E-Book, Deutsch, Band 2, 340 Seiten
Reihe: Goldschmied
Mueller Das Schwert des Goldschmieds
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95520-182-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 2, 340 Seiten
Reihe: Goldschmied
ISBN: 978-3-95520-182-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roland Mueller, geboren 1959 in Würzburg, lebt heute in der Nähe von München. Der studierte Sozialwissenschaftler arbeitete in der Erwachsenenbildung, als Rhetorik- und Bewerbungstrainer und unterrichtet heute an der Hochschule der Bayerischen Polizei. Er veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher. Bei dotbooks veröffentlicht sind Roland Muellers historische Romane: »Der Goldschmied« »Das Schwert des Goldschmieds« »Im Land der Orchideenblüten« »Das Erbe des Salzhändlers« »Die Reise des Conquistadors« Die beiden historischen Romane »Der Goldschmied« und »Das Schwert des Goldschmieds« sind ebenso als Sammelband unter dem Titel »Der Meister des Goldes« verfügbar. Außerdem hat Roland Mueller bei dotbooks die historische Serie »Der Clan des Greifen« veröffentlicht, die folgende Bände umfasst: »Die Begegnung. Staffel I - Erster Roman« »Der Pakt. Staffel I - Zweiter Roman« »Das Vermächtnis. Staffel I - Dritter Roman« »Das Erbe. Staffel I - Vierter Roman« »Die Rache. Staffel I - Fünfter Roman« »Das Spiel. Staffel I - Sechster Roman« »Die Hexe. Staffel II - Erster Roman« »Der Betrüger. Staffel II - Zweiter Roman« »Der Greif. Staffel II - Dritter Roman« »Die Verfolgten. Staffel II - Vierter Roman« »Die Braut. Staffel II - Fünfter Roman« »Die Liebenden. Staffel II - Sechster Roman« Die komplette Serie ist außerdem in den drei Sammelbänden »Die Burgherrin«, »Die Kinder der Burgherrin« und »Das Vermächtnis der Burgherrin« enthalten. Daneben hat Roland Mueller die beiden historischen Kinderbücher »Die abenteuerliche Reise des Marco Polo« und »Der Kundschafter des Königs« bei dotbooks veröffentlicht.
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Kapitel 1
Der sechste Tag auf See war zugleich der erste ohne Sturm, ohne Regenschauer und ohne die schweren Windböen, die unbemerkt und plötzlich über das aufgewühlte Wasser strichen, trotz der wachsamen Augen des Ausgucks an Bord der Galeasse »Die Schöne von Aquitanien«. Dieser Wind, von einer Gewalt, um die Menschen schreien zu lassen in ihrer Angst, schlief ein, mit jeder Stunde ein wenig mehr.
Das Schiff rollte hilflos in dem schweren Wasser.
Carillo, der Kapitän, glaubte längst nicht mehr, jemals sicher an die Küste Nordafrikas zu gelangen. Aber dies sagte er niemandem, denn er war abergläubisch, und es galt ihm, wie allen Seefahrern, gleich welchen Glaubens, als böses Omen, über ein Unglück auf See zu sprechen. Hieß es doch die Mächte zu erzürnen und solcherlei Unbill heraufzubeschwören, ja, geschehen zu lassen.
Die »Schöne von Aquitanien« war nur ein kleines Schiff, mit einer Handvoll Seeleute als Besatzung. Vor mehr als 20 Tagen waren sie unweit von Rom, von Ostia aus in See gestochen. Beladen war das Schiff mit allerlei Waren aus Venedig: feine Stoffe aus der Lombardei und ein großer Posten ligurischen Weines, dazu Basaltsteine, etwa zehn Tonnen schwer, aus den Steinbrüchen von Rom. Dazu kamen vier edle Pferde, prächtige Geschenke an den Sultan von Ägypten. Zwei Pferdeknechte reisten auf dem Schiff, und sie waren für das Wohl dieser Tiere verantwortlich. Besonders kostbar aber war eine Bulle mit der Bitte des Papstes, Niederlassungen für den Handel mit dem Abendland zuzulassen im endlosen Weit am Rande der arabischen Wüste.
Venedig wollte handeln, und dies seit dem letzten großen Krieg zwischen den Arabern und den Christen, dem ersten Kreuzzug. Tausende führte er nach Jerusalem, und dieser Feldzug sollte ihr Grab bedeuten, dort in dem fremden Land. Doch wer für den Glauben an Jesu Christ stirbt, der sei gesegnet, und er wird das Paradies schauen. Aber der Kreuzzug lag lange zurück. Nur die Erinnerung daran war noch wach. Denn Gott ist groß und gerecht!
