Moser | Pflege mit Herz | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Moser Pflege mit Herz

Teil 1, Aufbruch
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-5242-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Teil 1, Aufbruch

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-7487-5242-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Moritz und Mario, zwei Krankenpfleger beschließen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Sie gründen einen privaten Pflegedienst. Mit der Hilfe von Arbeitskolleginnen und zweier Ärzte aus der Klinik, gelingt es ihnen recht schnell, einen florierenden Pflegedienst zu etablieren. Was sie mit den Kunden in deren persönlichem Umfeld erleben fordert sie oft mehr heraus, als die Arbeit in der Klinik, wo die zwei Pfleger jahrelang im Operationssaal gearbeitet haben. Es entwickeln sich sehr persönliche Beziehungen zu ihren Kunden. Zum Teil sehr lustige Erlebnisse, aber auch traurige Ereignisse prägen ihren Alltag. Ihre persönliche, homosexuelle Beziehung wird dabei oft auf eine harte Probe gestellt. Gerd Moser, geboren 1955 in Offenburg / Schwarzwald, arbeitete selbst Jahrzehnte als Altenpfleger und weiß genau, wovon er schreibt. Viele Jahre war er als Stations- und Pflegedienstleiter in verschiedenen Heimen tätig. 1992 bis 1996 gründete und führte er einen Pflegedienst und verarbeitet nun viele der Erfahrungen in seinen verschiedenen Büchern.

