E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Moore Liebeserwachen in Schottland
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-4622-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-4622-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Klopfenden Herzens sitzt Esme in der Kutsche, neben ihr Quintus MacLachlann - arrogant und ohne jeden Respekt vor Frauen. Doch wenn sie ihrem Bruder helfen will, muss sie die liebende Gattin des attraktiven Schotten spielen. Plötzlich merkt Esme, dass ihr das immer leichter fällt - hat sie sich etwa in den Lebemann verliebt?
Margaret Moore ist ein echtes Multitalent. Sie versuchte sich u.a. als Synchronschwimmerin, als Bogenschützin und lernte fechten und tanzen, bevor sie schließlich zum Schreiben kam. Seitdem hat sie zahlreiche Auszeichnungen für ihre gefühlvollen historischen Romane erhalten, die überwiegend im Mittelalter spielen und in viele Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt mit ihrem Mann, mit dem sie seit über 20 Jahren verheiratet ist, ihrer Familie und zwei Katzen in Toronto, Kanada.
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1. KAPITEL
London, März 1817
Esme McCallan ging ungeduldig im Anwaltsbüro in Staple Inn auf und ab. Hinter der geschlossenen Tür hörte sie die gedämpften Stimmen und Schritte der Klienten anderer Anwälte. Einige dieser Schritte klangen genauso schnell wie ihre eigenen, andere langsam und schlurfend und mutlos.
Ihr Bruder war nicht gekommen.
Esme hasste es, zu warten, was Jamie sehr wohl wusste. Und doch war es jetzt bereits fast halb vier an einem nassen, kühlen Nachmittag, und Jamie war nicht zu ihrem Treffen erschienen, obwohl er selbst diese Zeit festgelegt hatte. Es gab nur eins, was sie noch mehr aufbringen konnte, und …
Ausgerechnet das geschah jetzt auch.
Quintus MacLachlann kam in das Büro geschlendert, ohne auch nur höflichkeitshalber an die Tür zu klopfen. Natürlich hatte Esme ihn nicht gehört. Der Mann bewegte sich so lautlos wie eine Raubkatze.
Mit einer braunen Wolljacke, indigoblauer Weste, einem weißen Hemd, das er am Hals offen trug, und weiter heller Hose angetan, konnte man leicht denken, er sei ein Bauernsohn und verdiene sich seinen Lebensunterhalt mit dem Faustkampf. Nur seine Stimme und feudalherrschaftliche Selbstgefälligkeit ließen darauf schließen, er sei etwas anderes. In Wahrheit war er der in Ungnade gefallene, lasterhafte Sohn eines schottischen Edelmannes, der jedes Privileg vertan hatte, das ihm das Vermögen und die Stellung seiner Familie verschafften.
„Wo ist Jamie?“, fragte er mit jener Mischung aus Arroganz und Vertrautheit, die sie besonders ärgerlich fand.
„Ich weiß es nicht.“ Sie setzte sich auf den Rand des kleinen Stuhls mit der ovalen Rückenlehne, den ihr Bruder seinen Klienten zur Verfügung stellte. Esme glättete eine Falte ihrer dunkelbraunen Pelisse und schob ihren schlichten Hut um einen Hauch zur Seite, damit er genau in der Mitte ihres glatt gescheitelten braunen Haars lag.
„Das sieht ihm nicht ähnlich“, bemerkte MacLachlann unnötigerweise, während er sich an die Regale lehnte, die Jamies Gesetzbücher enthielten. „Hatte er einen Termin mit jemandem?“
„Ich weiß es nicht“, wiederholte sie und schalt sich insgeheim für ihre Unwissenheit. „Ich bin nicht über jeden Termin meines Bruders informiert.“
MacLachlanns sinnliche Lippen verzogen sich zu einem vermessenen Grinsen. Seine blauen Augen funkelten spöttisch. „Was denn, die Mutterhenne weiß nicht über jede einzelne Bewegung ihres Kükens Bescheid?“
„Ich bin nicht Jamies Mutter, und da Jamie ein erwachsener Mann ist und über einen klugen Verstand und Bildung verfügt, die er nicht verschwendet hat, führe ich nicht über jede seiner Bewegungen Buch.“
Ihre Worte hatten offensichtlich nicht die geringste Wirkung auf ihn, da er weiterhin lächelte. „Nein? Nun, jedenfalls ist er bei keiner Frau, es sei denn, sie wäre seine Klientin. Tagsüber gibt er sich niemals derlei Dingen hin.“
Esme presste die Lippen zusammen.
