E-Book, Deutsch, Band 4, 366 Seiten
Reihe: Never
Moldenhauer The Things I Never Said
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96714-059-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 4, 366 Seiten
Reihe: Never
ISBN: 978-3-96714-059-0
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Er wollte sie immer beschützen – jetzt ist sie an der Reihe.
Amber war in ihren besten Freund Dean verliebt, seit sie denken kann. Umso schwerer war es für sie, als sich ihre Wege trennten. In den letzten zwei Jahren hat sie neue Freunde gefunden und ihn vergessen, doch dann gerät Dean in Schwierigkeiten. Amber ist entschlossen, ihm zu helfen – auch wenn sie dabei zu unkonventionellen Mitteln greifen muss!
Als Dean aus der Entzugsklinik kommt, erwartet ihn nicht die erhoffte Ruhe, sondern Amber, die sich bei ihm einnistet und ihm auf Schritt und Tritt folgt. Während er alles tut, um seine Anstandsdame abzuschütteln und in sein altes Leben zurückzufinden, bemerkt er nicht, wie gefährlich nahe er einem Rückfall kommt …
The Things I Never Said ist der erste Teil von Ambers und Deans Geschichte. Der zweite und letzte Teil - The Things I Never Did - ist in allen gängigen eBook-Shops erhältlich.
Fans des Never-Universums dürfen sich auf ein Wiedersehen mit Scarlett, Zac, Evelyn und Ryan freuen.
Autoren/Hrsg.
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1
Amber
»Ja, Dad, wir haben das Bett durch die Tür bekommen, und nein, ich habe mir keine lebensbedrohlichen Verletzungen zugezogen, als ich den Schrank zusammengebaut habe.« Ich seufze und greife in den Karton, der auf der Arbeitsplatte steht, um einen weiteren bunten Teller herauszunehmen. »Ich wollte doch nur wissen, ob alles geklappt hat«, kommt es mürrisch vom anderen Ende der Leitung, und meine Mundwinkel zucken im untergehenden Sonnenlicht, das durch das Küchenfenster dringt. »Und ich erinnere dich nur daran, dass ich mir nur ein einziges Mal einen Nagel in den Finger gehauen habe. Da war ich sieben.« »Ja, es war das erste Mal. Das bedeutet nicht, dass es das letzte Mal ist. Weißt du, wie oft Will und ich uns bei der Arbeit schon verletzt haben?« »Wir haben nur gestrichen und Möbel aufgebaut. Dabei stand ich dauerhaft unter Aufsicht. Es wäre also jemand da gewesen, der mich in die Notaufnahme hätte bringen können«, sage ich grinsend, als ich die Teller in den Schrank staple und mich mit der Hüfte gegen die Arbeitsplatte lehne. Ich betrachte den bunten Himmel von San Diego und die Kisten, die sich noch in den Ecken türmen. »Ich weiß doch, dass du das alles hinbekommst. Bist schließlich meine Tochter«, brummt Dad, und seine Stimme mischt sich mit den lauten Geräuschen der Baustelle, auf der er sich befindet. Im Hintergrund wird nach ihm gerufen, und es klingt so, als würde eine schwere Maschine losrattern. »Und genau aus diesem Grund brauchst du dir keine Sorgen zu machen und kannst dich wieder auf die Arbeit konzentrieren, damit du heute nicht in der Notaufnahme landest.« »Ist ja gut.« Mein Dad stößt hart Luft aus. »Grüß Dean von mir und pass auf dich auf.« »Wird erledigt.« »Hab dich lieb, Kleines«, murmelt er ein wenig unverständlich, was das Lächeln in meinem Gesicht breiter werden lässt. Gefühle auszudrücken ist für meinen Vater nicht ganz einfach, und manchmal wirkt er dabei richtig unbeholfen. Aber er gibt sich größte Mühe, mir zu zeigen, dass ich ihm wichtig bin – wie zum Beispiel zum neunten Mal an einem Tag anzurufen und nachzufragen, ob ich noch lebe. »Ich dich auch«, erwidere ich, als ein leiser Fluch aus dem Flur ertönt, gefolgt von einer bissigen Antwort, die ich nicht verstehe. Ich schiebe das Smartphone in die Hosentasche, als ich die kleine Küche durchquere und zur Haustür spähe, in der zwei Gestalten stehen. Eine von ihnen – die mit den knallpinken, kurzen Haaren – sitzt dabei auf dem Boden und hält das Bücherregal fest, das in ihrem Schoß liegt. »›Stopp‹ bedeutet nicht, dass du weitergehen sollst, Jase!