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„Mein Mann und ich waren in ganz Europa unterwegs. Asien war damals noch touristisch unerschlossen. Das kam erst, als das Fliegen für den kleinen Mann bezahlbar wurde. Ich würde so gerne mal wieder einige Tage nach Paris, vielleicht auch nach Barcelona. Aber ich denke, mit dem Flieger nach Barcelona ist viel schwieriger, als mit dem Zug nach Paris. Mit dem Thalys ist man in wenigen Stunden in Paris und Bahnfahren ist sehr bequem.“ Sie saß mit der Strumpfhose in der Hand auf dem Bettrand und schaute vor sich hinträumend aus dem Fenster, in den herrlich blauen Himmel. Sie schreckte richtig zusammen, als sie die Stimme von Tom vernahm. „Was hindert sie daran, auf Reisen zu gehen?“ Für Tom war selbstverständlich, dass auch Tante Gerda in ihrem rüstigen Zustand noch reisen konnte. „Wenn ich jemanden hätte, der mich begleitet, würde ich lieber heute als morgen fahren. Aber alle halten mich für bekloppt.“ Tante Gerda schob die Gedanken zur Seite und wollte sich jetzt nicht wieder mit ihren Träumereien befassen. „So ist es, wenn man älter wird. Keiner nimmt einem noch richtig ernst. Dann träumt man still vor sich hin.“ Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Mundwinkel. „Wir werden sehen. Die Zeit wird es zeigen.“ Damit beendete sie das Thema und kehrte zu den täglichen Begebenheiten zurück. Tom hatte das Frühstück vorbereitet, als Tante Gerda aus dem Badezimmer kam. Er nahm sich eine Tasse Kaffee und setzte sich zu der alten Dame an den Küchentisch. „Zu Weihnachten machen wir eine kleine Feier mit allen Kunden. Sie kommen doch bestimmt auch. Sie können ihre Nichte gerne mitbringen.“ Eigentlich war es Katjas Aufgabe, diese Infos an Tante Gerda weiterzugeben, da Tom sie nur für einige Tage vertrat. Aber das sahen die Mitarbeiter untereinander nicht so eng. „Ich komme bestimmt. Ob ich meine Nichte mitbringe, weiß ich noch nicht. Die ist derzeit sehr rätselhaft und verhält sich mir gegenüber etwas seltsam“, antwortete die alte Frau nachdenklich. „Wie, seltsam?“, fragte Tom vorsichtig nach. „Nun denn, auf Reisen will sie nicht mit mir gehen und meine Wohnung interessiert sie auch nicht besonders“, gab Tante Gerda zur Antwort. „Das verstehe ich jetzt nicht.“ Tom nahm einen Schluck aus seiner Tasse und sah der lieben Tante Gerda in die grauen Augen. Diese schaute zurück, ohne den Blick zu senken. „Neulich habe ich sie mal gefragt, was sie von den ganzen Möbeln und dem Geschirr später mal erben möchte. Es wird Zeit, dass ich ein Testament mache. Da gibt es noch andere Nichten und Neffen. Die kommen zwar nur ganz selten oder rufen eben mal an, aber Sabine ist nicht die einzige Verwandte.“ „Interessant und für was hat sie sich entschieden?“ Davon wusste im Pflegedienst niemand etwas. Alle waren bisher davon ausgegangen, dass Sabine die einzige Verwandte sei. „Entschieden ist gut. Sagt die doch zu mir, und das wörtlich: Mit dem alten Krempel kann keiner mehr etwas anfangen. Das muss alles entsorgt werden.“ Tante Gerda war ganz außer sich. „Stell dir vor, Junge, das ist mein ganzes Leben, was hier steht, hängt und liegt. Und die bezeichnet das einfach als alten Krempel. Das hat mich sehr getroffen. Hätte sie gesagt, das Bild im Wohnzimmer ist schön, oder sie hätte gerne Geld, dann wäre das völlig in Ordnung gewesen. Aber alles was mein Mann und ich uns im Verlauf eines langen, gemeinsamen Lebens angeschafft haben, als Krempel abzutun, das hat mich tief getroffen. Ihr werde ich im Testament bestimmt nichts vermachen. Sabine weiß auch nicht, was ich an Geld habe, sonst wäre sie bestimmt nicht so dumm gewesen.“ Sie atmete tief durch, um sich wieder etwas zu beruhigen. „Das kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich da – und das zurecht,- aufgeregt haben. Wie sagen sie immer? Die Zeit wird es zeigen.“ Tom gab ihr völlig Recht. „Ja, das ist einer meiner Lieblingssprüche und er stimmt immer: Die Zeit wird es zeigen.“ Herzhaft biss sie ins belegte Brötchen. Tom trank den letzten Schluck Kaffee. „Leider muss ich gehen. Ich könnte noch Stunden bei ihnen sitzen und reden, aber die Pflicht ruft.“ Er packte die Tasse in die Spülmaschine. „Bis morgen“, winkte er beim Verlassen der Küche der netten, alten Dame zu. Diese nickte nur und ließ sich nicht weiter beim Frühstück stören.