„Noch etwas also, das die Mutterhenne nicht weiß, was?“, zog er sie auf.
„Das Privatleben meines Bruders geht mich nichts an.“ Sie straffte die Schultern und bedachte MacLachlann mit einem verächtlichen Blick. „Wenn ich mich in all seine Angelegenheiten einmischen wollte, würde ich auch wissen, warum er es sich je hat einfallen lassen, einen Galgenstrick wie Sie einzustellen.“
In MacLachlanns blauen Augen erschien ein Leuchten ganz anderer Art. „Soll mich das verletzen, mein kleiner Honigkuchen?“ Er verstärkte seinen schottischen Akzent ein wenig und benutzte einen Kosenamen, den Esme von ganzem Herzen verabscheute. „Wenn ja, dann haben Sie Ihr Ziel völlig verfehlt. Ich bin schon auf eine Weise beleidigt worden, bei der Ihnen die Haare zu Berge stehen würden.“
Unbewusst ihr Haar berührend, wandte Esme sich von ihm ab und sah angestrengt aus dem Fenster, das auf den matschigen Hausgarten blickte, in dem noch wenig auf den Frühling hindeutete, ließ sich aber nicht dazu herab, MacLachlann zu antworten.
Sie musste unbedingt mit Jamie über MacLachlanns Unverschämtheit reden. Sollte er nicht bereit sein, sie mit dem gebührenden Respekt zu behandeln, so gab es gewiss noch andere Männer in London, die ebenso in der Lage waren, an Informationen zu kommen. Ihr Bruder brauchte nicht MacLachlann damit zu beauftragen, selbst wenn er auf dieselbe Schule gegangen war wie er.
Selbstzufrieden grinsend ging MacLachlann gelassenen Schrittes zum Schreibtisch und tippte mit dem Finger auf die Dokumente, die Esme dort hingelegt hatte. „Ich frage mich, was die Klienten Ihres Bruders sagen würden, wenn sie wüssten, dass seine Schwester im Grunde auch seine Partnerin in der Kanzlei ist? Dass es eine Frau ist, die die Verträge, Testamente und Überschreibungen aufsetzt und den größten Teil der Recherche für ihn erledigt?“
Esme sprang empört auf. „Ich helfe ihm lediglich dabei, den ersten Entwurf der Dokumente abzufassen und rechtliche Präzedenzfälle zu suchen. Jamie verfasst immer selbst die endgültigen Dokumente und überprüft alles, was ich tue. Wenn Sie es wagen sollten, etwas anderes zu sagen oder auch nur anzudeuten, werden wir Sie wegen übler Nachrede anzeigen. Nicht, dass Sie in der Lage sein würden, Schadensersatz zu zahlen.“
„Beruhigen Sie sich, Miss McCallan. Sie brauchen Ihr Gesetzbuch nicht zu bemühen“, erwiderte MacLachlann auf seine höchst herablassende Weise. „Ich werde niemandem von der Arbeit erzählen, die Sie für Ihren Bruder tun.“ Sein gewohnt spöttisches Lächeln verschwand für einen Moment. „Dafür schulde ich ihm zu viel.“
Aber was?, hätte sie ihn am liebsten gefragt. Jamie hatte ihr nie genau erklärt, wo er MacLachlann in London begegnet war. Er hatte damals einfach nur den offensichtlich betrunkenen Mann nach Hause gebracht, ihn im Gästezimmer untergebracht und ihm Arbeit als eine Art ermittelnden Partner gegeben. Selbstverständlich hatte Esme Fragen an ihn gehabt, von denen Jamie die meisten nicht hatte beantworten wollen. Er hatte nur zugegeben, dass MacLachlann schwere Zeiten durchgemacht und sich von seiner Familie entfremdet hatte. Erst später erfuhr sie aus zufällig belauschten Gesprächsfetzen zwischen den beiden Männern, dass MacLachlann seiner Familie durch seine nichtsnutzige Lebensweise Schande gemacht hatte.
