E-Book, Deutsch, Band 1, 505 Seiten
Reihe: Goldschmied
Mueller Der Goldschmied
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95520-183-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 505 Seiten
Reihe: Goldschmied
ISBN: 978-3-95520-183-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roland Mueller, geboren 1959 in Würzburg, lebt heute in der Nähe von München. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitete in der Erwachsenenbildung, als Rhetorik- und Bewerbungstrainer und unterrichtet heute an der Hochschule der Bayerischen Polizei. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher. Bei dotbooks veröffentlicht sind Roland Muellers historische Romane: »Der Goldschmied« »Das Schwert des Goldschmieds« »Im Land der Orchideenblüten« »Das Erbe des Salzhändlers« »Die Reise des Conquistadors« Die beiden historischen Romane »Der Goldschmied« und »Das Schwert des Goldschmieds« sind ebenso als Sammelband unter dem Titel »Der Meister des Goldes« verfügbar. Außerdem hat Roland Mueller bei dotbooks die historische Serie »Der Clan des Greifen« veröffentlicht, die folgende Bände umfasst: »Die Begegnung. Staffel I - Erster Roman« »Der Pakt. Staffel I - Zweiter Roman« »Das Vermächtnis. Staffel I - Dritter Roman« »Das Erbe. Staffel I - Vierter Roman« »Die Rache. Staffel I - Fünfter Roman« »Das Spiel. Staffel I - Sechster Roman« »Die Hexe. Staffel II - Erster Roman« »Der Betrüger. Staffel II - Zweiter Roman« »Der Greif. Staffel II - Dritter Roman« »Die Verfolgten. Staffel II - Vierter Roman« »Die Braut. Staffel II - Fünfter Roman« »Die Liebenden. Staffel II - Sechster Roman« Die komplette Serie ist außerdem in den drei Sammelbänden »Die Burgherrin«, »Die Kinder der Burgherrin« und »Das Vermächtnis der Burgherrin« enthalten. Daneben hat Roland Mueller die beiden historischen Kinderbücher »Die abenteuerliche Reise des Marco Polo« und »Der Kundschafter des Königs« bei dotbooks veröffentlicht.
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Kapitel 1
So berichtet ein unbekannter Notarius vom Beginn des Osmanisch-Maurischen Reiches. Heinrich der Löwe, Herzog zu Bayern, war der erste Christenführer, der zu einem Kreuzzug gegen die heidnischen Kalifen aufrief.
»Gott will es!«
Sein Ruf, Jerusalem von den Heiden zu befreien, wurde in der Christenwelt gehört. Der Welfe begann, Streiter aus ganz Europa um sein Banner zu scharen: Ritter von Adel, Abenteurer, Männer, deren einziger Besitz ihr edler Name war. Mönche, Huf- und Waffenschmiede, Pfeilmacher, Wachs- und Seifensieder, Spießschleifer, Wagen- und Pferdeknechte, Bader, Schild- und Lanzenträger. Sie alle kamen und mit ihnen das gleichermaßen mächtige Heer der Fahrensleute und Taschenspieler, Geschichtenerzähler, Gaukler und Possenreißer.
»Gott will es!«
Dieses erste Heer vornehmlich englischer und normannischer Christen sammelte sich in Le Puy. Sie wollten die Spitze derer sein, welche als Freiwillige in das Heilige Land aufbrachen. In den ersten milden Frühlingstagen des Jahres 1096 begann der lange Marsch. Keiner wollte zaudern, als es hieß, den Schlag gegen die so mächtig gewordenen Türken zu führen: Weder der Fürst von Otranto und seine normannischen Kriegsknechte noch der Herzog von Niederlothringen, Gottfried von Boullion, in dessen Gefolge Deutsche, Franzosen und Flamen als Mönche, Priester und auch Bischöfe seinem Banner folgten, und Robert von Flandern, dessen Tross nicht von mehr Huren begleitet wurde als andere Heeresteile, dafür aber von den schönsten. Hierin waren sich viele Zeugen jener Tage einig.
Ademar von Monteil, Bischof von Le Puy, und Raimund von Toulouse galten beide als fanatische Streiter der heiligen Sache, fromm und gleichzeitig unerbittlich in ihrem Hass gegenüber den Heiden aus dem Morgenland. Die beiden Kirchenmänner befehligten ein besonders starkes Heer gascognischer Kriegsknechte.
