E-Book, Deutsch, Band 3, 432 Seiten
Reihe: Fair-Game-Serie
Murphy Alexandria & Tristan
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-19588-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fair Game - Roman
E-Book, Deutsch, Band 3, 432 Seiten
Reihe: Fair-Game-Serie
ISBN: 978-3-641-19588-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die New York Times-, USA Today- und internationale Bestseller-Autorin Monica Murphy stammt aus Kalifornien. Sie lebt dort im Hügelvorland unterhalb Yosemites, zusammen mit ihrem Ehemann und den drei Kindern. Sie ist ein absoluter Workaholic und liebt ihren Beruf. Wenn sie nicht gerade an ihren Texten arbeitet, liest sie oder verreist mit ihrer Familie.
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1. Kapitel
Alex
Auf der Tanzfläche ist es heiß und voll. Alle Leute bewegen sich zum Hämmern des Beats, und ich tanze mitten unter ihnen. Beide Arme hochgestreckt, die Wasserflasche in der einen, mein Handy in der anderen Hand, versuche ich, mich fallen zu lassen und einfach alles um mich herum zu vergessen, zumindest für eine kurze Weile. Der Typ, der neben mir tanzt, ist außer Rand und Band, rudert wie wild mit den Armen, was wegen seines randvoll gefüllten Bierglases besonders gefährlich ist.
Angeekelt beobachte ich, wie er beim Tanzen den Schaum auf dem Boden und auf seinen Klamotten verspritzt. Wenn er auch nur einen Tropfen dieses billigen Gesöffs auf mein Kostüm schüttet, kann er sich auf was gefasst machen.
Mit einer kunstvollen Drehung, die meine alte Ballettlehrerin mit Stolz erfüllt hätte, bewege ich mich von ihm weg, worauf er eine enttäuschte Miene zieht. Oh, Mann. Er ist so gar nicht mein Typ. Keiner der Jungs hier ist wirklich mein Typ. Ich bin mit meiner neuen Freundin Kelli hier. Wir haben uns zusammen durch den ersten Monat unseres Statistikkurses gekämpft und wären beinahe durch die Prüfung gerasselt, was uns irgendwie zusammengeschweißt hat.
Geteiltes Leid ist wirklich halbes Leid und verbindet nun mal, und in den letzten Wochen sind Kelli und ich richtig dicke Freundinnen geworden. Sie hat mir Jade vorgestellt, eine ihrer besten Freundinnen. Und heute Abend hat Jade mich mit Lucy bekannt gemacht, die mit dem besten Freund von Jades Freund zusammen ist.
Ich finde das großartig. Die Mädels scheinen obendrein echt nett zu sein und ihre Freunde sind super Typen, was will ich also mehr? Ja, was will ich mehr, als neue Freundschaften zu schließen, mich auf Partys reicher Leute zu amüsieren – wir befinden uns auf dem luxuriösen Anwesen von Jades Freund – und mich wie ein ganz normales Mädchen zu verhalten, das niemand wirklich kennt.
Genau so, wie ich es mag.
Ich dränge mich an einem Idioten vorbei, der mich anzüglich mustert und dessen Vorstellung von Kostümierung sich im Tragen eines Fußballtrikots erschöpft – wie originell ist das denn? –, und gehe in die Küche, um mir eine neue Flasche Wasser oder irgendetwas anderes Nichtalkoholisches zu besorgen. Ich habe mich heute Abend freiwillig als Fahrer zur Verfügung gestellt. Wenn du miterlebst, wie deine Eltern sich mit Alkohol zuschütten, um ihre bösen Taten zu vergessen, hast du mit Trinken eher nichts am Hut.
Zumindest gilt das für mich.
