Moldenhauer | Affenzirkus | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 532 Seiten

Moldenhauer Affenzirkus


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7368-5569-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 532 Seiten

ISBN: 978-3-7368-5569-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Emma und Flo haben sich seit Jahren nicht gesehen. Früher waren sie beste Freunde, heute gehören sie zu verfeindeten Cliquen und führen ein Leben umgeben von Drogenkonsum, illegalen Aktionen und Geheimnissen. Als sie sich plötzlich durch Zufall gegenüberstehen, empfinden sie nur noch Wut und Abneigung füreinander. Doch ehe sie sich versehen, müssen sie ein gemeinsames Schulprojekt auf die Beine stellen. Ein Projekt, das Erinnerungen weckt. Ein Projekt, das Fragen zu ihrer gemeinsamen Vergangenheit aufwirft. Ein Projekt, das dafür sorgt, dass sie sich mit ihren Leben auseinandersetzen müssen. Ein Projekt, das ihre Herzen mit voller Wucht trifft... Jetzt neu: Die Never-Reihe mit Never Felt Like This Before sowie dem Zweiteiler Never Expected You und Never Expected Us

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„Du bist neu?“
„Scheiße!“, brüllte Robert und trat gegen einen Mülleimer. „Dieses kleine Stück Dreck hat nicht wirklich den Rucksack mitgenommen?!“ „Doch“, bestätigte ich ihm und fuhr mir durch meine sowieso schon zerzausten Haare. „Wer zum Teufel war das Miststück?!“, wollte er wissen und deutete in die Richtung, in die der Zug verschwunden war. Er war ziemlich betrunken. In so einem Zustand neigte er zu unüberlegten Dingen. „Keine Ahnung“, sagte ich schulterzuckend und schüttelte enttäuscht den Kopf. Ich sah den Anderen an, dass diese Geschichte sie mitnahm. Schließlich wusste keiner so genau, wie wir das Geld dafür auftreiben sollten. Es war das erste Mal, dass ich hatte mitkommen dürfen und dann passierte so was. „Kacke!“, fluchte er und drehte sich um, um die U-Bahn-Station zu verlassen. Dabei gab er einige Beschimpfungen von sich, die von den hohen Decken widerhallten. Die Neonröhren erleuchteten die Halle, summten unruhig vor sich hin. Zu viert blickten wir Robert nach, der kurz vorm Durchdrehen war. „Kriegen wir sie an der nächsten Station?“, hörte ich meinen Bruder Maik fragen, der weiterhin auf den Ausgang starrte. „Bestimmt nicht. Bis wir da sind, ist die Tante längst über alle Berge“, gab Bastian zu bedenken. „Und du hast sie echt nicht erkannt?“, wandte er sich an mich, woraufhin ich den Kopf schüttelte. Ein Seufzen ging durch die Runde. „Lasst uns Robert einfangen, bevor er noch Scheiße baut“, sagte Hendrick und setzte sich in Bewegung. Bastian folgte ihm, während Maik bei mir blieb. „Du hast sie erkannt, oder?“, flüsterte er. Für einen Moment trafen sich unsere Blicke und ich hoffte, dass er mir keine Vorwürfe machen würde. „Bist du dir sicher, dass du niemanden verwechselst?“ „Glaub mir, dieses Mädchen würde ich blind erkennen“, antwortete ich leise und setzte mich zusammen mit Maik in Bewegung. „Wer war es?“ „Rate“, murmelte ich, während ich die glatten Stufen hochstieg, auf denen sie sich fast langgemacht hätte. „Kenne ich sie?“ „Ja“, bestätigte ich, griff in meine Hosentasche und nahm mir eine Kippe, die ich in den Mund steckte. Kalte Luft empfing uns oben und ich vergrub die Hand in meiner Jackentasche, während ich mit der anderen mein Feuerzeug an die Zigarette hielt. „Tina?“, rätselte mein Bruder, doch ich schüttelte nur leicht den Kopf und nahm die Zigarette aus dem Mund. „Nein, du kennst sie weitaus länger als Tina“, erklärte ich, schenkte ihm einen vielsagenden Blick und zog an der Zigarette. Rauch drang in meine Lunge und augenblicklich entspannte ich mich, bekam einen klaren Kopf. „Doch nicht Emma“, sagte er ungläubig und hoffte vielleicht, dass ich ihm sagen würde, dass er falschlag. Stattdessen nickte ich langsam, blies den Rauch aus, der sich mit der kalten Luft vermischte. „Ich dachte, sie hat nichts mit den krummen Dingern von ihrem Bruder am Hut!“, knurrte er genervt und fuhr sich angespannt über seinen Dreitagebart. „Scheinbar will sie mal ordentlich auf den Putz hauen.“ „Egal, was sie will. Behalt es für dich, bis Robert sich beruhigt hat. Sonst gibt es Blut“, ermahnte mich mein Bruder eindringlich. „Keine Angst, der erfährt erst mal nichts von mir“, beruhigte ich ihn und blickte in den nachtschwarzen Himmel, dem sich die Wohnhäuser entgegenreckten. „Wenn du willst, steige ich morgen bei denen ein und hole den Rucksack zurück“, schlug ich hoffnungsvoll vor. Doch bevor die Worte meinen Mund verlassen hatten, kannte ich auch schon die Antwort. „Vergiss es. Der Deal steht und daran lässt sich nichts rütteln“, gab er prompt als Antwort, woraufhin ich die Augen verdrehte. „Verdammt, es wäre doch nur ein Tag!