Mitterer | Die Hutterer | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 63 Seiten

Mitterer Die Hutterer

Eine Chronik
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7099-7658-6
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Chronik

E-Book, Deutsch, 63 Seiten

ISBN: 978-3-7099-7658-6
Verlag: Haymon Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Felix Mitterer begleitet in seinem Stück die Hutterer auf ihrem leidvollen Weg durch die Geschichte: Beginnend 1529 in Rattenberg/Tirol erzählt er ihre Geschichte über einen Zeitraum von fast einem halben Jahrtausend, bis ihre Odyssee in Kanada ihren Abschluss findet, wo die Hutterer endlich ihr verheißenes Land gefunden haben - wenn auch die moderne Konsumgesellschaft es schwierig macht, die urchristlichen Anschauungen aufrecht zu erhalten. Einerseits Requiem und Passion, denn nur wenige Geschichten sind so sehr mit Blut und Tränen geschrieben wie die der Hutterer, andererseits aber auch die unglaubliche Geschichte einer in die Wirklichkeit umgesetzten Utopie: die Utopie einer gerechten Gesellschaft.

Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).
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TIROL

CHRONIST: Liebe Geschwister, wir wollen euch heute berichten über das Schicksal der Hutterischen Brüder und Schwestern. Im Jahre des Herrn 1525 sind die Niedrigen aufgestanden gegen die Oberen, im ganzen Deutschen Reich, auch hier in Tirol. Denn die Oberen, das sind König und Adel, das sind Papst und Klerus, haben die Niedrigen bedrückt und ausgesaugt und sie nicht wie Gottes Kinder behandelt, sondern wie Sklaven oder Tiere. Es hat sich jeder Adlige und Pfaff als wahrer Christ betrachtet und hat doch nicht die Gebote Christi erfüllt, sondern sich nur dem Wohlleben hingegeben, auf Kosten des Volkes. Aber da ist Martin Luther gekommen und hat die Bibel übersetzt ins Deutsche und jeder, der lesen konnte, hat nun lesen können, was Jesus Christus wirklich gesagt hat und später seine Apostel. Und hat also das Volk bemerkt, dass die Oberen abgefallen sind vom Glauben. Und so ist das Volk aufgestanden, mit der Waffe in der Hand. Hat aber das Volk den Kampf verloren, denn die Oberen hatten viel Tausende an Kriegsknechten, die haben das Volk abgeschlachtet. Michl Gaismair hat den Kampf angeführt in Tirol, hat nach Venedig fliehen müssen mit seinem Haufen. Trotzdem hat des Königs Arm ihn erreicht in Padua, da wurde er von gekauften Mördern erstochen. Und von Zürich ist ein Sendbote des Herrn gekommen, Georg Blaurock, und hat gepredigt zum einfachen Volk, vom wahren Evangelium Christi, und hat viele Anhänger gefunden. Die Herren haben gehört von den Predigten des Georg Blaurock, und sie begannen ihn zu jagen. In Gufidaun haben sie ihn gefangen und in Klausen verbrannt, am 6. September 1529. Aber vorher hat Georg Blaurock viele Menschen zum wahren Glauben bekehrt, in Tirol vom Brenner südwärts. Auch Jakob Hutter hat er bekehrt, der ein Hutmacher war, in Moos, bei St. Lorenzen im Pustertal. Jakob Hutter, der unser wichtigster Vorsteher wurde, in unsrer fast 500-jährigen Geschichte, und dessen Namen wir nach wie vor tragen. Hört die ungeheure Botschaft, die Bruder Jakob weitertrug.

1. SZENE


Wir befinden uns im Jahre 1529.

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HUTTER: Brüder und Schwestern, i versteh euren Zorn, der euch zum bewaffneten Aufstand gführt hat, aber wenn ihr das Evangelium lest, dann lest es genau: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert sterben.“ I weiß, es scheint ein unmögliches Verlangen, aber Jesus hat es gsagt: „Wenn einer euch auf die linke Wange schlägt, so haltet ihm auch die rechte hin!“

PETER: Nie! Niemals! So redet nur a Feigling!

HUTTER: Es verlangt viel mehr Mut, ohne Gegenwehr zu sterben, glaub mir, Bruder! I will, meine Geschwister, dass wir nie mehr eine Waffe berühren, so lange es uns gibt! Und glaubt mir, Brüder und Schwestern: Wenn wir uns daran halten, werden sie uns niemals vernichten können!

PETER: Sie wern uns vernichten, Jakob! Mir dürfen uns nit wie die Schaf abschlachten lassen!

JÖRG: Sei still, Bua, und lass ihn reden!

HUTTER: Und ein Zweites sag i euch: Jeder persönliche Besitz bringt nur Unheil. Der Unfriede auf der Welt kommt daher, dass immer jeder mehr besitzen will wie sein Nachbar! Was sagt die Apostelgeschichte, Brüder und Schwestern? „Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam!“ So lasst auch uns alles gemeinsam haben und nie mehr wird Unfriede herrschen unter uns.

LORENZ: Meine Küah sind meine Küah! De gib i nit her! Ja, was glaubst denn du?!