»Alexandria!«, ruft Jade und winkt mir lächelnd zu. Sie ordnet gerade auf einem Teller Brownies an, die aussehen, als kämen sie frisch aus dem Backofen. Vor allem riechen sie so. Der köstliche Duft von Schokolade zieht durch die Küche, überdeckt die krasse Mischung aus Körpergeruch, Bier und Gras. »Ich fasse es einfach nicht, wie toll dein Kostüm ist!«
Ich vollführe eine kleine Pirouette, sodass die an meinem Rücken angebrachten weißen Federflügel erzittern. Rasch greife ich nach oben, um den windigen Heiligenschein, der mir vom Kopf zu fallen droht, wieder zu stabilisieren. Ich habe das Kostüm letztes Jahr für eine andere Halloweenparty gekauft und ordentlich Kohle dafür bezahlt, denn damals glaubte ich noch, ich hätte Geld und müsste mir um nichts Sorgen machen. Es war eine andere Halloweenparty, ein anderes Leben. Ich bin nicht mehr das Mädchen von damals.
Werde es nie wieder sein. Dieses Mädchen hätte man nie dabei ertappt, dass es zwei Jahre hintereinander dasselbe Kostüm an Halloween trägt …
»Mir gefallen vor allem die Federn«, sagt Jade und deutet mit dem Kopf auf meine Flügel. In ihrem Robin-Hood-Kostüm verströmt sie eine unglaublich starke Frauenpower. Ihr Freund Shep hat sich ebenfalls dem Kampf gegen das Verbrechen verschrieben. Er streift schon den ganzen Abend umher und murmelt mit seiner heisersten Stimme: »Ich bin Batman.«
Morgen wird er wahrscheinlich starke Halsschmerzen haben.
»Danke«, sage ich nun und stibitze rasch einen Brownie. Noch während ich hineinbeiße, stöhne ich vor Wonne. Er ist nicht nur unglaublich köstlich, sondern auch noch warm. Eben frisch aus dem Backofen. »Mm, himmlisch!«, murmele ich verzückt.
»Selbst gebacken«, erwidert Jade strahlend vor Stolz. Sie schiebt mir den Teller zu. »Da, nimm dir ruhig noch einen.«
Ich schüttele den Kopf, schiebe mir den restlichen Brownie in den Mund und lecke mir undamenhaft die Krümel von den Fingern. »Nein, danke. Normalerweise esse ich nichts Süßes.«
Jade runzelt die Stirn. »Warum das denn?«
Weil meine Mutter mir von klein auf eingetrichtert hat, dass Zucker schlecht ist. Dass alles, was gut schmeckt oder sich gut anfühlt, schlecht für einen ist. Aber sie ist nicht mehr da. Ich brauche keine Bange mehr zu haben, dass sie mich überwacht, jede Kalorie kontrolliert, die ich zu mir nehme, jede Meile, die ich laufe, jede Hausaufgabenseite.
Ich bin jetzt auf mich allein gestellt. Warum also lasse ich sie nach wie vor über mich bestimmen?
»Scheiß drauf«, brumme ich, schnappe mir noch einen Brownie und esse ihn mit zwei Bissen auf.
Dieser Genuss ist jede Sünde wert.
Lachend ergreift Jade den Teller und geht damit zur Verandatür. »Ich gehe in den Garten. Kommst du mit?«
»Nein, ich bleibe besser hier und manage die Küche.« Im Moment ist außer uns niemand in der Küche, was ziemlich seltsam ist. Das Fass befindet sich draußen, aber alle anderen Getränke und das Essen sind hier.
»Ich bin in einer Minute zurück. Die Brownies werden bestimmt reißenden Absatz finden.« Vergnügt tänzelt sie hinaus und schließt die Verandatür hinter sich.
Ich nehme mir aus einer der Kühlboxen, die in einer Reihe an der Wand stehen, eine Flasche Wasser, schraube den Deckel ab und trinke gierig ein paar Schlucke, da mich die Brownies noch durstiger gemacht haben. Plötzlich stürmt eine junge Frau in einem sexy Kostüm herein, bleibt abrupt stehen, als sie mich sieht, und flitzt dann hysterisch kichernd in den Garten hinaus.