Ein Teil der Streiter begann die Reise in Le Puy, jener fruchtbaren Gegend um Velay. Ein weiteres Heer aus Kämpfern unter dem Befehl des eitlen Hugo von Vermandois, einer der Brüder des französischen Königs, zog unweit von Rouen Richtung Süden. Dem eitlen Rohling gelang es, eine Reihe von Feudalherren aus der Île-de-France, der Normandie, der Champagne und aus der Gegend von Anjou um sein Banner zu scharen. Selbst aus England, Dänemark und Schweden waren Ritter gekommen. Weit hinter der Gegend von Orleans stieß noch eine große Gruppe von Normannen dazu. Sie unterstanden dem Befehl von Bohemund von Tarent. Im Spätsommer vereinigten sich die Truppen, deren Reiter und Fußvolk so viel Staub aufwirbelten, dass die Späher der jeweils anderen Streitmacht sie bereits einen halben Tag vorher beobachten konnten. Einem endlos langen Lindwurm gleich, marschierte die gewaltige Streitmacht als immer länger werdende Karawane durch die dichten Wälder Frankreichs weiter in das gebirgige Arelater Land. Es vergingen Monate, bis die Spitze endlich die fruchtbare Lombardei erreichte. Zwei weitere Monate sollte es noch dauern, bis sie Rom erreichten. Dieses Heer schiffte sich über Wochen hinweg in Ostia ein, soweit der verlandete antike Hafen dies noch zuließ. Immer der lateinischen Küste folgend, umschifften Dutzende von Schiffen die südlichste Spitze Kataniens und überquerten das Adriatische Meer Richtung dalmatinische Küste. Dort gingen die heiligen Krieger an Land. Von Läusen geplagt, seekrank, voller Ekzeme, an Ruhr und Fieber krankend und in ständigen Gedanken nach der Heimat und der heimlichen Angst vor dem, was noch an Abenteuern vor ihnen liegen sollte, trieb sie doch nur ein Gedanke: »Befreit die Heilige Stadt von den Heiden!«
Und da war keiner, der an der großen Sache aller Christen zweifelte. Die Heerführer warben weitere Kämpfer an, kaum dass sie einen Fuß an der Küste des Dalmatischen Königreiches gelandet waren.
Die endlose Reise hatte auf allen Schiffen Tribut gefordert, und das nicht zu knapp: Krankheiten, Seuchen, Unfälle, der ständige Hunger und nicht zuletzt Desertion lichteten die Reihen. Zusammengeschlossen in kleinen Gruppen, durchquerte das Christenheer Griechenland, das Iconische Reich, um der Küste bis Konstantinopel zu folgen. Dort huldigten die Kreuzritter nach dem Lehnsbrauch dem byzantinischen Kaiser. Damit versprachen sie, die eroberten Gebiete unter seine Hoheit zu stellen. Die Byzantiner stellten dafür Mannschaften für den Feldzug und Verpflegung. Aber sie taten es mit unverhohlenem Widerwillen. Sie verachteten die plumpen Aufschneider aus dem Norden, in ihren Augen alles Barbaren, die nichts von jener raffinierten Lebensweise verstanden, die sie in Konstantinopel wie anderswo im Byzantinischen Reich seit der Zeit der Römer pflegten. Für die christlichen Kreuzfahrer hingegen galten die Byzantiner als Abtrünnige. Weigerten sich diese doch, den Papst in Rom anzuerkennen. Aber sie marschierten nun als ein Heer gen Antiochia.
Die Stadt war zu groß, selbst für das mächtige Heer der Kreuzfahrer. So belagerten sie die Stadt acht Monate lang. Sie verloren Hunderte von Kämpfern in den nasskalten Wintermonaten durch Krankheiten und durch Hunger. Immer wieder stellten sie sich den Türken in vielen kleinen Schlachten, bis es ihnen gelang, die Stadt, ein Jahr später, im Juni, zu stürmen.
Sieben Monate rastete nun das Heer erst einmal in Antiochia. Dann führte Robert von Flandern das Gros der Ritter in Sichtweite der Heiligen Stadt.
Als sie den Namen hörten, konnten sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie warfen sich auf die Knie und dankten Gott dafür, dass er sie das Ziel ihrer Fahrt hatte erreichen lassen.
Die Heilige Stadt, wo unser Heiland die Welt erlösen wollte.
Die Ritter rückten noch so weit vor, bis die Mauern und Türme der Stadt gut sichtbar wurden. Sie erhoben dankerfüllt ihre Hände zum Himmel und küssten demütig die Erde.
