Morlar / Marks / Vandis | Dorian Hunter 56 - Das schwarze Grimoire | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 56, 280 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

Morlar / Marks / Vandis Dorian Hunter 56 - Das schwarze Grimoire


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-056-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 56, 280 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

ISBN: 978-3-95572-056-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



In Hongkong spürt der Dämonenkiller Dorian Hunter dem 'schwarzen Grimoire' nach - einem Zauberbuch, mit dessen Hilfe angeblich Tote zum Leben erweckt werden können. Aber auch die Schwarze Familie ist hinter dem Buch her! Zur selben Zeit erhält Coco Zamis die Nachricht, dass in Wien ein Familiengrab geschändet und die Leichen gestohlen wurden. Besteht zwischen dem Leichenraub und der Jagd auf das Grimoire ein Zusammenhang? Der 56. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 229: 'Das schwarze Grimoire' 230: 'Das Pestbalg' 231: 'In den Knochenkammern von Wien'

Morlar / Marks / Vandis Dorian Hunter 56 - Das schwarze Grimoire jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Das schwarze Grimoire

von Peter Morlar

1. Kapitel


Hongkong Cemetery

Keiner der dreißig jungen Menschen, die sich im Kellergewölbe der Krypta versammelt hatten, ahnte, dass einige von ihnen den nächsten Tag nicht erleben würden.

Sie feierten, als gäbe es kein Morgen mehr. Ausgelassen, wild und ekstatisch. Der Alkohol floss in Strömen und vertrieb die letzten Hemmungen. Es zählte nur der Augenblick. Der Tod war für sie kein Thema.

Nicht an diesem Abend.

Nicht in dieser Nacht.

Er schien meilenweit entfernt.

Und doch streckte er bereits seine knöchernen Klauen nach ihnen aus …

Die Stimmung näherte sich dem Siedepunkt. Aus fast mannshohen Lautsprechern, die neben steinernen, mit bunten Scheinwerfern bestückten Sarkophagen in allen vier Ecken der unterirdischen Gruft aufgebaut waren, drang überlaute Musik. Rock, Pop, Synthie – die internationalen Charts rauf und runter. Der Discjockey, ein schmächtiger Chinese mit widerspenstigen Haaren und auf den Rücken gedrehter Schirmmütze verstand sein Handwerk. Virtuos wirbelte er das Vinyl über die Plattenteller, mixte gekonnt einen Hit mit dem nächsten, erschuf ein endloses Medley, und mit jedem Song zog er das Tempo an. Hämmernde Beats und wummernde Bässe ließen – durch die Steinwände verstärkt – selbst den massiven Marmorboden vibrieren und trieben die sechzehn leicht bekleideten Frauen und die dreizehn sichtlich wohlhabenden Männer dazu an, sich ausgelassen im Rhythmus der Musik zu bewegen.

Auch Françoise Dupont hatte sich unter die Massen gemischt. Die französische Journalistin hatte sich spontan entschlossen, John Lis Einladung anzunehmen. Dabei hielt sie sich eigentlich aus einem ganz anderen Grund in Hongkong auf. Sie wollte einen Artikel über die »Neumanichäer« schreiben – eine mysteriöse religiöse Gruppierung, die seit einigen Monaten in Hongkong von sich reden machte. Es gab Gerüchte, dass diese Neumanichäer düstere, grausame Rituale vollzogen und den Teufel anbeteten. Noch gab es keine handfesten Informationen, was das Thema aus journalistischer Sicht umso interessanter machte.

Françoise ließ den Blick über die tanzende Menge schweifen. Einige der Besucher waren offenbar Gothic-Fans und trugen schwarze Gewänder und Masken. Françoise bekam eine Gänsehaut, während sie die Maskierten beobachtete …

»Das ist total abgefahren«, rief sie ihrem Nachbarn zu, einem untersetzten Chinesen Mitte der dreißig, der ein Cocktailglas in der Hand hielt und gar nicht zu bemerken schien, dass die Hälfte des Getränks durch seinen unbeholfenen Tanzstil bereits auf dem Seidenhemd gelandet war.

