Müller / Hartwig | Gut Lachen Haben | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Müller / Hartwig Gut Lachen Haben

Die Kunst des Nichtdurchdrehens
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-4675-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Kunst des Nichtdurchdrehens

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-7562-4675-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wir leben in Zeiten voller Veränderungen, wachsender Komplexität und Anforderungen. Und das scheint nur der Anfang zu sein. Trotzdem gibt es diese Menschen, die in sich ruhen und scheinbar alles gelassen und mit einem Lächeln meistern. Wie machen die das? Wie finde ich eine Haltung, die mich windschlüpfrig gegenüber Stressoren wie Hektik, Emotionen, Ärger und viel Arbeit macht? Wie mache ich mir ein dickes Fell und ein sonniges Gemüt? Und was tue ich, wenn ich kurz vor dem Durchdrehen stehe? Die Stress- und Resilienzexperten Mario Müller und Dr. Ben Hartwig lassen in diesem kompakten Buch mehr als 85 weitere Expertinnen und Experten zu Wort kommen und stützen sich auf mehr als 60 Bücher und Studien, um diese Fragen zu beantworten. Das Ergebnis ist eine Fülle von lebensnahen, konkreten Tipps, Methoden und Strategien, mit denen Sie Stressoren in Ihrem Leben reduzieren und Dinge leichter nehmen können. Neben Einsichten zu Haltung, neurologischen Hintergründen, Emotionen, Selbstmanagement, Schlaf, Ernährung und Gewohnheiten gibt es eine Liste mit 15 Sofort-Maßnahmen, die wir Feuerlöscher genannt haben. Mit diesem Buch machen Sie Ihr Leben leichter und schöner.

Mario Müller studierte erst Computer, dann Gehirne. Er bereiste als Improvisationsschauspieler und Trainer für angewandte Improvisation und Improvisationstheater die Welt, ehe er Führungskräftetrainer wurde und ITRAKON gründete. Er ist Regisseur für Theater und Film und lebt in Konstanz am Bodensee. Er ist Mensaner, spielt Faustball und Beachvolleyball, begeistert sich neben Neuro- auch für Naturwissenschaften und liebt Tiere. Manchmal gewinnt er Preise für Sachen, die er macht.