Ebenso hatte sie herausgefunden, dieses Mal durch eigene Beobachtung, wie charmant er sein konnte, wenn er wollte, besonders zu Frauen, die sich daraufhin benahmen, als hätte er ihnen auf irgendeine Art den Verstand benebelt.
Auf sie selbst traf das natürlich nicht zu. Sie war viel zu wachsam und skeptisch, um sich von seinem seichten Charme einlullen zu lassen – wenn er je versucht hätte, das zu tun.
Sie blickte auf die vergoldete Uhr auf dem Kaminsims und sah, dass es nun bereits fast vier Uhr war.
„Wir sind recht ungeduldig, was?“, erkundigte er sich.
„Sie mögen ja nichts Besseres zu tun haben, als hier Ihre Zeit zu vertrödeln“, erwiderte sie und machte sich auf den Weg zur Tür, „ich hingegen sehr wohl. Guten Tag.“
„Was, Sie wollen mich hier ganz allein zurücklassen?“, fragte MacLachlann in gespielter Betroffenheit.
„Ja, und zwar mit Vergnügen“, fuhr sie ihn an, öffnete die Tür und stieß fast mit Jamie zusammen.
„Ah, hier seid ihr beide ja. Und noch nicht einander an die Kehle gegangen“, sagte ihr unpünktlicher Bruder lächelnd. Sein schottischer Akzent war heute etwas deutlicher, was Esme verriet, dass er trotz seiner offensichtlich guten Laune wegen etwas aufgebracht sein musste.
„Ich habe die Dokumente gebracht, die du wolltest“, sagte sie neugierig, aber nicht bereit, mit ihrem Bruder darüber zu sprechen, solange MacLachlann mit ihnen in einem Raum war. „Ich habe einen interessanten Präzedenzfall aus dem Jahr 1602 gefunden, in dem es um ein Schaf ging, dessen Besitzer …“
Jamie hängte seinen Hut an einen Haken neben der Tür. „Um Mrs Allens Klage kümmere ich mich morgen.“ Er fuhr sich mit der Hand durch das kurze braune Haar, während er um den zerkratzten uralten Schreibtisch herumging, den sie gebraucht gekauft hatten. „Ich danke dir natürlich, dass du mir die Papiere gebracht hast, aber es gibt da eine andere Angelegenheit, bei der ich sehr hoffe, dass ihr beide mir helfen werdet.“
Ein hastiger Blick in MacLachlanns Richtung zeigte ihr, dass er ebenso wenig darauf erpicht war, etwas mit ihr zu tun zu haben wie sie mit ihm.
„Setz dich, Esme, und lass mich erklären. Du auch, Quinn, wenn du so freundlich wärst.“
Hin und her gerissen zwischen Neugier und Furcht, tat Esme ihm den Gefallen. Wieder saß sie nur auf dem äußersten Rand des Stuhls, während MacLachlann auf einem nicht weniger kleinen ihr gegenüber Platz nahm und sich nach hinten lehnte, sodass das ganze Gewicht auf den beiden Hinterbeinen lag.
„Sie werden den Stuhl noch zerbrechen, wenn Sie sich weiter auf diese Weise nach hinten lehnen“, warf Esme ihm vor.
„Wollen wir wetten?“ Wieder dieses spöttische Lächeln, das sie so hasste.
Esme antwortete nicht.
„Ich habe euch hergebeten“, begann Jamie, als hätte keiner von beiden etwas gesagt, „weil ich eure Hilfe brauche in einer Sache, die juristischen Sachverstand und Diskretion verlangt … sowie die Notwendigkeit zur Täuschung.“
„Täuschung?“, wiederholte Esme beunruhigt.
„Sie werden doch wohl nicht so naiv sein und glauben,...