»Abge… was?«, schrie der zurück.

»Die Party«, ergänzte Françoise und nahm einen Schluck von ihrem Cocktail, einem im Licht der Neonröhren giftig blau leuchtenden Swimming Pool. »Ich hab noch nie auf einem Friedhof gefeiert. Und in einer Krypta schon gar nicht.«

»Einmal ist immer das erste Mal«, entgegnete der Mann, dessen Augen einen verdächtig glasigen Schimmer aufwiesen. Was auch immer der Typ zusätzlich zum Cocktail eingeworfen hatte, schien ihn richtig in Fahrt zu bringen. Er packte zwei Mädchen, die über die Tanzfläche wirbelten, und kam mit den beiden im Schlepptau auf Françoise zu. Sein debiles Grinsen wurde immer breiter, als er schwankend vor ihr stehen blieb und ihr ungeniert ins Dekolleté starrte. »Na, ihr drei Hübschen. Seid ihr zum ersten Mal hier?«

Er versuchte ihre Brust zu berühren, aber sie schlug seine Hand zur Seite und blickte sich Hilfe suchend um. Wo um alles in der Welt steckten John Li, ihr Begleiter, durch den sie erst auf diese Insider-Party aufmerksam geworden war, und dessen Freundin Sue Ying?

»He, was ist mit dir? Hast du etwa keine Lust?«

Sie entzog sich der Aufmerksamkeit des Betrunkenen, der sich sofort auf seine anderen beiden Trophäen konzentrierte. Françoise ließ den Blick über die zuckenden Leiber auf der Tanzfläche schweifen. Aber sie konnte weder John noch Sue unter ihnen entdecken.

»He, zier dich nicht so, Süße!«

Der Angetrunkene war wieder da, ergriff ihre Schulter, versuchte, sie herumzudrehen. »Gefällt es dir hier?«

»Ja, sicher«, sagte Françoise apathisch und unterdrückte den Widerwillen, der sie überkam, als sie die schweißnassen Finger des Kerls auf ihrer Haut spürte. Die beiden anderen Frauen nutzten die Gelegenheit, um sich aus dem Staub zu machen. Der Typ bemerkte es nicht einmal.

»Ich heiße Trang. Phu Trang«, krächzte er und betonte seinen Namen so, als wäre es ein Sakrileg, ihn nicht zu kennen. »Ich bin ein hohes Tier an der Börse. Kaufen und verkaufen. Zehn Millionen hier, zwanzig Millionen da. US-Dollar, versteht sich. Peanuts für mich.« Er schnippte mit Daumen und Zeigefinger.

»Dann gehört der feuerrote Testarossa am Eingang des Friedhofs bestimmt Ihnen.«

Trang grinste überheblich. »Ist nur mein Zweitwagen. Der erste befindet sich gerade in der Werkstatt.«

»War wohl ein billiger Japan-Import«, entgegnete die Französin kühl.

Das Grinsen im Gesicht des Chinesen gefror, doch dann brach er in schallendes Gelächter aus. »Du gefällst mir, Kleine. Hast du auch einen Namen?«

»Françoise Dupont. Ich bin Reporterin.«

»Dem Akzent nach kommst du aus Frankreich.«

»Sie sind ein Blitzmerker.«

»Was für ein Zufall. Ich liebe nämlich Französisch. Nur mit der Sprache hapert es noch.« Er lachte grunzend.

Arschloch.

Françoise entwand sich seinem Griff.

Doch Trang schien sie nicht so schnell gehen lassen zu wollen. »Hey, nicht so schnell. Ich spüre, du hast heißes Blut in den Adern.«

»Lassen Sie mich sofort los.«

»Erst, wenn du mir einen Kuss gibst.«

Sie verpasste ihm eine Ohrfeige, dass seine Wange rot anlief.

»Jetzt stell dich nicht so an«, knurrte der Chinese. »Ich weiß genau, dass du scharf auf mich …«

»Gibt es vielleicht irgendein Problem?«

Sowohl Françoise als auch Trang wandten die Köpfe ruckartig dem Sprecher zu, der wie ein Phantom aus dem Nichts aufgetaucht war.

