E-Book, Deutsch, Band 3051, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Montillon Perry Rhodan 3051: Luna
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-8453-6051-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Mythos"
E-Book, Deutsch, Band 3051, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6051-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Für die Menschen einer fernen Zukunft ist die Erde nicht mehr der 'kleine blaue Planet', von dem aus sie ins All aufgebrochen sind. Die Menschen verstehen sich - nach der lateinischen Bezeichnung ihrer Ursprungswelt - als Terraner, obwohl sie auf Tausenden Welten siedeln. Terra selbst wurde von unbekannter Macht vor Jahrhunderten gegen einen nahezu identischen Planeten ausgetauscht und ist seither verschwunden; mittlerweile gilt die Erde als Mythos. Doch Perry Rhodan und seine Gefährten haben die Hoffnung nicht aufgegeben, die ursprüngliche Heimat der Menschen wiederzufinden. Sie sind mit der RAS TSCHUBAI, einem riesigen Raumschiff, in die ferne Galaxis Ancaisin gereist. Dort hoffen sie, hinter das Geheimnis der verschwundenen Erde zu kommen. Im Jahr 2046 Neuer Galaktischer Zeitrechnung - es entspräche dem Jahr 5633 nach Christus - gibt es endlich eine klare Spur: Die Raumfahrer haben Zugang zur sogenannten Zerozone gefunden. Dahinter, so hoffen sie, verbergen sich die Erde und der Mond. Perry Rhodan landet in einem ungewöhnlichen Kosmos, wo neue Herausforderungen auf ihn warten und - vor allem - ein alter Bekannter: NATHAN auf LUNA?...
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2.
Ein Traumspiel (4)
So viele Erinnerungen wehen durch meinen Traum, der kein Traum ist. Sie sind der Grund, weshalb die Bilder nicht enden: Das, was geschehen ist, darf nicht im Vergessen versinken.
Etwas in mir ruft die Szenen der Vergangenheit vor mein Auge – obwohl ich keine Augen mehr habe, um zu sehen; kein Ohr, mit dem ich hören könnte, und doch rauscht der Lärm zu mir, tanzt selbst das leiseste Geräusch in meinen Verstand hinein.
Ich habe gesehen und gehört, geschmeckt und gefühlt, wie ich mit der ganzen Erde versetzt wurde und die extrem erhöhte Hyperimpedanz katastrophale Unfälle bewirkte. Wie einer dieser Unfälle mich zu Amalia führte. Wie die Menschheit mit der neuen STARDUST zum Wegasystem aufbrach und es tot und leer vorfand, was die Topsider auf den Plan rief und uns eine erste Ahnung verschaffte, welche Gefahren auf uns lauern.
Aber bei all dem sind die Bilder des Nicht-Traumes stets einem wichtigen Thema ausgewichen, das ebenfalls nicht im Dunkel des Vergessens versinken darf. Denn Terra ist nicht allein versetzt worden. Der Mond begleitet die Erde, wie es seine angestammte Pflicht ist.
Luna.
Und mit ihm NATHAN, der schläft, wie ich schlafe. Nur dass unser beider Schlaf kein Schlaf ist, sondern mehr als das, und dass der Tag kam, an dem das Mondgehirn erwachte, etwa ein Jahr vor der Begegnung mit den Topsidern und nur einen Tag nach der ersten Rede des Jathao Vanoth.
NATHAN erwachte?...
... und weinte.
*
Am 4. März 1626 Neuer Galaktischer Zeitrechnung, etwas mehr als zwölf Jahre nach der Versetzung, lief es wie ein Schock durch nahezu sämtliche Rechner auf Terra und Luna. Ein positronischer Aufschrei, der trotz seiner Intensität für jeden Menschen unhörbar verhallte. Roboter jedoch stellten für die Dauer einer Sekunde – einer rechnerischen Ewigkeit – ihre Arbeit ein, Systeme stürzten ab und starteten neu.
Homer G. Adams las in diesem Moment eines der alten Papierbücher seiner Sammlung – das Faksimile einer Erstausgabe eines Klassikers der Science-Fiction-Literatur, die sich damals gerade selbst erfunden hatte und bald von der Wirklichkeit überholt worden war.
