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E-Book, Deutsch, Band 11, 132 Seiten

Reihe: Erziehungswissenschaftliche Impulse

Most Sprache im Raum Schule heute

Untersuchung der Sprache von Schüler*innen im Klassenraum und auf dem Pausenhof
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-8484-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Untersuchung der Sprache von Schüler*innen im Klassenraum und auf dem Pausenhof

E-Book, Deutsch, Band 11, 132 Seiten

Reihe: Erziehungswissenschaftliche Impulse

ISBN: 978-3-8192-8484-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sprache ist in den Schulen eines der wichtigsten und häufigsten genutzten Medien. Sie dient zur Verständigung, ist ein Instrument der Teilhabe und Ausdrucksmittel vieler Individuen, gleichzeitig aber auch ein Instrument der Gewalt. Die linguistische Disziplin Pragmalinguistik untersucht die menschliche Sprache als Form menschlichen Handelns und analysiert, wie ein Sprechakt vollzogen wird. Mittels der von Brown und Levinson aufgestellten Höflichkeitstheorie kann die gesprochene Sprache in ihrer Wirkung auf die sprechende und hörende Person untersucht werden. Innerhalb dieser Studie wird die Forschungsfrage "Wie gestaltet sich die Sprache der Schüler*innen im Raum Klassenraum und Raum Pausenhof hinsichtlich der pragmalinguistischen Theorie des Gesichtsbedrohenden Aktes?" untersucht. Hierfür wird eine qualitative Beobachtung durchgeführt um folglich die gesprochene Sprache der Schüler*innen in den unterschiedlich sozialen Räumen zu analysieren. Mittels einer vorangehenden pragmalinguistischen Analyse wird der Untersuchungsgegenstand auf Basis der Höflichkeitstheorie kategorisiert und unter Verwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Hierbei werden die Strategien der Gesichtsbedrohung aufgezeigt, analysiert und in einer quantitativen Häufigkeitsanalyse zusammengeführt. Dabei wird herausgefunden, dass sich die gesprochene Sprache innerhalb der Räume Klassenraum und Pausenhof hinsichtlich der Strategien der Gesichtsbedrohenden Akte unterscheiden. Grundsätzlich werden auf dem Pausenhof deutlich mehr Gesichtsbedrohende Akte ausgedrückt, als im Klassenraum. Als weiteres wichtiges Ergebnis wird festgestellt, das im Pausenhof häufiger das negative Gesicht und im Klassenraum häufiger das positive Gesicht bedroht wird. Dabei wird auf dem Pausenhof mittels gesprochener Sprache die Handlungsfreiheit der Schüler*innen eingeschränkt, während im Klassenraum häufiger die Bedürfnisse der Schüler*innen übergangen werden. Zum Schluss kann also festgestellt werden, dass die verwendete Sprache deutlich mit dem sozialen Raum zusammenhängt und sich die Regeln dessen auf das sprachliche Mittel signifikant auswirken.

Fabienne Most (geb. 1997) hat den Bachelor of Education für Grundschullehramt an der Universität in Koblenz begonnen und ist zum Ende des Bachelors an die Universität RPTU Landau gewechselt, um ihr Studium dort für das Lehramt für Förderschulen fortzusetzen. Sie studierte die Fächer Germanistik und Philosophie und später die Förderschwerpunkte Lernen und Sozial-Emotionale Entwicklung. Im Winter 2023 schloss sie den Master of Education ab und wurde dann drei Semester an der RPTU Landau als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, bevor sie weiter in den Vorbereitungsdienst für das Förderschullehramt in Rheinland-Pfalz startete. Diesen absolviert sie zurzeit mit ihrer zum Schulhund ausgebildeten Hündin an einer Schwerpunkt-Realschule Plus.
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3. Forschungsmethodik


Im folgenden Kapitel soll ein Überblick über die angewandte Forschungsmethode der Beobachtung erfolgen. Hierbei soll detaillierter auf das methodische Vorgehen, die angewandten Gütekriterien und die Datenerhebung eingegangen werden.

Des Weiteren wird die Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring beschrieben. Hierfür sollen prägende Begriffe definiert und das Vorgehen erläutert werden. Dabei soll an verschiedenen Stellen immer wieder Bezug zur Forschung dieser Arbeit genommen werden.

3.1 Beobachtung


Auf Grundlage der zu beantwortenden Forschungsfrage bietet sich eine qualitative Forschungsmethodik an, da so die Sprache der Schüler*innen im Raum Klassenraum und im Raum Pausenhof wahrheitsgemäß und uneingeschränkt beobachtet werden kann.

Das Forschungsinteresse besteht darin, die Forschungsfrage „Wie gestaltet sich die Sprache der Schüler*innen im Raum Klassenraum und Raum Pausenhof hinsichtlich der pragmalinguistischen Theorie des Gesichtsbedrohenden Aktes?“ zu beantworten.