“, erwiderte ich wütend. „Ja, ein Tag ist ein Tag. Schlag dir das gleich wieder aus dem Kopf, Flo.“ Er hatte dicht gemacht. Natürlich. Das machte er immer, wenn wir auf das Thema kamen. „Das ist beschissene Erpressung“, knurrte ich, schnippte die Zigarette weg und starrte stur nach vorne. „Von mir aus“, gab Maik gelangweilt zurück. „Ach, leck mich doch!“, fluchte ich und machte auf dem Absatz kehrt. „Wo willst du hin?“, rief mein Bruder mir nach. Doch ich ignorierte diesen Verräter. Mit schnellen Schritten lief ich die glatten Treppen hinunter, versuchte, meinen Wutausbruch unter Kontrolle zu halten. Es gab nur einen Menschen, der mir jetzt helfen konnte. Ich zog das Handy aus der Hosentasche und fing an zu tippen, nachdem ich die passende Kontaktperson aufgerufen hatte. Bist du an der Brücke? Ich wartete, bis die SMS gesendet worden war und zu meinem Glück fuhr im selben Moment die U-Bahn ein. Die Türen öffneten sich, gaben dabei mechanische Geräusche von sich, die mir vertraut waren. Der Geruch von Schweiß stieg mir in die Nase und ich erblickte einen fetten Typen im Trainingsanzug. Konnte der nicht duschen? Instinktiv wandte ich mich von ihm ab und nahm zwei Reihen entfernt Platz.     „Was soll das werden?“ Ich griff nach einer Spraydose, die auf dem Boden lag und betrachtete das Mädchen mit den dunkelblonden Rastalocken. „Weiß ich noch nicht so genau. Ich lass es einfach laufen“, erwiderte sie konzentriert, drückte auf den Spraykopf und zog eine feine schwarze Linie über die Ziegelsteine. Ich lief über die abgenutzten Pflastersteine zu dem Mädchen mit den abgewetzten Chucks und dem Jungs-Sweatshirt. Fasziniert betrachtete ich das gigantische Gemälde, das sich über die Brücke zog. „Sieht aus wie ein Fisch mit Hut“, erklärte ich nüchtern, wofür ich einen Seitenhieb kassierte. „Werd ja nicht frech, Kleiner!“, ermahnte sie mich und packte die Dose in ihren Rucksack, der an der Mauer lehnte. „Würde ich nie tun“, wehrte ich den Vorwurf schief grinsend ab. Ein strafender Blick traf mich, doch ich sah, dass ihre Lippen sich leicht verzogen. „Hör auf rumzualbern und sag mir, was los ist.“ Manchmal hasste ich es, dass sie so direkt war und immer gleich auf den Punkt kam. Ich steckte die Hände in die Hosentasche und blickte wieder in den dunklen Himmel über uns. Wie schaffte sie es, bei Dunkelheit solche Bilder zu kreieren? Vielleicht hatte sie einen Röntgenblick? Doch ehe ich weiter darüber nachdenken konnte, räusperte sie sich laut. „Ich habe keinen Bock auf Schule“, gab ich seufzend zu. „Das hast du mir doch schon tausendmal gesagt. Ist das wieder eine deiner Trotzphasen oder ist etwas vorgefallen?“ Sie nahm ihr volles Haar und band es zu einem Zopf. Dabei ruhten ihre dunkelbraunen Augen auf mir. Sie kannte mich und manchmal trieb mich das in den Wahnsinn. Ich wandte den Blick ab, trat näher an ihr Gemälde heran und betrachtete die ausgefallene Malerei. „Uns wurde Gras geklaut.“ „Viel?“, kam es prompt von Tina. Ich drehte mich schwermütig um und zuckte etwas hilflos mit den Schultern. „Drei Kilo.“ „Kacke“, murmelte sie leise und ließ sich im Schneidersitz auf dem kalten und teilweise feuchten Boden nieder. „Ich habe gesehen, wer’s war und könnte das Zeug zurückholen, aber Maik stellt sich quer, weil ich morgen meinen ersten Schultag im letzten Schuljahr habe. Als ob Abitur mir was bringen würde.“ Frustriert trat ich einen Stein beiseite, der gegen den Betonpfeiler der Brücke flog. Leider überdeckte er nicht völlig Tinas Aufstöhnen. „Verdammt, Flo. Dein Bruder hat vollkommen recht, sieh das doch endlich ein. Dealen und so ein Mist bringt dich doch nicht weiter im Leben“, hörte ich sie zum hunderttausendsten Mal erzählen. Wieso hatte ich eigentlich gedacht, dass Tina mich verstehen würde? „Fällst du mir auch noch in den Rücken?“ Ich wirbelte herum und betrachtete meine gute Freundin mit einem bitteren Lächeln. Sie brauchte nichts zu sagen. Der entschuldigende Blick und das Mitleid, das mir entgegenschlug, reichten aus. „Na, herzlichen Dank auch“, knurrte ich sauer. Mit einer kochenden Wut in den Adern drehte ich mich um, hatte keine Lust mehr auf diesen beschissenen Tag. Scheinbar wollte heute jeder über mich und mein Leben bestimmen. Dabei war ich doch schon längst neunzehn! „Du nimmst es mir doch nicht ernsthaft übel, dass ich dir eine gute Zukunft wünsch?“ Ihre Worte ließen mich innehalten, wie so oft. Ich starrte in die Dunkelheit, spürte ihren sanften Blick auf mir, der mich so oft behütet hatte. Tina war meine große Schwester und wusste, wie sie mich anpacken musste, wenn ich einen meiner bekloppten Anfälle hatte. Ein lauter Seufzer entfuhr mir. Natürlich nahm ich es ihr nicht übel. „Nein“, gab ich leise zu und vergrub die Hände in der Jeans. Ich hörte, wie Tina aufstand und sich auf mich...



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