„Was ziehe ich ihnen denn heute an? Es ist ein ganz besonderer Tag, wenn man 99 Jahre wird.“ Heike stand vor dem vollen Kleiderschrank von Frau May und hatte die Qual der Wahl. Die alte Dame fummelte sich das Hörgerät ins Ohr, welches sie sich vom Nachttisch genommen hatte. „Ja, meine Liebe, da hast du Recht. Nicht jeder kann den hundertsten Geburtstag feiern.“ Frau May strahlte heute ganz besonders. „Sie werden aber erst 99, noch keine hundert“, erwiderte Heike. „Ich werde 99, feiere aber meinen 100. Geburtstag.“ Die alte Lady behaarte auf ihrer Aussage. „Muss ich das verstehen?“, fragte die Schwester und suchte weiter nach einem passenden Kleid im Schrank. Sie nahm ein schlichtes, beiges Kleid mit weit geschnittener Jacke aus dem Schrank. „Was halten sie davon? Das sieht bestimmt gut aus.“ Sie hielt den Bügel hoch, an welchem das Kleidungsstück hing. „Das hatte ich schon lange nicht mehr an. Wenn es nicht zu groß geworden ist, ziehe ich das gerne an.“ Sie probierten ein Kleidungsstück nach dem anderen. Die eine Hälfte der Kleidung war zu groß, die andere passte, erschien Frau May aber nicht dem Tag angemessen. „Ich habe meiner Nichte gesagt, dass wir unbedingt einkaufen gehen sollten, aber die hat ja nie Zeit. Ich denke, wir nehmen das hellblaue Kleid. Das hat Ärmel, die weit genug sind und durch die silberne Marmorierung des Stoffes sieht es vornehmer aus, als es eigentlich ist. Das habe ich vor Jahren günstig im Schlussverkauf erstanden.“ Frau May war mit ihrer Wahl zufrieden, Heike auch. „Jetzt aber nochmals zu meinem 100. Geburtstag. Rein rechnerisch ist doch der Tag der Geburt der 1. Geburtstag, richtig?“ Frau May sah Heike an und wartete auf eine Bestätigung. „Stimmt, aber deshalb sind sie heute noch keine 100 Jahre alt“, widerlegte Heike diese These mit Bestimmtheit. Sie räumte die Kleidung, welche sie nach der Anprobe einfach aufs Bett gelegt hatte, zurück in den Schrank. „Kindchen, räum die alten Klamotten, die doch alle zu groß sind, nicht wieder in den Schrank. Die werfen wir lieber gleich weg.“ „Gerne, aber heute fangen wir bestimmt nicht an, den Schrank zu räumen. Das machen wir nächste Woche, wenn etwas mehr Zeit ist.“ Heike räumte weiter die Kleidung in den Schrank. „Wenn der Tag der Geburt der erste Geburtstag ist, dann ist am Ende des ersten Lebensjahres bereits der 2. Geburtstag“, kehrte Frau May übergangslos wieder zu ihrer Theorie zurück. „Habe ich Recht?“ Mit einem listigen Lächeln sah sie Heike an. „Da muss ich ihnen Recht geben“, stimmt diese zu. „Also habe ich heute meinen 100.Geburtstag. Ich habe zwar erst 99 Lebensjahre hinter mir, feiere aber heute den 100.Geburtstag. Sollte ich diesen Tag im nächsten Jahr nochmals erleben dürfen, feiere ich gerne erneut den 100.“ Nun leuchtete auch Heike diese Logik ein. „Jetzt ziehe ich ihnen zunächst den Hausanzug an. Gegen halb zwei bin ich bei ihnen und helfe ihnen beim Umziehen. Ist das in Ordnung?“ Heike packte die letzten Kleidungsstücke in den Schrank und hängte das ausgewählte Kleid an den Haken der Schlafzimmertür. „Nein, sie brauchen nicht extra zu kommen. Meine Nichte kommt um 12 Uhr. Die kann mir helfen. Soll auch was tun für das Geld, welches sie später mal erbt.“ Frau May lachte. „Sie braucht ja nicht mehr sooo lange darauf zu warten. Mit 99 Jahren habe ich vermutlich die längste Zeit gelebt.“ Nachdenklich brach sie ab und saß still auf der Kante des Bettes. „Was geht ihnen durch den Kopf?“, fragte Heike leise und legte ihre Hand sacht auf die Schulter der alten Frau. „Das einzige, was ich mir wünsche..., ich weiß nicht, ob wünschen das richtige Wort ist“, sie überlegte einen Moment. „Doch, was ich mir wünsche, dass ich morgens aufwache und merke, dass ich tot bin. Hört sich komisch an. Damit will ich eigentlich ausdrücken, dass ich am liebsten tot umfallen möchte. Weißt du,“ sie rutschte ins Du, obwohl sie sonst immer großen Wert auf das Sie legte, „das Schlimmste für mich wäre, wenn ich noch Wochen oder Monate als Pflegefall vor mich hindämmern müsste. Dann lieber mit einem Paukenschlag und weg. Kannst du mich verstehen?“ „Das kann ich sehr gut verstehen und das wünscht sich vermutlich jeder. Jetzt sollten wir aber das Thema wechseln. Sie feiern heute Geburtstag. Der 100. Ehrentag ist nicht dazu da, um an...



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