« »Ich habe ›hopp‹ verstanden!«, rechtfertigt sich der Mann mit den fast schwarzen Locken, die ihm leicht in die Stirn fallen, und zuckt mit den Schultern. »Hopp? Hopp, lass uns über die Türschwelle springen? Oder wolltest du das Regal auf einem Bein hüpfend ins Wohnzimmer tragen?«, echauffiert sich die Frau mit dem pinken Kopf, der ihre schokoladenbraune Haut noch dunkler erscheinen lässt. »Ich habe gedacht, dass du ab hier alleine übernimmst.« »Alleine? Alleine?! Jase, ich –« »Kann man euch helfen?«, mische ich mich ein, ehe Piper einen Wutanfall kriegt und das Bücherregal hochhebt, um sich auf Jase zu stürzen. »Dem ist nicht mehr zu helfen. Höchstens mit frischen Gehirnzellen«, murrt sie, als ich zu ihr gehe. »Ich schätze, ein paar von meinen Zellen sind für die Prüfung draufgegangen. Die, bei der du durchgefallen bist.« Ein hämisches Grinsen tritt auf seine Lippen, und ich glaube Dampf aus ihren Ohren zischen zu sehen. »Jase, benimm dich«, ermahne ich den Typen, als ich Piper das Regal abnehme und sie sich schnaubend aufrichtet. »Ich sage nur, wie es ist.« Jase wirft einen belustigten Blick zu Piper, die mit dem Kiefer mahlt. »Schade, dass du nicht das schlaue Köpfchen von Am hast. Ihr IQ scheint durch die Prüfung nicht gesunken zu sein.« Sie drängt sich an die Seite und lässt uns mit dem Bücherregal passieren. »Wisst ihr eigentlich, dass ihr anstrengend seid?«, brumme ich, als Jase und ich das Möbelstück im Wohnzimmer aufrichten und an die Wand stellen. Piper lässt sich währenddessen auf das Sofa fallen, das mit Decken überzogen ist, und klopft ihre knallblaue Hose ab, die Staub und einige Farbspritzer verzieren. Jase lacht und fährt sich mit der Hand durch das zerzauste Haar, als er sich neben Piper setzt. »Du liebst uns trotzdem.« »Ohne uns wäre dein Leben auch nur halb so amüsant«, wirft die mit dem bunten Kopf ein und wechselt einen wissenden Blick mit Jase. Die beiden bringen mich noch um. In einem Moment muss ich sie vor einem Mord bewahren, und im nächsten fallen sie mir in den Rücken. Manchmal weiß ich nicht, ob die zwei nicht eher Feinde als Freunde sind. »Also, Am? Wo bleibt die Verpflegung? Wenn ich mich recht erinnere, hast du uns ein fantastisches Essen versprochen, wenn wir dir beim Einzug helfen.« »Es ist schlimm genug, dass ich euch bestechen musste, damit ihr mir mit den letzten Sachen helft.« »Du weißt, dass ich nichts mit körperlicher Arbeit anfangen kann«, erklärt Jase zuckersüß. »Und ich hätte dich viel mehr strafen müssen, dass du mich im Wohnheim zurücklässt.« Empört verschränkt Piper die Arme vor der Brust und stiert mich mit ihren fast schwarzen Augen nieder. »Ist ja gut!«, sage ich, als sie Luft holen, um die nächsten Anklagepunkte vorzutragen, und hebe abwehrend die Hände. »Sollen wir Pizza bestellen?« »Pizza? Was sagst du dazu, Piper? Sie will uns mit Pizza abfertigen.« »Dann hätte sie uns gleich den Mülleimer hinstellen können«, fügt die Frau mit den kurzrasierten Haaren hinzu und schüttelt langsam den Kopf. »Wie man wohl von der Welt behandelt wird, wenn schon die eigenen Freunde so mit einem umgehen?