Sendeformen und Gestaltungsprinzipien
E-Book, Deutsch, 196 Seiten, eBook
Reihe: Musik und Medien
ISBN: 978-3-531-91905-8
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Dr. Peter Moormann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Musikwissenschaft der Freien Universität Berlin im DFG-Sonderforschungsbereich 'Kulturen des Performativen'.
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;6
2;Vorwort;8
3;Musik im Medienkorsett – Der Eurovision Song Contest zwischen Kompositionswettbewerb und Fernsehereignis;12
3.1;1 Einleitung;12
3.2;2 Der erste Eurovision Song Contest (ESC);13
3.3;3 Vorbild San-Remo-Festival;14
3.4;4 Kein Interpreten-, ein Autorenwettbewerb;15
3.5;5 Kampf dem Kommerz;16
3.6;6 Das Gesicht wahren;17
3.7;7 Der Schlüssel zum Erfolg des ESC – die Wertung;19
3.8;8 Vom Kompositions- zum Länderwettbewerb;20
3.9;9 Die Daumenschrauben des Reglements;21
3.10;10 National-kulturelle Repräsentation;23
3.11;11 Neuere Entwicklungen;25
3.12;12 Ausblick;27
3.13;Literatur;28
4;Volks- und Schlagermusiksendungen: Ein Quotengarant;30
4.1;1 Einleitung;30
4.2;2 Historischer Abriss;31
4.3;3 Sendekonzepte;36
4.4;4 Moderierter Jugendwahn?;45
4.5;5 Zusammenfassung;45
4.6;Literatur;46
4.7;Internetquellen;47
5;Musikcastingshows;48
5.1;1 Einleitung;48
5.2;2 Musikcastingshows – eine (kommerzielle) Erfolgsgeschichte;49
5.3;3 Popstars;51
5.4;4 Deutschland sucht den Superstar (DSDS);54
5.5;5 Weitere Musikcastingshows;58
5.6;6 Erfolgsfaktoren und Erfolgsrezepte, oder: Erfolg – aber, um welchen Preis?;60
5.7;7 Fazit;64
5.8;Literatur;65
6;Die Musikdokumentation. Typologische Bemerkungen;68
6.1;1 Prämissen;68
6.2;2 Experten;69
6.3;3 Bebilderung von Musik;71
6.4;4 Backstage;76
6.5;5 Biografik;77
6.6;6 Magie des Werks;79
6.7;7 Musik als soziales Medium;81
6.8;8 Ausblick;82
7;Subtile Manipulation? Zur Musikgestaltung von Politikmagazinen1;84
7.1;1 Zum Redaktionsalltag bei der Musikauswahl;84
7.2;2 Funktionen der Musik in Politikmagazinen;86
7.3;3 Beispielanalysen;87
7.4;4 Forschungsergebnisse;89
7.5;5 Aktuelle Tendenzen und Probleme;89
7.6;Literatur;91
7.7;Internetquellen;91
8;Musik in fiktionalen Fernsehformaten;92
8.1;1 Einleitung;92
8.2;2 Entscheidungsträger, Gestalter und Einflüsse;93
8.3;3 Temp-Tracks;96
8.4;4 Entstehungsschritte einer Auftragskomposition für fiktionales Fernsehen;97
8.5;5 Technologische Veränderungen in der Musikproduktion;100
8.6;6 Arbeiten mit Songs;101
8.7;7 Die weiteren Tonebenen in fiktionalen Fernsehformaten;103
8.8;8 Ausblick;105
8.9;Literatur;105
9;Die zarteste Versuchung, wenn’s um Geld geht. Musik in der Fernsehwerbung;106
9.1;1 Einleitung;106
9.2;2 Quellen für Werbemusik;109
9.3;3 Einsatzformen von Musik in der Fernsehwerbung;113
9.4;4 Wirkung von Werbemusik;123
9.5;5 Fazit und Ausblick;130
9.6;Literatur;132
9.7;Internetquellen;135
10;Der Musikclip im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit;136
10.1;1 Einleitung;136
10.2;2 Mainstream;138
10.3;3 Exkurs: die Musik macht das Video;140
10.4;4 Arthaus;140
10.5;5 Zukunft;144
10.6;Literatur;145
10.7;Internetquellen;146
11;Im Dialog mit der Musik. Ästhetische Kategorien der Konzertaufzeichnung;147
11.1;1 Einleitung;147
11.2;2 Die Partitur;147
11.3;3 Fernseh-ABC;148
11.4;4 Die musikalische Erzählung;149
11.5;5 Raum und Publikum;150
11.6;6 Einschränkungen und Probleme;151
11.7;7 Konzepte;152
11.8;8 Neue Perspektiven? – Die „Digital Concert Hall“;152
12;Der singende Mensch vor der Kamera – Notizen zum Opernfilm;155
12.1;(1965);164
12.2;(1974);166
12.3;(1975);168
12.4;(1979);171
12.5;(1982);175
12.6;(1990);178
12.7;(2001);181
12.8;Literatur;183
13;Autorenverzeichnis;184
13.1;Michael Beyer;184
13.2;Michael Custodis;184
13.3;Jörg Gerle;184
13.4;Thomas Koebner;185
13.5;Hansjörg Kohli;185
13.6;Martin Lücke;185
13.7;Peter Moormann;185
13.8;Holger Schramm;186
13.9;Stefan Strötgen;186
13.10;Irving Wolther;186
14;Namensregister;188
15;Sachregister;193
16;Register der Sendungen und Reihen;195
Musik im Medienkorsett –Der Eurovision Song Contest zwischen Kompositionswettbewerb und Fernsehereignis.- Volks- und Schlagermusiksendungen: Ein Quotengarant.- Musikcastingshows.- Die Musikdokumentation. Typologische Bemerkungen.- Subtile Manipulation? Zur Musikgestaltung von Politikmagazinen.- Musik in fiktionalen Fernsehformaten.- Die zarteste Versuchung, wenn’s um Geld geht. Musik in der Fernsehwerbung.- Der Musikclip im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit.- Im Dialog mit der Musik. Ästhetische Kategorien der Konzertaufzeichnung.- Der singende Mensch vor der Kamera –Notizen zum Opernfilm.
