E-Book, Deutsch, 251 Seiten
Morgan Geliebter Feind
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7438-2778-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Highlander
E-Book, Deutsch, 251 Seiten
ISBN: 978-3-7438-2778-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Aufgrund einer Reihe von unglücklichen Umständen gerät Seònaid Keith in das Lager des feindlichen Clans Gunn. Einst hatte ein Keith eine Frau von den Gunns entführt, die sich in ihrer Verzweiflung daraufhin das Leben genommen hat. Seither schwelt der Hass zwischen den Clans und jede Frau des Clan Keith warnt ihre Töchter, sich ja vor den Gunns fernzuhalten. Info: 'Die Sehnsucht des Highlanders' gibt es dauerhaft gratis.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Die Attacke
Anfang Juli 1478 im Norden der schottischen Highlands auf Dirlot Castle Seònaids Vater, der Chieftain des Clans Keith, hob feierlich seinen hölzernen Ale-Humpen an. Er war ein hochgewachsener Mann in den besten Jahren mit langen, schwarzen Locken und mächtigen Muskeln. »Auf unseren Sieg, darauf, dass der Chieftain der Gunns und seine Söhne heute ihr elendes Leben auf den Knien ausgehaucht haben!« Seine tiefe Stimme dröhnte durch die Halle von Dirlot Castle, das seinem Freund Alexander Sutherland gehörte. Seònaid saß unweit von ihm in ihr schlichtes Gewand und ein violett-grün-kariertes Plaid gehüllt. Auch sie stieß mit ihrem Vater, ihrem Bruder Will, Sutherland und all den anderen an. Die blutige Fehde mit den blutrünstigen Barbaren hatte nun hoffentlich endlich ein Ende gefunden. Zu viele Tote hatte es gegeben, zu viele Witwen, Waisen und weinende Mütter. Plötzlich vernahm Seònaid ein leises Surren, woraufhin eine Gänsehaut ihren Körper überzog. Al sie den Pfeil erblickte, war es längst zu spät. Dicht sauste er an dem Schlossherrn Alexander Sutherland vorüber und schlug mittig in die Brust ihres Vaters ein. Ungläubig starrte er auf den Schaft des Pfeiles, wovon aus sich ein Blutfleck auf seinem Hemd rasch vergrößerte. Seine Hand griff danach, erschlaffte jedoch, der Bierkrug entglitt seiner anderen Hand. Blut spritzte über den Tisch, auf die Teller, über die Speisen, an die Wand und rann von dort herunter. Sein Blick erlosch, der schwere Leib stürzte seitlich von der Bank und krachte fast noch schneller als der Krug auf den Steinboden. Alles geschah innerhalb weniger Augenblicke. Schäumend breitete sich das Ale aus und vermischte sich mit der immer größer werdenden Blutlache. Kupfrig-süßer Geruch erfüllte die Luft und ließ Seònaid übel werden. Sie schrie auf, zutiefst entsetzt über diesen hinterhältigen Mord an ihrem Vater. Schock ließ ihren Leib erbeben. Sie spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich, während ihr Herz raste. Es bestand kein Zweifel: Gilbert Keith war tot. Dennoch wollte Seònaid sich der Panik nicht ergeben, sie kämpfte erbittert darum, einen klaren Kopf zu bewahren. Sie ergriff die neben ihr sitzende und immer noch hysterisch kreischende Verlobte ihres Vaters am Arm und zog sie und Sutherlands illegitimen fünfjährigen Sohn Iain mit sich unter den Tisch, außerhalb der Reichweite möglicher weiterer Pfeile. Der Schütze konnte sich schließlich noch in der Nähe befinden. Hass loderte in ihr auf. Wenn jemand heute noch sein Leben lassen musste, so sollte das dieser hinterhältige Bogenschütze sein, wer auch immer er war. Die blonde Lìosa zitterte am ganzen Leib und lamentierte um ihren toten Verlobten, während der kleine Iain weinte. Seònaid barg seinen bebenden Leib in ihren Armen und streichelte beruhigend über sein blondes Köpfchen. Sutherland, ihr Bruder Will und die anderen Männer stürzten derweil in Richtung der Tür. Die Deckung kurzzeitig aufzugeben, war zwar gefährlich, aber leider notwendig, wenn sie draußen gegen den Feind kämpfen wollten. Es war ohnehin erstaunlich, dass der Schütze trotz der Wachen und der unwegsamen Umgebung so weit gekommen war. Bisher hatte Seònaid keinen weiteren Pfeil einschlagen hören, doch konnte sie sich auch täuschen. Außerdem war alles so verdammt schnell gegangen. »Bleibt dort unten, bis wir die Umgebung gesichert haben«, vernahm sie Wills Stimme. »Ich weiß nicht, wie das passieren konnte. Die Burg ist doch so gut gesichert«, sagte der Burgherr Alexander Sutherland, der zugleich der illegitime Sohn des legendären Grafen von Sutherland war. Seònaid kämpfte nach wie vor gegen die Übelkeit an. Aus dem Augenwinkel sah sie die Leiche ihres Vaters in der Blutlache liegen. Rasch wandte sie den Blick ab. Gewiss erkaltete sie bereits. Es war ein einziger Albtraum. Sie hörte, wie die Männer im Vorraum zu den Waffen griffen. In den Highlands nahm man aus Höflichkeit nur den Sgian Dubh, den verborgenen schwarzen Dolch, mit zu Tisch. Tränen liefen über ihre Wangen, sie zitterte am ganzen Leib. Nirgendwo war man sicher. Es konnte heute zu Ende sein, morgen oder noch während desselben Atemzugs. Träge rannen die Minuten dahin. »Oh Gott! Oh nein! Ist er tot? Wir sollten mal nachsehen.