E-Book, Deutsch, Band 3064, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Montillon / Schwartz Perry Rhodan 3064: Ferrol
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8453-6064-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Mythos"
E-Book, Deutsch, Band 3064, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6064-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Er wurde vorwärts durch die Zeit katapultiert und findet sich in einem Umfeld, das nicht nur Terra vergessen zu haben scheint, sondern in dem eine sogenannte Datensintflut fast alle historischen Dokumente entwertet hat. In der Milchstraße spielen die Cairaner eine maßgebliche Rolle; die Liga Freier Galaktiker und die Arkoniden sind nur noch von untergeordneter Bedeutung. Der unsterbliche Arkonide Atlan hat beschlossen, an dieser Situation etwas zu ändern. Vor allem versucht er dem Geheimnis des hermetisch abgeschlossenen Arkonsystems auf den Grund zu gehen, das nur noch als die 'Bleisphäre' bekannt ist. Perry Rhodan hat mittlerweile die Erde wiedergefunden - in einem Zwillingsuniversum, das mit unserem durch die sogenannte Zerozone verbunden ist. Dort befindet sich die Menschheit im Konflikt mit den Topsidern. Auf dem Weg zu Friedensverhandlungen macht Rhodan[...]' Auszug aus: Christian Montillon & Susan Schwartz. 'PR 3064 - Ferrol.
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1.
Die Wega
Perry Rhodan genoss es. Der Flug in einem Raumschiff, mit einer eingespielten Mannschaft, war ein Stück Normalität.
Er war nur Gast in der ORATIO ANDOLFI, aber das fühlte sich gut an. Seit seiner Ankunft im anderen Teil des Dyoversums hatte er Unterstützung gefunden – womöglich sogar Freunde. Er sah Ghizlane Madouni an, die Kommandantin des Flaggschiffs der hiesigen Liga.
Sie hatte ihren Platz auf dem Kommandantensessel eingenommen und wirkte ruhig und gelassen. Gerade lag die erste Linearetappe auf dem Weg ins Wegasystem hinter ihnen. Die LOOKOUT-Sonden der ANDOLFI schwärmten aus, um den umgebenden Linearraum zu kartografieren.
Das gehörte zu den markanten Unterschieden, was Reisen durch den Weltraum in den beiden Zweigen des Dyoversums anging: In jenem Zweig, in den es die Erde verschlagen hatte, wucherte ein Netz aus Hindernissen im Linearraum, das lapidar als Eisberge bezeichnet wurde, die zu allem Überfluss beweglich blieben und darum vor jeder Etappe neu aufgenommen werden mussten. Ganz zu schweigen davon, dass wegen der extrem erhöhten Hyperimpedanz eine Linearetappe mit dem neuesten Stand der terranischen Technologie höchstens über gerade einmal 25 Lichtjahre führte.
Die Reise zum Wegasystem erforderte deshalb einen Zwischenstopp, während dessen die Techniker und Piloten in fieberhafte Arbeit verfielen.
Als Kommandantin verließ sich Ghizlane voll auf ihre Offiziere; kein Wunder also, dass sie gelassen bleiben konnte. Rhodan kannte das gut – man musste seiner Mannschaft vertrauen, sonst ging man als Kommandant kaputt. Er hatte in den vergangenen Jahrtausenden auf zahllosen Schiffen Madounis Rolle ausgefüllt und genoss es, zurzeit keine Verantwortung zu tragen.
Zumindest nicht offiziell.
Hinter den Kulissen sah das völlig anders aus.
Eine Menge hing von ihm ab, und das nicht nur, weil es viele Menschen schlicht von ihm erwarteten – einfach aufgrund der Tatsache, dass er Perry Rhodan war. Die Topsider hatten außerdem seine Auslieferung gefordert, was Residentin Flaccu im Namen der Liga verweigert hatte. Das wiederum hatte einen Krieg im Solsystem entzündet, den Rhodan mit einem gigantischen Bluff beenden konnte.
Nun standen diplomatische Gespräche mit den Topsidern an – aber die Residentin wollte einen Zwischenstopp auf Ferrol einlegen, dem Planeten, dessen Ebenbild im heimischen Universum die Hauptwelt des Wegasystems bildete, die Heimat der Ferronen. In dieser Hälfte des Dyoversums jedoch war Ferrol bei der Entdeckung eine Welt ohne einheimische höher entwickelte Lebensform gewesen.