GERTRAUD: Wie soll denn des gehen, Jakob Hutter? Mein Mann is a fleißiger Handwerker, der verdient sich redlich sein Geld! Aber nit a jeder is a fleißiger Mensch! Gibt gnuag Schmarotzer, Faulenzer! Sollen mir de miterhalten?

SIGMUND: Da hat mei Frau schon recht, Jakob! Da bist du wohl a bissl weltfremd!

HUTTER: Weltfremd bin i wohl, des streit i nit ab!

SIGMUND: In Norddeutschland und am Rhein gibt’s a Täufer, Jakob. Die haben einen Vorsteher, der hoaßt Menno Simons. Und der sagt, jeder darf sein Eigentum behalten, aber man muaß halt fleißig für die Armen spenden. Mehr nit!

KLARA: Aber des is doch schön, Sigmund, wenn alles allen gehört! Mir gfallt des! Wieso muaß i mehr Geld und Besitz haben als ein anderer? A Gwand brauch i, dass i nit frier, a Dach übern Kopf und gnuag zum Essen! Bei uns leben a paar tausend Leut im Überfluss, und die andern verhungern! Des kann doch nit gerecht sein!

MARIA: Na, des is gwiss nit gerecht. Mir gfallt des a, was der Prediger sagt.

HUTTER: Schauts, liabe Geschwister, wenn oaner die Gebote Christi nit erfüllen will oder kann, so muaß er des nit. Koaner darf zum Glauben gezwungen werden, der Glaube muaß aus dem Herzen kommen. Und deshalb, liebe Brüder und Schwestern, wenden wir uns auch gegen einen anderen Zwang, nämlich den Zwang der Kindstaufe. Denn erst wenn der Mensch erwachsen is, erst, wenn er zur Vernunft gekommen is, kann er sich entscheiden, ob er sich zur christlichen Gemeinde bekennen will oder nit! Darum is es eine Sünde, dem Kind die Taufe aufzuzwingen!

DIRN GRETL: Aber was is, wenn des Kind stirbt? Dann hats ja die Erbsünde, dann kommts ja nit in den Himmel!

HUTTER: Kinder sein unschuldige Wesen, liebe Schwester! Warum soll so ein armes Würmlein, des grad zur Welt kommt, mit Schuld beladen sein?

KLARA: Da hast aber wohl recht!

HUTTER: Geschwister, wer sich von mir taufen lassen will, der soll jetzt kommen. Die andern gehen hoam und denken nach, wia sie’s halten wollen mitn Glauben. I kimm schon wieder amal her, und vielleicht überlegts es euch ja no.

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LORENZ: Alles guat und recht, Hutter, aber des mit der Gütergemeinschaft, des is a harter Brocken!

KNECHT SIMON: Des glaub i, dass du des sagst! Du gibst uns Dienstboten ja nit amal gnuag zum Essen!

LORENZ: Sei nit frech, Simon, sonst fangst oane!

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HUTTER: Jörg Zaunring, des freut mi. Dass i so an angsehenen Bürger von Rattenberg taufen derf, des is mir eine Ehre.

JÖRG: Mir is es eine Ehre, wenn i in deine Gemeinschaft aufgnommen wer.

HUTTER: Es wird nit ohne Opfer abgehen, Jörg.

JÖRG: I woaß.

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HUTTER: Da du den Glauben bekennst, Jörg Zaunring, taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gott der Allmächtige, der dir Gnade und Barmherzigkeit widerfahren lässt durch den Tod Jesu, kleide dich in Stärke und schreibe deinen Namen in das Buch des ewigen Lebens, Amen.

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JÖRG: Wie is es mit dir, Peter?

PETER: Na, Vater, die Wehrlosigkeit is nix für mi.

MARIA: Aber für mi, Peter.

PETER: Maria! Mach des nit!

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GERTRAUD: Des tuast du nit!

MARIA: Doch, Muatter!

GERTRAUD: Sigmund! Sag was!

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GERTRAUD: Sigmund!


Felix Mitterer, geboren 1948 in Achenkirch/Tirol, lebt nach einigen Jahren in Irland heute in Niederösterreich. Seit 1978 erfolgreicher Theater- und Drehbuchautor. Die mehrteiligen Filme Verkaufte Heimat und Piefke-Saga sind seine bekanntesten, vielfach preisgekrönten Fernseharbeiten, Kein Platz für Idioten, Besuchszeit, Sibirien die am meisten aufgeführten Theaterstücke. Seit 1987 legt der Haymon Verlag Mitterers Stücke und Drehbücher im Druck vor. Zuletzt erschienen: Die Beichte. Theaterstück (2004; Prix Italia und ORF-Hörspiel des Jahres 2003), Stücke 4 (2007), Der Panther. Theaterstück (2007), das goldene dachl und seine rätselhafte inschrift. eine poetische annährung (Hrsg. 2012 gem. mit Lukas Morscher und Christian Ide Hintze). Bei HAYMONtb: Der Patriot. Ein-Mann-Stück (2009), die gesammelten vier Teile der Piefke-Saga. Komödie einer vergeblichen Zuneigung (2010), sowie Die Beichte (2011).



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