Mulisch / Winter | Ressource Trinkwasser | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Mulisch / Winter Ressource Trinkwasser

Wissen was wir trinken
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86581-600-9
Verlag: oekom
Format: PDF
Kopierschutz: 0 - No protection

Wissen was wir trinken

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-86581-600-9
Verlag: oekom
Format: PDF
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Jeden Tag drehen wir viele Male unseren Wasserhahn auf und genießen eine Ressource, deren Qualität und dauerhafte Verfügbarkeit alles andere als selbstverständlich ist. Denn menschliches Handeln kann zerstörerische Kräfte entwickeln und natürliche Wasserkreisläufe, die sich über Jahrmillionen eingestellt haben, in nur wenigen Jahrzehnten in Schieflage bringen. Wie können wir vor diesem Hintergrund die Trinkwasserversorgung für kommende Generationen sichern und welche Anforderungen resultieren daraus für den nationalen und globalen Umweltschutz? Wie stark sind Leitungswasser, Mineralwässer und andere Getränke mit Chemikalien wie Pflanzenschutzmitteln oder mit Medikamenten belastet? Welche Einflüsse haben die Energieversorgung, die Belastung der Ozeane, die Gefährdung der Wälder und die Bevölkerungsentwicklung auf die Wasserqualität? Das vorliegende Buch bietet neben den Antworten auf diese Fragen viele wissenswerte Hintergrundinformationen und praktische Ratschläge, etwa zu den Themen Wassersparen, Regenwassernutzung und Trinkwasserinstallation.

Hans-Martin Mulisch promovierte zur gesundheitlichen Bewertung von Trinkwasserkontaminationen an der TU Berlin und arbeitete in der Trinkwasserabteilung am Bundesgesundheitsamt und am Umweltbundesamt. Er lebt in Potsdam und ist als beratender Ingenieur und Dozent in Berlin und Brandenburg tätig. Werner Winter befasst sich mit der Reinigung spezieller Abwässer, der Trinkwasserbeschaffenheit und dem biochemischen Abbau, beispielsweise von Tensiden. Er lehrte an der Humboldt-Universität Berlin zum Thema Umweltschutz für Lebensmitteltechnologen und war nach 1990 Mitglied der 'Fachkommission Soforthilfe Trinkwasser' für die neuen Bundesländer.
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Weitere Infos & Material


1;Ressource Trinkwasser;1
2;Inhalt ;7
3;Vorwort ;9
4;Einleitung ;11
5;Wasserhistorie ;15
6;Dimensionen ;19
7;Herkunft des Wassers ;23
7.1;Natürlicher Wasserkreislauf ;23
7.2;Globaler Wasserhaushalt ;25
7.3;Wasserhaushalt in Deutschland ;25
8;Gewinnung und Verteilung des Wassers ;29
8.1;Wasseraufbereitung in der Natur ;29
8.2;Künstliche Wasseraufbereitung ;31
8.3;Schaffung eines künstlichen zweiten Wasserkreislaufes ;32
8.4;Künstliche Wasseraufbereitung im Wasserwerk ;36
8.5;Künstliche Wasseraufbereitung im Haushalt ;39
8.6;Leitungen und Netze - Was ist zu beachten?;42
8.7;Wassersparende Haustechnologien und Nutzungen ;45
8.8;Wasserversorgung in Deutschland ;46
8.9;Beispiel 1: Berlin ;47
8.10;Beispiel 2: Hamburg ;55
9;Wasserhygiene und Qualität des Wassers;61
9.1;Physik und Chemie des Wassers;62
9.2;Die Anomalien des Wasser;62
9.3;Die Temperatur des Wassers ;64
9.4;Die Energie des Wassers ;65
9.5;Der pH-Wert des Wassers ;67
9.6;Die Härte des Wassers ;68
9.7;Die Spannung des Wassers ;69
9.8;Die Schwere des Wassers ;70
9.9;Die Aggressivität des Wasser ;71
9.10;Wasser und Lebensmittel;72
9.11;Allgemein;73
9.12;Wasser in Getränken ;77
9.13;Natürliches Mineralwasser ;78
9.14;Energy drinks ;86
9.15;Wasser in alkoholischen Getränken ;87
9.16;Trinkwassergewohnheiten in Deutschland ;97
9.17;Die deutsche Trinkwasserverordnung ;100
9.18;Toxikologie und Grenzwerte;102
9.19;Erwünschte und unerwünschte Wasserinhaltsstoffe ;107
9.20;Expositions-Referenzwerte für die Wasseraufnahme ;107
9.21;Essentielle Mineralien und Spurenelemente ;109
9.22;Sensorische und Indikatorparameter ;114
9.23;Unerwünschte geogene und anthropogene toxikologisch relevante Umweltchemikalien ;116
9.24;Verhinderung von pathogenen Mikroorganismen (Krankheitserregern) im Trinkwasser ;128
9.25;Nitrat als Indikator für die Gewässerbelastung ;132
10;Die Sicherung der Trinkwasserversorgung für die Zukunft;141
11;Trinkwasser und globaler Umweltschutz ;145
11.1;Trinkwasser als knappe Ressource ;145
11.2;Schadstoffrisiko ;155
11.3;Klimawandel ;161
11.4;Energieversorgung ;171
11.5;Belastung der Ozeane ;185
11.6;Gefährdung der Wälder ;188
11.7;Bevölkerungsexplosion ;190
11.8;Ökologischer Fußabdruck ;195
11.9;Resümee ;197
12;Schlussfolgerungen ;199
13;Wissen, was wir trinken - Häufig gestellte Fragen zum Wasser;203
14;Index ;217
15;Verzeichnisse ;227
15.1;Verzeichnis der Bilder ;227
15.2;Verzeichnis der Tabellen ;228
15.3;Literatur ;230