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Weitere Infos & Material


Wendan, der kleine Leguan
Begeben wir uns gedanklich in unseren eigenen Kopf. Dort finden wir ein Gehirn, das bekanntermaßen in zwei Hälften (oder Hemisphären) unterteilt ist. Vielleicht haben Sie auch schon vom Hirnbalken (dem Corpus Callosum) gehört; das ist die ungefähr 300 Millionen Nervenzellen breite Datenautobahn, über die Ihre beiden Gehirnhälften miteinander verbunden sind. Um diesen Hirnbalken herum legt sich wie ein Band eine weitere wichtige Hirnregion herum. Wegen dieser umschließenden Form heißt diese Region Zingulum, "Gürtelchen" (oder auf Englisch Cingulate Cortex). Das Zingulum tut viele wichtige Dinge für uns und tatsächlich weiß man noch gar nicht, was dort alles passiert. Es verdichten sich aber die Hinweise, dass im vorderen Teil des Zingulums (dem Anterior Cingulate Cortex) Prozesse ablaufen, die damit zu tun haben, wenn wir bemerken, dass wir etwas falsch gemacht haben. Hier finden viele Ereignisse statt, die wir mit dem Selbst assoziieren. Was ist dieses Selbst? Die Grundausstattung des Selbst hat mit der Unterscheidung zu tun, welche Teile der Welt wir sind (also zum Beispiel unsere Hände) und welche Teile nicht (zum Beispiel ein Tisch) - und der Unterscheidung, welche Teile der Welt andere Leute sind. Das lernen wir bereits sehr früh in der Kindheit. Theorie des Geistes
Kinder entwickeln darauf aufbauend in der Regel im Alter von vier bis sechs Jahren die Theorie des Geistes (auch: Theory of Mind). Diese kann mit dem sogenannten Rouge Test überprüft werden. Einem Kleinkind wird dabei ein roter Punkt auf die Stirn gemalt und es wird vor einen Spiegel gesetzt. Wischt das Kind den Fleck daraufhin von der eigenen Stirn, gilt der Test als bestanden: Das Kind versteht, dass es sich selbst im Spiegel betrachtet. Viele hochentwickelte Lebensformen bestehen den Rouge Test; insbesondere Menschenaffen, Delfine, aber auch einige Vögel und sogar vereinzelte Fische. Wenn Sie mit Kindern Verstecken spielen, die sich selbst von der Welt noch nicht besonders gut trennen können, erhalten Sie manchmal wundervolle Ergebnisse. Die Kinder verstecken sich schlecht; Beine gucken unter Vorhängen hervor, der halbe Körper ist hinter einer Tür zu sehen oder die Augen werden schlicht zugehalten. Der Satz: „Ich sehe dich nicht, also siehst du mich auch nicht“ wird durch die Entwicklung des Selbst immer stärker zu: „Ich sehe etwas, aber ich verstehe, dass du etwas anderes siehst als ich.“ Im Laufe unseres Lebens vertieft sich unser Verständnis dafür, welchen Wissensstand Andere haben und wo die Unterschiede zu unserem Wissensstand sind, immer weiter. In einer Ausbaustufe, die in der menschlichen Kindheit etwas später hinzukommt, lernt das Selbst, eigene und fremde Erwartungen mit dem Ergebnis von eigenen Handlungen abzugleichen. Also: Hat das geklappt, was ich vorhatte? Werden die anderen zufrieden sein mit dem, was ich gemacht habe, oder gibt das Ärger? Wenn also etwas schiefläuft, dann klingelt bei uns das vordere Zingulum und macht diesen Fehler durch Weitergabe an Sie, also an Ihre Aufmerksamkeit, zur Chefsache. Das wissen wir vor allem aus einer Studie von Redmond G. O'Connell aus dem Jahr 2007. Der Türsteher
In einer aktuelleren Studie konnte jetzt am vorderen Rand des Zingulums tatsächlich ein Funktionsbereich identifiziert werden, der wie ein Türsteher funktioniert. Die Aufgabe dieses Türstehers ist, zu filtern, welche Reize es bis ins Wachbewusstsein, also, gewissermaßen zu Ihnen auf den geistigen Schreibtisch, schaffen. Ein menschlicher Körper ist ein Bisschen wie eine hochkomplexe Maschine. Alles, was das Gehirn ohne Ihre Aufmerksamkeit tun kann, wird es auch versuchen, ohne Ihre Aufmerksamkeit zu tun. Im Buch The Brain stellte David Eagleman 2016 eine äußerst seltene Erkrankung vor, bei der das Gehirn diese Automatismen nicht mehr kann. Betroffene müssen ihren Körper vollständig mit ihrer Aufmerksamkeit steuern. Wenn sie nach einer Tasse auf dem Tisch greifen wollen, müssen sie jeden einzelnen Bestandteil der Bewegung, jede Muskelbewegung gezielt mit ihrer Konzentration in Auftrag geben. Wer will sich schon die ganze Zeit mit Atmung, Darmbewegungen, Gleichgewicht, dem Steuern des Gefäßdrucks und der Aktivierung aller 656 Muskeln beim Vollziehen von Alltagstätigkeiten befassen? Evolutionär gesehen ist Ihr Job, Pilze zu unterscheiden, Tieren hinterherzurennen, selbst nicht gefressen zu werden und kleine Menschen