Im Dialog mit der Musik. Ästhetische Kategorien der Konzertaufzeichnung (S. 147-148)
Michael Beyer
1 Einleitung
Gibt es ein allgemein gültiges Rezept, nach dem sich Fernsehaufzeichnungen von klassischen Konzerten anfertigen lassen? Sicherlich nicht, sonst würden nicht immer noch gelegentlich wenig befriedigende oder schlichtweg verunglückte Produktionen über den Bildschirm flimmern. Zudem gehen erfolgreiche Umsetzungen oft unterschiedliche Wege und belegen so, dass es nicht nur eine stimmige Bildlösung einer Partitur gibt. Bildregie beim klassischen Konzert ist also Interpretation und kein technischer Vorgang.
Interpretation ist aber keine Willkür, sondern bedarf, wie die Interpretation in der Musik selbst, klarer handwerklicher, technischer und ästhetischer Parameter. Hier soll nicht der Versuch unternommen werden, den zahlreichen, oft überflüssigen theoretisch-wissenschaftlichen Analysen zu diesem Thema eine weitere hinzuzufügen. Die folgenden Überlegungen sind aus der Praxis entstanden: aus der Partituranalyse und der Probenarbeit im Saal, aus dem Austausch mit Kameraleuten, Dirigenten und Musikern.
2 Die Partitur
Ein Regisseur, der sich eine Partitur erarbeitet, bewegt sich im Spannungsfeld von musikalisch sinnvoller und visuell sinnvoller Bildführung. Die Basis der Bildregie, das kann nicht oft genug betont werden, ist die Partituranalyse. Ein Regisseur muss in der Lage sein, eine Orchesterpartitur zu lesen und zu analysieren. Dabei ist die Frage, welches Instrument gerade die Hauptstimme spielt (und ob sie ins Bild gesetzt werden soll oder nicht) nur ein oberflächlicher Gesichtspunkt.
Ebenso wichtig ist das rhythmisch-metrische Element: der Puls und die Periodik des Stücks. Bildmontage ist wie Musik selbst eine Zeitkunst und verhält sich zum Orchester gewissermaßen wie ein Schlagzeuger zur Band: sie kann einen Rhythmus kreieren, kann verdichten und entspannen. Der Rhythmus der Bilder kann sich an den Puls des Stücks anpassen, aber auch einen Kontrapunkt bilden. In jedem Fall muss er sich aber zur Musik bewusst verhalten. (Natürlich sind für diesen „Zeit“-Gesichtspunkt der Bildsprache nicht nur die gedruckte Partitur wichtig, sondern auch die Tempi des Dirigenten: Seine Definition der musikalischen Zeit bestimmt den Rhythmus der Bilder.)
Wichtig für die Bildführung ist auch die dynamische Struktur der Partitur: zu den Lautstärkekontrasten zwischen pianissimo und fortissimo müssen sich die Bilder ebenso verhalten wie zu crescendi und decrescendi (An- und Abschwellen der Lautstärke). Auch die formale Struktur des zu analysierenden Werks muss berücksichtigt werden. Die Architektur einer Symphonie kann durch visuelle Analogien sichtbar gemacht werden. Besonderes Augenmerk verdienen immer rubati (Temposchwankungen), Übergänge und Tempowechsel:
Diese Momente großer Aufmerksamkeit und Intensität im Orchester müssen auch optisch herausgearbeitet werden. Welche konkreten Bildentscheidungen diesen musikalischen Kategorien Gerechtigkeit widerfahren lassen, ist schwer festzunageln. Also auch hier gibt es kein Rezept. Wie bei der Wiedergabe einer Partitur durch einen Musiker gibt es individuelle Lösungen und Wege.