Wasserversorgung in Deutschland


Von Ausnahmen abgesehen - wie zum Beispiel die Fernwasserversorgung im Harzvorland oder auch die Wasserversorgung aus dem Bodensee - wird in Deutschland eine ortsnahe Wasserversorgung bevorzugt, die darauf abzielt, den Weg von der Wassergewinnung bis zum Verbraucher möglichst kurz zu halten.
In Deutschland stammen 64 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser, 27 Prozent aus Oberflächenwasser und der Rest von 9 Prozent aus Quellwasser. Grundwasser fördert man aus Tiefen von mehreren Metern bis zu über 200 Metern. Wasser aus Gewässern, Talsperren und Seen bilden das Oberflächengewässer, während Quellwasser selbst zu Tage tritt. In Haushalten, Gewerben und Betrieben einer Stadt anfallende kommunale Abwässer müssen einer Reinigung unterzogen werden, damit man sie wieder unbeschadet dem Wasserkreislauf anvertrauen kann. Nachstehend soll die Wasserversorgung und Abwasserbehandlung zweier deutscher Städte näher untersucht werden. Dazu haben wir die Hauptstadt Berlin mit 3,4 Mio. Einwohnern und die zweitgrößte Stadt Deutschlands, nämlich Hamburg mit 1,75 Mio. Einwohnern laut Statistischen Landesämtern mit Stand von 2006, ausgewählt.

