E-Book, Deutsch, Band 1, 635 Seiten
Reihe: Die Burgherrin
Mueller Die Burgherrin
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95824-884-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Clan des Greifen - die komplette erste Staffel in einem eBook
E-Book, Deutsch, Band 1, 635 Seiten
Reihe: Die Burgherrin
ISBN: 978-3-95824-884-7
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roland Mueller, geboren 1959 in Würzburg, lebt heute in der Nähe von München. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitete in der Erwachsenenbildung, als Rhetorik- und Bewerbungstrainer und unterrichtet heute an der Hochschule der Bayerischen Polizei. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher. Bei dotbooks veröffentlicht sind Roland Muellers historische Romane: »Der Goldschmied« »Das Schwert des Goldschmieds« »Im Land der Orchideenblüten« »Das Erbe des Salzhändlers« »Die Reise des Conquistadors« Die beiden historischen Romane »Der Goldschmied« und »Das Schwert des Goldschmieds« sind ebenso als Sammelband unter dem Titel »Der Meister des Goldes« verfügbar. Außerdem hat Roland Mueller bei dotbooks die historische Serie »Der Clan des Greifen« veröffentlicht, die folgende Bände umfasst: »Die Begegnung. Staffel I - Erster Roman« »Der Pakt. Staffel I - Zweiter Roman« »Das Vermächtnis. Staffel I - Dritter Roman« »Das Erbe. Staffel I - Vierter Roman« »Die Rache. Staffel I - Fünfter Roman« »Das Spiel. Staffel I - Sechster Roman« »Die Hexe. Staffel II - Erster Roman« »Der Betrüger. Staffel II - Zweiter Roman« »Der Greif. Staffel II - Dritter Roman« »Die Verfolgten. Staffel II - Vierter Roman« »Die Braut. Staffel II - Fünfter Roman« »Die Liebenden. Staffel II - Sechster Roman« Die komplette Serie ist außerdem in den drei Sammelbänden »Die Burgherrin«, »Die Kinder der Burgherrin« und »Das Vermächtnis der Burgherrin« enthalten. Daneben hat Roland Mueller die beiden historischen Kinderbücher »Die abenteuerliche Reise des Marco Polo« und »Der Kundschafter des Königs« bei dotbooks veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
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Momente wie diese liebte Eleonore besonders. Sie lag in einem warmen Bad und versuchte, an nichts zu denken. Entspannt in dem großen Holzzuber, umschmeichelte das warme Wasser ihren Leib, und alles, was sie sich im Augenblick wünschte, war, dass dies möglichst lange so bliebe. Die Arbeit, die an diesem Tag noch unbedingt getan werden musste, schien ihr auf einmal gar nicht mehr so wichtig. Sie fuhr mit beiden Händen über die Haut an ihren Schenkeln, strich mit den Fingerspitzen über ihren Bauch, folgte der Kontur ihrer immer noch tadellosen Brüste. Nein, sie fühlte sich keineswegs alt oder gar verbraucht. Obwohl sie vier Kinder geboren hatte und trotz der Entbehrungen in diesem gerade beendeten Krieg, der zahlreichen Hungerwinter der Vergangenheit. Und diesen Körper hatten nun schon einige Männer betrachten dürfen. Als sie daran dachte, wurde ihr noch wärmer. Sie schloss die Augen.
Ihren Enkel hatte sie nach dem Ausritt wieder der Amme anvertraut. So nannte sie die Frau noch immer, auch wenn sie dem Jungen längst nicht mehr die Brust gab. Eleonore dachte oft daran, wie diese brave Frau bereits ihre eigenen vier Kinder mit großgezogen hatte. Warum sollte sie ihr also nicht guten Gewissens nun auch ihren Enkel überlassen? Sie blickte auf. Dann streckte sie abwechselnd ihre Beine aus dem Wasser und strich mit beiden Händen über die rosige glatte Haut ihrer Waden und ihrer Schenkel. Wie herrlich das Wasser war! So ließ es sich noch eine ganze Weile aushalten. Und wenn es zwischendurch zu kalt werden würde, brauchte sie nur nach Elsa zu rufen. Die brachte ihr dann einen weiteren Eimer mit heißem Wasser aus der Küche herauf. Eleonore schloss wieder die Augen. Jawohl, einfach so daliegen und dabei an gar nichts denken. Nur, genau dies gelang ihr nicht, denn dazu war zu viel passiert ...