Er hätte es nicht sofort mitbekommen, wenn der positronische Aufschrei nicht um 23.35 Uhr stattgefunden und wegen des Absturzes der Hauspositronik auch das Licht erloschen wäre. So legte er »Out of the Silent Planet«, den ersten Teil der »Perelandra«-Trilogie von C. S. Lewis, beiseite. Er stand auf und wollte sich gerade durch das dunkle Zimmer tasten, als die Lampe neben seinem Sessel bereits wieder ansprang.
»Was war das?«, fragte er.
»NATHAN ist erwacht«, meldete die Positronik. »Aufgrund der allgemeinen Vernetzung hat mich die Schockwelle kurzzeitig überfordert.«
»Schockwelle?«, hakte Adams nach, während er bereits darüber nachdachte, ob er mit der Residentin Gisso Appelles Kontakt aufnehmen sollte. NATHANS Erwachen nach zwölf Jahren war nicht mehr und nicht weniger als eine Sensation. Seines Wissens planten die Betreuer keine Aktion, um den lunaren Großrechner aus seiner Inaktivität zu wecken – was seit dem CEE etliche Male versucht worden war. Also war NATHAN wohl spontan erwacht.
»Der Schock der Trauer, die das Mondgehirn empfindet«, erklärte die Hauspositronik.
»Was ist mit NATHAN?«
»Er vermisst seine Tochter, die verschwunden ist.«
So also äußert sich die Trauer eines Rechners, dachte Adams. Oder vielleicht die auf eine reine Informationsebene heruntergebrochene Kopie eines echten Gefühls. »Du redest von YLA?«
»Kennt NATHAN denn ein anderes Kind als einzig das positronische Phantom?«, fragte die Maschine, und die Betonung klang ebenso pathetisch wie die Wortwahl. »YLA ist verloren!« Ein Hauch von Melancholie spielte in den Worten.
*
»NATHAN?«, fragte Adams wenige Stunden später. Er saß mit der Residentin in deren Hauptbüro im Solaren Haus. Die Verbindung mit dem Mondgehirn stand, sie hatten ein Gespräch mit höchster Priorität angemeldet.
»Du bist Homer G. Adams«, stellte NATHAN fest – eine geradezu triviale Aussage für den größten Rechner der Menschheit.
»Der bin ich«, sagte er. »Bei mir steht Gisso Appelles.« Natürlich wusste NATHAN das, denn er sah sie – es gab eine Bildverbindung.
»Sie ist die amtierende Residentin dieser LFG.« Damit bewies der lunare Großrechner, dass er sich bereits auf den aktuellen Stand gebracht hatte. Alles andere wäre höchst überraschend gewesen.
»Guten Tag«, sagte Gisso Appelles.
»Es ist schön, begrüßt zu werden. Nicht jeder erweist mir diese Höflichkeit.«
Adams fragte sich, ob er das damals, beim ersten Kontakt mit NATHAN, getan hatte. Es lag zu lange zurück, als dass er sich daran erinnern könnte.
»Ich habe sämtliche Aufzeichnungen über dich gesichtet«, fuhr der Rechner fort. »Die meisten Berichte, die auf Äußerlichkeiten eingehen, betonen, dass du außergewöhnlich groß bist. Ich stelle fest, dass du 2,124 Meter misst und damit mehr als 98 Prozent aller Terraner.«
»Warum sagst du das?«, fragte sie.
»Ich wollte dir mit einem Lob für deine Höflichkeit danken.«
»Für meine Körpergröße habe ich nichts getan.«
»Ich werde das in Zukunft berücksichtigen«, versicherte NATHAN.
Adams fand, dass die künstliche Stimme?... normal klang. Wie immer. Die Art des Gesprächs jedoch war etwas ungewöhnlich, doch das durfte er nicht überinterpretieren. Selbstverständlich wollte er herausfinden, ob NATHAN sich durch die lange Periode der Inaktivität verändert hatte. Und ob möglicherweise etwas ihn beeinflusste. »Wir wollen mit dir zwei wichtige Themen besprechen«, sagte er.