Beispiel 1: Berlin


Bereits im 16. Jahrhundert gab es vereinzelt die Möglichkeit, fließendes Wasser im Haus zur Verfügung zu haben. Die erste schriftlich belegte Berliner Wasserleitung, damals noch mittels hölzerner Rohre und metallischen Verbindungsstücken existierte 1572 unter dem Bürgermeister Johann von Blankenfelde. Später wurde Spreewasser gefördert, um die Rinnsteine von Kot und Unrat sauber zu spülen. Die Abwässer gelangten ungereinigt in die Vorfluter und bald zeigten sich die Folgen einer immer stärker werdenden Abwasserlast (Schua, 1962). Dies ist einem Gedicht von Friedrich Rückert (1788 - 1866) zu entnehmen:
Der Spree ist’s weh,
sie kann sich nicht entschließen,
in Berlin hindurchzufließen,
wo die Gossen sich ergießen.
Wer mag es ihr verdenken?
Sie möchte lieber, wenn sie dürft‘, umlenken.
Hindurch doch muss sie schwer beklommen.
Sie kommt beim Oberbaum1) herein,
rein wie ein Schwan, um wie ein Schwein
bei Unterbaum herauszukommen.
Es war also an der Zeit, dem Beispiel der englischen Ingenieure folgend, sowohl eine umfassende Versorgung der Berliner mit Trinkwasser als auch nachfolgend eine Entsorgung der anfallenden Abwässer zu organisieren. Bis dahin waren im 19. Jahrhundert die Toiletten gleich neben den hauseigenen Brunnen. Im günstigsten Fall konnte man die Abwässer in ein Gewässer ableiten, oder man ließ sie einfach neben dem Haus im Untergrund versickern. So trank man, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu werden, sein nur schwach geklärtes Abwasser. Die Folgeerscheinung: Damals war die Cholera genau so verbreitet wie heute die Grippe.
Nach Abschluss eines Vertrages der Preußischen Staatsregierung mit dem englischen Unternehmer Fox und Crampton über die Versorgung der Stadt Berlin mit fließendem Trinkwasser wurde im Jahr 1856 das erste Wasserwerk vor dem Stralauer Tor an der Spree unweit der Oberbaumbrücke (heute S- und U-Bahnhof Warschauer Straße) in Betrieb genommen. Jahre später mussten infolge der Verschlechterung der Spreewasserqualität und wegen Überalterung von Filtern und Maschinen Möglichkeiten der Bereitstellung von Wasser außerhalb des damaligen Stadtkerns gesucht werden. So wurden in den Jahren 1887 und 1893 die heute noch größten Wasserwerke Berlins in Tegel am Tegeler See und in Friedrichshagen am Müggelsee in Betrieb genommen.
Der Abwasserpionier der damaligen Zeit war Herr Hobrecht (heute noch gibt es Hobrechtsfelde im Norden von Berlin). Er organisierte und errichtete in den 70-iger Jahren des 19. Jahrhunderts die erste Kanalisation für Berlin. Ziel der Entwässerung war die Reinigung aller Abwässer auf Rieselfeldern außerhalb des Stadtgebietes.
Basis der heutigen Wasserversorgung der Hauptstadt ist ausschließlich das sogenannte Berlin-Warschauer-Urstromtal, das sich in einer breiten Fläche während der letzten Eiszeit ausgebildet hat. Es besteht aus einer mächtigen Schicht aus Wasser, Sand, Geschiebemergel und Ton. Das Grundwasser, das breit und langsam dahin fließt, reicht von wenigen Metern bis zu einer Tiefe von 200 Metern und mehr. Es wird gespeist von Regenwasser, Sickerwasser von Spree, Havel, Panke, Seen und Kanälen sowie gereinigten Abwässern. Fast 60 km2 der insgesamt 883 km2 Berlins sind von Wasser überzogen. Daher hat Berlin seinen Namen; nicht vom Bär, wie er im Stadtwappen vorkommt, sondern abgeleitet vom slawischen Begriff „berl“, was „Sumpflandschaft“ bedeutet. Dieser Wasserreichtum war die Voraussetzung für die ersten Ansiedlungen vor über 800 Jahren.
Begonnen hatte die zentrale Versorgung mit dem Anlagen am Oberbaum und am Tegeler See. Erbaut von 1889 bis 1893 ging wie erwähnt das dritte städtische Wasserwerk Friedrichshagen in Betrieb. Es war damals das größte und modernste in Europa. Zuerst wurde hier nur Wasser aus dem Müggelsee genutzt, später nach 1909 kam noch Grundwasser hinzu. Das alte Wasserwerk Friedrichshagen, ein Bau der märkischen Backsteingotik, dient heute als Museum.
