E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Moll Alpen mit dem Wohnmobil
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7343-2766-7
Verlag: Bruckmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die schönsten Panoramatouren in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, Iltalien und Slowenien
E-Book, Deutsch, 336 Seiten
ISBN: 978-3-7343-2766-7
Verlag: Bruckmann Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
?Michael Moll, wohnhaft in Essen, ist selbstständiger Reisebuchautor und zertifizierter Wanderführer. Er reist seit zwei Jahrzehnten privat und beruflich mit einem Wohnmobil durch Europa, lebte sogar drei Jahre in einem Wohnmobil. Neben der Veröffentlichung von Wohnmobilreiseführern und Artikeln in bekannten Wohnmobilzeitschriften veranstaltet er auch gut besuchte Reisevorträge und Fotoausstellungen zu Themen wie »Mit dem Wohnmobil durch Europa« oder «Mit dem Wohnmobil zum Nordkap«. Außerdem betreibt er am Schloss Nordkirchen im Münsterland seinen eigenen Wohnmobilstellplatz mit Platz für 22 Wohnmobile.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Die Berglandschaft zeigt immer wieder neue Seiten.
Mit dem Wohnmobil in die Alpen? Auf jeden Fall! Kein anderes Gebirge liegt so zentral in Mitteleuropa. Es verteilt sich über mehrere Länder, von denen jedes seinen eigenen Charakter hat. Diese breite Vielfalt macht aus einer Fahrt durch die Alpenregion ein unvergleichliches Erlebnis. Der Wohnmobilist durchquert faszinierende Täler, überwindet spannende Pässe und kann beinahe nach jedem Berg eine andere kulinarische Köstlichkeit probieren. Diese vielen kulturellen Unterschiede und die Eigenheiten eines jeden Landes werfen aber natürlich auch viele Fragen auf, die mit diesem Reiseführer beantwortet werden sollen.
ERSTER RUNDBLICK ÜBER DIE ALPEN
Wenn sich zwei Reisemobilisten über ihr nächstes Reiseziel unterhalten und sie übereinkommen, dass sie beide in die Alpen fahren, dann heißt das noch lange nicht, dass beide Ähnliches sehen und erleben werden. Denn abgesehen davon, dass die Alpen aus hohen Bergen bestehen und sich dazwischen mal breite und mal schmale Täler winden, ist das Gebirge äußerst vielfältig und ein Teil mehrerer Gebirgsgruppen, die bei näherem Hinsehen nicht einfach nur aus kargen Gesteinsbrocken bestehen. Hinzu kommen noch die sprachlichen und kulturellen Unterschiede der einzelnen Staaten. Beginnen wir unseren ersten kleinen Alp(über)blick im Westen, wo die Alpenregion in Frankreich mit den Savoyer Voralpen und den Französischen Kalkalpen beginnt und diese in die Cottischen Alpen übergehen. Was kaum einer berücksichtigt: Die Alpen reichen bis an das Mittelmeer heran, wo sie mit den Seealpen eine Höhe von über 3200 Metern erreichen. Wenn man jemanden bittet, die Alpenländer aufzuzählen, wird derjenige in den meisten Fällen ein Land nicht auf der Rechnung haben – das Fürstentum Monaco. Auch das zählt, je nach Sichtweise, tatsächlich noch zur Alpenregion und befindet sich komplett in den Seealpen, obwohl der höchste Punkt des Landes gerade einmal 160 Meter über dem Meer liegt. Deutlich höher ist dagegen der höchste Berg Frankreichs, der mit dem Mont Blanc zugleich den höchsten Punkt der gesamten Alpen markiert. Er reicht auf eine Höhe von 4810 Metern und grenzt direkt an Italien.
In der Schweiz, dem klassischen Alpenland schlechthin, teilt man das Gebirge in die Schweizer Voralpen, die Berner Alpen, Walliser Alpen, Zentralschweizer Alpen, Bündner Alpen und in die Tessiner Alpen ein, wovon jede dieser Regionen noch einmal in verschiedene Teile untergliedert wird. Mit 4634 Metern ist die Dufourspitze der höchste Berg der Schweiz. Das berühmtere Matterhorn, gleichzeitig auch das Wahrzeichen der Schweiz, ist knapp 150 Meter kleiner und damit »nur« der fünfthöchste Berg des Landes. Der Binnenstaat Liechtenstein ist im Westen vom Rheintal geprägt, während im Osten der Vordere Grauspitz auf eine Höhe von 2599 Metern aufragt. Mit dem Rheintal hat man gleichzeitig aber auch schon Österreich erreicht und die Grenze zwischen den Westalpen und den niedrigeren Ostalpen überquert. Während die Ostalpen leicht gekrümmt von Südwest nach Nordost verlaufen, bilden die Ostalpen einen Gebirgskamm, der sich von West nach Ost erstreckt. Österreich hat an den Ostalpen den größten Anteil. Hier werden sie unter anderem in die Nördlichen Kalkalpen, Zentralalpen und in die Südalpen unterteilt. Ganz im Osten reichen die Ostalpen bis Slowenien, wo der Triglav mit 2864 Metern den höchsten Punkt des Landes markiert, während es in Österreich mit dem Großglockner auf 3798 Meter hinaufgeht. Italien hat Anteil an den West- und den Ostalpen. Der dortige höchste Gipfel heißt Mont Blanc de Courmayer und ist ein Nebengipfel des Mont Blanc. Auch in Italien werden die Gipfel in Richtung Osten niedriger und gehen ab dem Luganer See in die Südalpen über, wo sie von den markanten Dolomiten dominiert werden.
