Muri / Friedrich | Stadt(t)räume - Alltagsräume? | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 211 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

Muri / Friedrich Stadt(t)räume - Alltagsräume?

Jugendkulturen zwischen geplanter und gelebter Urbanität
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-531-91324-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Jugendkulturen zwischen geplanter und gelebter Urbanität

E-Book, Deutsch, 211 Seiten

Reihe: Humanities, Social Science (German Language)

ISBN: 978-3-531-91324-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Das Buch untersucht die Aneignung von öffentlichen Räumen durch Kinder und Jugendliche am Beispiel eines Neu- und Umbaugebietes in Zürich. Dabei werden Krisen und Chancen des öffentlichen Raumes vor dem Hintergrund einer interdisziplinären städtebaulich-architektonisch und kulturwissenschaftlich ausgerichteten Herangehensweise thematisiert: An welchen Schnittstellen ergeben sich in öffentlichen Stadträumen Konflikte oder Entfaltungsmöglichkeiten für Verständigungsprozesse zwischen den Generationen? Mit welchen Maßnahmen können diese beeinflusst bzw. gefördert werden? Alltagspraxen von Kindern und Jugendlichen in öffentlichen Räumen werden somit als Beitrag an eine intergenerational wirksame Öffentlichkeit im Sinne eines gesellschaftlichen Kapitals hervorgehoben.


Dr. Gabriela Muri ist Architektin und arbeitet als Kulturwissenschaftlerin am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Jugendkulturen, Stadtforschung, raum- und zeittheoretische Fragestellungen.
Dr. Sabine Friedrich ist Stadtplanerin mit Schwerpunkt strategische und konzeptionelle Stadtentwicklung und Stadtforscherin im Bereich Jugendforschung, Wohnentwicklung und Planungsprozesse.

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Weitere Infos & Material


1;Inhaltsverzeichnis;5
2;Abbildungsverzeichnis;6
3;Einleitung;8
4;1 Stadtträume: Die von Erwachsenen imaginierte Stadt;12
4.1;1.1 Raum und Gesellschaft;12
4.2;1.2 Öffentlicher Raum im Spannungsfeld der Stadtentwicklung;22
4.3;1.3 Konzeptionelle Zugänge zur Gestaltung öffentlicher Räume;24
4.4;1.4 Gestalterischer Kontext als Handlungsfeld für Kinder und Jugendliche;33
5;2 Raumlektüre als Gesellschaftslektüre;41
5.1;2.1 Raumorientierte Kindheits- und Jugendforschung;41
5.2;2.2 Sozialökologie und Umweltaneignung;65
5.3;2.3 „Das Wissen über den Raum“: Kognitionsprozesse und Syntheseleistungen;70
5.4;2.4 Kindheit, Jugend und Generationalität;97
6;3 Alltagsräume: Der empirische Zugang;105
6.1;3.1 „Zürich-Nord“: Zur jugendkulturellen Aneignung eines neuen Stadtteils;105
6.2;3.2 Raumaneignung durch Jugendliche als eigenkulturelle Leistung;132
6.3;3.3 Intergenerationale Wahrnehmung – Schnittstellen mit Erwachsenen;136
6.4;3.4 Expertendiskurse und Raumgestaltung – Alltagspraxis;147
6.5;3.5 Raumwissen, Raumorientierung und dynamische Aneignung;153
6.6;3.6 Diskursformationen – „Neu-Oerlikon“ als Teil einer Erwachsenenöffentlichkeit;165
7;4 Stadtvisionen und Alltagspraxen im Konflikt;172
7.1;4.1 Das Gesicht der neuen Stadt: Handlungslandschaften und Wahrnehmungstopologien;172
7.2;4.2 Zur Verschiedenheit und Vielfalt jugendlicher Raumaneignung;174
7.3;4.3 Imaginierte Stadt – angeeignete Öffentlichkeit;179
7.4;4.4 Ausgangslage für die Bestimmung zukünftiger Qualitäten öffentlicher Räume;184
7.5;4.5 Taxonomie als Umsetzungsinstrument;187
8;Bibliografie;208


2 Raumlektüre als Gesellschaftslektüre (S. 43-44)

Unserem Projekt liegt eine Vorstellung und Begrifflichkeit von Raum zugrunde, die ihn als gesellschaftlich konstruiert und prozessual versteht. Damit treten neben raum- und planungswissenschaftlichen Perspektiven auch Forschungszugänge aus den Sozial- und Kulturwissenschaften in den Blickpunkt. Hier interessieren uns besonders Ansätze, die sich mit raumorientierter Kindheits- und Jugendforschung auseinandersetzen, aber auch Perspektiven, die eine sozial- und kulturraumbezogene Herangehensweise thematisieren.