Irritiert sehe ich an mir hinunter und bemerke, wie kurz mein Rock ist. Letztes Jahr wollte ich unbedingt die Blicke der Männer auf mich ziehen. Dieses Jahr eher nicht. Ich will eigentlich nicht auffallen, aber dieses Kostüm ist mit dem tiefen Ausschnitt und dem knappen Rock alles andere als unauffällig. Im Verlauf des Abends haben mich eine Menge Typen angeglotzt, zweifellos fasziniert von dem jungfräulich weißen Gewand und den fedrigen Engelsflügeln. Ich sehe fast so aus, als käme ich direkt vom Laufsteg für sexy Unterwäsche von Victoria’s Secret.
Aber wirklich nur fast. So eingebildet bin ich nicht, dass ich glaube, ich könnte ein Model sein. Außerdem habe ich eher kleine Brüste …
»Hey, hey, wen haben wir denn da?«
Beim Klang der männlichen Stimme hinter mir erstarre ich. Na toll. Männliche Aufmerksamkeit wollte ich eigentlich vermeiden, nur hätte ich mir dann wohl ein anderes Kostüm zulegen müssen. Eine falsche Bewegung und mein Po würde heraushängen.
Langsam drehe ich mich um und muss mich dann angesichts des Typen, der vor mir steht, stark beherrschen, um nicht genervt die Augen zu verdrehen.
Die meisten Jungs auf dieser Halloweenparty sind völlig indiskutabel, tragen entweder absurd alberne Kostüme oder benehmen sich wie Arschlöcher. Eine Kostümierung und Unmengen von Alkohol bringen offenbar das Schlechteste an ihnen zum Vorschein.
Dieser Typ in dem zwielichtigen Zuhälter-Kostüm, das schon seit Jahren total out ist, bildet da keine Ausnahme. Seine lächerliche Aufmachung besteht aus einem purpurroten Knautschsamtjackett mit Leopardenmuster an den Aufschlägen und einem breiten halsfernen Kragen, einer Schlaghose und einem ebenfalls purpurroten Samthut mit Leopardenmuster. Dazu trägt er eine verspiegelte Sonnenbrille, hinter der man seine Augen nicht sehen kann, was ihn irgendwie verdächtig erscheinen lässt. Er grinst auf diese lässige, überhebliche Art, wie sie für attraktive Männer typisch ist.
Denn attraktiv ist er. Sehr sogar. Und das weiß er auch.
Oh, und er hat einen Spazierstock in der Hand. Den er jetzt auf meine Schenkel richtet.
Als wollte er den Saum meines Rockes anheben.
Ich trete einen Schritt zurück und funkele ihn böse an. »Du siehst total lächerlich aus.«
»Und du siehst verdammt geil aus.« Er senkt seinen Spazierstock und geht einen Schritt auf mich zu, im Gesicht immer noch dieses selbstbewusste Grinsen, das perfekt zu seinem grauenhaften Kostüm passt. Er wirkt tatsächlich wie ein schmieriger Zuhälter. Oder wie sich der Durchschnittsbürger einen schmierigen Zuhälter vorstellt.
»Sehr eloquent«, höhne ich und verschränke die Arme vor der Brust. Den lustvollen Schauer, den mir seine Bemerkung bereitet, ignoriere ich. Es sollte mir nicht gefallen, dass er mich als geil bezeichnet. Wie vulgär. Er ist ein Schwein.
Er senkt den Kopf und schiebt die Sonnenbrille auf die Nasenspitze, damit er … was? Mich genauer in Augenschein nehmen kann? Der Typ hat Nerven! »Nettes Dekolleté, Engel.«
Ich habe nicht viel Dekolleté vorzuweisen, aber irgendwie schafft er es, dass ich mich schmutzig fühle, weil ich ein Kostüm mit tiefem Ausschnitt trage. Es muss an seinem Ton liegen. Oder eher noch an dem lüsternen Blick, mit dem er mich mustert. Finden Frauen solche Typen echt anziehend? Okay, er sieht gut aus, sein Verhalten ist allerdings beschissen.
»Liegen dir diese geschmacklosen Bemerkungen im Blut oder verleitet dich deine Maskerade dazu?« Ich klimpere mit den Wimpern und setze eine unschuldige...