« Gilberts ehemalige Verlobte war vollkommen verstört. Ihre Stimme bebte. Tränen brannten auch in Seònaids Augen; sie blinzelte sie weg. Jetzt war keine Zeit dafür. Sie brauchte all ihre Sinne beisammen. »Niemand lebt, nachdem ein Pfeil sein Herz durchbohrt hat«, sagte der zur Tür hereinlugende Alexander Sutherland trocken, während sein Sohn Iain sich weinend an Seònaids linkem Arm festklammerte. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass er wieder zurück war, was sie alarmierte. Aber bei dem lauten Schluchzen, das die Frau neben ihr abgab, war es kein Wunder, dass sie ihn nicht gehört hatte. Ein kalter Schauder überlief ihren Rücken, wenn sie daran dachte, dass ein Mörder sich ihr ebenso hätte anschleichen können. Ob der Attentäter auch Frauen und Kinder töten würde? Es war nicht auszuschließen. Jemand, der aus dem Hinterhalt tötete, war entweder sehr verzweifelt oder überaus skrupellos. Auf jeden Fall war solch einer Person alles zuzutrauen. Sutherland strich sich durchs rotbraune Haar. »Wir haben die Umgebung übrigens inzwischen gesichert. Es tut mir sehr leid für dich und deine Familie.« Trotz der tröstenden Worte klang seine Stimme so emotionslos wie immer. Nur Zorn kannte sie bisweilen als Ausdruck seiner Gefühle, aber sie hatte Sutherland noch nie gemocht und das mit gutem Grund. »Wer steckt hinter dem Anschlag? Könnten es die Gunns gewesen sein?«, fragte Seònaid. »Ich dachte nämlich, sie wären besiegt, da man der Schlange den Kopf abgeschlagen hat. Aber vielleicht handelt es sich um einen Vergeltungsschlag ihrer Leute.« Das war das Erste, was Seònaid in den Kopf gekommen war, einfach weil der zeitliche Zusammenhang bestand. Das musste allerdings nichts bedeuten. »Die Gunns besiegt?«, vernahm sie die Stimme eines der Krieger von draußen. »Halts Maul!«, herrschte Sutherland ihn wütend an, bevor er sich Seònaid zuwandte. »Es ist durchaus möglich, dass diese Hunde dahinterstecken. Wenn sie es waren, dann sind sie elende Feiglinge, denn sie wurden in einem ehrenvollen Kampf besiegt zehn Mann gegen zehn Mann jeweils zu Pferde. Aber wir können uns nicht sicher sein, solange wir diesen hinterhältigen Schützen nicht gefasst haben. Wenn ich mich nicht täusche, lag dein Vater mit dem Clan Irvine in Fehde?« Ihr Bruder William drängte sich an ihm vorbei und betrat den Raum. Seònaid nickte. »Soweit ich weiß schon. Der Pfeil könnte auch für Euch vorgesehen gewesen sein. Er flog ganz knapp an Euch vorüber.« Sutherland fuhr sich mit der Hand durchs Haar. »Der Gedanke ist mir ebenfalls gekommen. Den miesen Mackays traue ich solch eine Schandtat durchaus zu.« Sutherland hatte aufgrund seiner aggressiven Art recht viele Feinde. Nicht umsonst nannte man ihn den Roten Ritter, wohl des Blutes wegen, das er bereits vergossen hatte. William, der sich über die Leiche ihres Vaters beugte, schüttelte den Kopf. »Nay, das war kein Versehen. Hier war eindeutig ein außerordentlich befähigter Schütze zugange, denn er hat aufgrund des Grabens gar nicht so nahe an die Burg herankommen können, sonst hätten wir uns den Burschen nämlich schnappen können. Der Pfeil war für meinen Vater vorgesehen gewesen. Gewiss waren es die elenden Gunns. Keiner weiß, dass wir heute hier sind. Wahrscheinlich hat einer dieser Schurken beobachtet, wie wir in diese Richtung abgezogen sind.« Er wirkte betroffen. Also hatte einer vom Clan Gunn für den Tod seines Chieftains und dessen Söhne bitterliche Rache genommen. Der Clan war jetzt praktisch führungslos, bis sie einen Nachfolger gewählt hatten. Vielleicht gedachte der Schütze gar, dass ihm aufgrund seiner Tat die anderen Clansmitglieder hold sein würden, wenn der neue Chieftain gewählt wurde. Mit Abscheu im Blick betrachtete Sutherland seinen kleinen Sohn in Seònaids Armen. »Es gibt nichts Schlimmeres als Feiglinge. Das ist so verweichlicht.« »Das sehe ich nicht so«, sagte Seònaid, da sie diese Aussage nicht nur angesichts seines zarten Alters für unangebracht hielt. Offenbar vernahm er ihre Worte nicht mehr, denn er stürmte wieder hinaus. Kurz schloss William, der noch immer neben der Leiche seines Vaters hockte, die Augen. Sein Gesicht war kalkweiß. So erschüttert hatte sie ihren Bruder noch nie gesehen. Einige Momente später öffnete er die Augen wieder. Dann begegnete sein gequälter Blick dem Seònaids. »Bring das Kind oben in seinen Raum und begib dich dann in dein Gemach. Dort ist es sicherer« Ihr Herz klopfte noch schneller vor Panik. »Du glaubst, sie schaffen es, hier einzudringen? Sutherland sagte doch, die Gegend wäre gesichert.« »Aye, es stimmt, wir haben niemanden gesehen, doch...




