E-Book, Deutsch, Band 3, 247 Seiten
Reihe: Die Younger´s Family Saga
Morland All I Want Is You
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96797-248-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 247 Seiten
Reihe: Die Younger´s Family Saga
ISBN: 978-3-96797-248-1
Verlag: MORE by Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Phin Younger lebt für seine Karriere - Gefühle sind für ihn nur Ballast. Doch als Emily Lassiter ihn bittet, ihren Bruder zu verteidigen, gerät sein geordnetes Leben ins Wanken. Sie ist wunderschön, stark und kämpft wie eine Löwin für Josh, der vor dem Abgrund steht.
Emily hat ihre Modelkarriere hinter sich gelassen und tut alles, um Josh zu schützen. Phin ist ihre einzige Hoffnung - doch sie hätte nie erwartet, dass der Anwalt so attraktiv und unwiderstehlich ist. Eine einzige Berührung entfacht ein Verlangen, das beide nicht ignorieren können. Doch als ein Rivale droht, Phins Karriere zu zerstören, steht plötzlich alles auf dem Spiel. Gehen sie auf Abstand - oder kämpfen sie gemeinsam für ihre Zukunft?
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Kapitel eins
Mit einem tiefen Seufzen blickte Emily Lassiter auf die Uhr an der Wand des The Dine in Five und wollte am liebsten gleich noch einmal seufzen. Vom Stehen den ganzen Nachmittag und Abend taten ihr die Füße weh, und ihre Schicht dauerte noch zwei Stunden.
Normalerweise ging ihre Schicht als Kellnerin immer schnell vorbei, aber heute Abend kamen kaum Gäste, was bedeutete, dass nicht besonders viel zu tun war. Ihr Boss Lawrence hatte bereits zwei andere Kellnerinnen nach Hause geschickt. Emily war nur froh, dass sie heute Abend arbeiten konnte – sie brauchte das Geld echt dringend.
»Die Gäste an deinem Tisch wollen mehr Ketchup«, sagte Lawrence, als er im Flur an ihr vorbeiging. Lawrence war ein Mann im mittleren Alter, verheiratet und Vater von drei Kindern, und seit Emily vor zwei Jahren diesen Job bekommen hatte, war er eine Art Vaterfigur für sie. Als er ihr blasses Gesicht sah, fragte er: »Alles okay, Kleine?«
Emily zwang sich zu einem Lächeln. »Alles gut. Ketchup, sagtest du? Ich hole welchen.«
Lawrence sah aus, als würde er ihr nicht glauben, aber zum Glück klingelte sein Handy und lenkte ihn von ihr ab. Emily ging in die Küche und holte eine volle Ketchupflasche.
An dem fraglichen Tisch saßen vier Typen, die etwa in Emilys Alter waren – vier Typen, die sie schon seit dem Moment begafften, als sie deren Bestellungen aufgenommen hatte. Männliche Aufmerksamkeit war Emily nicht fremd, und sie liebte und hasste sie zugleich, aus verschiedenen Gründen. Sie hasste es, weil Männer dazu neigten, nur ein hübsches Gesicht zu sehen und sonst nichts. Und sie liebte es, weil es ihr Türen geöffnet hatte, um Model zu werden. Leider hatten die paar Jahre als Model nirgendwohin geführt, und nun war sie hier, arbeitete als Kellnerin und kratzte mühsam das Geld zusammen, um sich und ihren jüngeren Bruder Josh durchzubringen.
»Bitte sehr«, sagte sie und stellte die Ketchupflasche auf den Tisch. »Braucht ihr sonst noch was?«
Ein Typ mit kurz rasiertem Haar und Grübchen am Kinn beäugte sie von oben bis unten. Emily hielt sich davon ab, die Arme zu verschränken, als sein Blick auf ihren Brüsten verweilte.
»Arbeitest du schon lange hier?«, fragte er. »Habe dich hier noch nie gesehen.«
Emily konnte sich gerade so davon abhalten, die Augen zu verdrehen. »Schon ein paar Jahre. Guten Appetit euch.«
Sie war versucht, Lawrence von den Kerlen zu erzählen, aber sie hatte es satt, zu ihm zu laufen, wann immer ein männlicher Gast sie anmachte. Manchmal gab sie sich selbst die Schuld an deren Aufmerksamkeit. Hatte sie zu viel gelächelt? Irgendeinen Hinweis gegeben, dass sie interessiert sei? Sie achtete immer darauf, höflich und freundlich zu sein, nicht mehr, dennoch nagten immer wieder Zweifel an ihr.
Da ihre Kunden jetzt mit Essen beschäftigt waren, ging sie hinaus in die kühle Nachtluft, um Pause zu machen. Obwohl es Juli war in Portland, wurden die Nächte manchmal kühl, und Emily wünschte, sie hätte ihren Pulli übergezogen, bevor sie hinausgegangen war.
Aber die Kälte verschwand schnell aus ihren Gedanken, als sie am Handy nachrechnete, wie viel sie heute Abend schon verdient hatte, und es zu den bisherigen Einnahmen der Woche addierte. Dass heute Abend so wenig lief, bedeutete, dass sie deutlich weniger Trinkgeld machen würde, und als sie die jämmerliche Gesamtsumme auf dem Rechner ihres Handys sah, war ihr zum Weinen zumute. Sie war jetzt schon auf dünnem Eis mit ihrem Vermieter. Die letzten drei Monate hatte sie die Miete zu spät bezahlt, und er hatte sie gewarnt, wenn es ein viertes Mal passierte, würde er sie und Josh zwangsräumen lassen.