Nicht zu vergessen ist jedoch Deutschland, das ebenfalls Anteil an den Alpen und eine Gemeinsamkeit mit Slowenien hat, denn beide Staaten haben nur Anteil an den Ostalpen. Während das bei Slowenien eindeutig ist, sollte im Fall von Deutschland erwähnt werden, dass die Ostalpen nur bis an das Südufer des Bodensees reichen und damit auf schweizerischem Gebiet enden. Der höchste Berg Deutschlands ist schließlich die Zugspitze mit 2962 Metern über dem Meeresspiegel.
Am Großglockner durchfährt man wie im Wallis oder in der Mont-Blanc-Region hochalpine Landschaften.
Gelegentlich wird auch Ungarn mit dem Ödenburger Gebirge ein Teil der Alpen zugeschrieben, worüber sich natürlich trefflich streiten ließe. Denn die Unterteilung und genaue Abgrenzung der Alpen wird ganz unterschiedlich vorgenommen – politische Motive können eine Grundlage sein, sie kann aber auch kulturhistorisch oder geologisch bedingt sein oder unter Berücksichtigung der Vegetationszone und des Klimas erfolgen.
Zum Abschluss des ersten Überblicks noch eine kleine Zahlenspielerei: Im Gesamten erstreckt sich das Gebirge über eine Länge von 1200 Kilometern, ist jedoch nur zwischen 150 und 200 Kilometern breit. Durch die Krümmung der Westalpen liegt die tatsächliche Ausdehnung aber bei 400 Kilometern Breite (Nord-Süd-Richtung) und bei nur 700 Kilometern Länge (West–Ost). 82 Gipfel bringen es auf eine Höhe von über 4000 Metern, wobei weitere 46 Gipfel als Nebengipfel hinzugezählt werden können. Die meisten dieser höchsten Gipfel befinden sich in der Schweiz, danach folgen Italien und Frankreich, alle anderen Alpenländer begnügen sich mit kleineren Gipfeln.
Die Pass-Aufkleber erinnern an frühere Reisen.
EIN WENIG GESCHICHTE
Wenn wir uns der gesamten Geschichte der Alpen widmen wollen, dann müssen wir vor rund 135 Millionen Jahren beginnen, also noch lange Zeit vor dem Aussterben der Dinosaurier, und einen Blick nach Afrika werfen. Denn als Pangea, der letzte Superkontinent der erdgeschichtlichen Frühzeit, auseinanderbrach und der afrikanische Kontinent die adriatische Platte gegen Europa drückte, falteten sich die Alpen in ihrer schnellsten Wachstumsphase um fünf Millimeter pro Jahr. Auch heute dauert der Prozess des Wachstums an, zwar nicht mehr in dieser Geschwindigkeit, doch die afrikanische Platte kommt uns, vereinfacht ausgedrückt, jedes Jahr näher und faltet die Alpen weiter um einen Millimeter jährlich auf.
Die Eiszeiten und die damit verbundenen Gletscher, die einen Teil der heutigen Täler füllten und formten, kamen erst viele Millionen Jahre später. Zahlreiche der heutigen Seen sind durch den Rückgang der Gletscher entstanden. Gleichzeitig begann mit der letzten Eiszeit vor über 13 000 Jahren die erste Besiedlung des Alpenraums. Prominenteste Person ist der in den Ötztaler Alpen gefundene »Mann aus dem Eis«, der über 5200 Jahre alt ist. Mit den Römern, die den gesamten Alpenraum beherrschten, wurden auch die ersten Passstraßen angelegt und damit eine erste Verkehrsinfrastruktur gegründet. Doch schon vorher gab es vereinzelte Saumpfade, die es ermöglichten, die Alpen zu überqueren und Handel zu betreiben. Zu den ältesten Alpenüberquerungen, die auch heute noch bekannt sind, gehören der Große Sankt-Bernhard-Pass, der Splügenpass und der Reschenpass. Nach dem einfachen Handel und den militärischen Wegen des Römischen Reiches folgten die Salzstraßen als wichtige Handelsrouten. Doch im Laufe der Zeit wurden nicht nur die Pässe ausgebaut, denn schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ließ Markgraf Ludwig II. einen ersten Tunnel in die Berge schlagen. Der Buco de Viso ist 75 Meter lang, drei Meter breit und nur zwei Meter hoch. Er liegt auf einer Höhe von fast 2900 Metern und verbindet die heutigen Staatsgebiete von Frankreich und Italien miteinander. Dieser erste, offizielle Alpentunnel ist heute Teil eines Wanderwegs. Die wohl bekannteste Alpenüberquerung liegt rund 2200 Jahre zurück und wurde vom Karthager Hannibal im Jahr 218 v. Chr. durchgeführt. Mit 50 000 Soldaten und 37 Elefanten marschierte er, von Westen kommend, in Richtung Italien. Der genaue Streckenverlauf ist leider unbekannt, und es kommen mehrere Pässe für die Überquerung in Betracht. Fest steht nur, dass von den Elefanten lediglich einer namens Suru die 16-tägigen Strapazen überlebte.
Mit dem Fahrrad im Gepäck hat man die Möglichkeit, auch Wege abseits der Straßen zu erkunden.
Heute kann man über 200 befahrbare Alpenpässe zählen, die sich in einer Höhe von über 1000 Metern befinden. Neben den Alpenpässen folgten dem Buco de Viso auch unzählige Tunnel. Allein in der Schweiz gibt es über 100 Tunnel, die länger als zwei Kilometer sind. Manche von ihnen werden vom Individualverkehr genutzt, andere wiederum können nur mit dem Zug durchquert werden. Der längste Tunnel der Alpen und auch der Welt kann seit dem Jahr 2016 genutzt werden. Es handelt sich um den 57...




