E-Book, Deutsch, 572 Seiten
Moldenhauer Freak Like Me
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7309-6447-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Liebesroman
E-Book, Deutsch, 572 Seiten
ISBN: 978-3-7309-6447-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wenn du vor deiner Vergangenheit flüchten willst - dann ziehst du in eine neue Stadt. Wenn du ein Geheimnis verbergen willst - dann verstellst du dich. Wenn du allerdings beginnst, dein Herz an einen Jungen zu verschenken ... dann bist du heillos verloren. Ann Clancy widerfährt genau das. Mit New York will sie auch einen gesamten Lebensabschnitt hinter sich lassen. Ein neues Leben in einer neuen Kleinstadt beginnen. Doch eine Disneyclique und tanzende Pinguine stellen ihr Leben mit der Zeit gehörig auf den Kopf. Allen voran Jason - ihr Froschkönig. Jetzt neu: die Never-Reihe - Never Felt Like This Before - der Doppelband Never Expected You und Never Expected Us - der Doppelband The Things I Never Said und The Things I Never Did
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Soviel zum Thema keinen schlechten Eindruck machen…
Gelangweilt blickte ich aus dem Fenster des fahrenden Autos und versuchte mich damit abzufinden, dass ich New York für eine lange Zeit nicht wieder sehen würde. Schon jetzt vermisste ich den widerlichen Großstadt-Smog! Nein, ehrlich gesagt vermisste ich ihn nicht. Und leider konnte ich auch nicht behaupten, dass ich meine Freunde vermisste. Ich hatte keine. Grace war mit ihrem Job beschäftigt und Natalie war nur mit mir befreundet gewesen, weil wir uns seit dem Kindergarten kannten. Ansonsten hing sie mit ihren coolen Cheerleaderinnen ab. Diese Hinterhältigkeit, die bei dieser Gesellschaftsgruppe fast schon angeboren war, trieb mich immer wieder in den Wahnsinn. Zu meinem Leidwesen musste ich gestehen, dass ich ebenfalls für lange Zeit zu dieser Sorte Mensch gehört hatte. „Alles in Ordnung, Ann Schätzchen?“, hörte ich meine Mutter sanft fragen, nachdem ich tief aufgeseufzt hatte. „Alles super“, grummelte ich und würdigte sie keinen Blickes. Stattdessen betrachtete ich die Landschaft, die endlos zu sein schien. Es erinnerte mich ein wenig an Wüste, wenn ich diese unbewohnten Weiten sah. Auch wenn diese nicht so trocken war. „Es tut mir Leid“, hörte ich meine Mutter leise flüstern. Ich atmete tief aus, wusste, dass ich gegen ihre traurigen Augen keine Chance hatte. Langsam wandte ich mich ihr zu und strich mir eine Strähne hinters Ohr. Als ich meine Mutter erblickte, wurde es mir wieder schwer ums Herz. Ihre aschblonden, langen Haare fielen glatt und nur das bunte Tuch, welches mit Blumen verziert war, erweckte den Eindruck dass sie fröhlich war. Doch ich kannte sie und mich konnte diese bunte, ausgefallene Kleidung, die sie trug, nicht täuschen. Nein, ich sah den Schmerz und die Traurigkeit in ihren grünen Augen. „Ist schon gut. Ich fand es nur nicht toll, dass du über meinen Kopf hinweg entschieden hast“, erklärte ich sanft. Eine kleine Träne rollte die Wange meiner Mutter herunter, die sie schnell mit dem Handrücken wegwischte. „Ich weiß, dass es nicht richtig von mir war. Und ich hoffe, du verzeihst mir“, fuhr sie theatralisch fort. „Es war kein Kapitalverbrechen!