»Wir sind weit vom Kurs abgekommen«, sagte Carillo zu seiner Besatzung und zu den Passagieren, die sich um ihn gesammelt hatten.
Die Venezianer und zwei Knechte aus Rom, damit waren sie zu sechst, und mehr tot als lebendig lauschten sie den Worten des Kapitäns.
»Alexandria liegt weitab. Der Wind ist nicht günstig.«
»Seit Tagen nicht«, bemerkte einer der Seeleute düster.
»Wisst Ihr, Kapitän, wo wir sind?«, fragte einer der Reisenden.
»Ich kann es Euch nicht sagen, Faber«, antwortete der Kapitän, »wir werden es erst wissen, wenn wir die Küste erreichen.«
Der so Angesprochene war ein junger Mann, groß, von sehr schlankem Wuchs, mit einem schmalen, edlen Gesicht. Das Haar dunkel und leicht gelockt, das ihm bis auf die Schultern fiel. Dies war Gwyn Carlisle, ein englischer Goldschmied, der, beauftragt von Venedig und Rom, dem Dogen und dem Papst, in besonderer Mission nach Ägypten reisen sollte. Als er und die übrigen Reisenden, Kaufleute einer societas aus Venedig, vor über zwei Wochen in Ostia bei Rom ihre Reise begannen, waren sie noch alle guten Mutes gewesen. Das Schiff war klein, aber solide gebaut, die Mannschaft bestand nicht, wie üblich, aus Tagelöhnern, sondern freien Sizilianern. Diese Männer, und besonders ihr Kapitän, Markus Sebastiano Carillo, kannten die Küste und auch das Meer bis hin zur Küste von Alexandria, denn es war nicht ihre erste Fahrt dorthin.
Eine halbe Tagesreise hinter der Insel Kreta hatte der tagelang andauernde Sturm begonnen. Nun waren sie alle müde und hungrig. Die Tage auf See waren kalt gewesen, und durch die stete Nässe brannte längst kein Feuer mehr auf dem Schiff. In der Hoffnung, endlich Land zu sehen, versuchte jedes Augenpaar, die tiefhängenden Wolken zu durchdringen. Bei klarem Wetter war eine Reise von Rom mit einem seetüchtigen Schiff, immer an der Küste des Königreiches Sizilien entlang, durch die Straße von Messina, an Reggio vorbei, eine Reise ohne Mühe, ja oft vergnüglich. Doch dieser schwere Sturm ließ die Fahrt zu einer kräftezehrenden Angelegenheit werden.
Das Schiff rollte noch immer hin und her.
Ein Teil der Takelage war beschädigt worden, und bei dem steten Seegang war es keinem der Seeleute bisher gelungen, wenigstens einiges davon herabzuschlagen und neue Segel zu setzen. So trieb das Schiff mit der unruhigen See in einer unbekannten Richtung. Auch das Ruder war beschädigt worden. Die Gewalt des Wassers hatte das Ruderblatt eingedrückt, ein daumenbreiter Riss ging quer durch das ganze Holz. Wenn das Schiff vom Steuermann wieder auf seinen Kurs gezwungen wurde, konnten alle die Bruchstelle genau erkennen. Dort schimmerte das Holz hell. Und bei jedem Manöver sah der Schaden bedrohlicher aus. Zwei Zimmerleute begannen, an einem der Ausleger vom Heck aus auf das Ruder hinauszuklettern. Dort wollten sie versuchen, lange Bretter quer über die breite Holzfläche zu schlagen. Die Arbeit war mühevoll und gefährlich, aber es war im Moment die einzige Möglichkeit, das beschädigte Ruder so weit zu verstärken, dass es noch einige Stunden hielt. Stunden, die genügen sollten, dessen war sich der Kapitän sicher, dann würden, ja, mussten sie nach seiner Kenntnis Land erreichen. Und nicht nur er wartete auf die Sonne, oder wenigstens etwas von deren Licht, denn nach dem Sonnenstand ließ sich die Richtung bestimmen. Erfahrung und einige Seekarten der griechischen Küste könnten ihm, Carillo, dem Kapitän, genauer sagen, wo etwa sich hier im Mittelmeer das kleine Schiff gerade befand.
So halfen alle mit, soweit sie sich erholt hatten und ihre lädierten Knochen nicht mehr schmerzten. Gwyn und einer der Seeleute hoben die schweren Bretter über das Heck, um sie so lange festzuhalten, bis der Schiffszimmermann einigermaßen sicheren Stand auf dem hohen Ruder hatte und mit Hammer und langzolligen Nägeln ein weiteres Brett als Stütze festnageln konnte.