Das war das Letzte, was sie oder Josh gebrauchen konnten. Ihr jüngerer Bruder, eben erst sechzehn Jahre alt geworden, war sowohl die Liebe ihres Lebens als auch der Fluch ihrer Existenz. Nach dem Tod ihrer Mutter vor neun Jahren – ihr Vater starb schon, als Josh noch ein Baby gewesen war – war Emily mehr eine Mutter für ihren Bruder geworden als eine Schwester. Josh war ein lieber, schüchterner Junge gewesen, der sich für nicht viel mehr interessierte als dafür, Züge zu bauen. Doch im letzten Jahr war er nicht nur in die Höhe geschossen, sondern hatte sich auch mit einer Gruppe Jungs eingelassen, die ihm bisher nichts als Probleme bescherten.
Inzwischen war ihr lieber kleiner Bruder zu einem wütenden Teenager geworden, der die Schule schwänzte, trank und sich weigerte, irgendetwas von dem zu tun, was Emily ihm sagte. Erst heute Morgen hatte sie einen Anruf von seiner Highschool bekommen und erfahren, dass er praktisch in allen Fächern außer Sport auf der Kippe stand. Wenn er nicht etwas unternahm, um seine Noten zu verbessern, würde er die elfte Klasse wiederholen müssen.
Emily rieb sich die Schläfen. Angesichts der Tatsache, dass auch sie die Highschool nicht abgeschlossen hatte, konnte sie ihrem Bruder nicht einmal bei seinen Schulnoten helfen. Sie konnte kaum richtig lesen, obwohl sie ihr Bestes gab, das vor aller Welt zu verheimlichen, sogar vor Josh.
Sie konnte immer noch diese Fotos für Landon machen, ihren Ex-Freund. Landon hatte ihr ein hübsches Sümmchen versprochen, wenn sie Nacktfotos für ihn machen würde. Emily hatte immer abgelehnt, nicht, weil sie es an sich für falsch hielt, nackt zu posieren, sondern weil das nicht die Art von modeln war, die ihr vorschwebte. Sie zog es vor, Kleider zu präsentieren, nicht ihren Körper. Und überhaupt war für ein Kleid oder ein Top ein anderes Können nötig als dafür, alles zur Schau zu stellen, was Gott ihr gegeben hatte.
Doch genau jetzt war sie versucht, Landons Angebot anzunehmen. Was spielte es denn auch für eine Rolle? Sie brauchte das Geld, Landon hatte das Geld, und es wäre schnell verdientes Geld.
Und doch zögerte sie. Vielleicht war sie deshalb dumm, aber lieber war sie dumm, als gegen ihre eigenen Prinzipien zu verstoßen. Mit einem bitteren Lächeln wurde ihr klar, dass ein Mensch seine Prinzipien nur so lange hochhalten konnte, bis der Hunger zu groß wurde, um sich noch darum zu scheren.
Emily atmete tief durch, dann noch einmal, um sich wieder zu sammeln. Sie durfte jetzt nicht zusammenbrechen. Sie musste weiter lächeln, damit sie gutes Trinkgeld bekam. Und wenn sie in etwas gut war, dann darin, anderen Menschen mit ihrem hübschen Lächeln und ihrer melodischen Stimme ein angenehmes Gefühl zu geben.
Sie ging zurück in den Diner, räumte Teller ab und brachte den vier Kerlen die Rechnung. Sie hoffte, der Typ mit dem raspelkurzen Haar würde aufhören, sie nach ihrer Nummer zu fragen, aber als sie mit den Belegen zur Unterschrift wiederkam, meinte er: »Hast du einen Freund? Weil wenn nicht, solltest du mir deine Nummer geben.«
In seinem Atem konnte sie den Alkohol riechen, als er sich zu ihr lehnte. Sie trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. »Bin schon vergeben«, log sie. »Tut mir leid.«
Sie hatte die Erfahrung gemacht, dass Männer sie eher in Ruhe ließen, wenn sie behauptete, bereits vergeben zu sein. Als wäre sie ein Gegenstand, den schon jemand anders für sich reserviert hatte. Es wurmte sie, doch das war immer noch besser als Kerle, die sie ständig anbaggerten.
Aber Raspeltyp ließ sich nicht so einfach vertreiben. »Ich sehe gar keinen Ring«, meinte er, und sein Grinsen wurde anzüglich. »Komm schon, Süße. Ich habe doch bemerkt, wie du mich angeschaut hast. Spiel nicht die Dumme bei mir.«
»Ich bin vergeben«, wiederholte sie entschlossener. »Ich wünsche euch allen einen schönen Abend.« Sie sagte die Worte in ihrem kältesten Tonfall, so dass jeder mit auch nur einem Gramm Hirnzellen erkennen konnte, dass sie es ernst meinte.
Der Typ mit Raspelschnitt machte ein finsteres Gesicht. »Schlampe«, brummte er. »So hübsch bist du sowieso nicht.«
Emily hatte schon jede Beleidigung unter der Sonne gehört. Sie ignorierte den Typen einfach und konzentrierte sich auf den neuen Tisch mit Gästen, zum Glück alles Frauen.
Später sammelte sie die Kassenbelege vom Tisch der Kerle ein, und als sie sie öffnete, sah sie, dass alle vier ihr keinen Cent Trinkgeld hinterlassen hatten. Auf dem Kassenbeleg des Raspeltypen stand in der Zeile dafür: Kein Trinkgeld für Zicken. Sie brauchte lange, um...