Ein erleichtertes Lächeln glitt über Françoises Gesicht. »John, endlich. Ich hab dich schon überall gesucht.«

John Li gab dem alkoholisierten Mann mit dem Kinn einen Wink. »Ich glaube, du hast für heute genug, Trang. Françoise ist in meiner Begleitung hier. Such dir gefälligst jemand anderen.«

»Ich hab sie zuerst …«

»Du wirst sie auf der Stelle loslassen und verschwinden.« Johns Stimme war um keinen Deut lauter geworden. Und doch schwang eine unterschwellige Drohung darin mit, die den Chinesen sichtlich aufhorchen ließ. »Ich wiederhole mich nicht gerne, Trang. Verpiss dich.«

Françoise hielt den Atem an, denn einen Moment lang schien es, als wollte sich der stiernackige Asiate auf John Li stürzen. Doch dann durchlief ein Ruck Trangs massige Gestalt. Er stieß die junge Französin wütend von sich, dass sie unsanft in Johns Armen landete, machte auf dem Absatz kehrt und verließ wutschnaubend die Krypta, sich rücksichtslos seinen Weg durch die tanzenden Menschen bahnend, von denen einige ihm erzürnte Kommentare hinterherriefen.

»Der Idiot wird sich wohl nie ändern.« John wandte sich achselzuckend an Françoise. »Alles in Ordnung mit dir?«

Die junge Französin strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn und nickte dankbar. Ihr Blick und der Johns trafen sich flüchtig. Sie spürte, wie ihre Wangen heiß wurden. Warum zum Teufel machte dieser Mann sie nur so nervös? Lag es an dem markanten, braun gebrannten Gesicht mit den dunklen, leicht geschlitzten Augen, den kurz geschnittenen, modisch gestylten schwarzen Haaren, der sportlichen Figur? War es sein Charisma, das Vibrieren seiner sonoren Stimme, der Duft seines Aftershaves? Oder war es die Kombination von alledem, die John Li, den Chinesen britischer Abstammung, für sie so unwiderstehlich machte?

»Wo ist Sue?«, fragte Françoise hastig, um ihre Verlegenheit zu überspielen.

Hoffentlich hatte John es nicht bemerkt, und wenn, so ließ er es sich wenigstens nicht anmerken. Er war eben ein Gentleman durch und durch, eine weitere Eigenschaft, die sie an ihm schätzte.

»An der Bar«, sagte er, »wenn man den Sarkophag, auf dem die Spirituosen stehen, so bezeichnen möchte. Sie mixt sich gerade einen Cocktail.«

»Ich hab euch vorhin gar nicht gesehen.«

»Wir waren draußen.«

»Ah. Verstehe.«

John ergriff sanft ihre Schultern. Sie erschauerte unter der Berührung.

»Es ist nicht, wie du denkst. Wir waren nur ein wenig frische Luft schnappen.«

»So nennt man das jetzt«, zog sie ihn auf.

»Wenn ich es dir doch sage! Sue und ich sind einfach gute Freunde. Nichts weiter.«

Es scheint ihm wichtig zu sein, dass ich ihm glaube, dachte Françoise. Offensichtlich gefalle ich ihm.

»Ich kenne Sue schon seit einer halben …«

»Redet ihr gerade von mir?«

John Li verschluckte den Rest des Satzes. Direkt neben seiner hochgewachsenen, durchtrainierten Gestalt war eine junge Frau aufgetaucht, deren schwarzes Kleid sich wie eine zweite Haut über ihren makellos geformten Körper spannte. Wohlgerundete Hüften, eine schmale Taille, runde, große, aber sichtbar feste Brüste und elfenbeinfarbene Schultern, die in einen schlanken Hals übergingen, auf dem ein fast puppenhaftes Gesicht mit Stupsnase, geschwungenen Lippen und dunklen, ausdrucksstarken Augen saß. Glatte,...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.