« »Wir sollten Einsiedler werden.« »Ein neues Atlantis gründen.« »Die Weltherrschaft an uns reißen.« Dramatisch springt Jase auf, rammt die Faust nach oben und schaut siegessicher an die weiße Decke. Ich seufze und betrachte das Gespann vor mir. »Ihr seid durchgeknallt. Völlig verrückt. Ich sollte euch einweisen lassen.« »Aber erst, wenn wir was gegessen haben«, wirft Piper ein. »Was wollt ihr?«, frage ich resigniert, obwohl ich die Antwort kenne. »Sushi«, erwidern beide synchron, was mich die Augen verdrehen lässt. »Ich hasse toten Fisch«, brumme ich und versuche mit einem traurigen Blick den Widerstand der Fanatiker vor mir zu durchbrechen. »Du kannst ja Pizza essen«, schlägt Jase grinsend vor. Feinde. Eindeutig – und trotzdem liebe ich sie. Vielleicht bin ich diejenige, die in eine Psychiatrie gehört? »Oh Gott, das ist sooo gut!« Jase stöhnt, als er sich eine Sushirolle in den Mund schiebt und sie genüsslich kaut. Mir läuft es bei dem Anblick eiskalt den Rücken runter, ich wende mich eilig ab und greife nach dem Stück Pizza. »Ja, das hat mir die letzten Wochen gefehlt«, stimmt Piper zu, die, alle viere von sich gestreckt, auf dem Boden liegt und sich eine Portion rohen Fisch vom Teller nimmt, den Jase ihr hinhält. »Du hast kein Sushi gegessen, während du zuhause warst?«, fragt der lange Kerl und lehnt sich gegen das Sofa. »In dem Kaff, aus dem ich stamme, kann ich froh sein, wenn ich überhaupt sowas wie Fast Food bekomme.« »Also waren die Ferien für dich schrecklich?« »Na ja. Moms Essen ist wirklich gut. Es wurde schlimm, als sie beschlossen hat eine Familienwoche einzulegen. Dreizehn Leute im Haus und man konnte nicht mal mehr in Ruhe die Post aus dem Briefkasten holen.« Jase lacht und angelt sich das vorletzte Sushiröllchen. »Klingt nach einer Menge Trubel.« »Ja und jetzt erzähl mir bitte nicht von deinem Urlaub. Die Bilder auf Instagram und das, was du uns geschickt hast, haben mir gereicht.« Piper stöhnt und rollt sich herum, sodass sie auf dem Bauch liegt und Jase ansehen kann, der über das ganze Gesicht strahlt. »Dann berichte ich euch halt nicht vom Surfen und dem Fünfsternehotel, das Dad gebucht hat.« »Ich hasse dich«, murrt Piper, was mich zum Lächeln bringt. »Wir wissen beide, dass das gelogen ist.« Jase grinst und reicht ihr das letzte Stück Sushi, so wie die zwei es immer machen. »Wie waren denn deine Ferien, Am? Du bist ja direkt nach den Prüfungen abgehauen und hast so gut wie nichts von dir hören lassen.« Meine Ferien. Ich schlucke schwer, greife behutsam ein weiteres Pizzastück und betrachte die Fäden, die der Käse zieht. Ihre Blicke ruhen auf mir, sie warten auf eine Antwort, eine Geschichte. Doch ich habe keine, um ihnen damit etwas vorschwärmen zu können. Wahrscheinlich würden sie einen Herzinfarkt erleiden, wenn ich die Wahrheit sage: Dass ich mit Dean zusammenziehe, weil er gerade einen Entzug hinter sich hat und seine Mutter mich um Hilfe gebeten hat. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich wahnsinnig in ihn verknallt war und wir mal sehr eng befreundet waren. Sie würden mich jeden Tag mit Popcorn in den Vorlesungen empfangen und auf eine filmreife Romanze hoffen, die ich ihnen nie bieten könnte. Denn so wie ich Dean kenne, ist er nicht besonders erfreut über die neue Konstellation. Er ist es gewohnt, von so coolen Leuten umgeben zu sein wie Miles Cooper, Ryan Paxton und dessen Freundin Evelyn Jones – dem Traumpaar schlechthin. Eine WG mit einer ehemaligen Sandkastenfreundin, mit der er schon seit Monaten nicht...