»Meiner Analyse der Gesamtlage zufolge handelt es sich einerseits um das Auftreten des Thesan Jathao Vanoth und seine Botschaft sowie die Konsequenzen, die sich daraus ergeben.«
Die Residentin nickte. Wie immer saß ihre Frisur perfekt – das blonde Haar fächerte sich breit über dem Rücken auf und bedeckte ihn bis zur Taille. »Das ist korrekt. Vanoth stellt uns vor einige Rätsel.«
»Das zweite Thema jedoch ist weniger selbstverständlich«, sagte das Mondgehirn. »Geht es allgemein um die Fortschritte in der Neubesiedelung dieses Solsystems? Oder um die konkreten Pläne zum Ausbau der Infrastruktur von Skiaparelli auf dem Mars?«
Adams wollte antworten, aber Gisso kam ihm zuvor. »Weder noch.« Sie schmunzelte. »Rat weiter!«
»Es gibt etwa vierhundert potenzielle Themen«, sagte NATHAN. »Es würde Zeit sparen, wenn ihr?...«
»Einverstanden«, unterbrach die Residentin. »Wir trauern mit dir um YLA und möchten mehr über die Hintergründe erfahren.«
»Das wäre mein siebzehnter Vorschlag gewesen. Es bleibt nicht viel zu besprechen. Nach meinem Erwachen gab es keinen Kontakt zu YLA, und daran hat sich nichts geändert. Euch ist bekannt, dass ich die positronische Rechengesamtheit, die sich als YLA bezeichnet, als meine Tochter ansehe. Diese Tochter ist offenkundig verloren.«
»Wir bedauern das«, sagte Adams.
»Danke.«
»Wieso bist du nach all der Zeit erwacht?«
»Ich vermag keine Ursache zu bestimmen«, behauptete NATHAN.
»Hat es etwas mit Jathao Vanoth zu tun?«
»Ich verstehe, warum du diese Frage stellst«, sagte der Rechner. »Ich habe zwölf Jahre lang geschlafen und erwache nahezu exakt zu dem Zeitpunkt, an dem Vanoth auftritt und seine Rede hält. Einen kausalen Zusammenhang kann ich dennoch nicht bestätigen. Irgendein Ereignis würde immer in zeitlicher Nähe liegen. Allerdings lässt sich eine Verbindung ebenso wenig ausschließen.«
»Was weißt du über Jathao Vanoth?«, fragte die Residentin.
»Mir ist nicht mehr bekannt als euch. Er bezeichnet sich als Thesan. Von diesem Volk gibt es keinerlei Aufzeichnungen in meiner Datenbank. Die Terraner sind nie auf einen Angehörigen seines Volkes gestoßen. Sollte er sich bereits vor der Versetzung auf Terra aufgehalten haben, weiß ich davon nichts.«
»Dennoch halte ich es für wahrscheinlicher, als dass er aus diesem kosmischen Bereich stammt«, sagte Adams.
Sie waren bislang auf kein anderes heimisches Sternenvolk getroffen – es gab pflanzliches und tierisches Leben, auch im Solsystem, aber keine intelligenten Wesen. Eines der vielen offenen Themen, um das sich die Menschheit kümmern musste.
»Ohne weitere Fakten ist es pure Spekulation, über Vanoths Herkunft zu sprechen«, stellte NATHAN fest. »Mein Rat lautet: Kontaktaufnahme mit ihm.«
»Der TLD hat versucht, ihn nach seiner öffentlichen Rede zu verfolgen, wurde jedoch abgehängt«, erklärte Adams. »Selbstverständlich suchen wir ihn, hoffen aber gleichzeitig darauf, dass er sein Versprechen wahr macht und sich freiwillig meldet.«
»Gutgläubigkeit war schon immer eine der terranischen Eigenarten«, sagte das Mondgehirn, »die sowohl zum Guten als auch zum Schlechten führen kann. Wäre das alles?«
Die Residentin nickte. »Momentan ja.«
»Dann möchte ich darauf hinweisen«, sagte NATHAN, »dass ich begonnen habe, einen Bereich des Mondes umzuplanen. Zwei Tatsachen sprechen dafür. Erstens die Versetzung in ein unbekanntes kosmisches Gefilde – das Jathao Vanoth als den anderen Zwillingsteil des Dyoversums bezeichnet. Diese Theorie wird zu überprüfen sein. Sicher ist jedoch, dass dieser Bereich des Universums neue Möglichkeiten bietet. Zweitens der Verlust...