***
Über dem steilen Bergpass ging ein heftiger Regenguss nieder. Die dunklen Wolken hingen in den Felswänden wie körperlose Nebelwesen, von denen man sich hier in jedem Dorf und jedem Weiler erzählte. In der Ferne donnerte es immer wieder, und von den dichtbewaldeten Hängen ringsum stieg Dunst auf. So wie es aussah, würde es in nächster Zeit nicht aufhören zu regnen.
Lorenzo Moratini trat vor das Zelt, das die Dienerschaft am Flussufer aufgeschlagen hatte. Sein Leibdiener Ramiro stocherte mit einem Ast in dem kläglichen Feuer herum und hoffte darauf, dass die Flammen größer wurden. Er wandte den Kopf und warf einen Blick auf seinen jungen Herrn. Wohin der auch immer ging, er, Ramiro Esteban, würde an seiner Seite sein. Das tat er, solange er sich erinnern konnte, seit er vor langer Zeit in den Dienst der Kaufmannsfamilie Moratini getreten war. Ramiro war ein Diener, kein Kämpfer. Warum auch, dafür hatten sie Söldner, die für gutes Geld Leib und Leben ihres jungen Herrn schützten. Natürlich würde Ramiro nicht zögern, seinen Herrn zu verteidigen. Denn er mochte den jungen Patrizier.
Nun sah er zu, wie Lorenzo bis an den Rand der kleinen Lichtung trat, dort stehen blieb und den Himmel betrachtete. Obwohl es weiterhin heftig regnete, so dass eine Weiterreise nicht ratsam war. Sie selbst und ihr Gepäck würden völlig durchnässt sein, bevor sie die einsame Landstraße hinter sich gelassen hatten.
Lorenzo dagegen spürte den Regen kaum. Ihr erzwungener Aufenthalt war ihm lästig, denn eigentlich wollte er weiter. Er hatte schließlich ein Ziel. Die Burg. Seine schöne junge Braut. Die Verlobung mit ihr. Diese offiziell zu machen war sein Wunsch gewesen. So wie es auch sein eigener Entschluss gewesen war, diese Reise ohne Begleitung zu unternehmen. Wenn man mal von Ramiro und den Söldnern absah, die er zu seinem Schutz mitgenommen hatte, und den Knechten, die für das Zelt, die Pferde und das Gepäck verantwortlich waren. Seine Mutter war nicht bei ihm, genauso wenig wie seine Tante. Er erinnerte sich nicht daran, dass dies in seinem bisherigen Leben schon einmal vorgekommen war. Nein, seine Mutter und seine Tante waren immer in seiner Nähe gewesen, genau wie seine jüngere Schwester Tirza. Lorenzo war noch keine achtzehn Jahre alt, aber ein Mann, meinte er. Der Beweis dafür war, dass er auf dem Weg tief in die Berge war, um seine Braut zu freien und dabei die Vereinbarung zwischen dem Hause Moratini und derer von Greifenberg zu erfüllen. Dabei waren noch einige Fragen unbeantwortet. So stand zum Beispiel der gemeinsame Name der zukünftigen Eheleute noch nicht fest. Genauso wenig wie der ständige Aufenthaltsort des Paares oder die Erbfolge ihrer Kinder, die es hoffentlich recht zahlreich geben sollte. Doch an all diese Dinge wollte Lorenzo hier, in dieser stockdunklen Nacht fernab von zu Hause, am liebsten gar nicht denken, sondern nur von seiner großen Liebe träumen, über die er bisher mit kaum jemandem geredet hatte. Seine Mutter wusste natürlich davon und seine Tante auch. Genau wie seine geliebte Schwester Tirza. Ihr konnte er am allerwenigsten etwas verheimlichen. Doch sonst wollte er niemanden mit seinen Gefühlen behelligen, die von der verzehrenden Flamme seines Herzens stammten, wie er in einem antiken Gedicht gelesen hatte. Nein, darüber zu sprechen schickte sich nicht. Zumindest hatte sein Vater das gesagt, und der musste es ja wissen. Die Moratinis verheirateten ihre Kinder von jeher mit großer Umsicht. Seine Schwester Tirza würde in die Familie der Scrovegni einheiraten, Die, wie seine Familie, steinreiche, mächtige und einflussreiche Bürger waren. Einflussreicher als ein kleiner unbedeutender Ritter, der mit seiner Familie hier in den Bergen ein kleines Lehen führte. Der jedoch vererbte seinen Kindern den adeligen Titel und den Anspruch, den Stand einer Gräfin zu führen. Dies war der Grund gewesen, warum sein Vater schon vor Jahren diesen Bund beschlossen hatte. Aber als Lorenzo Johanna von Greifenberg das erste Mal gesehen hatte, war er sofort in sie verliebt gewesen. Oh ja, er liebte. Auch wenn diese Nacht nasskalt und regnerisch war, ungemütlich und einsam dazu. Der junge Pisaner breitete beide Arme aus, und der Regen lief ihm über das Haar und das Gesicht, tropfte auf sein dickes ledernes Wams, das er sich extra für diese Reise hatte anfertigen lassen. Ja, dachte er, ich, Lorenzo aus dem Hause der Moratinis, bin auf dem Weg, das schönste Mädchen weit und breit zu freien. Wie hatte sein Beichtvater noch gesagt? Manchmal können es alle sehen, wenn Gott ein Menschenkind besonders liebt. Lorenzo sog die feuchtkalte Luft ein und nahm den Geruch dieses Landes in sich auf. Was für ein Abenteuer!, dachte er, wandte sich um und ging die wenigen Schritte zu seinem Zelt zurück. Ramiro hatte das Feuer trotz des Regens wieder in Gang gebracht. Das feuchte Holz knackte laut, und die Flammen schlugen nun sichtbar hell empor.