“, stöhnte ich genervt, verdrehte meine Augen. Künstler konnten einen mit ihrer Dramatik wirklich in den Wahnsinn treiben! Ich sah, dass sie mir einen fragenden, leidenden Blick von der Seite zuwarf. „Ich verzeihe dir ja!“, lachte ich lauthals los, weil ich diesen lächerlichen Anblick nicht länger ertragen konnte. „Damit hatte ich gerechnet!“, stimmte sie in das Lachen ein und widmete sich wieder der verlassenen Straße. Kopfschüttelnd betrachtete ich einen kurzen Moment meine verrückte Erzeugerin, ehe ich mir meinen Kopfhörer nahm und in der Musik versank. „Was sagst du?“, hörte ich meine Mutter sagen, als sie am Straßenrand vor einem großen Gebäude hielt. „Es ist….interessant“, antwortete ich zögerlich und starrte aus dem Fenster auf die heruntergekommene Fabrikhalle. Soweit ich meine Mom richtig verstanden hatte, hatte ein Architekt die Fabrik vor Jahren zu einem Mehrfamilienhaus umgebaut. Das eben dies vor Jahren geschehen war, sah man dem Haus an. Trotzdem wirkte es relativ einladend. Ich wollte mich gerade abschnallen, als ich hörte, wie meine Mutter sich räusperte. Schlagartig hielt ich inne und mein Kopf flog hoch. Dieses Räuspern kannte ich nur zu gut und bis jetzt hatte es nie was Gutes verheißen. „Was?“, fragte ich argwöhnisch, suchte in dem Blick meiner Mutter nach Antworten. Und dann sah ich es. Sie knabberte auf ihrer Unterlippe! Mein Herzschlag beschleunigte sich ungewollt. Das letzte Mal, als sie sich erst geräuspert und anschließend auf die Lippe gebissen hatte, war, als mein Fisch, mein bester Freund, gestorben war. Für mich war damals die Welt untergegangen. „Es gibt da etwas, was ich dir noch sagen muss“, sagte sie, nahm meine Hände in ihre und lächelte mich zaghaft an. Das wurde immer schlimmer! „Ja?“, hakte ich vorsichtig nach, versuchte diesen liebevollen Blick der grünen Augen zu ignorieren. „Die Wohnung, die ich gemietet habe ist leider noch nicht vollständig renoviert.“ „Dann schlafen wir halt auf Matratzen“, antwortete ich schulterzuckend und war schon erleichtert, dass es nichts Schlimmeres war, doch zu meinem Bedauern machte sich ein schuldbewusster Ausdruck auf ihrem Gesicht breit. „Mom..?“, fragte ich mahnend und blickte sie bedrohlich an. „Wir können frühestens in drei Wochen in die Wohnung.“ „Wir schlafen im Auto?!“, spuckte ich empört aus, doch sie schüttelte nur leicht den Kopf. „Du weißt, dass mein alter Schulfreund George ebenfalls in diesem Haus wohnt. Und er hat mir angeboten, dass wir vorerst bei ihm unterkommen“, erklärte sie langsam. Noch hörte ich nichts Schlimmes, doch ich ahnte, dass noch etwas folgen würde, also schwieg ich. „Ich werde in dem Bett mit meinem besten Freund schlafen, während du bei seinem Sohn im Zimmer auf der Couch schlafen kannst.“ Ungläubig starrte ich meine Mutter an. Nur langsam realisierte ich ihre Worte und doch fehlte noch etwas. Denn das war noch nicht so gravierend, dass sie solche Schuldgefühle hatte. „Ich schlafe in einem Zimmer mit einem fremden Typen?“, stellte ich monoton fest. „Wo ist der Haken und wieso kann ich nicht auf einer Couch im Wohnzimmer schlafen?