Um das Verhalten, in dem Fall die Verwendung der Sprache durch die Schüler*innen, möglichst genau zu beschreiben, empfiehlt sich die Forschungsmethode der qualitativen Beobachtung. Hierbei soll die Sprache der Schüler*innen jeweils im Raum Klassenraum und Raum Pausenhof aufgezeichnet und wortwörtlich transkribiert werden, sodass ein zu analysierendes Textkorpus konstruiert werden kann. Dieses soll qualitativ hinsichtlich des Gesichtsbedrohenden Akts untersucht werden. Des Weiteren soll zusätzlich quantitativ festgestellt werden, welche verschiedenen Akte innerhalb der Sprache Anwendung finden und inwiefern sie sich zum Raum Klassenraum und Raum Pausenhof unterscheiden. Generell erweist es sich aber auch als schwierig bezüglich der Beobachtung eine trennscharfe Linie zwischen einer qualitativen und quantitativen Methode zu ziehen.

Zentral für das wissenschaftliche Beobachtungsverfahren ist, dass die Datenerhebung durch die sinnliche Wahrnehmung des Beobachters*der Beobachterin erfolgt (vgl. Müller, David & Straatmann 2011, S. 316). Innerhalb dieser soll der Fokus auf der sinnlichen Wahrnehmung des Hörens liegen. Die Forschungsmethode ermöglicht so eine direkte Wahrnehmung und wissenschaftliche Zielgerichtetheit (vgl. ebd.). Die Fremdbeobachtung erfolgt nichtteilnehmend-offen. Dies ermöglicht dem Beobachter*der Beobachterin aktiv am Geschehen teilzunehmen (vgl. Hug & Poscheschnik 2015, S. 115). Die beobachtende Person befindet sich folglich im selben räumlichen und zeitlichen Umweltbereich, wie auch die Beobachtungspersonen (vgl. ebd., S. 115f.). Die Erhebungsart der Daten erfolgt sowohl als Primärbeobachtung als auch als Sekundärbeobachtung. Dies bedeutet, dass die Beobachtungen „direkt während des Geschehens am Entstehungsort erhoben werden“ (Müller, David & Straatmann 2011, S. 324). Zusätzlich wird parallel zur Primärbeobachtung eine Tonaufnahme gestartet, welche unabhängig von Ort und Zeit inspiziert werden kann. Dadurch soll eine detaillierte Sekundärbeobachtung, folglich eine höhere Nachvollziehbarkeit, sowie die Vollständigkeit der Beobachtung sichergestellt werden (vgl. ebd., S. 324f.).

Des Weiteren ist es wichtig, dass die Rolle des Beobachters*der Beobachterin bekannt ist (vgl. Hug & Poscheschnik 2015, S. 115f.). Innerhalb dieser Forschung soll die beobachtende Person als Beobachterin9 den zu beobachtenden Personen vorgestellt werden, jedoch ohne auf die Forschungsfrage einzugehen, da sonst Daten der Forschung verfälscht werden könnten. Zusätzlich ist zu beachten, dass es durch diesen Beobachterstatus zu dem Phänomen der Reaktivität kommen kann (vgl. ebd.). Dies bedeutet, dass das „Wissen, beobachtet zu werden, […] das Verhalten der beobachteten Personen [verändern kann].“ (ebd., hinzufüg. F.M.). Dies ist ausdrücklich zu berücksichtigen, da so die gesamte Forschung beeinträchtigt oder gar verfälscht werden kann. Hinsichtlich der Forschung würde sich eine nichtteilnehmend-verdeckte Beobachtung besser eignen. Jedoch wirft dieser Beobachtungsstatus ethische Fragen auf und kann aufgrund dessen an der Forschungsschule nicht umgesetzt werden.

Das Beobachtungsfeld umfasst innerhalb der Forschungsschule die Schüler*innen einer dritten Klasse während des Unterrichtsgeschehens im Raum Klassenraum und während des Pausengeschehens im Raum Pausenhof. Dabei wird ein Textkorpus erstellt, welches keine Rückschlüsse auf Geschlecht oder personenbezogene Merkmale ziehen lässt. Gegenstand der Forschung ist folglich nur die gesprochene Sprache in den zu untersuchenden Räumen.

Eine reine quantitative Forschungsmethode des Fragebogens bietet sich hinsichtlich der Forschungsfrage nicht an, da so die Antworten der Schüler*innen eingegrenzt und vorweggenommen werden würden. Folglich würde der Wahrheitsgehalt der Daten verändert und ausschließlich aus den Theorien und Hypothesen abgeleitet werden. Des Weiteren würde sich auch nicht die qualitative Methode des Interviews anbieten, da es sich für die Schüler*innen im Nachhinein als schwierig erweist, sich wahrheitsgemäß an jegliche Aussagen und Gespräche in verschiedenen Räumen zu erinnern und in einem Interview wiederzugeben.