Niemand hörte die Schritte der Männer, die wie Katzen auf leisen Sohlen in der Dunkelheit herangeschlichen kamen. Jedes noch so kleine Geräusch wurde vom strömenden Regen überdeckt. Erst als die Pferde leise schnaubten, erkannte Ramiro als Erster die Gefahr. Er zischte noch einen halblauten Befehl, aber die Söldner kamen nicht mehr dazu, nach ihren Waffen zu greifen. Die Unbekannten waren zu sechst. Zwei der Männer trugen Schwerter in den Händen, die übrigen vier richteten jeder eine Armbrust auf die verblüfften Söldner. So standen die Reisenden da, wagten nicht, sich zu rühren, und warteten darauf, dass ihr Leben zu Ende wäre. Aber plötzlich lachte einer der Männer schallend, steckte sein Schwert vor sich in den Boden und hob dann, für alle deutlich sichtbar, die leeren Hände in die Höhe.
»Nur keine Aufregung, Männer! Wir kommen im Frieden.«
Weder Lorenzo noch seine Begleiter rührten sich. Im Feuerschein erkannten sie eine kräftige, ganz in schwarzes Leder gekleidete Gestalt. Der Mann lachte noch immer und schien über diese Begegnung sichtlich amüsiert zu sein. Ohne sein Schwert wieder an sich zu nehmen, trat er in den Feuerschein. Wie die übrigen Anwesenden, war er vom Regen durchnässt. Sein Gesicht hatte, wie die Gesichter der übrigen Männer, vor Tagen zum letzten Mal ein Rasiermesser gesehen. Plötzlich glaubte Lorenzo, sich zu erinnern.
»Herr Graf?«
Der Unbekannte nickte belustigt mit dem Kopf.
»Na endlich! Lorenzo Moratini, es schmerzt mich beinahe, dass Ihr mich nicht gleich erkannt habt. Ja, ich bin es, Wolf von Greifenberg. Also los, begrüßt Euren zukünftigen Schwager.«
Lorenzo fasste sich.
»Wolf, natürlich, ja, Herr. Der Bruder meiner Braut.«
»Zwei Brüder«, sagte Wolf und deutete auf eine weitere nasse, breit grinsende Gestalt.
Frieder schob sein Schwert zurück und trat ebenfalls in den Lichtschein des Feuers. Trotzdem musste Lorenzo weiterhin seine Augen anstrengen, um ihre Gesichter genau zu erkennen.
»Ihr seid, ... ihr wart ...«
Wolf lachte über Lorenzos Gestammel und trat dicht vor ihn.
»Wir wollten Euch nicht erschrecken. Aber nun kommt her, Schwager.«
Lorenzo ließ es mit sich geschehen, dass ihn erst Wolf an die Brust drückte und dann Frieder es seinem älteren Bruder gleichtat. Doch er war noch immer verunsichert und wusste nicht, was er von der seltsamen Begegnung halten sollte. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, dass die Begleiter von Wolf und Frieder langsam ihre Waffen sinken ließen. Lorenzo gewann seine Fassung wieder. Auf jeden Fall stanken diese beiden Kerle wie nasse Hunde.
»Ihr wart so ahnungslos«, meinte Frieder fröhlich lachend, »da dachten wir, wir erlauben uns einen kleinen Scherz mit Euch.« Mit einem Seitenblick auf seinen älteren Bruder stellte er fest, dass dieser übers ganze Gesicht grinste.
»Ein Scherz, der leicht tödlich hätte enden können, edle Herren«, sagte Ramiro, während er näher trat und sich galant vor den beiden jungen Grafen verbeugte.
Wolf blickte ihn an und...