zu machen. Ihre Aufmerksamkeit ist so etwas wie ein Punktstrahler, ein Signalverstärker, der einen Prozess im Gehirn betonen, hervorheben und stabilisieren kann. Das ist eine enorm zentrale Funktion, von der es nur eine Ausgabe gibt. Deswegen soll sie sich nur mit denjenigen Sachen befassen, die nicht ohne gehen. Wann kommt denn jetzt endlich der Leguan? Wir alle haben im Laufe unseres Lebens, überwiegend, ohne uns das klarzumachen, sehr viele Dinge gelernt. Zum Beispiel, wie wir damit umgehen, wenn uns etwas ärgert, uns belastet oder Angst macht. Wir alle haben solche Erlebnisse schon gehabt und wir haben dann Sachen ausprobiert, von denen manche nicht so gut funktioniert haben und andere besser. Beides merkt sich das Gehirn - aber es hat Ihnen deswegen nicht jedes Mal einen Brief geschrieben. Die allermeisten Dinge, die wir lernen, lernen wir unbemerkt und nebenbei. Sie haben bereits etliche Strategien für den Umgang mit verschiedensten Situationen. Darunter finden sich Strategien für Situationen, die schwierig oder anstrengend sind. Hinweis: Was wir hier „Strategie“ nennen, ist nicht nur eine Beschreibung äußeren Verhaltens, sondern auch ein „festgelegtes Set an Emotionen, dem wir begegnen, wenn wir Fehlschläge oder Zurückweisungen erleben“, wie Psychologe Dr. Guy Winch das nennt. Also innere Strategien. Und wenn Sie nicht aktiv eingreifen, dann werden Sie die Strategien, die Sie irgendwann früher einmal als die Beste festgelegt haben, immer wieder anwenden. Das ist genau dann super, wenn diese Strategie auch für die aktuelle Situation passt - und dann total ungeschickt, wenn sie gerade nicht passt; oder wenn die Strategie sehr viel Kraft kostet, oder wenn Sie das inzwischen einfach viel besser könnten. Wie aktualisiert und ersetzt das Gehirn veraltete Strategien? Durch Aufmerksamkeit. Unsere Aufmerksamkeit ist perfekt geeignet, um im Kopf die Weichen neu zu stellen und alte Standards zu hinterfragen. Und den oben genannten Türsteher kann man programmieren. Das klingt jetzt technisch, hat aber gar nichts mit Technologie zu tun oder damit, dass man eine verborgene Kunst beherrschen können müsste. Ihr innerer Türsteher geht davon aus, dass er weiß, was Sie interessiert und was nicht. Er ist schließlich ein erfahrener Türsteher - er sitzt aber auch im Dunkeln und bekommt nur mit, dass Sie neue Anforderungen an ihn haben, wenn Sie sich mit ihm unterhalten. Wenn Sie jetzt ein sensationelles Buch über Stressbewältigung und Persönlichkeitsentwicklung lesen, dann weiß er zunächst einmal nicht, dass ihn das betrifft. Wenn Sie nun eine neue Strategie ausprobieren wollen, (zum Beispiel: Atmen!, siehe Seite ?), dann muss Ihre bisherige Stressantwort überbrückt werden. Und jetzt kommt endlich der Leguan. Der Leguan – von Actionheld bis Zauberfee
Dieses Überbrücken der bisherigen Reaktion funktioniert so: Stellen Sie sich Ihren inneren Türsteher vor. Und zwar so, wie Sie möchten. Ob das ein bulliger Typ ist, oder Gandalf aus dem Herrn der Ringe, ein loyaler Flaschengeist, Ihre Lieblings-Tatortkommissarin, Doc Brown aus Zurück in die Zukunft oder eben ein freundlicher Leguan, ist ganz egal. Machen Sie sich ein deutliches inneres Bild, das Ihnen gefällt. Und dann sagen Sie zu dieser Türsteher-Figur: Immer dann, wenn ich gestresst bin, sagt Du mir Bescheid. Alles klar? Keine Ausnahmen! Achtung, wichtiger Hinweis: Machen Sie die Anweisung so spezifisch wie möglich. Machen Sie die Wenn-Bedingung so eindeutig, wie sie können. Zum Beispiel: Immer, wenn ich morgens aus dem Haus gehe, die Türklinke der Wohnungstür in die Hand nehme und das kalte Metall in meiner Handfläche spüre, dann fasse ich kurz an meine Hosentasche, um zu überprüfen, ob mein Hausschlüssel darin ist. Merken Sie das? Man sieht die Szene regelrecht vor sich. So deutlich soll die Beschreibung sein. Der Türsteher ist sehr respektvoll und er muss sich wirklich sicher sein, dass jetzt die Situation ist, die Sie gemeint haben, wenn er Sie stören soll. Wenn es also darum geht, Sofort-Techniken wie die aus der Liste der mentalen Feuerlöscher auszuprobieren, machen Sie eine klare Wenn-Dann-Anweisung. Beispiel: Stellen wir uns vor, Marios ureigene Stress-Merkmale wären, dass er kalte, schwitzende Hände bekommt, die Nackenmuskeln anspannt und das Gefühl hat, alles auf einmal hinkriegen zu müssen. Und stellen wir uns vor, er würde Atmen ausprobieren wollen. Dann würde er zu seinem kleinen Leguan...



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