Die Zwillingsuniversen des Dyoversums glichen sich teilweise auf erstaunliche, geradezu unerklärliche Art, die nahelegte, dass es ein Geheimnis dahinter geben musste ... dann wieder unterschieden sie sich stark. Vor allem schien auf dieser Seite weit weniger intelligentes Leben zu existieren.
Den Sinn dieses geplanten Zwischenstopps kannte Perry Rhodan nicht, vertraute jedoch darauf, dass sich das bald änderte. Die Residentin hatte angekündigt, während der zweiten kurzen Linearetappe ein Gespräch führen zu wollen.
Rhodan saß auf dem ihm zugewiesenen, vor Abflug extra rasch montierten Gästeplatz am Rand der Zentrale. Sein Sitz stand nah beim Ausgang, direkt an einer schmucklos-metallischen Wand, am Ende der Reihe der verschiedenen Offiziersplätze, neben dem Kommunikationspult.
Dort hockte ein junger Mann, etwa 40 Jahre alt, mit schulterlangen hellbraunen Haaren, der sich als Franko Tueran vorgestellt hatte. Daraufhin hatte Rhodan ebenfalls seinen Namen genannt – die Reaktion darauf war ein stummes, schmallippiges Lächeln gewesen, gefolgt von einem »Ach ja?«
Seitdem warf Tueran ihm hin und wieder einen verstohlenen Blick zu, wenn er nicht gerade fieberhaft die diversen Holos im Auge behielt und Schaltflächen bearbeitete. Was immer er glaubte tun zu müssen in dieser Phase, in der es keinerlei Kontaktgespräche auf den offiziellen Schiffskanälen gab, weder intern noch nach außen.
Über seinen eigenen Armbandkommunikator erhielt Rhodan eine Funkanfrage. Er prüfte sie, sah, wer ihn zu erreichen versuchte, und nahm das Gespräch an.
»Kommandantin?«, sagte er und sah zugleich in ihre Richtung.
Sie nickte ihm zu. »Meine Leute haben alles im Griff. Die Techniker geben voraussichtlich in wenigen Minuten grünes Licht für die zweite Etappe. Die LOOKOUT-Sonden benötigen noch etwa eine Stunde, um die Vorgaben für eine sichere Passage durch den Linearraum zu gewährleisten, dann können die Piloten den besten Kurs berechnen.«
»Mit anderen Worten«, sagte Rhodan, »wir beide sind entbehrlich.«
»So hätte ich es nicht formuliert, aber ich verstehe deinen Gedankengang.« Man hörte das Schmunzeln in ihrer Stimme. »Allerdings würde ich uns bei aller gebotenen Bescheidenheit nicht als entbehrlich bezeichnen. Zumindest dich nicht. So eine unsterbliche Legende mag durchaus in der einen oder anderen Situation nützlich sein.«
Er mochte sie immer mehr und war froh, eine so kompetente und zugleich menschliche Person auf einem derart wichtigen Posten zu wissen. Kommandantin des Liga-Flaggschiffs – gerade in angespannten Zeiten wie diesen eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, die Können und Durchhaltevermögen verlangte.
»Wie kann ich dir helfen?«, fragte er.
»Die Residentin erwartet uns im Besprechungsraum.« Sie unterbrach die Verbindung.
Rhodan blickte auf und sah, wie sie aufstand und die wenigen Schritte zum Durchgang in das genannte Zimmer ging, der sich automatisch vor ihr öffnete. Er erhob sich ebenfalls.
»Wir sehen uns, Franko.«
»Äh ...«, hörte er noch, während er sich auf den Weg durch die Zentrale machte.
*
In dem kleinen Raum erwarteten ihn die beiden wohl mächtigsten Frauen der Liga – Kommandantin Ghizlane Madouni und Residentin Orfea Flaccu.
Neben den beiden stand ein gesetzter Herr mit grauen Haaren, Falten um den Mund und einer gut genährten Statur, die man gerade noch als Bäuchlein bezeichnen konnte. Zumindest, wenn man seine Mitmenschen gnädig beurteilte und positive Blicke auf sie warf.