Die Berliner Wasserbetriebe versorgen heute 3,7 Millionen Menschen in Berlin und Umgebung mit einem qualitativ guten aber harten Trinkwasser, das ständig überprüft wird, und behandelt das Abwasser von 3,9 Millionen Menschen, damit auch ein Teil außerhalb der Stadtgrenze (Möller, K. und Burgschweiger, J. (Hrsg.), 2008). Rund 800 Tiefbrunnen, von denen ca. 650 im aktiven Betrieb sind, fördern das Grundwasser aus 60 bis 120 Meter Tiefe zu den Wasserwerken, wo es nach Aufbereitung über 8.000 km Rohrlänge direkt oder mit dem Umweg Wasserspeicher, der als Puffer dient, zum Verbraucher gelangt. Waren es zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts noch 15 Betriebe, so versorgen heute noch 9 Wasserwerke Berlin und angrenzende Gebiete im Umland mit Trinkwasser. Sie liegen ausschließlich in ausgewiesenen Trinkwasserschutzzonen und weisen nachstehende durchschnittliche Wasserhärte auf den Grundlagen der Gruppenzuordnung auf Waschmittelverpackungen auf (vgl. Tabelle 1; s.a. Kapitel Physik und Chemie des Wassers).
Tabelle 1: Berliner Wasserwerke und die Härtebereiche des Wassers
Wasserwerk (mit abnehmender Förderleistung)
Härtegrad (in °dH = Grad deutscher Härte)
Härtebereich
Friedrichshagen
17,7
3 = hart
Tegel
17,5
3
Beelitzhof
14,9
3
Spandau
16,2
3
Stolpe
16,0
3
Tiefwerder
19,0
3
Wuhlheide
25,1
4 = sehr hart
Kladow
16,1
3
Kaulsdorf
19,5
3
Das aus dem Untergrund der Stadt gesaugte Rohwasser gelangt in die Wasserwerke und wird dort zunächst belüftet. Das geschieht in abgeschlossenen Druckkammern, aus denen das Wasser zwecks Anreicherung mit Luft fein verdüst wird. Durch den Sauerstoff der Luft werden im Rohwasser gelöste Eisen- und Manganverbindungen oxidiert, die sich anschließend allmählich abscheiden. Deren Abtrennung erfolgt über Schnellfilter, die aus einer etwa zwei Meter dicken Kies-/Quarzsandschicht besteht. Die Fitrationsgeschwindigkeit beträgt ca. 1 Meter pro Minute (Berliner Wasserbetriebe, 2013), (Berliner Wasserbetriebe, 2009).
Das so erhaltene Trinkwasser weist in allen Wasserwerken gute Qualität auf und entspricht der Trinkwasserverordnung. Eine Desinfektion durch Chlor, Ozon oder ultraviolette Bestrahlung ist in Berlin in der Regel überflüssig, kann aber bei Bedarf bzw. in Notfällen angewandt werden. Die neun Wasserwerke arbeiten im Verbund. Sollte ein Betrieb ausfallen, so können die übrigen das Manko spielend ausgleichen. Der Wasserbedarf der Verbraucher unterliegt im Laufe eines Tages starken Schwankungen. Bei geringem Verbrauch in der Nacht werden einige Wasserwerke zeitweilig abgeschaltet. Dagegen kann der Bedarf in den Abendstunden vor allem nach Fernsehfilmen oder Fußballländerspielen kurzfristig stark ansteigen. Überwacht und gesteuert wird das über eine zentrale Schaltwarte, die sich im Wasserwerk Friedrichshagen befindet. Im Gegensatz zu früheren Kalkulationen ist der Wasserverbrauch in den privaten Haushalten seit der Wiedervereinigung Berlins sukzessive gesunken. So betrug er 1991 noch 145 Liter pro Einwohner und Tag. In den Jahren 1997 und 2003 hat ein Berliner im Durchschnitt täglich nur noch 127 bzw. 125 Liter verbraucht. Und bis 2012 trat eine weitere Verminderung bis auf 110 Liter pro Einwohner und Tag ein. Diese Menge verteilt sich im Durchschnitt pro Einwohner und Tag auf
  • 5,5 Liter beim Essen und Trinken
  • 44 Liter bei der Körperpflege
  • 33 Liter bei der Toilettenspülung
  • 16,5 Liter beim Waschen und...


Hans-Martin Mulisch promovierte zur gesundheitlichen Bewertung von Trinkwasserkontaminationen an der TU Berlin und arbeitete in der Trinkwasserabteilung am Bundesgesundheitsamt und am Umweltbundesamt. Er lebt in Potsdam und ist als beratender Ingenieur und Dozent in Berlin und Brandenburg tätig.

Werner Winter befasst sich mit der Reinigung spezieller Abwässer, der Trinkwasserbeschaffenheit und dem biochemischen Abbau, beispielsweise von Tensiden. Er lehrte an der Humboldt-Universität Berlin zum Thema Umweltschutz für Lebensmitteltechnologen und war nach 1990 Mitglied der „Fachkommission Soforthilfe Trinkwasser“ für die neuen Bundesländer.



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