“, fügte ich nach einem kurzen Moment des Überlegens hinzu. „Die Couch im Wohnzimmer ist zu klein und ich will nicht, dass du dir den Rücken kaputt machst“, sagte sie gewollt streng. Dann wurde ihre Miene sanfter, Falten bildeten sich auf ihrer Stirn. Sie dachte nach. „Er ist nicht ganz einfach“, erklärte meine Mutter lässig. Zu lässig. Das passte nicht zu den Falten, die sie jetzt im Gesicht hatte. „Was meinst du mit nicht ganz einfach?“, bohrte ich nach. „George kommt nicht so gut mit ihm aus und er wurde schon mit Drogen erwischt. Er ist ein kleiner Draufgänger. Mehr nicht“, winkte sie locker ab, ließ mich sprachlos werden. „Du steckst mich in ein Zimmer mit einem Drogendealer?“, fragte ich ungläubig. Sie spitze die Lippen, suchte an der Decke nach etwas, ehe sie langsam anfing zu nicken. „Du bist echt unglaublich. Andere Mütter würden ihre Töchter von solchen Jungs fernhalten. Und du steckst mich freiwillig mit so einem in ein Zimmer“, murmelte ich vor mich hin, sah den entschuldigenden Blick. „Noch irgendetwas was ich wissen sollte, bevor ich mich zu meinem Drogenboss geselle?“, fragte ich ironisch und schnallte mich ab um auszusteigen. „Er ist ein Arschloch. Und ich kenne deine Schwäche für diese Art von Mann. Also halt dich bitte von ihm fern“, ertönte es neben mir. Fassungslos blickte ich sie an. „Mom!“, rief ich empört, woraufhin sie abwehrend ihre Hände hob. „Ich wollte es dir nur sagen“, rechtfertigte sie sich, löste ihren Gurt und stieg aus. Ich bewegte mich kein Stück, starrte meine Mutter an, die seelenruhig ihren Koffer aus dem Kofferraum nahm. Sie steckte mich tatsächlich mit einem Dealer in ein Zimmer und ermahnte mich, dass ich nichts mit ihm anfangen sollte. „Künstler“, grummelte ich, immer noch geschockt von dem Verhalten meiner Erzeugerin, und stieg ebenfalls aus. Ein wenig skeptisch stand ich neben meiner Mutter vor der Haustür ihres Schulfreundes. Mein Blick glitt durch das heruntergekommene Treppenhaus, das mich persönlich an einen Rohbau erinnerte, mit den Betontreppen und rostigen Treppengeländern. Trotzdem hatte es irgendwie Stil. Ich wandte mich der Tür zu, die geöffnet wurde und betrachtete neugierig den älteren Herren mit hohem Haaransatz. Ein breites Grinsen zierte sein Gesicht und bevor meine Mutter oder ich ein Wort sagen konnten, hatte er die aschblonde Künstlerin neben mir in die Arme geschlossen. „Es ist so schön dich zu sehen, Esmeralda!“ hörte ich ihn ausrufen, während er meine Mutter wie eine Anakonda zerquetschte. „Du musst die bezaubernde Ann sein“, sagte er mit dem Ausdruck eines Honigkuchenpferdes auf dem Gesicht an mich gewandt, während meine Mutter um ihr Leben kämpfte. Stumm nickte ich, konnte mir einen ironischen Kommentar gerade noch so verkneifen. Ich reichte ihm meine Hand, die er mit seiner Pranke fest umschloss und wie einen Cocktail durchschüttelte. „Kommt doch bitte rein“, meinte er freundlich, als er meine Hand losließ und uns die Tür aufhielt. Ich schüttelte meine Hand, die schmerzte, als hätte sich ein zweihundert Pfund schwerer Kerl drauf gesetzt und versuchte meinen Gesichtsausdruck von Schmerzhaft zu Angenervt zu wechseln. Doch irgendwie blieb der schmerzhafte Ausdruck einen Moment länger, als ich gehofft hatte. Blöde Anakonda. Also folgte ich den beiden Erwachsenen etwas miesslaunig in die Wohnung und wedelte immer noch mit meiner Hand, während ich mit der anderen meinen Koffer trug. Eine warme...




