitt, der die Straßen von Langenhagen bevölkerte. Wie alle anderen trug sie Stretchjeans, Sweat-Shirt und Steppweste in verschiedenen Blautönen. Beim Anblick der sanft im Luftzug wehenden Gebilde aus Tüll und Taft und Seide wurde ihr etwas mulmig zumute.

Aber dann trat sie vor, tapfer und entschlossen, sich ungeachtet der...



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