3.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring


In der empirischen Sozialforschung wird die Qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode von Daten verwendet und ist von der Quantitativen Forschungsmethode zu unterscheiden. (vgl. Mayring 2019, o.S.). Der Begriff Qualitative Inhaltsanalyse weist jedoch zahlreiche Hinweise darauf, dass eine „Dichotomisierung qualitativer versus quantitativer Forschungsmethoden unbegründet und nicht zielführend sei“ (Mayring 2015, S. 17). Folglich wäre es in vielerlei Hinsicht adäquater von einer „qualitativ-orientierten Inhaltsanalyse“ (ebd.) zu sprechen. Demzufolge wird die Qualitative Inhaltsanalyse „innerhalb der Mixed-Methods-Ansätze als hybrider Ansatz (Qualitatives und Quantitatives gleichzeitig verwendet)“ (Mayring 2015, S. 17.) eingeordnet. Jedoch kann eine Qualitative Inhaltsanalyse auch ohne die Methode der Quantifizierung angewendet werden (vgl. ebd.). Zusammenfassend definiert der Begriff „ein strukturiertes, qualitatives Verfahren zur Auswertung textbasierter Daten“ (Ruhr-Universität Bochum) und ist so geprägt durch das regeleitete und feste Vorgehen einer Inhaltsanalyse.

Mayring (2015) beschreibt die Besonderheit einer sozialwissenschaftlichen Inhaltsanalyse in sechs Punkten. Zum einen hat die Inhaltsanalyse „Kommunikation zum Gegenstand, als die Übertragung von Symbolen“ (Mayring 2015, S. 12). Dabei handelt es sich vor allem um Sprache, aber auch Musik, Bilder oder Ähnliches können Gegenstand einer Inhaltsanalyse sein (vgl. ebd.). Der zweite Punkt beschreibt die symbolische Form, in welcher der Untersuchungsgegenstand vorzuliegen hat. „Der Gegenstand der Analyse ist somit fixierte Kommunikation.“ (Mayring 2015, S. 12.). Weiter wird das Vorgehen nach den Inhaltsanalytiker*innen als systematisch beschrieben und von hermeneutischen Verfahren abgegrenzt, bzw. weiterentwickelt (vgl. ebd., S. 12f.). Demzufolge zeigt sich das systematische Vorgehen darin, dass „die Analyse nach expliziten Regeln abläuft (zumindest ablaufen soll). Diese Regelgeleitetheit ermöglicht es, dass auch andere die Analyse verstehen, nachvollziehen und überprüfen können.“ (ebd., S. 13). Des Weiteren impliziert das systematische Vorgehen einen theoriegeleiteten Vorgang der Inhaltsanalyse. Dies bedeutet, dass das zu erforschende Material unter einer theoretisch ausgewiesenen Fragestellung analysiert wird und die Ergebnisse hinsichtlich des theoretischen Hintergrunds interpretiert werden. Schlussendlich ist es das Ziel einer Inhaltsanalyse, Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen. (vgl. ebd.) Kritisiert wird jedoch, dass nicht jede Inhaltsanalyse Kommunikation zum Forschungsgegenstand hat, weswegen der Begriff als problematisch empfunden wird. Vorgeschlagen wird daher der weitere Begriff kategoriengeleitete Textanalyse. (vgl. Mayring 2015, S. 13)

Im Zentrum des Auswertungsprozesses einer Qualitativen Inhaltsanalyse steht das systematische Erschließen von Textmaterial (vgl. Ruhr-Universität Bochum). Dabei liegt der Schwerpunkt der Erschließung in einer qualitativen Interpretation der Daten, auch wenn quantifizierende Auswertungsverfahren unterstützend angewandt werden können.“ (ebd.). Mayring definiert diesbezüglich drei zentrale Grundformen, um das Textmaterial strukturell zu erfassen (vgl. Mayring 2015, S. 66). Zum einen nennt er die Zusammenfassung. Ziel dieser Analyse ist es, „das Material so zu reduzieren, dass die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben“ (Mayring 2015, S. 66). Dabei soll durch die Methode der Abstraktion ein Korpus erstellt werden, welches weiterhin ein Abbild des Grundmaterials darstellt (vgl. ebd.). Unter dem Begriff Explikation definiert Mayring das Herantragen zusätzlichen Materials an Textstellen, welche als schwer verständlich oder fraglich interpretiert werden. Diesbezüglich soll das Verständnis erweitert werden, sodass die Textstelle erläutert, erklärt oder eindeutiger definiert werden kann....



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