Wie die empirischen Ergebnisse unserer Untersuchungen in öffentlichen Räumen exemplarisch verdeutlichen werden, ist nicht nur die Konstruktion von Raum, sondern auch diejenige von Kindheit und Jugend in unseren Köpfen sowohl bei alltäglichen Auseinandersetzungen als auch bei der Erarbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen von entscheidender Relevanz.

Es sei hier nur zusammenfassend und entsprechend unvollständig skizziert, wie historische Prozesse die Herausbildung der Begriffe Kindheit und Jugend beeinflusst haben, die sowohl für unseren Alltagsgebrauch als auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung von großer Bedeutung sind: Die Einbettung der Lebensphase Kindheit und Jugend in den historischen Kontext der Familie, des Bildungssystems sowie des Lebenszyklus, aber auch die jeweils zur Debatte stehenden Forschungszugänge erzeugen ein je unterschiedliches Bild.

Wie die anderen Lebensalter sind Kindheit und Jugend ein gesellschaftliches und kulturelles Konstrukt, genauso wie ihre Erforschung durch unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen. Historisch betrachtet lässt sich die Entstehung von Kindheit und Jugend als eigene Lebensabschnitte mit der bürgerlichen Gesellschaft Mitte des 19. Jahrhundert festmachen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich Kindheit und Jugend durch die Differenzierung der Schul- und Berufsausbildung zu einer für breite Schichten gültigen Kategorie.

2.1 Raumorientierte Kindheits- und Jugendforschung

In den 1920er und 30er Jahren setzte denn auch die Kindheits- und Jugendforschung als eigenständige Wissenschaftskategorie ein. Raumbezogene Perspektiven treten in der Kindheits- und Jugendforschung seit den 1960er Jahren in verschiedenen disziplinären Kontexten immer wieder auf. Der folgende Überblick stellt zentrale Ansätze und deren Vertreter vor, um die gegenwärtigen theoretischen Debatten vor einem fachhistorischen Hintergrund angemessen positionieren zu können.

2.1.1 Raumrelevante Kindheitsforschung seit den 1960er Jahren

Zu den frühesten Ansätzen raumrelevanter Kindheitsforschung gehörten die Ende der 1960er Jahre von Barker77 durchgeführten naturalistischen Setting-Analysen. Sie boten einen wichtigen Anstoß zu detaillierten, unstrukturierten Beobachtungsstudien im räumlichen Umfeld. Das in den 1970er Jahren entwickelte Modell der Soziotope als analytisches Konzept und praktischer Referenzrahmen untersuchte hingegen die infrastrukturelle Versorgung und die nachbarschaftlichen sozialen Netzwerke unter der Perspektive von Lebenschancen und Urbanität.78 Es versucht, den beschriebenen Forschungsdefiziten ein Modell entgegenzusetzen: Soziotope werden durch Indikatoren wie demographische und soziale Zusammensetzung der Bevölkerung unterschieden, als Kriterien gelten dabei „soziale Struktur", „Verteilung sozialer Institutionen", „Struktur sozialer Netzwerke" sowie „soziale Verhaltensweisen und Entwicklungen der Individuen".

Das ungerichtet-induktive Verfahren geht von diesen statistischen Daten unter der Annahme aus, dass sie für die Indizierung von Lebenslagen und die Herausbildung örtlicher Sozialisationsbedingungen bedeutsam sind. Erhebungen untersuchen weiter die Konstitution der Umwelt, Lebenslage, die Nutzung und Bewertung. Daraus ergeben sich bestimmte Typen von Gemeinden/Arealen bzw. Soziotopen. Das „behavior setting" als Vermittlungsmodell zwischen ökologischem Umfeld und Verhaltenstypik wie auch das Soziotop als Raum-Verhaltenseinheit klammerten jedoch subjektive Einstellungen und Handlungspotenziale weitgehend aus.

Die Mitte der 1970er Jahre durchgeführte Untersuchung von Chombart de Lauwe80 über kindliche Raumaneignung in französischen Wohngebieten gilt als einer der frühen Zugänge, die eine subjektzentrierte Untersuchung kindlicher Raumaneignung zum Ziel hat: Sie verbindet Prozesse der Raumenteignung aus der Sicht von alters-, geschlechter- und milieuspezifischen Aspekten mit der Wahrnehmung der Gesellschaft durch die Kinder.



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