Alle drei warteten vor einem wuchtigen, runden Schreibtisch und sahen ihm entgegen.
»Darf ich vorstellen?«, sagte Orfea Flaccu. »Dies ist Nevio Torwesten.« Ein kurzes Zögern, dann ergänzte sie mit einem Wink zu dem Neuankömmling: »Und das hier ist Perry Rhodan.«
»Das dachte ich mir«, meinte Torwesten. Der Blick seiner strahlend blauen Augen hatte fast etwas Hypnotisches. »Dein Gesicht ist wohlbekannt. Es hat deiner Popularität nicht geschadet, ein halbes Jahrtausend abwesend zu sein.«
Rhodan hob die Schultern. »Das kann Segen und Fluch sein.«
»Mein Vorschlag: Halten wir uns an den Segen.« Der grauhaarige Mann schmunzelte, und die Kerben um seinen Mund entpuppten sich als Lachfältchen. In seinen Augen schien die Sonne aufzugehen, doch nur für einen Augenblick, fast wie ein Schauspiel, dann kehrte der Ernst zurück. »Ich werde für Terra die diplomatischen Bemühungen auf dem Planeten der Yura leiten. Ist dir bereits das hiesige Sprichwort Da müssen wir wohl Neto fragen untergekommen?«
»Nein«, sagte Rhodan, leicht verwirrt.
»Es bezieht sich auf mich. Nevio Torwesten. Und das sage ich nicht, um anzugeben, sondern um dir klarzumachen, dass ich ebenfalls eine gewisse Popularität genieße. Zumindest in dieser Liga.«
»Und das kann Segen und Fluch sein, nicht wahr?«, fragte Rhodan.
Torwesten nickte. »Ich habe es mir nicht ausgesucht. Aber hart dafür gearbeitet.«
Rhodan wusste diese Äußerung nicht recht einzuschätzen. Er schwankte noch, ob er dem Diplomaten ein gutes Selbstbewusstsein oder leichte Egomanie unterstellen sollte. Die Zukunft musste es zeigen. Wahrscheinlich würden sie eine Zeit lang eng zusammenarbeiten, während die Gespräche mit den Topsidern im Beteigeuzesystem liefen.
»Nehmen wir erst einmal Platz«, schlug Ghizlane Madouni vor.
Wenig später saßen sie einander am Tisch gegenüber. In der Tischmitte öffnete sich eine Klappe, vier Gläser und zwei Karaffen – eine mit Wasser, eine mit einem bläulichen Saft – fuhren auf einem Tablett in die Höhe. Niemand bediente sich.
»Zur Gesamtlage«, sagte die Residentin. »Die Wega liegt mit 835 Lichtjahren Entfernung weit abseits des topsidischen Kerngebiets. Trotzdem hat das Sternengelege den neunten Planeten seit Langem für sich reklamiert. Was wir damals schmerzhaft spüren mussten, als wir das Wegasystem zum ersten Mal erreichten. Von der dortigen Patronatssonde wussten wir nichts, doch wenig später sind die Echsen über dem Mars aufgetaucht, um und zu verwarnen – der Ablauf der Dinge ist allseits bekannt. Es kam nicht zur Katastrophe, aber sie stand dicht bevor.
Seitdem gab es über Jahrhunderte eine einzige Abfolge diplomatischer Bemühungen, um das Konfliktpotenzial zwischen unseren beiden Völkern gering zu halten. Die jüngste Blüte – wenn wir das Desaster so bezeichnen wollen – bildete der Kampf im Solsystem, der dank Perry Rhodans Einsatz beigelegt werden konnte.«
Nevio Torwesten räusperte sich. »Derselbe Rhodan, übrigens, der durch sein Auftauchen überhaupt erst dafür gesorgt hat, dass es zu der Schlacht kam.«
»Ernsthaft?«, fragte Ghizlane Madouni. »Ist dir dieses Argument nicht zu billig?«
»Es ist weder billig noch teuer«, sagte der Diplomat gelassen. »Genau genommen, ist es nicht einmal ein Argument, sondern eine bloße Feststellung. Wirf mich nicht in einen...