Immer wieder schwankte einer der Männer und hielt sich verzweifelt fest, wenn das Schiff ein Wellental passierte, denn dabei tauchte das Heck oft gefährlich tief ein, und mehr als einmal verschwand einer der Männer auf dem Ruder bis fast zur Brust in dem schaumigen Tal.
Ein Abwarten auf ruhige See war jedoch zu gefährlich. Wenn das Ruder vollends auseinanderbrach, waren sie endgültig ein Spielball für die Wellen.
»Schiff! Ein Schiff!« Der Mann, der auf dem Ruder stand, wäre beinahe herabgefallen.
Gwyn hielt eines der Bretter fest und hob den Kopf. Der Ausguck deutete mit dem Arm in die Richtung weit hinter dem Heck des Schiffes. Tatsächlich, immer wenn das Handelsschiff etwa auf gleicher Höhe mit dem Wellenkamm war, ließ sich weit hinter ihnen ein winziger Punkt ausmachen. Es waren geübte und scharfe Augen nötig, um auf solch eine Distanz noch etwas zu erkennen. Gwyn, ganz sicher mit guten Augen ausgestattet, musste sich anstrengen, um etwas zu erkennen. Aber nicht einmal sah er das Aufblitzen eines Segels.
»Wer kann das sein?« Carillo war neben sie getreten und blickte angestrengt über das Wasser. »Das weiß der Allmächtige allein. Sind hier weitab. Wird noch eine Weile dauern, bis es nah genug, dass wir es erkennen können. Vielleicht ein Römer wie wir oder ein Byzantiner? Die Venezianer fahren andere Routen, und die Genueser fahren diesen Teil des Meeres nicht so oft.«
»Vielleicht ein Schiff so wie wir? Dem der Sturm die Federn gezaust hat?«, fragte einer der Venezianer.
»Vielleicht …«
Der Kapitän beschattete noch einmal seine Augen, aber er konnte nichts erkennen. »Sollten trotzdem wachsam sein.«
Sogleich erteilte er weitere Anweisungen, das beschädigte Schiff noch schneller wieder fahrtüchtig zu bekommen.
Alle arbeiteten weiter. Gwyn erlaubte sich mehr als einmal einen suchenden Blick über das Meer. Aber er entdeckte nichts, was ein Schiff sein könnte. Trotzdem, ein Irrtum schien ausgeschlossen, denn der Ausguck meldete immer wieder ein Segel am Horizont. Ein Teil der Takelage war freigeschlagen geworden, und alles, was nicht mehr zu gebrauchen war, warf man über Bord. Jede Hand war nun nötig, wenigstens notdürftig die Segel des schwer beschädigten Schiffs zu setzen und an die Masten anzuschlagen.
Es war spät und vom Tag her längst Nachmittag, als der Ausguck erneut den unbekannten Begleiter meldete. Aber diesmal war sein Ruf voller Furcht. »Latinersegel!«
Erschrocken blickten sich alle an.
»Er fährt ein Latinersegel und … Ruder!«
Der Kapitän schlug ein Kreuzzeichen, und dann stürzte er zum Hauptmast, legte den Kopf in den Nacken und rief hinauf: »Pietro! Sag an, bist du dir sicher?«
»Latinersegel, Kapitän. Seh sie ganz genau!«
»Und Ruder?«
»Jaaa … Ruder, Kapitän! Wenigstens zwei Reihen! Aber sie rudern nicht!«
»Wie weit entfernt?«
»Vielleicht noch eine Meile!«
Der Kapitän wandte sich um, und die Männer ringsum sahen ihn erwartungsvoll an, obwohl jeder wusste, was er nun sagen würde, denn alle warnten den Reisenden in den Hafenstädten des Tyrrhenischen wie auch des Adriatischen Meeres vor dem, was ihnen widerfahren könnte, wenn sie es doch wagten, mit einem Schiff zu fahren. »Piraten, Messere! Piraten!«
Ringsum murmelten und raunten die Männer. Sie erschraken und bekreuzigten sich. Nicht nur der Kapitän machte ein sorgenvolles Gesicht.
»Und wenn der Ausguck irrt?«, fragte de Lorenzo, einer der venezianischen Kaufleute.
»Messere, Pietro ist unser aller scharfes Auge. Wenn er ein Schiff auf dem Wasser sieht, dann ist dort eins.«
»Müssen es denn Piraten sein?«, fragte Gwyn eher zweifelnd.
»Ja, Faber. Nur solche Schiffe wie das unsere sind ohne Ruderbänke. Damit fahren die Händler für Venedig oder...