Aber die Türken verschanzten sich hinter gewaltigen Wällen und zwangen das Christenheer erneut zu einer schier endlos dauernden Belagerung. Dann aber trafen die Genueser mit ihrer Flotte in Jaffa ein. Sie brachten Lebensmittel und Material. Damit konnten die Kreuzritter Leitern und hölzerne Türme bauen. Aber es sollte noch viele Sturmangriffe dauern, bis Raimund von Toulouse die heilige Messe in der zerstörten und barbarisch geschändeten Stadt lesen konnte.
»Gott will es!«
Zehntausende sollten ihr Heimatland nicht mehr wiedersehen. Über Pest und Ruhr, endlose Regenfälle, Hagelstürme, den schrecklichen Hunger und das alltägliche Sterben berichtet der Notarius eher beiläufig.
Jerusalem ward befreit durch christliche Streiter.
Dies geschah im Jahre 1099 und wird in der Chronik nicht ohne Stolz bemerkt.
»Gott will es!«
Anbei: seinen Namensvetter, den englischen König, hatte der Welfe nicht für die gerechte Sache gewinnen können. Heinrich, König von Britannien, lobte wohl den Gang der Streiter mit guten Worten. Er versprach zu beten. Stimmen jedoch behaupteten, sein Zögern hätte einen anderen Grund: Seine Frau, die schöne Eleonore von Aquitanien, könne keinen Moment ohne seine wachsame Aufmerksamkeit bleiben. Viel zu viele Männer rühmten und besangen ihre Schönheit. Und während sie dies taten, verzehrten sich ihre Gedanken in sündigen Träumen nach dem untadeligen Leib der jungen Königin. Spöttische Zungen behaupteten gar, die große Zahl englischer Ritter im Heer des Welfen seien alles Verschmähte. Abgewiesene Werber, die in den Heiligen Krieg zogen, um im Kampf zu fallen und damit ihre verzehrende Liebe zu vergessen.
Bei diesen bewegenden Ereignissen in diesem Jahr ist es nicht erwiesen, ob ein Notarius auch von den heißen Tagen im sonst so gemäßigten Britannien berichtete.
Seit vielen Wochen litt das gesamte Abendland unter der sengenden Sonne. Die Luft flimmerte über den sanften Hängen von Kilgary, genauso wie sie ohne einen Lufthauch über den verbrannten Gerstefeldern der Provence und den welken Obsthainen im Welschland stand.
Der römische Seehafen Ostia war seit Wochen ausgetrocknet. Nicht einmal in den Blütejahren des alten Roms war so etwas vorgekommen. Auch in Bristol und London konnten nur noch ganz flache Kähne anlegen. Der Handel mit anderen Provinzen war zum Erliegen gekommen. Die einst so blühenden Landschaften verdorrten. Es herrschte Hunger. Die Obrigkeit belegte den Diebstahl von Korn mit schweren Strafen. In der Lombardischen Ebene ließen die Fürsten ihr Getreide bewachen. Überall war Mehl jetzt wertvoller als Gold.
Der Brotpreis in allen englischen Grafschaften stieg ständig an. So verlangte man in London für einen Scheffel Mehl jetzt 18 Pence. Einst kostete dieselbe Menge acht Pence.
Selbst die weise Frau, die uralte Bess, konnte sich nicht an solch heiße Tage erinnern. All die sorgenvollen Frager unweit des Hauptmarktes zu London wussten von ihrer Gabe des Sehens. Aber Bess war sich ihrer eigenen Weissagungen nicht mehr so sicher. Lieber schwieg sie. Und das machte alles nur noch unsicherer.
***
Die Sonne stand noch nicht besonders hoch. Trotzdem versprach dieser Tag wieder heiß und schwül zu werden. Die Frau litt besonders unter der Hitze. Ihre Haut war sehr hell und das Haar blond, mit einem Stich ins Rote.
Eyleen Carlisle schwitzte. Der Schweiß lief ihr über die Stirn ins Gesicht und brannte in ihren Augen. Er lief in kleinen Rinnsalen an ihren Beinen herab, sammelte sich überall an in ihrer Cotte. Aber selbst jetzt wagte sie es nicht, ihre leinene Haube abzulegen. Denn es war Sitte, dass züchtige Frauen eine solche trugen. Ohne diese Kopfbedeckung aus dem Hause zu gehen, schickte sich einfach nicht. Dann konnte sie ja gleich kokett mit den Hüften wackeln, so wie es die liederlichen Frauen so gerne taten.
Vielleicht sollte ich...




